Unser nächstes Plenartreffen findet am Freitag, dem 2. Dezember 2012, im Schloß Hainfeld [link] bei Feldbach statt. Ab 19:00 Uhr werden wir dort unsere Möglichkeiten und Vorhaben für das Jahr 2012 erörtern. Das Schloß, einst der Wohnsitz des Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall, ist heute der Möglichkeitsraum des Kulturvereins „bluethenlese“: [link]
Bringt uns natürlich ins Grübeln: Wie können Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft abseits des Landeszentrums in eine gemeinsame Praxis kommen?
Wir haben dort schon einige Sessions absolviert, zuletzt die Konferenz „KUNST WIRTSCHAFT WISSENSCHAFT“: [link] Der Auftakt für eine längerfristige Entwicklungsarbeit, um neue und praktikable Ideen zu finden, diese Bereiche in Wechselwirkung zu bringen.
Denn es ist längst mehr als deutlich geworden: Herkömmliche Sponsoring-Ideen sind in unserem Bereich nicht anwendbar. Die Hauptfrage ist außerdem noch offen: Warum und womit sollen diese Bereiche interagieren, kooperieren? Diese inhaltlichen Fragen müssen formuliert und geklärt werden.
So ist nun unsere „Kulturspange“ [link] auch praktisch installiert und zur Wirkung gebracht. Über Künstler Gerhard Flekatsch ist sie in der benachbarten LEADER-Region „Vulkanland“ verankert. Über Künstlerin Eva Ursprung gibt es eine aktive Verbindung nach Graz.
Andreas Kindermann, Geschäftsführer von „Wollsdorf Leder“, und „kunst ost“-Kuratorin Mirjana Peitler-Selakov
Wir hatten kürzlich ein sehr anregendes Gespräch mit Andreas Kindermann, dem Geschäftsführer von „Wollsdorf Leder“. Dabei hat sich einmal mehr gezeigt, was wir bei ähnlichen Besuchen schon herausgefunden haben: Themenstellungern, Fragen, Kommunikationsweisen, all das will zwischen so verschiedenen Milieus überhaupt erst einmal kennengelernt und begriffen werden.
Das heißt, hier geht es um Prozesse der Verständigung. Die haben eine ganz grundlegende Voraussetzung: Gegenseitiges Interesse. Das hängt nicht an den Bäumen, um gepflückt zu werden. Das ist im günstigsten Fall das Ergebnis von Begegnungen. Hier ist also von PROZESSEN und von ZEIT die Rede.
Karl Bauer, unser Sachpromotor in Fragen der agrarischen Welt, kennt berufsbedingt diese Aspekte, über die sich Prozesse nicht beschleunigen lassen, sondern als eine der grundlegenden Zutaten auch Zeit verlangen
Ich sehe darin – Prozesse und Zeit — zugleich eine wesentliche Basis von eigenständiger Regionalentwicklung. Denn was die Menschen und die Kräftespiele einer Region ausmacht, kann nicht von PR-Büros generiert werden, sondern – ganz im Gegenteil – ist ja primär das Ergebnis individuellen Tuns, das sich da und dort, also auch in wichtigen Betrieben der Region, zu kollektivern Ereignissen verdichtet.
Das sind Zusammenhänge, die ab nun verstärkt einen Teil der Aktivitäten von „kunst ost“ ausmachen werden; unter anderem auch, um uns als Kulturschaffende einigermaßen deutlich im Zusammenhang des großen Vorhabens „Vision 2050“ [link] zu Wort zu melden, denn Funktionstragende der Kommunal- und Regionalpolitik sind offenbar von sich aus eher noch nicht auf die Idee gekommen, daß in solchen Fragen einige Kompetenz bei den Kultur- und Kunstschaffenden liegt.
Es ist schon so, daß meine verfügbare Zeit momentan kaum für künstlerische Praxis reicht, großteils für Debatten, Entwicklungsarbeit und administrative Aufgaben draufgeht. Es wäre ohne Zweifel angenehm, würde mir ein Teil der mühsamen Dinge abgenommen, um mehr Platz für die künstlerische Arbeit zu lassen. Wäre. Könnte. Würde. Träumereien. Der Status quo fordert uns momentan auf andere Art.
Eva ursprung (ganz links) bei der Session in Schloß Hainfeld
Wir hatten eben dieses von Künstler Gerhard Flekatsch initiierte Arbeitstreffen in Schloß Hainfeld, bei dem wir daran gingen, neue Ideen für eine sinnvolle Kooperation mit Wirtschaftstreibenden zu erarbeiten. Eine „Urbanisierung“ der „Provinz“ wäre ja Unfug, weshalb auch herkömmliche Vorstellungen von Sponsoring uns keinen Meter weiterhelfen.
Das war zugleich der Auftakt zu einer kleinen Ausstellung, an der unter anderem Künstlerin Eva Ursprung beteiligt ist. Wie das in Berufsgruppen so üblich ist, auch wir plaudern unter der Arbeit über die „Hackn“, über den Zustand des Betriebes. In den letzten Monaten wurden wir alle vom Lauf der Dinge ziemlich gezaust. Erschöpfungszustände sind inzwischen Standard.
