Neue Themenstellung?

Unser 2012er April-Festival hat eine erfreuliche Fülle gehabt und war ein kontrastreicher Gang durch die generelle Themenstellung “Leben: Die Praxis der Zuversicht”. Diese Konzentration auf Möglichkeiten der Zuversicht ist eine erklärte Reaktionen auf jene Krisen-Ensembles gewesen, die seit 2008 so markant unsere Welt umrundet, aber auch uns alle individuell erreicht haben.

Die Session im "Kopfbahnhof" (Foto: Franz Sattler)

Wie zu zeigen war, haben wir uns nicht mit Schönredereien befaßt, sondern eine konkrete Verständigung über den Status quo sowie über mögliche Strategien angestrebt, wie nun voranzukommen ist. Ich habe im vorigen Beitrag [Tage der Reflexion] schon auf eine erste Serie von Tondokumenten hingewiesen, die Gelegenheit bieten, manche der Inputs noch einmal in Ruhe zu hören.

Ich hebe als prägnantes Beispiel jene Passage aus dem Abend mit Michael Narodoslawsky (Institut für Prozess- und Partikeltechnik, TU Graz) hervor, in welcher er bei der Frage „Was bewegt die Menschen, etwas zu tun?“ unmißverständlich betonte „Leidensdruck hat noch nie was geändert“, denn „Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber“: [link]

Die Sattler'sche "Kanon-Maschine": Wie viel Kontrast und Reichweite hält unsere Wahrnehmung aus?

Wir haben also in diesem April-Festival Grundlagen der Regionalentwicklung debattiert, Fragen des sozialen Engagements, aber auch Fragen der Kunst und ihrer Bedingungen. Dabei wurde mehr als deutlich, daß derzeit keine sehr klaren Vorstellungen kursieren, was Kunstschaffende eigentlich seien, ob das ein Beruf sein könne, falls ja, welche Zusammenhänge dabei wirksam wären.

Solchen Überlegungen wird etwa demnächst die Reihe „kunst der kulturpolitik“ von der IG Kultur Steiermark anschneiden. Dabei will ich in meinem Beitrag einige dieser Fragen zur Debatte stellen; siehe: [link] Mir geht es in der Sache schon eine Weile darum, eine Vielfalt der Lebenskonzepte herauszustreichen, wonach es keinen Sinn macht, die Diskurse auf „Wir Künstlerinnen und Künstler“ zu reduzieren. Da besteht längst aktueller Klärungsbedarf.

Wie viele Lebenskonzepte finden wir auf etwa fünf Laufmetern Boden im Zugang zu einer Ausstellung? (Foto: Franz Sattler)

Daran knüpft noch eine andere Überlegung, die ich eben in meinem Logbuch präzisiert habe: „Eine Sache um ihrer selbst willen gut zu machen, im gesamten Ereignisfeld zwischen materiellen und immateriellen Möglichkeiten. Das scheint eine Grundlage zu sein, auf der wir vorankommen, wenn wir klären möchten, was es mit Würde auf sich haben mag…“ [Quelle]

Das handelt in Summe auch von Überlegungen, die ich schon mehrfach mit der Gleisdorfer Pädagogin Adelheid Berger angestellt hab. Wir sind dabei einmal beim „Prinzip aber/und“ angekommen, für das in allerhand Fällen sehr viel mehr spricht als für das „Prinzip entweder/oder“. Aktuell reagierte sie nun auf den Themenaspekt „Vielfalt von Lebenskonzepten“.

Wenn wir in einer Demokratie eine pluralistische Gesellschaft für unverzichtbar halten, wenn wir überdies an Vorstellungen von Würde festhalten wollen, dann bleibt einiges an Fragen offen, wie wir eine Praxis der Kontrastes realisieren möchten, in der nicht stets Hierarchien gebaut werden, wo ein Konzept das andere übersteuert. Ich denke, da zeichnet sich eine neue Themenstellung ab…

– [April-Festival 2012] –

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Tage der Reflexion

Das „April-Festival“ [link] liegt hinter uns, hat sich quer durch die Region ereignet, und die Serie der Veranstaltungen ist im Landeszentrum verklungen. Die Session unseres Kuratoriums für triviale Mythen setzte einen besonderen Akzent in einem Denkmal der heimischen Industriegeschichte, wo nächsten Monat das neu adaptierte Johann Puch-Museum eröffnet wird: [link]

