Jahre und Zahlenspiele XII

Grobe Keile und stämmige Skulpturen

Den H2 im vorigen Eintrag hat mir Tom Kada mit „Panzerspähwagen“ kommentiert und Ferdinand Micha Lanner schrieb: „rollender Kassenschrank mit abgedunkelten Sichtluken“. Irgendwie hat er was von einem Custom Car, das in Serie ging.

Humvee: ein Auto wie ein Kerl, der nur einmal die Woche duscht.

Es zählt ja stets auch der Wow-Effekt beim Auftritt. Ergo: der H2 hat seine Fangemeinde. Sein Vorbild, der Humvee, ist da naturgemäß brachialer und nicht auf Familienfreundlichkeit ausgelegt. Doch die Form ist nicht pure Funktion, auch hier hat das Industriedesign für durchaus ansprechende Momente gesorgt.

VW Kübel: Porsches Meisterstück für Herrn Hitler.

Damit ist nun das Feld der Sport Utility Vehicles verlassen. Hier ein paar Brocken fürs Grobe. Wenn wir zurückblicken, steht der VW Typ 82 im Fokus, der VW Kübel. Dieser Wagen, 1940 bis 1945 gebaut, ist ein Meilenstein. Mir fällt kein älteres Automobil dieser Klasse ein, das so kompromißlos auf kantige Box geschneidert wurde. Soweit ich die Kübel kenne, scheint mir: der hat keine Schraube mehr als unbedingt nötig.

DKW Munga: Mehrzweck Universal Geländewagen mit Allradantrieb.

Während der Typ 82 die optische Qualität eine Skulptur zeigt und mir von allen Seiten und Blickwinkeln her ausgewogen erscheint, hat die Auto Union das bei ihrem DKW Munga (1956 bis1968 in Produktion) nicht verfolgt. Dafür macht das Häusel den Eindruck, man sei keinerlei Umwege gegangen, um dem Auge gefällig zu sein. Kantige Sache, auf Effizienz gebürstet.

Unimog steht für UNIversalMOtorGerät: What you see is what you get.

Bei einem Zeitgenossen des Munga ist das für meinen Geschmack dann optimal gelungen. Ab 1953 gab es den Unimog 401, nachdem die Mercedes-Benz das ursprüngliche Boehringer-Produkt übernommen hatte. Nachfolger Unimog 411 war noch im gleichen Design unterwegs. Ausgewogen und von allen Seiten aus schön anzusehen.

VW Iltis: das Design läßt mich einfach ratlos. (Passat- und Golf-Einfluß?)

In Deutschland konnte man das also, weshalb mir völlig rätselhaft ist, wie der VW Iltis (Typ 183), von 1978 bis 1988 gebaut, zu seinem Namen und zu seinem Design kommen konnte. Beides nicht gerade sympathiefördernd. Aber vielleicht erschließt sich die Iltis-Qualität, wenn man am Steuer sitzt. (Dazu hatte ich allerdings nie Gelegenheit.)

Während Nutzfahrzeuge im Design längst gefälliger wurden, hat das Kantige auch da und dort Eindrücke im PKW-Bereich hinterlassen. Hier noch ein kurzer Abstecher ins Historische. Wenn es statt Blech Panzerplatten sein sollen, ergab das natürlich auch recht scharf geschnittene Geräte. (Da ging es einst noch nicht um die Frage der Radar-Signatur.)

Sonderkraftfahrzeug 250: man darf es bloß nicht eilig haben.

Als Beispiel ein Halbkettenfahrzeug, das ich am Kalemegdan fotografieren konnte, der alten Festung über Beograd. Dieser leichte Schützenpanzerwagen (Sd.Kfz. 250), für unterschiedliche Zwecke im Einsatz, ist hier mit einer Panzerabwehrkanone bestückt. Solch ein Schnitt würde heute eher Richtung Batmobil weisen; quasi eine früher Fingerübung für den Tumbler. [Vorlauf] [Fortsetzung]

+) Die Übersicht

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
Dieser Beitrag wurde unter Feuilleton abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.