Schlagwort-Archiv: leader-region

modalitäten und rahmenbedingungen

wir sind mit „kunst ost“ unter anderem teil eines eu-programmes, nämlich des: „Aktionsprogramms Achse 4 LEADER über kulturelle Förderungen im ländlichen Raum“. darin ist eine klare aufgabenstellung formuliert, sich im gefälle zwischen „zentrum und provinz“ um eine kulturelle praxis zu bemühen, die nicht auf „urbanisierung der region“ hinausläuft.

das meint, es wäre unfug, kulturelle strategien aus dem landeszentrum zu übernehmen. wir haben eigene ziele und verfahrensweisen zu entwerfen, zu erproben, umzusetzen. soweit meine deutung dieses passus: „Bewahrung und Weiterentwicklung des ländlichen Raums (Gemeinden unter 50.000 Einwohner) in seiner Funktionsfähigkeit als möglichst eigenständigen Kultur- und Lebensraum.“

diese textpassage hat auch einige brisanz vor dem hintergrund einer neuen, radikal beschleunigenden LANDFLUCHT. das heißt, menschen folgen der arbeit, pendeln aus, wandern ab. läßt sich da auch kulturell gegensteuern? welche lebensbedingungen werden wir haben, wenn solche prozesse ein jahrzehnt weiter gediehen sind?

kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov (hier links, neben künstlerin eva ursprung) ist als diplomingenieurin auch mit der welt der technik gründlich vertraut

zurück zur gegenwart! soweit wir für die entsprechenden vorhaben a) die nötigen EIGENMITTEL aufbringen und b) die nötige VORFINANZIERUNG schaffen, können wir dazu momentan auch eu-gelder einsetzen. da die behörde rund sechs monate braucht, um jeweils eingereichte unterlagen zu prüfen und dann den eu-anteil auszuzahlen, müssen also für einen kleinen kulturverein beträchtliche summen vorrätig sein, um diesen modus nutzen zu können.

das ist zur zeit praktisch kaum zu schaffen, weil vor allem die kommunen ihre kulturbudgtes – soweit überhaupt vorhanden – komplett runtergefahren haben. beispiel: die stadt gleisdorf war über jahre sehr gut gestellt. vom gleisdorfer kulturbudget ist aber nun in zwei schritten (gegenüber 2009) bloß noch ein viertel geblieben. also real nicht minus 25%, sondern minus 75%.

dazu birgt so ein eu-deal erhöhte risken, denn es prüfen zwei instanzen, das land steiermark. und die „Agrarmarkt Austria (AMA)“. sollte eine aufwendung als nicht widmungsgerecht eingestuft werden, muß das geld refundiert werden: „Der Endbegünstigte ist verpflichtet, bereits geleistete Förderungszuschüsse zuzüglich um Zinsen in der Höhe von 3% p.a. über dem jeweils geltenden Basiszinssatzes der ÖNB gerechnet ab dem Tag der Auszahlung – zurückzuzahlen, wenn einer oder mehrere der vorweggenannten und sonstigen Gründen aus dem Förderungsvertrag bzw. Finanzierungsangebot zutreffen.“

tierarzt karl bauer ist unser sachpromotor in fragen der agrarischen welt

zum glück kompensiert das land steiermark im rahmen seiner kulturförderung noch einiges, was hier draußen weggebrochen ist. ansonsten wäre hier schon vor monaten mit autonomen kulturprojekten völlig schluß gewesen. in einem mix der mittel, wobei momentan privat aufgebrachte gelder und ehrenamtlich geleistete arbeit die basis ausmachen, haben wir unser programm aufrecht erhalten können.

dazu gehören momentan auch schritte zu stabilen kooperationen und eine konsequente arbeit an neuen finanzierungsmodellen. da wir seit mindestens frühjahr 2010 über das heraufdämmern dieses status quo bescheid wußten, sind die aktuellen finanzierungsprobleme nicht ganz aus dem blauen gekommen. dennoch scheint die zeit kaum zu reichen, angemessen gegenzusteuern.

ich denke allerdings, daß wir mit diesem sommer die konsolidierung des projektes schaffen dürften. verschiedene kooperationsschritte sind getan und sollten zu passablen ergebnissen führen. wichtig ist auch für das kulturelle engagement in der region, daß wir konzepte schaffen, die regionale betriebe bewegen, unsere aktivitäten mitzutragen.

(quelle: der standard)

dieses allgemeine ringen um möglichkeiten und budgets ereignet sich AUCH vor dem hintergrund wachsender strukturprobleme jenseits von graz, die insgesamt teil einer gesamtösterreichischen entwicklung sind; stichwort: landflucht. (siehe dazu den artikel Der ländliche Raum wird stark ausgedünnt„!)

wer bringt die dazu relevanten theilthemen in die öffentlichkeit der region? na, gar zu viele instanzen dieser gesellschaft arbeiten vorerst nicht daran, wie man allein der laufenden berichterstattung in den printmedien entnehmen kann.

daß sich nun KULTURSCHAFFENDE solchen gesellschaftlich relevanten themenstellungen widmen, daß dabei künstlerische praxis auch für akzente sorgt, ist offenbar für die regionalen honoratioren noch gewöhnungsbedürftig…

was ist das LEADER-kulturprogramm der steiermark? [link]
die LEADER-kulturprojekte in der steiermark: [link]

unsere reichweite

vor einigen jahren haben wir symbolisch eine line gezogen, die von wien über beogad nach istanbul reichte. damit sollte ausgedrückt werden, daß unser lebensraum von drei großen kulturellen konzepten bestimmt ist: von latinität, orthodoxie und islam: [link]

das sind nicht bloß religiöse kategorien, sondern die begriffe stehen eben auch für kulturelle und politische dimensionen, wobei in allen drei sphären das denken der griechischen antike zwar unterschiedlich, aber ausnahmslos rezipiert und gewürdigt wurde.