Ich möchte es noch konkreter ausdrücken: Was die Kommunen und das Land uns innerhalb der letzten zwölf Monate zugemutet haben, war so anstrengend, ich bin in dieser Phase definitiv beschädigt worden. Einer der dümmsten Aspekte daran ist die Tatsache, daß unter sprunghaft ansteigendem Krisendruck viele Leute in Politik und Verwaltung diesen Druck sofort an uns weitergereicht haben, in dem sie ansatzlos alles fallen ließen, womit sie grade noch befaßt waren.
Dadurch sind nicht nur wir Kunstschaffenden individuelle beschädigt worden. Dadurch sind auch schon erreichte, also erarbeitete Ziele den Bach runtergegangen. Aber so ist das eben und einschlägige Klagen können beim Salzamt abgegeben werden.
Harmonischer Gemeinderat; die eklatanten Einbrüche im Kulturbereich sind offenbar niemandem aufgefallen
Ich habe gerade in Gleisdorf eine Gemeinderatssitzung miterlebt und war verdutzt, welche Harmonie da herrschte. Das es im Kulturgeschehen nicht nur der Stadt, sondern der ganzen Region gerade ein veritables Desaster gegeben hat, schien diese Harmonie mit keinem Funken Unruhe zu trüben.
Meine Standardfloskel in diesen Zeiten: Es IST so. Und wir haben es offenbar selbst verabsäumt, während der wenigstens letzten zwanzig Jahren konkret wie mit Nachdruck zu fordern, daß in Politik und Verwaltung ausreichend Leute auftauchen müßten, die per Kompetenz in der Lage wären, zu VERSTEHEN, wovon wir reden. Es gibt sie vereinzelt und wir bekommen keinerlei Streß, diese wenigen gelegentlich zu treffen.
Ansonsten haben wir momentan nicht einmal das geringste Gesprächsklima, das zu angemessenen ÖFFENTLICHEN DISKURSEN führen könnte. Man ahnt, dem Abfassen von Protestnoten messe ich die allergeringste Bedeutung bei. Davon kursieren außerdem längst auffallend viele aus der Szene, deren Amtsdeutsch, deren „Funktionärssprech“ kann ich keine fünf Zeilen weit ernst nehmen; wie sollte es dann jemand in Politik und Verwaltung?
Hainfelds Schloßherrin Annabella Ditz und Kunstsammler Erich Wolf: Ohne eine Praxis des Kontrastes wäre in der Region wohl kaum Boden zu gewinnen
Ich bevorzuge vorerst die Arbeit an einer möglichst detaillierten Darstellung des Status quo, um daraus passende Strategien abzuleiten, Handlungspläne zu erarbeiten und loszulegen. All das, wie angedeutet, von öffentlichen Diskursen begleitet. Da wie dort muß es heißen: „Nennen Sie Ihre Gründe!“
Ich mißtraue jenen, die sich darin bedeckt halten, egal, in welchem Lager sie stehen.
Warum ist die Befassung mit Kunst wichtig? Das läßt sich selbstverständlich beantworten. Aber nicht in zwei Sätzen. Dazu ist etwas mehr Zeit und Konzentration nötig. Eine Gegenfrage bringt einen allerdings schon mit einem Satz auf die Fährte: Warum geht jede Tyrannis gegen Kunstschaffende vor und bemüht sich, oft mit viel Gewalt, sie an die Leine zu legen?
Gehen Sie also ruhig davon aus, die Befassung mit Kunst berührt und bewegt sehr grundsätzliche menschliche Möglichkeiten. Das erschöpft sich keineswegs in Ausstellungen und diversen Aufführungen. Davon handelt freilich regionale Kulturpolitik überwiegend.
Künstler Gerhard Flekatsch (Kunstverein „bluethenlese“)
Bliebe zu klären, was darüber hinaus Gewicht hat und warum andere Aspekte des Kunstgeschehens in den Kommunen praktisch überhaupt nicht wahrgenommen werden; auch im Sinn einer aktiven Beteiligung an anderen kulturellen Prozessen als bloß jenen der Kunstpräsentation.
Bei „kunst ost“ sind wir längst daran gegangen, diese größeren Zusammenhänge zu bearbeiten und das auch mit regionalen Wirtschaftstreibenden zu verknüpfen. Nun machen wir einen weiterführenden Schritt in der Kooperation mit Künstler Gerhard Flekatsch und dem Verein „bluethenlese“.
Es geht dabei NICHT um die simple Idee, Unternehmen würden im Tausch gegen möglichen Imagegewinn Sponsorbeträge in Kunstprojekte investieren. Das sind Modelle eines ganz anderen Kultursektors, die sich natürlich nicht beliebig übertragen lassen.
Wir trennen erst einmal: Was ist die Kunst? Was ist künstlerische Praxis? Was sind Kompetenzen, die aus der Befassung mit Kunst erwachsen?
Folglich geht es auch nicht um eine flotte Verkaufsvariante. Wir haben zuerst einmal im Dialog mit Wirtschaftstreibenden zu klären:
a) Gibt es aktuelle Fragestellungen, die uns gleichermaßen interessieren?