Unsere Session im ehemaligen "Einser-Werk" von Johann Puch

Wie schon erwähnt, das Festival war heuer zur Hälfte der Kunstpräsentation und zur anderen dem Gewinn an Know how gewidmet. Unsere Reihe „Talking Communities“ bringt laufend Inputs von außen. Einen Teil davon können Sie als Soundfiles (MP3) downloaden und in Ruhe noch einmal durchgehen, was an den Abenden zur Debatte stand.

So sind etwa die wichtigsten Statements von Michael Narodoslawsky (Institut für Prozess- und Partikeltechnik, TU Graz) in zwei kleinen Serien verfügbar: [Serie #1] [Serie #2] In Summe ein klares Plädoyer für die Langsamkeit grundlegender Prozesse der Meinungsbildung. Außerdem voll interessanter Hinweise darauf, wie wir über unsere Debatten zeitgemäße Formen des „Öffentlichen Raumes“ konstituieren.

Michael Narodoslawsky

Bei einer anderen Diskussion tauchte erneut die Idee auf, KUNST sei etwas LEBENSFREMDES, wenn sie angesichts gesellschaftlicher Probleme nicht zurücktrete und ihre Budgets für „wichtigere“ Agenda verfügbar mache. Genau DAS ist nämlich die Botschaft, die uns erreicht, wenn etwa mit trinkfreudigen Teenagern argumentiert wird, die als zügellose Party-Kinder den Erwachsenen Sorgen bereiten.

Warum sollte die Gegenwartskunst dafür einstehen? Warum kommt jemand auf die Idee, Kunst sei ein „Mittel um zu…?“ In der Sache sind noch klärende Debatten ausständig. Hier auf jeden Fall ein klares Statement GEGEN die unakzeptable Vorstellung, Kunstpraxis müsse ihre Legitimation im Bearbeiten sozialer Defizite beweisen: [link]

Zum eingangs erwähnten Abend des Kuratoriums für triviale Mythen, bei dem es um das Thema Mobilitätsgeschichte am Beispiel „Puch“ ging, ist auch ein Live-Mitschnitt verfügbar: [link] Weitere Tondokumenten werden demnächst verfügbar sein. Hie ein kleiner Gesamtüberblick des jüngeren Bestandes: [link]

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FrauenMonat: FMTech_Lab

Wir haben im Vorjahr erlebt, daß die Themenstellung „Frauen und Technik“ erhebliche Reaktionen ausgelöst hat; sehr positive Reaktionen. Eine Ermutigung, diesen Fokus weiter zu bearbeiten. Dazu kommt, daß unsere Kuratorin Mirjana Peitler-Selakov gerade ihre Dissertation im Bereich Kunstgeschichte abschließt, sich aber für die nahe Zukunft wieder stärker dem Technikbereich zugewandt hat. Sie ist momentan Functional Safety Manager bei MAGNA E-Car Systems.

Mirjana Peitler-Selakov wurde Functional Safety Manager im Bereich der neuen Elektrofahrzeuge

Der „FrauenMonat“ 2012, den kunst ost eben vorbereitet, führt nun in eine konkrete Praxis des Zuganges zu Technikfragen für Mädchen und junge Frauen. Siehe dazu auch: [link]

Peitler-Selakov: “Das FMTech_Lab fördert aktive Partizipation von Mädchen in technischen Bereichen. Das realisieren wir auch mit Hilfe von Künstlerinnen und Künstlern. So sorgen wir zugleich für die Präsentation von Wissen und Erfahrungen, die am Schnittpunkt zwischen Technik und Kunst entstehen. Es geht ferner um soziale Dynamiken, die sich zwischen diesen Elementen generieren.“

Grafik: Stefanie Wuschitz

Für die Umsetzung dieses Vorhabens hat eine außergewöhnliche Crew zugesagt: Barbara Huber, Miss Baltazar’s Laboratory, Niki Passath und Stefanie Wuschitz. Interessierte können sich mit uns nun in Verbindung setzen.