was hat das mit unserer gegenwart zu tun? mentalitätsgeschichte, kulturelle paradigmen und allerhand überlieferungen wirken oft noch über hundert generationen von menschen mitbestimmend, wo gegenwärtige eigenheiten sich soziokulturell so oder so zeigen, äußern. es dürfte bei einem gegenwärtigen engagement im soziokulturellen bereich nützlich sein, solche zusammenhänge wenigstens flüchtig zu kennen. (aber wir reisen auch leiblich zu unseren „alten nachbarn“; siehe dazu das balkan-büro!)

zum thema "europa" fühlen wir uns auch als regionale kulturinitiative angesprochen

manches davon loten wir in unserem regionalen kuturprojekt aus, OBWOHL wir ausdrücklich (leader-) projekt einer bestimmten region sind, also (auch) regionale grenzen haben. die sind aber vor allem formaler natur. der blick über tellerränder und landesgrenzen bleibt unverzichtbar. er ist überdies von unseren partnerinnen und partnern auf landesebene ausdrücklich erwünscht.

beim „europatag 2011“ werde ich solche aspekte in der ersten runde „mobilität“ u.a. mit dzevad karahasan (schriftsteller), elisabeth arlt (verein pavelhaus), anna badora (schauspielhaus graz) und peter pakesch (universalmuseum joanneum) diskutieren.

nikola tesla-experte branimir jovanovic in action: from consumerism to sustainability

das thema „mobilität“ berührt in unserer arbeit auch agenda des kuratoriums für triviale mythen und die „nikola tesla-doktrin“, zu der wir ab nun längerfristig mit dem forscher branimir jovanovic kooperieren. (siehe dazu den beitrag weichenstellungen!)

eine querverbindung zu einem anderen aspekt dieses themenkomplexes: ich arbeite zur zeit gemeinsam mit sozialhistoriker matthias marschik an einem buch, in dem wir österreichs prominentestes phänomen der massenmobilisierung nach dem zweiten weltkrieg vorstellen: „Steyr-Puch 500. Seine Zeit, sein Umfeld, seine Verwandten“. (demnächst im sutton verlag!)

das korrespondiert mit unserer gesamten themenstellung „zwischen landwirtschaft und high tech“, wo vor allem die ersten jahrzehnte der zweiten republik eine zeit der radikalen moderiniserung waren, das heißt sehr konkret auch: eine ära der umfassenden maschinisierung und jenes individualverkehrs mit automobilen, von dem wir uns nun — unter merklichen mühen — langsam wieder verabschieden dürfen.

als wäre es für unser thema extra arrangiertworden: soziale distanz in den 1960ern (ein östereichiches "puch-schammerl" neben einem porsche 356 und vor einem jaguar e-type auf einem parkplatz in gleisdorf)

das sind einige aktuelle arbeitsschwerpunkte entlang unserer vorstellung, der gegenwartskunst in einem soziokulturellen projekt mehr gewicht zu verschaffen; in einem kräftespiel, das wir lokal, regional und international verknüpfen.

die soziokulturelle drehscheibe „kunst ost“ ist das überhaupt erste LEADER-projekt der steiermark. den überblick der laufenden projekte finden sie hier: [link] vermutlich bin ich nicht der einzige, der zur zeit darüber staunt, daß hier eine LEADER-region, nämlich unsere, sich neuerdings über das promoten volkstümlicher schlagermusik hervortut.

ich bin vorerst noch völlig ratlos über der tatsache, daß ein offizielles leader-management das regionale engagegment für innovation und zukunftsorientierung über kommerzielle unterhaltungsmusik promoten möchte (quelle: woche weiz & birkfeld)

aber das ist eben ein stück regionaler realität, die vielleicht über aktuelle kommunikations-defizite innerhalb der region salopp hinwegsehen lassen soll; siehe dazu die aktuelle notiz im projekt-logbuch: [link]

politik macht kultur

… und zwar gelegentlich auf die HARTE TOUR. eigentlich ist es brüskierend. aber wir haben es nun einmal so vor der nase …

inzwischen lache ich schon. es ist irgendwie zu komisch, an welchen barrieren engagierte kulturarbeit, falls sie von der basis her kommt, quer durchs jahr feststecken kann. man erinnere sich, im herbst 2009 waren sogar funktionstragende einer regionalen kommune so kühn, „kunst ost“ abschaffen zu wollen, was ja auf einem feld der eigenständigen regionalentwicklung eine völlig unakzeptable pose ist. das war also im ersten jahr des überhaupt ersten LEADER-kulturprojektes eine eher üble erfahrung.

der politische versuch vom 28.10.2009, "kunst ost" abzuschaffen

bei „regionext“, bei „LEADER“ und bei den „lokalen agenda 21“ gilt das „bottom up-prinzip“. das verlangt eigentlich von den leuten in der politik, PARTIZIPATION und kommunales engagement der bürgerinnen und bürger im zentrum der entwicklungen zu dulden, zu fördern. gar nicht so einfach, wo alte funktionärsherrlichkeit noch gut im saft steht; oder wo kommunalte gremien sich ihrere eigenen rollen nicht mehr so sicher sind.