Falls ja, bleibt zu erörtern:
b) Gibt es Aufgabenstellungen, die sich aus diesen Fragen ableiten und die wir teilen könnten?
Das verlangt auch Klärung:
c) Welcher Art sind unsere Kompetenzen, die sich in einem gemeinsamen Vorhaben komplementär ergänzen und verstärken könnten?
Ich habe diese Überlegungen herausgearbeitet, um eine Vorstellung von möglicher KOOPERATION zu entwickeln, bei der sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Genres treffen könnten. Davon erwarte ich mir eine realistische Perspektive und eine praktikable Idee von längerfristiger Zusammenarbeit, die auf Prozesse zielt und sich nicht in einzeln gesetzten, womöglich großspurigen Events erschöpft.
Damit konzentriere ich mich auch auf Optionen, die in jenem „Ideenspiel“ anklingen, welches momentan unter dem Slogan „Vision 2050“ regional zur Debatte steht. Da war ja zu fragen: Auf welche Art könnten oder werden sehr unterschiedliche Instanzen der regionalen Gesellschaft mit einander kommunizieren, um eventuell auch in Kooperationen zu finden?
Wie oben angedeutet: Aktuelle Fragestellungen, die uns gleichermaßen interessieren, könnten zu Aufgabenstellungen führen, die wir uns eventuell teilen wollen.
bei den “talking communities” [link] war eben eine kleine und lebhafte runde zugange. die anstehenden debatten drehten sich sehr schnell um die nahe zukunft der kunst- und kulturschaffenden in unserer region. die budgets sind radikal gekürzt. die offiziellen kräfte aus politik und verwaltung sind überwiegend mit sich und den „hauseigenen“ problemen befaßt. ich hab den status quo hier exemplarisch skizziert: [link]
ich halte es für fatal, daß so viele kommunikationslinien abgebrochen sind. doch das liegt nicht bloß im rückzug der leute aus politik und verwaltung begründet. das haben wir, kunst- und kulturschaffende, selbst mitproduziert. hier ist defintiv kein kollektiv, das den kommunen gegenüber wenigstens in einem kleinen kern geschlossen auftreten könnte, um ansprüche und vorhaben plausibel darzulegen und zu begründen.
welche (arbeits-) bedingungen von kunst- und kulturschaffenden sind unverzichtbar? was sollte und was muß davon die öffentliche hand übernehmen? warum muß sie das? wofür können und wollen wir selbst aufkommen? welche praktikablen konzepte haben wir in unseren taschen und welche handlungspläne würden deren umsetzung sichern?
die arbeit, die vorhaben und die dazu nötigen mittel darlegen, begründen. das haben wir erörtert. konsequenzen solcher arbeitsgespräche zeigen sich langsam in einem deutlichen konzentrationsprozeß bei „kunst ost“. es geht darum, erfahrungen, engagement und andere ressourcen zu bündeln. das ist OHNE derlei arbeitsgespräche und deren kontinuität durchs jahr nicht zu schaffen. also werden wir solche arbeitsschritte intensivieren.
das hat einen weiteren nutzen. dadurch wird innerhalb der community viel klarer, wer mit welchen intentionen welche ziele verfolgt und daher mit wem zusammengreifen mag. solche verständigungsprozesse haben momentan hohe priorität.
das alles würde nicht fruchten, wäre uns eine konsequente kommunikation nach außen egal. wenn etwa dieser tage in der region öffentlich die frage nach der „gestaltung der zukunft“ [link] gestellt wird, noch dazu mit dem zeithorizont 2050, dann gehe ich davon aus, daß höchstwahrscheinlich kein regionaler kulturbeauftragter erscheinen wird, um offiziell für die zukunft des kulturellen klimas in der region zu sprechen. das werden wir schon selbst erledigen müssen.
wir sollten auch gelegentlich kulturelle visionen äußern können; inklusive einiger ideen, wie sie sich realisieren ließen. es muß ja nicht bloß in die richtung fixer einrichtungen einer dimension gehen, wie sie uns gerade im kontext „kompetenzzentrum für steirische gegenwartskunst“ [link] beschäftigt.
wer auch immer glaubt, daß ein vitaler kulturbetrieb wichtig, ja unverzichtbar sei, es gibt dazu keinen breiten gesellschaftlichen konsens. der ball liegt bei uns, nirgends sonst.
aus irland ist mir diese anregung zugeflogen: „vergeude keine gute krise!“ krisen sind oft sehr wichtige voraussetzungen für neue entwicklungen. es ist viel unruhe in unser aller leben gekommen, weil sich nicht nur der lauf der dinge so ganz generell zu ändern scheint, sondern weil sich inzwischen unübersehbar die strukturen unseres zusammenlebens verändern.
das ist in den letzten jahren von sehr krisenhaften vorfällen begleitet, oft auch initiiert worden. in dieser zeit scheint es vielen menschen naheliegend zu sein, sich über solche vorgänge zu beklagen, vorwürfe zu formulieren. so als würde da draußen jemand unsere zurufe erwarten.
es erscheint mir wesentlich vielversprechender, im gemeinwesen aktiv zu werden und sich in die entwicklungsprozesse einzubringen. (man muß natürlich erst einmal eine meinung HABEN, um sie auch ÄUSSERN zu können.)
wenn wir dazu etwas zu sagen haben, sollten wir das auch tun!
ob nun von regionalen instanzen eingeführte prozesse probate mittel sind, derlei entwicklungen zu fördern, etwa: die beteiligung von bürgerinnen und bürgern, kann ja nur geklärt werden, wenn man hingeht, teilnimmt.