– [FrauenMonat 2012] –

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Wovon handelt Kulturpolitik? #21

Ich hatte nun einige Gespräche mit Bürgermeistern der „Kleinregion Gleisdorf“. Die Herren wirken überaus wach und teilweise recht streitlustig. Es muß einiges, was sie vor wenigen Tagen von der Landesebene her ausgerichtet bekamen, mehr als brüskierend gewesen sein.

Das Thema Gemeindezusammenlegungen wird weit schneller hochbrisant als ich gedacht habe. Bürgermeister Christoph Stark (Gleisdorf) sagte mir, es sei nicht erst Ende 2014 mit neuen Verfügungen zu rechnen, sondern schon diesen Herbst. Er sei selbst erstaunt, daß dies eventuell Umgebungsgemeinde treffen werde, die aus seiner Sicht nie für eine Zusammenlegung zur Debatte standen.

Momentan: Keine Sitzung der Offiziellen ohne Wickel zum Thema...

Von mehr als einem Bürgermeister habe ich zu hören bekommen, man habe keine Scheu, auch innerhalb der eigenen Partei auf Konfrontation zu gehen, es müsse ja nicht immer die Opposition sein, mit der man Differenzen erlebe.

Die „Kleine Zeitung“ titelte: „Geht’s nach dem Land, fusionieren alle acht“ [Quelle]

Stark beschreibt das aus seiner Sicht so: [link] Erst kürzlich quittierte er eine öffentliche Stellungnahme des Nitschinger Bürgermeisters Peter Schiefer mit: „Nitscha + Gleisdorf = Nordkorea?“ [Quelle]

Es steht somit außer Zweifel, daß einige Kommunen auf Konfrontationskurs gehen werden. Das bringt enorme Unruhe auf eben jenes Feld, auf dem wir Kulturschaffende gerade erst Boden gewonnen haben, damit in der Provinz ein Kulturgeschehen, das sich über einzelne Gemeindegrenzen hinaus entfaltet, Stabilität gewinnt.

Das sind so gesehen sehr schlechte Nachrichten, denn es wird unsere Kommunikation belasten, wo wir in den Gemeindestuben mehr Verständigung und mehr Verständnis zu erarbeiten versuchen. Das nun zu beklagen ist allerdings völlig nutzlos. Es geht eher darum, daß wir uns verständigen, welche Verfahrensweisen geeignet sind, das Kulturgeschehen in genau solchen Zeiten dennoch zu festigen.

Wir Kulturschaffende kommen momentan zur Sache in den öffentlichen Diskursen noch nicht vor.

Es geht dabei um ganz konkrete Strategien, um Kommunikationsstrukturen und um klare Positionen in den öffentlichen Diskursen. Ich will damit deutlich machen: Der Status quo ist weder rasend schlecht noch sehr erfreulich. Das sind alles relativ normale Bewegungen in einem Gemeinwesen, das über Jahrzehnte/Jahrhunderte verschiedene Konjunkturen und Veränderungen durchläuft.

Das Bezirkswesen und seine Strukturen verdanken wir der „Untertanenbefreiung“ von 1848. Es ist also nicht gar so überraschend, daß neue Modernisierungskrise uns solche Phasen der Unruhe aufbürden. Genau darin wären nun Kulturschaffende gefordert, Kompetenzen zu zeigen, wie und wodurch sich solche Umbruchsphasen mit den uns vertrauten Mitteln eventuell gut bis besser absolvieren lassen… FALLS wir über derlei Kompetenzen verfügen; was zu klären wäre.

– [übersicht] –

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In historischem Rahmen…

Mit einem Blick auf die Vergangenheit läßt sich manches in der Gegenwart passabel deuten, um so zu brauchbaren Überlegungen für die nahe Zukunft zu gelangen.

Was die “Energie-Region“ sei, der wir mit kunst ost als LEADER-Projekt angehören, wird noch in vielen Details genauer zu erörtern sein. Eines der dominanten Themen ist, obwohl es öffentlich kaum zur Debatte steht, der Bereich Individualverkehr. [Die Energie-Region Weiz-Gleisdorf]

10. Mai 2012: Buchpräsentation im Johann Puch-Musuem (Foto: U. Rauch)

Das „Kuratorium für triviale Mythen“ ist jene Formation bei kunst ost, die sich nun schon eine Weile mit dem komplexen Thema Mobilitätsgeschichte befaßt. Der „Generalfetisch“ dieser Geschichte ist das Automobil, wie es bei uns erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem breiter erschwinglichen Konsumgut, schließlich auch zum Kultobjekt wurde.