was das meint? na, unter anderem, daß verwaltungsreformen im lande dringend nötig und unausweichlich geworden sind. das pfeifen schon lange alle spatzen von allen dächern. dazu kommen auch: GEMEINDEZUSAMMENLEGUNGEN. ein „nicht-thema“, das sich den betroffenen in der regionalen politik gerade aufdrängt. denn in wenigen tagen wird eine legion von bürgermeisterinnen und bürgermeistern bei landeshauptmannstellvertreter hermann schützenhöfer antreten, um zu erfahren, WAS nun an zusammenlegungen anstünde.

und wer wird wann mit den bürgerinnen und bürgern darüber zu reden beginnen? ("VP will über Gemeindefusionen reden", kleine zeitung, 19.2.11)

und deshalb, so höre ich, könne man momentan in der frage einer ortsübergreifenden kulturarbeit nicht all zu bestimmt vorgehen, weil das womöglich als eine vorhut für die in den gemeindestuben so verhaßten zusammenlegungen gewertet werde.

eigentlich ein alptraum, daß wir andauernd vor solchen barrieren stehen, die mit unserer gemeinwesen-orientierten arbeit nichts zu tun haben, und irgendwie darüber hinweg kommen müssen, anstatt rückenwind zu erhalten. gerade wenn kommunen und ihre chefs unter druck stehen, in schwierigkeiten sind, ressourcenknappheit bewältigen müssen, sollten doch engagierte bürgerinnen und bürger als entlastende komponente gesehen und unterstützt werden.

na gut, in einigen gemeinden sehen wir ja, daß unser engagement willkommen ist. da werden mit uns neue kooperationsformen erprobt. andere leute aus der kommunalpolitik werden sich dem vielleicht noch anschließen. es geht um sehr konkrete, praktische erfahrungsschritte, die wir ja erst machen müssen, um herauszufinden, wie KOOPERATION der drei sektoren (staat, markt & zivilgesellschaft) geht, wenn wir alle dabei nicht auf hierarchische modelle setzen.

menschenverachtung zurückweisen

was schert es mich, daß in der oststeiermark jemand für einen kleinen täter-kreis die todesstrafe promotet und somit die vorstellung von „unwertem leben“ restauriert? und was hat das hier bei „kunst ost“ zu tun?

der absender dieser merkwürdigen botschaft, daß nämlich „perversen schweinen“ der tod gebühre, ist ein bürgermeister der „energie-region weiz-gleisdorf“ bzw. der „kleinregion gleisdorf“. er ist ferner mein kooperationspartner für das kommende „april-festival“, schweigt allerdings momentan gegenüber meinen einwänden.

der kulturbetrieb ist kein "dekorationsgeschäft". es geht im inhalte ...

was geht’s mich und uns also an? ich bringe zuerst einen pragmatischen grund vor. „kunst ost“ ist das überhaupt erste LEADER-kulturprojekt der steiermark, unterliegt demnach laut unserem vertrag den „Richtlinien zur Förderung von Maßnahmen im Rahmen des Aktionsprogramm Achse 4 LEADER über kulturelle Förderungen im ländlichen Raum von 2007 – 2013 durch die Europäische Union und vom Land Steiermark – Kultur“.

einer der punkte im bereich „Leitziel“ dieser richtlinien lautet:
„Erarbeitung von sozialkulturellen Werten hinsichtlich nachhaltiger regionaler/lokaler Entwicklungsansätze für den ländlichen Raum mit Innovationscharakter und regionaler/lokaler Schwerpunktsetzung“.

ein weiterer punkt lautet:
„Der Schwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Kunst, künstlerische und soziokulturelle Ansätze sollen zu einem zukunftsorientierten regionalen Dialog führen. Ziel ist es — an der Nahtstelle von Kunst und Alltagsleben — die jeweilige Region und ihre Bevölkerung in die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und künstlerischen Themen einzubeziehen. Das künstlerische Potential einer Region soll auch in einen Austausch mit internationalen künstlerischen Positionen treten.“

— [quelle] —

ich dürfte also allein von daher ein klares mandat für meine erwartung geltend machen, daß in der „energie-region“ über diesen vorfall und seine konsequenzen nicht einfach hinweggegangen wird. ich muß aber zur kenntnis nehmen, daß der lokalpolitiker ausschließlich ein sehr laues dementi gab, darüber hinaus der fall bisher kaum prominente einwände im öffentlichen diskurs nach sich zog; schmierdorfer in der „kleinen zeitung“: „die Todesstrafe für Kinderschänder ist meine persönliche Überzeugung“. [quelle]

nun darf man natürlich in einem reich der meinungsfreiheit meinen, was einem beliebt. und da sich inzwischen auf schmierdorfers „facebook“-präsenz ein erhebliches grüppchen an ministranten der tyrannis eingefunden hat, wo nun auch weiterhin das töten von delinquenten gefordert und schmierdorfer nebenbei zu seiner haltung gratuliert wird, sind in einer pluralistischen gesellschaft natürlich klare gegenpositionen notwendig.

immerhin spricht sich der amtierende bürgermeister offen gegen den artikel 85 der österreichischen bundesverfassung aus: [link]

"... aber wenn sie solche ansichten publizieren, werde ich ihnen ausdauernd widersprechen!“ (foto: nikola dzafo)

habe ich nun als KÜNSTLER einwände vorzubringen? nein, denn die kunst ist prinzipiell keinen tagesgschäften gewidmet und eignet sich nicht als „werkzeug“ für diese oder jene zwecke außerhalb ihrer selbst.