„Wie wird sich die Energieregion Weiz-Gleisdorf in den nächsten 40 Jahren entwickeln? Wie werden wir wohnen, arbeiten, uns fortbewegen? Wie wird sich unser Energiebewusstsein verändern?“
so lautet eine aktuelle fragestellung vom LEADER-management der „energie-region„. ich habe zur zeit einen eher gedämpften optimismus, was die qualität der kommunikation zwischen a) den bürgerinnen und bürgern der region und b) den funktionstragenden aus politik und verwaltung angeht.
aber eben deshalb und aus den erfahrungen der letzten jahre bin ich überzeugt: wir müssen das ÜBEN. die PRAXIS des „bottom up-prinzips“ fällt uns nicht in den schoß. und was immer jemand über den zustand der politik beklagen möchte, kommunikation kann sich nicht in einbahn-systemen einlösen. sie bedarf der ausdauer vor allem dann, wenn sie in einigen abschnitten belastet erscheint.
eine von mehreren gelegenheiten, kulturpolitischen anliegen gehör zu verschaffen
nun ist gerade der KULTURBEREICH eines der am schwächsten getragenen genres der kommunen, sobald es einige schritte über herkömmliche repräsentationsformen hinausgehen soll. das zu BEKLAGEN wäre vollkommen sinnlos. wir kunst- und kulturschaffenden sollten in genau solche prozesse einsteigen, um unsere ansichten a) darzulegen und b) zu begründen.
um es noch einen tick konkreter zu machen:
kulturpolitik jenseits des landeszentrums bedeutete bisher überwiegend: a) verfügbare budgets zu verteilen und b) veranstaltungen zu eröffnen.
falls das jemand für eine ungenügende vorstellung von zeitgemäßer kulturpolitik hält, muß ja geklärt und öffentlich geäußert werden, WAS GENAU kulturpolitik leisten soll, welchen zielen sie zu widmen wäre und welche mittel daher als unverzichtbar erscheinen.
ich hoffe demnach, daß ich bei diesen veranstaltungen einige kunst- und kulturschaffende treffen werde.
wir haben „kunst ost“ inhaltlich an der region auf einen themenbogen zwischen agrarischer welt und high tech orientiert. dabei spielt mobilitätsgeschichte eine wichtige rolle. und es zeigt sich immer mehr, daß wir für die summe unserer teilthemen einen deutlichen schnittpunkt in den fragen nach ernährungs-souveränität finden. damit führt der blick in die welt dann auch wieder auf details in der region zurück.
leader-managerin iris absenger-helmli (links) informierte uns über den status quo einiger großer leader-projekte. (ihr gegenüber karl bauer und alois reisenhofer)
leader-managerin iris absenger-helmli hat uns eben einen überblick angeboten, wo die „energie-region“ mit ihren projekten und optionen steht. gleisdorfs kulturreferent alois reisenhofer und gemeinderat karl bauer begleiteten mich zu diesem gespräch.
das meeting war für mich nun die erste gelegenheit zu erfahren, daß eine regionale formation schon konkret auf jenen prozeß eingeht, der sich heute aus strukturellen umwälzungen und politischen kräftespielen zwangsläufig ergibt. es ist ja längst faktum, daß die anzahl steirischer gemeinde verringert werden wird. in diesem zusammenhang sollen auch die steirischen leader-regionen zahlenmäßig vermindert werden; ebenfalls durch zusammenlegungen. (alle betroffenen erwarten momentan sehr gespannt das ende des septembers, wo die landespolitik konkrete direktiven für den umbau einiger strukturen ausgeben will.)
ich hab im projektlogbuch schon von diesen prozessen erzählt; siehe zum beispiel log #356! in diesem jahr war bisher noch wenig konkretes darüber zu erfahren, wie und womit lokale und regionale funktionstragende auf diese nahe zukunft mit ihren unausweichlichen umwälzungen konkret zugehen möchten. im bereich des regionalen „leader-managements“ wird an einigen großen projekten gearbeitet, welche genau jenen zusammenhängen gewidmet sind.
kulturreferent alois reisenhofer (rechts) und gemeinderat karl bauer
kulturreferent reisenhofer meinte, durch diese besprechung sei ihm nun einiges klarer, was die „energie-region“ ausmache. gemeinderat karl bauer wird diese aktuelle orientierungshilfe nützen, um unsere arbeit am thema „agrarische welt“ auf solche entwicklungem hin zu überprüfen.
