Status quo Herbst 2022

Mich beschäftigt seit Jahren die Möglichkeit, wie sich Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft inhaltlich in Wechselwirkungen bringen lassen. Dabei stütze ich mich vorzugsweise auf Formen der kollektiven Wissens- und Kulturarbeit in Progress. Die laufenden Prozesse faszinieren mich.

Es bleibt allemal Raum, einzeln mit künstlerischer Arbeit in der Stille zu sein und ganz nach eigenem Ermessen vorzugehen. Diese Art der Kunstpraxis mag ich allerdings mit den kollektiven Modi verzahnen.

Heuer haben sich die 20 Jahre meines auf zwei Jahrzehnte angelegten Projektes „The Long Distance Howl“ gerundet. Über einige Zwischenschritte bin ich zu einem neuen Abschnitt in einer frisch formierten Community gekommen. Dabei ist „Fahrenheit reloaded“ der Angelpunkt.

Vor Ort und anderswo
Autonome Kulturarbeit in der Stadt, diverse Kooperationen, Diskurslinien, eine teilweise Vernetzung in größeren Zusammenhängen, all diese Möglichkeiten wende ich auf mein vertrautes Themenfeld an: Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst.

Dabei hat sich aktuell eine alte Kommunikationslinie neu als „roter Faden“ durch die Region empfohlen. Die historische Ungarnstraße (Strata hungarica) von Graz nach Ofen (heute ein Teil von Budapest). In diesen Faden werde ich Knoten setzen, von denen aus verzweigt werden kann. Sei es an Orte wie Fürstenfeld, sei es zu etwas weiter von dieser Route abgelegenen Räumen wie Gleisdorfs Partnerstadt Nagykanizsa…

Es geht mir da um Erzählungen zu konkreten Orten, die man gemeinsam als Räume erkennt, wenn man etwas zurücktritt und mit Abstand darauf blickt. Räume im topographischen Sinn, aber auch in der Tiefe von Zeiträumen. Der Mensch als rationales Wesen scheint mir viel geringer wirksam im Vergleich zu einem „Homo narrans“, einem Menschen, der sich die Welt in Erzählungen, in Narrativen, verständlich macht. (Mein Thema: Wir erzählen einander die Welt.)

Ein „Storytelling Human“ scheint mir weit häufiger präsent und wirkmächtig denn ein „Homo sapiens“, ein vernünftiger, womöglich weiser Mensch. Das muß ja nicht als schlechte Nachricht verstanden werden. Es setzt bloß so manchen Fokus in unserer Kultur anders als es unsere Konventionen tun.

Postskriptum
Ich mag an diesem Motiv festhalten: Weltgeschichte berührt Regionalgeschichte. Die letzten rund 200 Jahre haben viele Ereignisse und Entwicklungen aus größeren Zusammenhängen ihre Entsprechungen in der Geschichte der Steiermark erfahren. Was die nun beendete „Dampfmaschinenmoderne“ und die neue Ära der „Vierten Industriellen Revolution“ angeht, siehe aktuell: „Standortbestimmung“!

Aktuelle Projektübersicht
+) Fahrenheit reloaded (Eine Erzählung)
+) Zeit.Raum (Dialogisch. Struktur und Erzählung. Ein Ensemble.)
+) Der milde Leviathan (Journal und Diskursraum)
+) Beuys 101 (Eine Erzählung in Momenten und Episoden)
+) Welt, Wildnis, Kunst (Eine Erzählung in einzelnen Werken und Episoden)
+) Das Kontor (Beiträge aus dem laufenden Arbeitszusammenhang)

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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