ich neige allerdings zu einer etwas antiquierten pose, deren „absacken“ kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov kürzlich so skizziert hat: „Die klassische Konzeption von Kunstschaffenden im Westen als ‘öffentliche Intellektuelle’, als Figuren der Aufklärung in einer bürgerlichen Öffentlichkeit, hat definitiv an Aktualität verloren und ist noch von rein historischer Relevanz. Parallel dazu verschwindet auch die Vorstellung von einer bürgerlichen Öffentlichkeit als einem Raum, der von rational-kritisch ausgestatteten Subjekten betreten werden soll. Es gibt ‘die Öffentlichkeit’ nicht mehr, sondern entweder überhaupt keine Öffentlichkeit oder eine Reihe verschiedener fragmentierter, spezifischen Öffentlichkeiten.“ (siehe dazudas kühle extrazimmer #10!)

als künstler bin ich demnach nicht gefordert, in dieser sache unbedingt stellung zu beziehen, doch meine jahrelange erfahrung aus künstlerischer praxis stattet mich mit kompetenzen aus, die mich als bürger der region natürlich einigermaßen geharnischt reagieren lassen.

der wesentliche antrieb, hier öffentlich zu widersprechen, liegt freilich im bereich des kultuellen engagements. das meint, unsere kulturelle entwicklung, die ja von sehr unterschiedlichen menschen betrieben und getragen wird, sollte positionen wie die des bürgermeisters mit den mord-phantasien aushalten. doch hier ist einspruch und öffentliche gegenposition unverzichtbar.

wo eine haltung gegen die menschenwürde und für die vorstellung von „unwertem leben“ eingenommen wird, wäre jedes kulturelle engagegement entwertet, wenn es einen schweigend darüber hinweggehen ließe. meine botschaft lautet demnach: „sie mögen denken, was immer ihnen beliebt, mein herr, aber wenn sie solche ansichten publizieren, werde ich ihnen ausdauernd widersprechen!“

dem gebe ich nun hier im web auch seine evidenz:
— [link] —

strategiedebatten

wir haben nun eine art besprechungs-marathon hinter uns. es ging nicht nur darum, das projekt „kunst ost“ durch die verdichteten krisen-auswirkungen der jahreswende zu steuern und dabei wieder zu stabilisieren. es ging auch darum, den regionalpolitischen status quo zu erheben, um eine vorstellung entwickeln zu können, unter welchen konkreten bedingungen wir heuer unsere arbeit entfalten.

es mißfällt mir zu räsonieren, aber ich bin momentan ziemlich aufgebracht, welches durcheinander offenkundig in den fragen der regionalentwicklung herrscht. die kommunikation zwischen den verschiedenen ebenen (land, region, gemeinde, zivilgesellschaft) liegt sehr im argen. dabei klingt es fast schon lustig, daß wir im arbeitsjahr 2010 drei verschiedene landeskulturfererenten erlebt haben.

gleisdorfs kulturreferent alois reisenhofer ist gerüstet, kulturpolitische überlegungen und arbeitsschritte anzugehen, die über eine einzelne orts- und gemeindegrenze hinausreichen

unser jüngstes arbeitsgespräch mit den kulturleuten des „offiziellen gleisdorf“ (siehe zwischenstände“!) hat mehr als klar gemacht, daß a) die kommunalen teams von den rabiaten budget-kürzungen merklich durchgerüttelt sind und b) die diversen regional-konzepte als eher verwirrend statt hilfreich empfunden werden.

da ist also mindestens einiger stress im verhältnis der „kleinregion gleisdorf“ („lokale agenda 21“) und der „energie-region weiz-gleisdorf“ (LEADER plus) zueinander, da gibt es dann auch noch die „oststeiermark neu“ und das „regionalmanagement ost“. was denn nun eine „großgemeinde“ und eine „großregion“ praktisch sei, erscheint mir momentan eher unklar.

die bürgermeister fühlen sich verpflichtet, andauernd meetings zu besuchen, deren sinn und nutzen vielen nicht mehr klar ist. aber überall muß von den kommunen in irgend einen topf eingezahlt werden und arbeitszeit geht drauf. ergebnisse? wissen wir nicht so genau!

gerald gigler (hier mit „kunst ost“-exponentin mirjana peitler-selakov) ist einer unserer diskussionpartner für die frage, wie sich das kulturelle klima stabilisieren und für die gegenwartskunst boden gewinnen läßt

dazu kommt, daß hinter dem nächsten horizont neue gemeinde-zusammenlegungen anstehen. das bringt etliche orts-chefs schon jetzt in kampfstimmung und in verschiedenen notizen klingt die bereitschaft zu widerstand an. aber auch deren personal ist teilweise sauer oder am rande seiner möglichkeiten.

siehe dazu etwa bürgermeister christoph starks tagebucheinträge wie diesen: „Wenn dann verlautet wird, dass man nun eine neue Organisationseinheit schaffe, in die (angeblich) vieles integriert werde, dann ist es nicht verwunderlich, dass es zu mittelschweren allergischen Reaktionen kommt. Auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.“ [quelle]

ich höre in informellen gespräche, daß etliche gemeinden noch heute die konsequenzen älterer gemeinde-zusammenlegungen nicht verdaut haben. die liegen zwar schon jahrzehnte zurück, bringen aber immer noch differenzen hervor, die sich zwischen zugehörigen „alter“ katastralgemeinden auftun.