unterm strich bleibt als einer der wichtigen punkte in diesem gesamtzusammenhang, daß wir mehr über die verschiedenen lebenswelten der menschen in der region herausfinden, um das angemessen darzustellen. wenn wir einander nicht erzählen was wir tun und wie wir unseren alltag bewältigen, wissen wir auch nicht, wer wir sind. das deutlicher herauszuarbeiten ergibt dann auf jeden fall kuturelle agenda, auch anregungen und themenstellungen für kunstschaffende.
um sam peckinpah zu zitieren: „wir haben einen konvoi!“ aber was haben wir nun genau? sie merken schon: da ist auf jeden fall ein hang zu trivialen mythen [link] doch ich greife vor.
wir haben also nun eine „kulturspange“ konstituiert, welche quer durch die steiermark reicht. ich habe das thema schon öfter voranzubringen versucht. ende 2009 war das kurz in einiger reichweite, wie im projekt-logbuch nachzulesen ist:
>>Dieser neue Abschnitt in der Entwicklung von „kunst ost“ wird von der kommenden“Freitags-Konferenz“ unterstrichen, in der wir die „Kulturspange“ bearbeiten. Da zeichnet sich ein Kommunikations- und Kooperationsraum zwischen Weiz, Gleidsorf und Feldbach ab.<< [quelle]
peripatetische einschüber bei der konstituierenden session: (von links) franz maunz, gerhard flekatsch, mirjana peitler-selakov und eva ursprung
damals bin ich mit dieser vorstellung offenbar noch zu früh unterwegs gewesen. heute sieht das anders aus. die „gang of excellence“, konkret: gerhard flekatsch, günther marchner franz maunz, mirjana peitler-selakov eva ursprung und ich, ist auf der primären kompetenzebene folgendermaßen aufgestellt: drei kunstschaffende (flekatsch, ursprung und ich), ein kulturschaffender (maunz), zwei leute aus der wissenschaft (peitler-selakov und marchner).
auf einer zweiten ebene verfügbarer kompetenzen sind alle im team seit jahren mit kunstvermittlung, fragen der kulturpolitik und auch mit kunsttheorie vertraut. das bedeutet, in dieser crew werden aktion und reflexion beieinander gehalten.
ohne reflexion, theorie und klar benennbare gründe ist im kuturbereich kein boden zu gewinnen: (von links) günther marchner, franz maunz und gerhard flekatsch
dazu kommt der räumliche/regionale aspekt. feldbach und gleisdorf (südost- und oststeiermark), graz als landeszentrum, gesäuse und salzkammergut (als obersteirische bezugspunkte) ergeben territorial einen sehr passablen ausgangspunkt für unsere steirische präsenz.
nach südosteuropa führen unsere wege momentan vor allem nach bosnien-hercegovina und in die serbische vojvodina. das bedeutet unter anderem, wir etablieren einen laufenden erfahrungsaustausch mit kunst- und kulturschaffenden, die uns in den krisen- und mangelerfahrungen bei der arbeit viel voraus haben.
und es ist schin so, daß einem bei engagierten frauen mitunter ganz andere strategien auffallen, als sie herkömmliche männer-seilschaften pflegen: mirjana peitker-selakov (links) und eva ursprung
zugleich ist der künstlerische austauch in diesen bereichen vielversprechend, weil die kunstschaffeden dort von völlig anderen hintergünden und zusammenhängen geprägt sind, was wechselseitige horizonterweiterung in aussicht stellt.
es ist auch nicht gerade unerheblich, daß franz maunz und ich die kooperation zweier LEADER-kulturprojekte repräsentieren, bei denen eine klare auffassung besteht, daß gegenwartskunst und „voluntary arts“ zwei grundverschiedene kategorien sind, die unterschiedliche rahmenbedingungen haben und verlangen.
zu all dem kommt, daß wir nun in gleisdorf eine fixe kooperation mit kunstsammler erich wolf eingegangen sind, um in einer zweijährigen vorlauf-phase die grundlagen für ein kompetenzzentrum zur gegenwartskunst zu erarbeiten. (siehe: „eine wegmarke„!)
kunstsammler erich wolf besitzt eine der bedeutendsten kollektionen steirischer gegenwartskunst
damit haben wir natürlich nicht bloß regionale reichweite im auge, sondern auch bundesweite und internatioale relevanz. diese arbeitsansätze korrespondieren mit der bereitschaft des „offiziellen gleisdorf“, im bereich politik und verwaltung mit uns regelmäßige arbeitstreffen zu pflegen, um relevanten aspekte all dieser themen in kontinuität durchzugehen. (siehe dazu: „zur praxis des bottom up-prinzips„!)
das bedeutet, wir klären nun in einer außergewöhnlichen gesamt-kooperation, wie sich eine kulturelle situation, in der gegenwartskunst eine erhebliche rolle spielt, abseits des traditionbellen landeszentrums so entfalten kann, daß wir uns a) absolut auf der höhe der zeit bewegen und b) in den wesentlichen positionen nach internationalen standards bestehen.
