Howl: Jahr 18, sieben

Netzwerke und prozeßhafte Arbeit, Teil I

Was ich vor Jahren als Kulturpakt Gleisdorf konzipiert und eingeführt habe, hielt bis ins erste Quartal 2015, um dann etwas völlig anderes zu werden. Was es 2013 und 2014 war, verdankt sich der konzeptionellen Leistung und kontinuierliche Umsetzung dr Kulturinitiativen Kultur.at und Kunst Ost.

Covermotiv „Next Code Love“

Es wurden hinterher einige erstaunliche Behauptungen aufgestellt, wie es gewesen sei. Das widerspricht teilweise der ziemlich lückenlosen Dokumentation im Web, anhand derer Sie sich selbst ein Urteil bilden können.

Konferenz der Provinz
Die Vorgeschichte solcher Art von Wissens- und Kulturarbeit begann im März 1997 mit der Konferenz der Provinz:
+) Das Konzept: Zehn vorläufige Punkte
+) Die Protokolle

Ich hab damals schon die Zentralisierung vermieden. Wir blieben mit unseren Arbeitstreffen auf Wanderschaft durch die Steiermark. Protokoll #52 vom Februar 1999 ist der letzte Eintrag dieser Serie. Dem folgte im gleichen Jahr das
+) Das xplus-info
…als weiterführender Kommunikationskanal. Das erste xplus-info stammt vom März 1999. Diese Serie ging im Oktober 2000 per v@n-Info #001 in eine nächste Ebene über. (v@n = virtuelle akademie nitscha, eines der überhaupt ersten Netzkulturprojekte Österreichs.)
+) Das v@n-Info

Ich halte die zehn Punkte jener Konferenz der Provinz (Erstfassung: Mai 97) nach wie vor für höchst relevant und den zehnten Punkt für völlig unverzichtbar, wovon die Kulturleute in der Oststeiermark aber völlig abgegangen sind:

„10) Die Konferenz der Provinz darf nicht ihrerseits Zentrum werden. Deshalb wurde sie auch nicht im Raum Gleisdorf verankert (woher sie ausgegangen ist), sondern wandert durchs Land, wobei jedesmal eine andere Kulturinitiative gastgebend agiert …“

Veronica Kaup-Hasler, damals herbst-Intendantin

Genau dieser Modus war auch das Prinzip in den folgenden Arbeitstreffen von Kunst Ost. Ich erinnere mich, es wurde manchmal sogar angefochten, daß wir uns bei einer Kulturinitiative außerhalb projektbezogener Verwaltungsgrenzen trafen. Es ließ sich aber durchsetzen, das geistige Leben einer Region nicht an solchen Grenzen zu stoppen.

Verzweigungen in die Welt
Der neue Abschnitt hatte wesentliche Wurzeln in zwei Ereignissen. Wir haben einerseits bei Kultur.at im Jahr 2007 eine Kooperation mit dem Festival steirischer herbst erreicht, was durch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gleisdorf dann in vollem Umfang praktisch umsetzbar wurde: next code love.

Wir haben andrerseits 2008 erreicht, daß Gleisdorf über eines unsere Kunstprojekt Teil der ersten steirischen regionale wurde: next code: divan. Zusammengefaßt: [Link]

Ich habe mit dem damaligen Gleisdorfer Kulturamtsleiter Winfried Kuckenberger vereinbart, daß wir für andere Kreative der Region ein Begleitprogramm erarbeiten und so den erheblichen Aufwand besser nutzen. Darauf bezog sich ein wichtiges Initialereignis:
+) Informationsabend, 6. März 2007, ab 18.00 Uhr

Das wurde der Auftakt einer Serie von Arbeitstreffen, zu denen Kunst Ost auf Wanderschaft durch die Region eingeladen hat; jeweils in Kooperation mit Kulturinitiativen vor Ort.

Kulturpakt Gleisdorf
Aus all diesen kontinuierlichen Erfahrungen hab ich das Konzept für den Kulturpakt abgeleitet. Zwischen 2009 und 2013 hatte es eine wichtige inhaltliche Entwicklung gegeben, die in der Vorlaufphase zum Kulturpakt Gleisdorf notiert ist. Darin verlief die Arbeit entlang dem folgenden Bogen:

Martin Krusche, Projektleiter von Kunst Ost, in einer Filiale des „Amtes für allgemeines Können“

+) Start: 2009 …als Projekt des „kultur.at: verein für medienkultur“ Erstes LEADER-Kulturprojekt der Steiermark
+) Hauptgegenstand des Projektes: Der Gegenwartskunst zu mehr Raum, Augenmerk und Gewicht verhelfen.
+) Kontext: Bedingungen einer Eigenständigen RegionalentwicklungPlus: Bottom up-Prinzip gemäß LEADER, Lokale Agenda 21 und Regionext.

Darin ein wesentlicher kulturpolitischer Aspekt, im Protokoll als Besonderheit hervorgehoben: „Mindestens 80% der Kreativen in der Region sind nicht der Gegenwartskunst verpflichtet, sondern repräsentieren die Voluntary Arts. Viele ländliche Gemeinden sind ohne adäquate Vorgeschichte, daher ohne relevante Fürsprache pro Gegenwartskunst. Wir müssen zwischen diesen beiden Genres vermittelnd wirken und können die dominanten Themenstellungen der Energieregion nicht ignorieren, sehen uns aber verpflichtet, UNSER Hauptthema (Gegenwartskunst) im Fokus zu behalten.“

Genau diesen Punkt hat übrigens 2015 die Kulturpaktbeauftragte der Gemeinde aus dem Konzept gelöscht. Das Dokument: kulturpakt gleisdorf, memo vom 13.05.2013 (PDF-Datei)

+) Netzwerke und prozeßhafte Arbeit, Teil II

— [Stadt-Land] —

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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