zu all dem hatten wir erfahren, es bestünde seit dem ende des vorjahres ein regierungsbeschluß, die LEADER-regionen der steiermark zu reduzieren. erst war von neun, zuletzt sogar von bloß sieben verbleibenden regionen die rede. man kann sich die unruhe in den bestehenden LEADER-managements vorstellen.

ich habe noch nie zuvor in meinem leben eine derart vielschichtig konfuse situation erlebt, in der uns regionale kulturarbeit gelingen soll, während sich unsere potenziellen gegenüber in den kommunen mehr denn je mit „ganz anderen sorgen“ herumschlagen.

ich bin zur zeit WÜTEND, wie konfus sich manche „offzielle“ des regionalen geschehens geben, wie viel an blicken gerade wieder hinter die tellerränder zurückrutschen, in welchem ausmaß die kommunikation vor allem auch unter kulturschaffenden selbst eingebrochen ist etc.

von krisenmanagement keine rede und ich weiß auch nicht so genau, was da draußen zur zeit an problemlösungs-kompetenzen aktivierbar ist, um manches von dem zu kompensieren, was uns eben an strukturen und ressourcen weggebrochen ist.

das lokale generell in größeren zusammenhängen betrachten: karl bauer (links) vom gleisdorfer kulturausschuß und kamillo hörner vom "steirischen volksbildungswerk"

in den letzten wochen wachsender konfusion war nun gleisdorfs kulturfererent alois reisenhofer der erste, von dem ich in unserem jüngsten arbeitsgespräch konkret gehört habe, daß wir uns nach dem april-festivaldarauf konzentrieren würden, ein treffen mit engagierten leuten der „kleinregion gleisdorf“ zu absolvieren, um optionen und strategien zu besprechen.

das ist für mich heute der erste konkrete ansatz einer regionalen kulturpolitik, die über einzelne ortsgrenzen hinaus in die nahe zukunft gedacht sein will. mit diesem wissensstand trafen wir nun auch gerald gigler zu einer strategiebesprechung. gigler ist beim land steiermark für den LEADER-bereich zuständig (abteilung 16).

wir haben uns bemüht, eine brauchbare ansicht vom status quo zu formulieren und daraus überlegungen abzuleiten, welche schritte und aktivitäten in nächster zeit vielbversprechend erscheinen, um das kulturelle klima zu stabilisieren und der gegenwartskunst boden zu gewinnen.

was fördert das land?

ich war voriges jahr aus dem zentrum der „energie-region“ vom obmann informiert worden, daß die „schlossfestspiele stadl“ als LEADER-kulturprojekt eingereicht werden würden. der zuständige ausschuß auf landesebene lehnte das projekt heuer ab. ulla patz, leitende redakteurin der „kleinen zeitung“ in weiz, faßte den status quo unter dem titel „was das land fördert“ zusammen: [link]

das könnte ein anregender anlaß für eine debatte über regionals kulturgeschehen sein. ich hab die angelegenheit in unserem projekt-logbuch kommentiert: [link] und überdies frau patz einige zusammenhänge aus meiner sicht erläutert. (meine mail an ulla patz finden sie hier am ende dieses eintrags.) sie hat diese post nun im blatt aufgegriffen: [link]

heimo steps, derzeit vorsitzender des steirischen förderbeirates, wird bei unserer "konferenz in permanenz" einige grundlagen der kulturpolitik darlegen

ich halte es für erfeulich, daß in der „kleinen“ offenbar platz ist, um einige kulturpolitische fragestellungen in den öffentlichen diskurs zu bringen. entsprechend hoffe ich, daß andere akteurinnen und akteure dieses bereiches sich nun äußern werden.

es wäre von vorteil, wenn so die teilweise sehr kontrastreichen (kulturpolitischen) optionen einmal auf den tisch kämen, um eine grundlage zu schaffen, auf der erste schritte für eine REGIONALE KULTURPOLITIK zu gehen wären, die jeweils eben NICHT an orts- und gemeindegrenzen enden.

kleiner einschub:
ich habe heimo steps, den derzeitigen vorsitzenden des förderbeirates, der das stadl-projekt abgelehnt hat, für eine „konferenz in permanenz“ eingeladen, er hat uns sein kommen zugesagt. da werden wir einige grundlagen der kulturförderung mit ihm erötern können: „talking communities“ [link]

ein querverweis:
im süden der region machen wir gerade positive erfahrungen, wie sich so ein temporäres zusammengreifen anfühlen kann, wo sich plötzlich bürgermeister, gemeinderäte, kulturbeauftragte und sogar unternehmer mit künstlern und kulturschaffenden an einen tisch setzen, um sich über mögliche kooperationen zu verständigen. siehe dazu die übersicht unseres „april-festivals“! [link]

———- [„talking communities„] ———-

Betreff: Was das Land fördert
Von: der krusche
Datum: Thu, 03 Feb 2011 11:59:04 +0100
An: ulla.patz (kleine zeitung)
werte frau patz!

zu ihrem artikel „Was das Land fördert“: das betrifft GESAMT ja eigentlich ZWEI ganz verschiedene fördermöglichkeiten im land steiermark.

a) die herkömmliche landeskulturförderung, zu der man wie gewohnt einreichen kann und
b) die zeitlich limitierte LEADER-kulturschiene, die mit der leader-förderperiode bald endet und die ein ganz eigenes regelwerk hat.

