Jahre und Zahlenspiele XIII

Abwege: ins Gehackte

Raumüberwindung. Feuerkraft. Schutz. Das schwappt dann sogar ins triviale Fach hinüber. Beispiel: In „Fast and Furious 7“ fährt Vin Diesel als Dom Toretto einen 1968er Dodge Charger, der ein hohes Offroad-Fahrwerk hat und zwei entsprechend riesige Reserveräder senkrecht im Kofferraum.

Mopar goes wild: einer der sieben Fake-Charger.

Yuki schrieb in einem Forum dazu: „as if the 68-70 chargers were not rare enough as it is, they keep destroying the remaining few ones that are left out there. i really hate hollywood these days. in a few years there wont be any left at all.“ Aber da wurden ohnehin keine Klassiker verheizt.

Luftverlastung kein Problem, das Teil wird vom Hubschrauber abgeworfen. Der Charger ist so stark gepanzert, daß er aus nächster Nähe dem ausdauernden Beschuß durch ein schweres Maschinengewehr standhält. Und das unter rasender Fahrt auf einer Straße. Technischer und fahrdynamischer Blödsinn, der die Träume illustriert, die wir abschütteln müssen, wenn wir uns Militärfahrzeuge genauer ansehen.

Dodge Charger im Tiefflug: das gibt es so nur im Kino.

wired-Redakteur Alex Davies: „And as anyone who’s driven or seen a Charger knows, they’re not built for hitting ramps and churning dirt.“ Der für die Film-Autos verantwortliche Techniker heißt Dennis McCarthy. Er meinte: „It’s obviously hard to make a Charger into an off-road car without it looking horrible.“ Davies: „McCarthy and his team had to build the car from zero. Actually, they built seven of them…“

Das ist alles Showbiz und hat mit realem Geländefahren nichts zu tun. Es war ein langer Prozeß, Autos dafür tauglich zu machen. Die Allradgeschichte der österreichischen Automobilindustrie beginnt klobig, aber durchaus ansehnlich.

Der Vierzigpferder: Made in Austria, vom Kaiser weggewischt.

Der Panzerwagen, den Paul Daimler für die kaiserliche Armee konstruierte, mißfiel dem Monarchen allerdings. Also war dieses Kapitel damals schnell wieder abgeschlossen. (In Österreich geht bis heute oft das Ressentiment vor Kompetenz. Wir sind das gewöhnt.)

Das „Wiener-Neustädter Panzer-Automobil“ war zwar noch kein Offroader im heutigen Sinn, aber ein beindruckender Beleg für Daimlers Sachverstand. Diese 40 HP Type 1906 mit dem geräuscharmen Getriebe, also ein „Vierzigpferder“, hatte ein Achtzylinder-Triebwerk mit enormer Kurbelwelle, die aus einem Schiffsmotor stammt.

Der Mercedes-Benz G5 (W152) ist mangels besonderer Qualitäten ein fast vergessenes Fahrzeug. (Foto: Triple-green, CC BY-SA 2.0)

Nach dem Ersten Weltkrieg war völlig klar, daß man ohne leistungsfähige motorisierte Verbände keinen Feldzug mehr gewinnen könne. Das trieb die Entwicklung naturgemäß voran. Dabei entstand unter anderem ein Wagen, der formal mehr hergab als fahrtechnisch.

Ich kennen keinen einzigen Fahrbericht über den recht schweren Mercedes-Benz Typ G5 (W 152), der wenigstens einen Hauch Enthusiasmus beinhalten würde. Dieser Wagen mit lenkbaren Hinterrädern kam dann auch im zweiten Weltkrieg nicht mehr in einer wesentlichen Rolle vor. Da gab es andere Kommando- und Kurierwagen, die sich bewährten.

Puch G, amtlich: beim Bundesheer im Einsatz.

Aber der Rückblick legt eine Assoziation nahe. Ab dem Jahr 1979 wurde der Puch G produziert, aus dem die G-Klasse von Mercedes-Benz hervorging. Eine Kooperation des deutschen Konzerns mit der Steyr Daimler Puch AG, wodurch dir Grazer Allradkompetenz einen weiteren Glanzpunkt erhielt.

Der kantige G-Wagen war einst für militärische Zwecke konstruiert worden, tat sich im Kommunaldienst hervor und machte schließlich mehr als eine Karriere in der zivilen Fahrzeugwelt, reüssierte auch mehrfach als Nobelhobel.

G-Klasse: Der Nobelhobel als Zweitwohnsitz.

Die G-Klasse wurde 2018 neu gedeutet, technisch auf die Höhe der Zeit gehievt, blieb aber vom Design her in der traditionellen Ecke. Kantige Blockhütte. Eine technische Irritation, denn daß ein Wagen von rund zweieinhalb Tonnen Gewicht auf der Autobahn punkten kann und zugleich im Gelände was taugt, ist doch irgendwie merkwürdig.

Wäre nun noch der Land Rover zu nennen, wie er unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde. Maurice Wilks, technischer Direktor des Werkes, mußte mit knappen Ressourcen auskommen. Daher begann die Land Rover-Story auf Fahrgestellen des Willys Jeep.

Vorserie: Land Rover Series I 1948 (Foto: DeFact, CC BY-SA 4.0)

Die puristische Form des Landie finde ich bis heute bestechend und attraktiv. Aber ich habe mehr als 30 Jahre kein Series I Modell mehr auf der Straße oder bei einem Klassiker-Treffen gesehen. (Merkmal: keine Türschweller.) [Vorlauf] [Fortsetzung]

+) Die Übersicht

P.S.: Ich weiß schon, alle Welt verkürzt den Land Rover auf Landy, aber ich bedaure, mir leuchtet das nicht ein. Und ich bin ein wenig stur. Drum schreib ich Landie. Wie Rookie. Oder Roadie. Oder Hippie.

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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