angenehmer weise komme ich mit der arbeit gar nicht damit nach, unseren online-pressespiegel auf stand zu bringen: [link] naja, im spätsommer wird das getan sein. an dieser sache ist wichtig, daß uns eine kontinuierliche präsenz in regionalen medien gelingt. denn medienpräsenz hat den rang von „realitätserzeugung“. das bedeutet, was in den medien vorkommt, gibt es, das wird von den menschen als existent wahrgenommen. was in den medien keine erwähnung findet, rangiert meist unter „unwichtig“ bis „gibt’s net!“
diese medieal vermittelte wahrnehmung spielt wiederum in einem anderen rang-system eine rolle, die wir nicht ignorieren können. ob wir von manchen schlüsselpersonen und machtpromotoren wahrgenommen werden, hat viel einfluß darauf, ob wir mit unseren ansichten und ansprüchen gehört werden oder nicht.
ich brauch für die entwicklung unserer vorhaben zugang zu mehreren verschiedenen ebenen. hier ein arbeitsgespräch mit landesrat christian buchmann (2. v. links) und funktionastragenden der stadt gleisdorf
wenn wir in verhandlungen augenhöhe zu unseren gegenüber erwarten, hat das viel damit zu tun, ob man uns die kompetenz und den rang zutraut, die beide voraussetzung sind, daß man quasi für eine begegnung in augenhöhe zugelassen wird. ich kenn die empörung darüber, daß es solche gefälle im verhältnis der menschen gibt, über mehrere partituren rauf und runter.
wir kinder der gegenreformation sind leider nach zutiefst autoritäten mustern gestrickt und der lauf der dinge hat gezeigt, daß jene, die ganz ostentativ allergisch auf solche autoritätsformationen reagieren, oft selbst die härtesten bedingungen und unerbittlichsten gefälle einführen.
unterm strich bleibt jedenfalls, daß ein fruchtbarer und vor allem über längere zeiträume kontinuierlicher dialog zwischen sach- und machtpromotoren nicht von selber entsteht, sondern in den meisten fällen mühsam erarbeiten werden will.
ohne permanente diskursarbeit wäre für uns kaum klärbar, nach welchen kriterien wir nun um welche strukturellen maßnahmen konzentriert ringen sollten
daraus folgt auch, es braucht meist längerfristigen umgang mit einander, in dem achtsamkeit und die neigung zu respektvoller betrachtung platz haben, damit eine begegnung in augenhöhe stattfinden kann, wo menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen positionen dann bestenfalls auch zu kooperationen finden. es ist freilich eine reizvolle aufgabe, übliche barrieren einzuebnen, um auf die art neuen handlungsspielraum zu schaffen.
ich habe nun seit einiger zeit mit „kunst ost“ ein hauptprojekt installiert, das für „kultur.at“ völlig neue optionen ermöglicht. das soziokulturelle potenzial dieses projektes fesselt mich. aber ein spezieller höhepunkt ist natürlich aktuell die nun feststehende kooperation mit erich wolf, dem repräsentanten der „sammlung wolf“. durch die zusammenarbeit mit ihm bekommt unser fokus auf die gegenwartskunst ganz neue nuancen und perspektiven.
der mann befaßt sich seit jahrzehnten intensiv mit gegenwartskunst, hat sich in der sammlung auf steirische kunst vor allem der nachkriegszeit konzentriert, und ist natürlich auch teil angemessener netzwerke. somit erweitert sich unser handlungsspektrum und unser streben nach professionalisierung einzelner projektbereiche.
kunstsammler erich wolf
gerade unter den krisenhaften entwicklungen der landesbudgets und der kommunalen situationen stellt sich ja laufend neu die frage, welche guten gründe wir vorbringen können, um jene finanzierungen zu schaffen, die ein zeitgemäßes kulturelles engagement verlangt; mehr noch, die so eine konzentration auf gegenwartskunst unabdingbar benötigt.
mit dem aktuellen presse-info von „kunst ost“ [link] ist eine wegmarke am beginn des neuen arbeitsabschnittes hervorgehoben. wir sind uns übrigens einig, daß sich unsere konzeptuelle orientierung in drei bereichen einlösen und bewähren muß. was wir in summe vorhaben, muß LOKAL funktionieren, respektive im bezug auf die „kleinregion gleisdorf“. es muß REGIONALe und steiermarkweite relevanz entfalten können, es muß sich aber auch in einigen INTERNATIONALen bezügen als tauglich erweisen.
das ist eine spannende aufgabenstellung, weil wir so gefordert sind, ein sehr komplexes kräftespiel zu bearbeiten. es weist einiges darauf hin, daß einige unserer wege bisher noch nicht begangen wurden…
im vorfeld hatte es die frage gegeben: „wie hast du es geschafft, daß der buchmann herauskommt?“ ich konnte ein wenig angeben und sagen: „ist gar nicht so schwer gewesen.“ gut, das sind spielchen. nein, das ist nicht ganz nebensächlich. zur erläuterung: christian buchmann ist steirischer landeskulturreferent und wirtschaftslandesrat. er war gestern zu einem arbeitsgespräch nach gleisdorf gekommen.
ich habe als kunst- und kulturschaffender zwei grundlegende anliegen an leute aus politik und verwaltung:
a) gehört zu werden und
b) sachkundige gegenüber für arbeitsgespräche zu finden.