einreichungen müssen für BEIDES aber im kulturauschuß behandelt werden.
obmann chr. stark hatte mich vor der jahreswende informiert, daß die stadl-festspiele als LEADER-projekt eingereicht würden.

da hätte man freilich von hausaus wissen können, daß die chancen extrem gering bis nahe null sind, weil dort die zuständige referentin der kulturabteilung ganz unmißverständlich klar gemacht hat: es geht bei der leader-kulturschiene hauptsächlich um GEGENWARTSKUNST.

darin hat sie auch konsens mit dem zuständigen referenten der abteilung 16. das wäre NACH dem regionalen lenkungsausschuß die folgende instanz. und dieser instanz folgt eben der ausschuß, der das stadl-projekt offenbar abgelehnt hat.

bliebe also die generelle steirische förder-schiene, die ja allen kulturschaffenden zugänglich sein muß. aber hat man halt die landesweite, harte konkurrenz sehr viel größerer einrichtungen, die dieses genre (operette & musical) pflegen.

wir alle kannten die aktuellen leader-präferenzen seit märz 2010 sehr genau … bei jener konferenz waren ja auch die leader-managements vertreten: [link]

damals mußte also dem management klar sein, daß operette eher nicht gehen wird. ab MAI 2010 wußten alle professionals des steirischen kulturgeschehens: zur jahreswende hin wird es einschüchternde budget-einbrüche geben: [link]

diese headline — „die abrissbirne scheingt bereits“ — hat uns allen klar signalisiert: wer jetzt keine zukunftsweisenden konzepte hat bzw. bloßn dinge vorhat, die im kielwasser herkömmlicher vorhaben liegen, wird beim land kaum ein budget abholen können. da waren also z.b. die tagung mit vollath in graz und in weiz: [link]

nun ist es ja keineswegs so, daß all diese entwicklungen besagen: hier gehts NUR gegenwartskunst, vergessen wir den rest. nein!

es gäbe eine reihe von optionen, in der regionalen kulturpolitik verschiedene genres zu KOMBINIEREN und so ein paar ereignislinien zu entwickeln, die quer durch die region reichen, die gemeinsam eine größere KO-finanzierung aus verschiedenen förderschienen ermöglichen würden.

EINE voraussetzung dafür wäre halt, daß diverse orts-honoratioren endlich aufhörten, nur für die eigene gemeinde zu denken und zu handeln und daß sich erfahrene leute an einen größeren tisch setzen.

in der praxis dominiert derweil noch der modus: kriegt der eine was, wird der andere ihn dafür hassen.

das ist natürlich ein sicherer weg, die entwicklung der REGION in den aktuellen krisenlagen zu BREMSEN, statt zu fördern.

viel smarter wäre dagegen wohl, wenn die zuständigen funktionstragenden sich einmal aufraffen könnten, arbeitsedingungen anzubieten, in denen sich PROZESSHAFT erarbeiten ließe:

+) was sind KULTURPOLITISCHE zielsetzungen für die REGION, auf die wir uns einigen könnten?
+) welche rahmenbedingunen und welche mittel wären dafür nötig?
+) wer könnte in der prakischen umsetzung dann welche nötigen kompetenzen abdecken?
+) wie könnte eine wache REGIONALPOLITIK so einen prozeß begleiten, fördern und sichern?
+) damit nämlich die SACHPROMOTOREN mit den MACHTPROMOTOREN der region zusammenfinden und in der praxis LERNERN, wie eine längerfristige kooperation sehr verschiedener charaktere funktionieren könnte.

🙂
martin krusche

an der schwelle

die schwelle zwischen zwei jahren ist meist mit besonderen bedeutungen aufgeladen. es muß nicht so sein, aber diesmal ist es so: das jahresende mit der jahreswende ergibt zugleich das markante ende eines abschnittes. die „startphase“ von „kunst ost“ liegt endgültig hinter uns.

kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov und kulturmanagerin nina strassegger-tipl

so satt wie 2010 wird wohl kein weiteres projektjahr mehr ausgestattet sein. unabhängig davon müssen wir schlüsse ziehen und für 2011 planen, um die dinge in fluß zu halten. kulturmanagerin nina strassegger-tipl arbeitet derzeit an einigen schwerpunkt-fragen im bereich „voluntary arts“. kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov hat dem bereich „talking communities“ in den fokus gerückt.

neue dispositionen, neue kombinationen, neue handlungspläne. gut. die letzten 10 wochen waren kein spaziergang. anfang dezember ist außerdem klar geworden, wie weit nun die konkreten budgeteinbrüche gehen würden. (siehe dazu: umbruch“!)

unser team ist verkleinert (siehe dazu:schichtwechsel“!) unser arbeitspensum eigentlich nicht. wir weren uns also bemühen, es schlau anzugehen. im projekt-logbuch ist der aktuelle status quo knapp zusammengefaßt: [link]

reale debatten, austausch, anregungen: "talking communities"

mir ist auch nicht fad. jetzt will die nötige basisfinanzierung wenigstens für das erste quartal 2011 erarbeitet sein. auf der angenehmen seite verzeichne ich eine reihe von besprechungen, die vor mir liegen, denn es hat sich gezeigt, daß die region eine ganze reihe wacher, anregender leute aufzubieten hat, die unsere vorhaben begleiten werden.

fehler machen

wir haben die freiheit, auch fehler zu machen. „kunst ost“ ist eine art forschungsprojekt. ein „kulturelles labor“. wir brauchen also die möglichkeit herauszufinden, welche optionen etwas taugen und welche wir hinter uns lassen sollten.