Die Steiermark in ihren historischen Dimensionen und ihr Zentrum Graz bieten dabei eine exemplarische Geschichte, die vom späten 19. Jahrhundert ungebrochen bis in die Gegenwart reicht. Einer der Hauptstränge dieser Geschichte ist die Biografie des Johann Puch, der vom Keuschlerbuben zum Fabrikanten aufstieg, der ein Pionier der Massenmotorisierung war.

Rechts: Techniker Michael Toson (Foto: U. Rauch)

Er ist bei seinem Tod jünger gewesen als ich es heute bin. Sein umfassendes Werk, das er mit geradezu einschüchterndem Tatendrang realisiert hat, entfaltete eine Wirkung, die nun bald hundert Jahre über seinen Tod hinausreicht und dessen Spuren noch in der Gegenwart leicht zu finden sind.

Wir haben diese Zusammenhänge vor einer Weile aufgegriffen und uns aktuell über die Produktion eines Albums („Puch-Buch“). dem gesamten Komplex angenähert; Michael Toson, Jörg Vogeltanz und ich.

Als Kulturschaffende haben wir es zum Teil mit Arbeit an symbolischen Gehalten zu tun. Das ist eine Befassung mit Bedeutungen und mit Codes. So bemühten wir uns nun darum, im vormaligen „Einser-Werk“ von Johann Puch einen Akzent zu setzen; genauer: in der „Halle P“, dem letzten Fabriksgebäude, das noch aus seiner Lebenszeit stammt.

Links: Sandra Kocuvan (Kulturabteilung des Landes Steiermark), rechts: Winfried Lehmann ("kunst ost", Foto: U. Rauch)

Im Jahr 1900 baute Puch sein erstes Automobil, erprobte es auf dem Grazer Schloßberg. Wenige Jahre später war sein Betrieb im „Einser-Werk“ (in der heutigen Puchstraße) eine fixe Marktgröße. Fahrräder, Motorräder, Automobile, damit machte nach seinem Tode (1914) der wachsende Konzern Steyr-Daimler-Puch erneut Furore. Mit dem nun seit rund 30 Jahren produzierten Geländewagen Puch G ist die Marke bis heute präsent, den Begriff „Puchwerke“ finden Sie immer noch auf Wegweisern.

Magna Steyr, worin mehr als hundert Jahre wechselhafter Konzerngeschichte aufgegangen sind, betrieb in der „Halle P“ zuletzt eine Fachwerkstatt für seine Allradfahrzeuge, den Puch G und die diversen Pinzgauer-Modelle.

Die „Halle P“ des "Einser-Werkes" von Johann Puch

Nun übersiedelt gerade das Johann Puch-Museum Graz in dieses geschichtsträchtige Gebäude. Im Juni 2012 wird regulär wiedereröffnet. Aber schon jetzt konnten sich Interessierte vor Ort etwas umsehen und einen Teil der neu geordneten Sammlung in Augenschein nehmen.

Anlaß dafür war die Präsentation unseres Albums („Puch-Buch“). Ich hab darin den Gesamtzusammenhang skizziert, Techniker Michael Toson die wichtigsten Fahrzeuge nach 1945 als Bastelbögen erarbeitet. Graphic Novelist Jörg Vogeltanz lieferte dazu das Artwork, um dem Album eine spezielle optische Erscheinung zu geben. So entstand ein kurioses Dokument jener Geschichte.

Unsere Session am 10. Mai 2012 war die erste öffentliche Veranstaltung in dieser Halle, nachdem die Industriearbeit und das Mechanikergeschäft daraus gewichen sind. Der Auftakt eines nun kulturellen Geschehens, dessen Hauptereignis freilich das Johann Puch-Museum Graz ist.

+) Das „Puch-Buch“ [link]
+) Die Veranstaltung [link]
+) Das „Kuratorium für triviale Mythen“ [link]
+) „Vision 2050“ [link]

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