von links: sigrid meister (kustodin des „museum im rathaus“), winfried kuckenberger (leiter des büros für kultur und marketing), karl bauer (sachpromotor unserer „tage der agrarischen welt“) und gerhard flekatsch (kulturprojekt „bluethenlese“)
manchmal bin ich erneut überrascht, wie viel vorarbeit es ist, für ein komplexeres meeting die eigenen optionen aufzubereiten, so daß kommunizier- und verhandelbar ist, was wir anstreben und wie es erreicht werden soll. mir lag daran, personen der drei sektoren staat, markt und zivilgesellschaft an einen tisch zu bekommen. es ging darum, modi zu klären, wie eine kooperation von leuten aus diesen drei sektoren gestaltet sein solle, um längerfristig eine stabile arbeitssituation für kunst- und kulturschaffende zu erreichen.
landesrat christian buchmann: „warme stube richte ich zur zeit keinem. ansonsten bin ich für vieles offen.“
um diese fragen zu debattieren, hatte ich auch alois reisenhofer, den kulturreferenten von gleisdorf, an den tisch gebeten. und winfried kuckenberger, den leiter des büros für kultur und marketing, der sigrid meister, die kustodin des „museum im rathaus“, mitgebracht hatte. bürgemeister christoph stark hatte sich ebenfalls zeit genommen.
die drei sektoren, also politik & verwaltung, wirtschaftsbetriebe und deren metabereich sowie — in unserem fall der zivilgesellschaft — vor allem kunst- und kulturschaffende. worin und wofür können wir abschnittweise an einem gleichen strang ziehen? wie vermeiden wir das feststecken in bewährten klischee-ensembles, über die kaum mehr als bloß ein starkes gefälle produziert wird? unterm strich bleibt ja auch die frage, ob und unter welchen bedingungen uns ein umgang miteinander gelingt, der von begegnungen in augenhöhe geprägt ist.
alois reisenhofer (gleisdorfs kulturreferent) und maren spitzer-diemath (büro buchmann)
es waren demnach diese aspekte unterzubringen UND konkete, projektbezogene fragen, inhaltliche aspekte eines kulturgeschehens jenseits des landeszentrums, in dem überdies die gegenwartskunst an boden gewinnen kann. nicht weniger wollte ich bei diesem treffen auf dem tisch haben. damit ist auch klar gewesen, das konnte nur der AUFTAKT einer serie von treffen sein, in denen dieses komplexe paket bearbeitet wird.
arbeitstreffen, die eben zunehmend davon geprägt sein sollen, daß leute aus politik, verwaltung, wirtschaft und zivilgesellschaft a) gemeinsame fragen finden, b) daraus gemeinsame aufgabenstellungen beziehen, was c) zu gemeinsamen vorhaben führen soll. das betrifft unter anderem strukturen und bedingungen, in denen sich AUCH das kunstschaffen ereignen kann. aber hier muß klarheit bestehen, daß die kunst kein werkzeug der sozialarbeit, des tourismus oder anderer metiers ist.
bürgermeister christoph stark (links) und landesrat christian buchmann
es sind die gemeinsamen fragen und aufgabenstellungen, zu denen sich kunstschaffende mit ihren mitteln einbringen können, ohne daß die künstlerische praxis selbst in einen werzeugkasten für andere zwecke gepackt wird. ich stelle fest, daß diese nötige trennschärfe von den funktionären am tisch ansatzlos verstanden wurde, während sie unter uns kultur- und kunstschaffenden als thema nicht gar so präsent ist.
das berührt übrigens aspekte, wo ich mit künstler gerhard flekatsch einig bin: wir haben in unserem metier noch viel zu wenig antrengung darauf verwandt, breiter klar zu machen, wovon genau unsere profession eigentlich handelt, welche bedingungen sie hat und was genau sie zu leisten imstande ist, was andrerseits ausgeschlossen bleiben muß.
das macht wohl auch gelegentlich die verständigung mit leuten aus anderen metiers etwas schwierig. selbstreferenzielle wanderlegenden über das dasein als künstler nutzen uns dabei am allerwenigsten. wenn ich noch einrechne, wie wenig basiswissen selbst in gebildeten kreisen zu fragen des kunstbetriebes stellenweise vorzufinden ist, halte ich es für einigermaßen dringend, in diesen angelegenheiten langsam auf stand zu kommen. (oder doch etwas schneller.)
der begriff „bottom up“ steht in der regionalpolitik für „bürgerbeteiligung“ und für „von der basis her“. das finde ich nun seit jahren in vielen papieren („regio next“, „leader“, „lokale agenda 21“ etc.) als wichtige anforderung, die in der kommunalpolitik beachtet werden möge. aber was bedeutet das in der praxis?
wir loten das in gleisdorf nun seit einigen jahren aus. zugegeben, ich komme damit nicht annähernd so zügig voran, wie ich es mir wünschen würde. woran mag das liegen? man kann natürlich pech haben und in einer gemeinde leben, wo sich alte funktionärsherrlichkeit massiv gegen eine praxis der bürgerbeteiligung abschottet. solche fälle gibt es, sogar hier in nächster nähe. in gleisdorf ist das zum glück nicht so.