ich hab im vorigen eintrag notiert:
>>“provinz war gestern!“ und zwar auf jeden fall da, wo uns die dinge gelingen.<<

und weiterführend:
>>was uns zwischendurch mißlungen ist, macht uns zwar keine freude, hat aber einen bescheidenen nutzen im sinne von „fein, daß wir diese fehler abhaken können. nicht nötig, sie zu wiederholen.“<<

an welchem haken hängt man, wenn man nur mehr im kreis rennt?

ich halte das für zwei ganz wesentliche referenzpunkte im gesamtvorhaben „kunst ost“. als wir losgezogen sind, um in der sache etwas zu klären, auch: zu erreichen, war INNOVATION eines der motive. sowas behauptet man leicht, es löst sich schwer ein. ferner: wo immer öffentlich gelder verwendung finden, um private vorhaben zu verstärken oder überhaupt erst zu ermöglichen, sollten intentionen und vereinbarungen transparent sein.

dies ist eine republik, also eine „res publika“, eine „öffentliche angelegenheit“. dabei hat unsere erfahrung gezeigt, daß transparenz der intentionen und vorhaben keineswegs oberste priorität hat. weder in der lokalpolitik, noch im regionalgeschehen ist das gesichert.

in dem zusammenhang haben wir sehr gegensätzliche erfahrungen gemacht. es gibt leute aus politik und verwaltung, die offen handeln und eine gewisse risikobereitschaft zeigen, jenseits der dummen heuchelei, die so tut, als würden wir alle stets erfolge produzieren.

wir sind aber auch mehrmals gegen eine alte art der „funktionärsherrlichkeit“ geprallt, was meint: alteingesessene kommunale kräfte, denen schon lange nichts diskussionswüdiges mehr eingefallen ist, erleben heute einen realen funktions- und bedeutungsverlust. dafür revanchieren sie sich mit aggressiven schritten bis an den rand von rufschädigung und geschäftsstörung.

ich habe keinen zweifel, daß die momentan anstehenden problemlagen und veränderungsschübe so massiv wirken, daß gelegentlich herrschende funktionärs-inkompetenz in naher zukunft immer offenkundiger werden wird. solche herrschaften werden ihre kräfte dann brauchen, um den eigenen sessel noch halbwegs zu sichern, es wird ihnen nicht genug energie bleiben, neue projekte anzufeinden.

was wählen, wenn es viele möglichkeiten gibt?

es geschieht ohnehin jetzt schon sehr viel hinter den kulissen der region. wir erfahren davon nur wenig, oft werden wir, wie zu sehen war, plötzlich vor vollendete tatsachen gestellt. das zwingt uns kurze reaktionszeiten auf und verlangt manchmal in kürzester zeit, mit einem brauchbaren „pan b“ unterwegs zu sein.

ich denke, diese aktuellen erfahrungen könnten eine passable anregung sein, das denkmodell von der kooperation der „drei sektoren“ weiter zu entwickeln. das meint die idee, staat, markt und zivilgEsellschaft stünden einander nicht als fordernde instanzen gegenüber, die einander pflichten auflisten, sondern sind einem bemühen um begegnung in augenhöhe gewidmet.

wenn das vorrangiges motiv augenhöhe ist, ergeben sich daraus ganz andere verfahrensweisen als jene, die ich bisher vor allem kenne. eine interessante themen- und aufgabenstellung für das kommende jahr …

einige takte status quo

es ist so greifbar: das jahr endet nun. ich hatte in den letzten wochen manchmal das gefühl, die mehrjährigen mühen unserer konsequenten aufbauarbeit auf dem kulturfeld könnten unter den aktuellen krisen von gemeinden, land und bund ins leere laufen und was erreicht wurde, sei in gefahr.

so ist es zum glück doch nicht. das verdanke ich vor allem inspirierten leuten, die sich weiterhin auf das einlassen, was wir uns vorgenommen haben. ich denke auch, daß der erhöhte druck im neuen jahr so manche spreu vom weizen trennen wird. denn was auf dem kulturfeld gehampel und stümperei ist, wird wohl kaum noch budgets erreichen.

zurück zu den basics: martin krusche bei den "talking communities" (reden, reden, reden, bis wir einander kannten) foto: "art klinika"

wir sind von nur wenigen aspekten der ganzen entwicklung überrascht worden, letztlich bloß von einigen details. das große ganze der einbrüche war absehbar und stand schon vor wenigstens einem halben jahr zur debatte.

wo die kunst auftritt, sind antwortvielfalt und sogar widersprüchlichkeit die regel. hier äußert sich die „conditio humana“ jenseits von verwertungslogik. (was freilich nicht ausschließt, daß aktuerinnen und akteure dann AUCH den weg auf diesen oder jenen markt finden.)

man könnte sagen: „kunst ost“ hat sich nicht eigentlich der kunst verschrieben, denn die ist sache der jeweils handelnden person und muß nicht „orgnaisiert“ werden. aber wir haben uns den BEDINGUNGEN der kunst gewidmet; und einigen ihrer grundlagen. (wir unterscheiden also zwischen „kunst“ und „kunstbetrieb“.)

aktion und reflexion beinander halten: kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov

das drückt sich auch in der aktuellen besetzung des „kern-teams“ aus, woduch wir ein komplexes konzept zu realisieren suchen. mirjana peitler-selakov ist nicht nur kunsthistorikerin und seit einiger zeit als freie kuratorin tätig, sie ist ursprünglich auch dipl. ing. der elektrotechnik.

