Jahre und Zahlenspiele VIII

Vollstrom und Blockhütte

Meine vorige Notiz präzisierte Ferdinand Micha Lanner mit einem Kommentar: „Ja, ein anfänglicher Fehler der Aerodynamiker: den Auftrieb zu vernachlässigen. Und das Giermoment. Daher die Seitenwindempfindlichkeit, die eigentlich fehlender Bodendruck war.“

Formel-1-Rennwagen W 196 R von 1955 (Foto: Alexander Migl, CC BY-SA 4.0)

Das Gieren ist eine Schlingerbewegung von Fahrzeugen um eine senkrechte Achse. Bei Automobilen sind die Raddrehzahlen, die Querbeschleunigung und die Gierrate wesentliche Aspekte der Stabilität während der Fahrt.

Lanner weiter: „Die verkleideten F1 wurden daher für kurvenreiche Strecken von den Fahrern gefürchtet. Nicht nur wegen der mangelnden Sicht auf die Vorderräder. Daher entstand bei Mercedes ja 1954 schnell die unverkleidete Version, trotz des eindrucksvollen ersten Sieges im Reims.“

Schlankerer Monoposto von 1954: Mercedes W196 (Foto: Murgatroyd49., CC BY-SA 4.0)

Ab und zu sah man bei Rennen unter hoher Geschwindigkeit ein Auto die Bodenhaftung verlieren und aufsteigen wie ein Blatt Papier. (Geben Sie auf Youtube zum Beispiel „Le Mans Flying Cars“ oder „Mercedes flip“ ein!)

Lanner: „Noch Anfang der siebziger Jahre hatte ein Durschnittsauto bei 130-140 km/h nur noch ca. 100 kg und weniger auf den Rädern. Ground effect und Diffusor kamen durch die F1 erst in die Serienfahrzeuge. (Siehe dazu solche schrägen anfänglichen Experimente wie den Alfa Romeo von Ecclestone/Lauda mit ‚Staubsauger‘ im Heck.“

Eine verwandtes Thema hatte ich eben in einem Telefonat mit Matthias Göschke erörtert. Er arbeitet derzeit in Südtirol an einem außergwöhnlichen Projekt und wir haben uns über Allradfahrzeuge unterhalten.

Hochkarätiger Offroad-Instruktor: Heribert Dietrich

Er wies mich darauf hin, daß manche Militärfahrzeug zum Schwimme zu schwer, aber zum Waten etwas zu leicht sind. Ein stählernes Schiff schwimmt dann, wenn das Gewicht der vom Rumpf verdrängten Wassermenge größer ist als das Gewicht des Schiffes.

Dieser Auftrieb wirkt auch bei einem Auto, wenn es ausreichend dicht ist, beim Durchqueren eines reißenden Flusses. Dabei kann die Bodenhaftung der Räder so gering werden, daß die Karre vom Wasser weggerissen wird.

Das hat mich an eine bemerkenswerte Nachhilfestunde auf dem Testgelände in Thondorf erinnert: Mit dem Puch G in den Wassergraben. Ich hatte den besten Instruktor, den man bekommen kann. Und ich staunte, welche Bugwelle der G-Wagen aufbaut.

Puch G: Mit der Blockhütte in den Wassergraben.

„Das schlimmste, was man einem G antun kann, ist Heribert Dietrich und der Schöckl.“ So hieß es in „Der Geländewagen“ (Offizielles Magazin des G-Clubs), Ausgabe 2/1991. Dietrich war in den 1960er Jahren vor allen bei den Sixdays und im Motocross (Europameister) erfolgreich, später österreichischer Staatsmeister im Geländewagen-Trial und Chef-Tester bei Steyr-Daimler-Puch.

Das bedeutet, ich war im Puch G zwar gut angeschnallt, aber es ging nicht ohne blaue Flecken ab. Ein kleines Video vom Sommer 2012 bietet kurze Eindrücke, wie wir mit dem G-Wagen baden gegangen sind. [Vorlauf] [Fortsetzung]

+) Das Video (mp4, 40 MB)
+) Lanners Zuckerfabrik 24
+) Die Übersicht

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
Dieser Beitrag wurde unter Feuilleton abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.