eine meiner wichtigsten erfahrungen in diesen zusammenhängen ist die wachsende klarheit, daß politik und verwaltung gegenüber dem alltagsleben, wie ich es kenne, von grundsätzlich anderen konventionen und prioritäten geprägt sind, was vor allem bedeutet: kommunikation ist knifflig.
politik und verwaltung an einem arbeitstisch mit mir; von links: kulturbüro-leiter winfried kuckenberger, bürgermeister christoph stark und kulturreferent alois reisenhofer.
unterm strich kommt das freilich auf einige aspekte herunter, die in jeder banalen beziehung zu einem ende oder zu neuen ufern führen können. einer dieser aspekte: haben wir genug zeit und gelegenheit, um uns darüber zu verständigen, was wir von einander verstanden haben?
eine andere, sehr grundlegende erfahrung besagt: es braucht zeit!
diese prozesse, aus denen auf den feldern der kultur und der regionalpolitik KOOPERATION entstehen kann, in der man einander in AUGENHÖHE begegnet, lassen sich über kein knie brechen und sind nicht beliebig beschleunigbar. zeit ist ein enorm wichtiger faktor. (wir müssen also herausfinden, wie sichergestellt werden kann, daß uns weder geld, noch langer atem ausgehen.)
ich hab bei verschiedenen gelegenheiten betont, an dieser gesellschaft mißfalle mir zur zeit vor allem zweierlei: stagnation und rasender kompetenzverlust. ich bin nicht der einzige, dem das aufstößt. da wir eben eine kulturdebatte hatten, fand ich bemerkenswert, wie einhellig meine drei gesprächspartner – bürgermeister, kulturreferent und kulturbüro-leiter – jene tendenz zur „eventitis“ kritisiert haben, in der bei EVENTS ein immer höherer aufwand nötig sei, um menschen zu mobilisieren, wobei es in diesen abläufen kaum noch möglich erscheine, INHALTE zur debatte zu bringen.
das ist nun ein fragenkomplex, den wir teilen, wie unterschiedlich auch sonst unsere prioritäten sein mögen. etwa diese frage: wie können wir menschen gewinnen, sich auf relevante themen einzulassen und sich damit nachvollziehbar auseinanderzusetzen? das sind unter anderem soziokulturelle agenda.
da fallen auch fragen nach kommunikationsstrategien und verfahrensweisen im umgang miteinander an. ausdrücklich NICHT, um einander schönfärberei anzudienen oder die jeweils anderen ansichten zu „verkaufen“. ich war angenehm überrascht, wie sehr genau dieser punkt unter uns verschiedenen leuten als konsenstauglich erschien: über relevante themen der region ins gespräch kommen.
kunst hat ihre eigenen regeln und strategien in ihrem verhältnis zur gesellschaft (die ausstellung von ulla rauter im rahmen des „frauenmonats“ von „kunst ost“)
das sind ja auch zusammenhänge, wo kunstschaffende themen und anlässe finden, mit ihren bevorzugten mitteln stellung zu beziehen. die kunst nicht als „angewandte solzialarbeit“, als wellness-faktor oder dekorationsgeschäft, auch nicht als „quotenbringer“ für das tourismus-büro, sondern als ganz eigenständige disziplin mit ihren eigenen regeln; aber die kunstschaffenden als mitmenschen, die auf ihre umgebung einfallsreich reagieren.
was zur zeit die vorrangigen probleme der region sind, halte ich für evident. strukturelle und budgetäre schieflagen werden durch kommunikations-hemmnisse und eine reihe anderer defizite verschärft. etliche standortnachteile haben geschichte und tradition. der problemkatalog wurde mehrfach abgefaßt und ist evident. aber was schließen wir daraus? und was gedenken wir zu tun?
derlei dinge debattiere ich im kontext von kunst und kultur gerade mit funktionstragenden aus politik und verwaltung. ich will herausfinden, wie ein „bottom up-modell“ in der praxis angelegt sein muß, um funktionieren zu können. ich will verstehen können, wo teilweise die kommunikation zwischen
a) politik und verwaltung und
b) zivilgesellschaft klemmt.
dazu ist es einigermaßen hilfreich, die konzepte und prioritäten der jeweiligen gegenüber zu kennen. so hab ich kürzlich erfahren, bürgermeiszter christoph stark habe ein konzept für die „region gleisdorf“ verfaßt und den funktionstragenden der kommunen zur diskussion gestellt.
es ist ja nicht so, daß politische papiere immer als „geheimdokumente“ gehandelt werden. ich bekomme auf anfrage meistens die gewünschten unterlagen, deren kenntnis ich für wichtig halte
solche arbeitspapiere werden nicht grade am schwarzen brett ausgehängt. aber wenn ich darum frage, bin ich noch selten enttäuscht worden. ich halte es für vorteilhaft, intentionen und arbeitsansätze der politik auf wunsch möglichst detailliert erfahren zu können.
ich schätzte es auch sehr, wenn nicht ignoriert wird, daß ich darüber dann eventuell ein gespräch führen möchte; sei es, daß ich einwände vorzubringen habe, sei es, daß ich etwas davon aufgreifen möchte.