etliche umsetzungsfragen sin keinen spielereien gewidmet, sondern professionellen abwicklungen: kulturmanagerin nina strassegger-tipl

nina strassegger-tipl ist kulturmanagerin, die sich zur zeit verstärkt dem thema öffentlichkeitsarbeit widmet, bei uns überdies speziell als fachreferentin der „voluntary arts“ tätig wird. diesen bereich könnte man als die „soziale schwester“ der gegenwartskunst verstehen.

ich bin künstler und repräsentant einer art under net conditions“, die sich in menschlicher gemeinschaft als längerfristiger prozeß entfaltet, ohne dabei – was heutzutage recht populär ist – konventionelle sozialarbeit als künstlerische praxis zu behaupten.

daß wir mit den finanzierungsfragen zum 2011er-jahr weitgehend von vorne beginnen müssen, ist fast schon business as usual. ich möcht annehmen, das läßt sich genauso lösen wie einiges an inhaltlichen fragen, die aus unseren letzten arbeitsjahren abzuleiten sind.

nehmen sie mit uns kontakt auf, wenn ihnen diese art des zuganges zu einem kulturellen engagement auf der höhe der zeit interessant erscheint!

LEADER kultur: steiermarkweit

wie sollte kulturelles engagement in einer region gelingen, wenn jemand nicht einmal kursorische kenntnis von kulturellen und sozialgeschichtlichen hintergründen des jeweiligen landesteiles hätte?

die leute bei der aktuellen LEADER kultur-arbeitskonferenz (in ehrenhausen) haben gezeigt, daß sie ihr jeweiliges terrain sehr gut kennen. diverse projekte sind heute in sehr unterschiedliche richtungen nennenswert fortgeschritten, so daß aus den berichten für mich nun erstmals ein großräumigeres „WIR“ wahrnehmbar wurde.

an einer ecke in ehrenhausen

dieses „wir“ hat nicht die art einer „eingeschworenen gemeinschaft“. es ist momentan eher so ein gefühl, mit höchst unterschiedlichen intentionen, verfahrensweisen und zielen doch in einem gemeinsamen bezugsfeld (und code-system) unterwegs zu sein.

die kontraste, die unterschiede machen staunen. gemeinsame schnittpunkte, welche zunehmend sichtbar werden, lassen erahnen: da wächst etwas, landesweit, in dem wirken sehr verschiedene optionen, die ganz unterschiedliche bedingungen haben.

dennoch gibt es einen gemeinsamen „möglichkeitsraum“. und vor dem hintergrund vergleichbarer erfahrungen werden wir in der weiteren arbeit sicher herausfinden, was davon einerseits lokale/regionale eigenart ist, was andrerseits darüber hinaus aber grundlegendes gewicht hat; als etwas spezielles, das eine innovative form ländlichen kulturgeschehens ergeben könnte.

ich betone: “könnte“, denn es liegt nahe, in der selbstreferenz „wir sind innovativ“ eher zurückhaltend zu sein. wir werden dann schon sehen, wenn alles weiter gediehen ist, was davon tatsächlich neue qualitäten sind.

aktuell hat uns christian eigner vom „Büro für PerspektivenManagement“ die ergebnisse jener evaluierung referiert, die vom land steiermark in auftrag gegeben wurde. wir haben also zu unserer praxisarbeit vor ort auch feedback von einer meta-ebene, auf der mit ganz anderen werkzeugen und methoden operiert wird.

christian eigner (evaluierung) und sandra kocuvan (kulturabteilung des landes)

das scheint mir recht wichtig, gerade wo man um das betreten von neuland ringt, weil eben da die orientierungsfragen oft schwer zu beantworten sind. dabei nützen dann solche momente. was noch? bei sam peckinpah würde es heißen: „wir haben einen convoy!“ (kleiner scherz! das kinematographische kommt uns ja all zu leicht etwas abhanden.)

was wäre noch zu berichten? elisabeth hutter, die initiatorin derkunstzone joglland„, hat der „szene“ einen aktuellen „lehrsatz“ beschert. das will erklärt sein.

vom steirischen schriftsteller alfred paul schmidt stammt meines wissens der „erste lehrsatz des steirischen buddhismus“. und der lautet: „mir wurscht“.

dieser lehrsatz macht mir einen etwas kulturpessimistischen eindruck. hutter brachte nun eine sentenz mit, welche ihrer raktischen arbeit entsoringt und jene punkte markiert, über die sie also hinausgehen möchte. der satz lautet:

„es ist halt so!“

elisabeth hutter (kunstzone joglland)

… und erscheint mir als qualitative steigerung gegenüber der von „goofy“ schmidt markierten position. post scriptum: ich habe bei dieser konferenz erstmals gehört, daß es nun einen regierungsbeschluß gebe, die 19 steirischen LEADER-regionen auf lediglich 9 herunterzustutzen.

das ist ja keine so unerhebliche nachricht. stellen sie sich vor, die hätten wir von unseren jeweiligen LEADER-managements erfahren. man will ja disponieren und optionen erarbeiten, falls man in eine ungewisse zukunft geht. aber nein, solche wichtigen fakten dürfen wir uns mühsam zusammensuchen. naja, um hutter zu zitieren: „es ist halt so!“.

übrigens! die LEADER-kulturprojekte findet man hier überschaubar gemacht: [link]