Kupo: Subventionen

In Österreich boomt gerade das Zitat „Hände falten, Goschn halten!“ Wer in der Kunst lebt, kennt den Zuruf „Nestbeschmutzer!“ Dazwischen liegt die Empfehlung „Beiß nicht die Hand, die dich füttert!“ Im Ruf „Lügenpresse!“ hören wir eine Volksvariante solcher Empfehlungen.

Das alles haben sich die Spießer von der Herrschaft abgeschaut; aus jenen Zeiten, als Unmut sich nur von oben nach unten entladen durfte.

Dieses Bedürfnis haben wir demokratisiert, so daß mir heute jeder Schnösel zurufen kann: „Widersprich mir nicht, du Künstler!“ (Wie amüsant, daß sich Spießer für ihr Herumpöbeln so gerne eine der sozial schwächsten Gruppen – Künstler – aussuchen, statt mächtigen Leuten auf die Füße zu treten.)

Das heißt dann auch gelegentlich: „Du Staatskünstler!“ Damit ist gemeint, daß jemand, den der Staat durchfüttert, sein Maul halten solle. Der Denkfehler: jede Gesellschaft investiert in Bereiche, die man nicht völlig dem freien Markt überlassen möchte oder überlassen kann. Das ist freilich kein Durchfüttern, sondern handelt von einem Leistungsaustausch, von einem Deal.

Diesen blinden Fleck haben wir auf dem Kulturfeld mitproduziert. Etwa durch die Scheu im Gespräch über das Thema Leistungsaustausch. Eine Subvention ist keine milde Gabe, kein Geschenk. Sie ist jene Ressourcen die der Staat in Deals einbringt, in die Künstlerinnen und Künstler andere Ressourcen einbringen.

(Quelle: Der Standard)

Eine Polizistin wird nicht subventioniert, sondern für ihren Job bezahlt. Ein Lehrer ebenso, wie eine Chirurgin. Keine Verwaltungskraft wird subventioniert, sondern für zu erbringende Arbeit bezahlt. Wenn ich als Künstler in einem Projekt Honorare aus öffentlichen Geldern erhalte, sind das keine Geschenke.

Wenn also Debatten in solchen Zusammenhängen laufen, erkennt man ohne große Mühe ein merwürdiges Verlangen nach Herrschaftsverhälnissen.

Jeder Spießer, der mir mein Geld neiden sollte, wird sich warm anziehen müssen, falls wir das zu klären haben. Als erstes vergleichen wir unsere Jahreseinkommen, dann geht es ins Inhaltliche. Und hier ein kleiner Überblick der Motive, die wir überdies debattieren könnten:

+) Der Mäzen sagt: Ich investieren in deine Arbeit, verlange nichts dafür.
+) Der Sponsor sagt: Ich brauche einen Imagegewinn, ein Plus an Sozialprestige. Da könnten wir ins Geschäft kommen.
+) Der City-Manager sagt: Wenn du mitmachst, kann ich Kulturgelder für die PR-Arbeit nutzen und du hast auch was davon.
+) Der Landeskulturreferent sagt: Das Gesetz verpflichtet die Steiermark bezüglich eines Kulturauftrags. Das könnten wir gemeinsam wuppen, aber da machen wir einen Vertrag.
+) Der Künstler sagt: Ich hab es jetzt auf eine halbe Lehrverpflichtung hinbekommen. Den Rest schaff ich aufm Kunstmarkt.
+) Die Lehrerin sagt: Wir sind verheiratet. Ich füttere den notfalls schon durch.
+) Die Hobby-Künstler und -künstlerinnen sagen: Na, da reißen wir uns auch ein Stück Budget heraus. Weiß eh keiner genau, was eigentlich Kunst ist.

+) Origami Ninja Association
+) Für eine nächste Kulturpolitik

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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