offen. ehrlich. direkt.

wer meine sprache korrumpiert, korrumpiert meine welt und beschädigt damit mein leben. so einfach ist das. wenn wir keine begriffe haben, wissen wir nicht worüber wir reden. Ich muß also die aussagen der leute zutreffend entschlüsseln können.

deshalb bestehe ich auf diesem fließgleichgewicht zwischen denken, reden und tun als einem ausruck von redlichkeit. kann ich mich auf diese konvention nicht wenigstens weitgehend verlassen, führt uns das zum faustrecht zurück. dann hat immer der vorteile, von dem ich mit seinen worten getäuscht werde. das ist ein symbolisches äquivalent zum härteren zuschlagen mit einer waffe.

das oben angebrachte bild zeigt einen ausschnitt aus einem FPÖ-inserat, welches im weekend-magazin vom 17. mai 2019 erschienen ist. die partei wirbt mit der botschaft „Offen. Ehrlich. Direkt. Wir sagen, was Sache ist“. was ich mir darunter vorstellen darf, wurde am gleichen tag offenkundig.

an eben jenem 17. mai 2019 erschien im web ein video, das uns hace strache und joschi gudenus vorführt, die völlig bedenkenlos und ungeschminkt darlegen, was sie tun würden, wenn sie die möglichkeit dazu hätten. das belastet selbstverständlich auch ihre pertei u nd ihren koalitionspartner erheblich.

schließlich fällt so ein denken nicht vom himmel, macht keine punktlandung ohne wirkung auf das umfeld, kann daher auch notfalls nicht mit dem wischmop beseitigt werden. ganz im gegenteil, solche posen sind das ergebnis von konkreten verhältnissen und beziehungen.

es muß also vorher etwas dagewesen sein, damit ein politiker-gespann im karriere-aufstig solche optionen vorträgt. man muß allerdings ziemlich schmerzunempfindlich sein, um nach so einer skandalösen show noch im licht der öffentlichkeit zu verweilen.

man muß überdies ziemlich unverfroren sein, um sich selbst eine völlig unbfleckte weste zu attestieren, wenn man über jahre mit solchen leuten zusammengearbeitet hat. was mir dieser tage via medien von funktionären an betroffenheitsgymnastik und moraltrompeterei zugemutet wurde, nehme ich den leuten übel.

es hätte mir gefallen, wenn jemand aus derlei regierungskrisen betroffenes schweigen gezeigt hätte, wenn wir hätten sehen dürfen, daß jemand, statt ausflüchte und floskeln abzusondern, einfach schmagefühl zeigt. mir fällt dafür kein beispiel ein.

exponierte leute der FPÖ und der ÖVP bemühten sich nun nach kräften, mir den eindruck zu erwecken, dies sei alles dem alkohol, womöglich drogen geschuldet.

diese sprüche kenne ich seit jugendtagen, als ich mich noch mit ribiselwein betrank, weil mir andere alkoholika nicht geschmeckt haben: „ich war total betrunken, sonst würde ich sowas nie tun.“ aber ist es nicht so, daß gerade berauschtheit offenlegt, was in jemandem steckt?

dazu kommt, daß einerseits spitzenkräfte für ihr team haften, andrerseits handeln die malversationen, wie sie strache beschrieben hat, von komplexer netzwerkarbeit. daher müssen zwangsläufig auch andere personen hinter den kulissen verfügbar sein, die solche deals handhaben könnten, wenn sie denn greifbar würden.

hier hat ja kein kleiner praktikant sich schwüle träume von pesönlicher größe gegönnt, sondern zwei spitzenfunktionäre der FPÖ ließen uns unfeiwillig in ihre seelen blicken. das bedeutet unter anderem, ich werde nie klären können, wie tief die bereitschaft zu kriminellen handlungen innerhalb der betroffenen formationen reicht, aber das mißtrauen bleibt. es ist von der konkreten schamlosigkeit und der hochfliegenden anmaßung gefärbt, die mir dieses video zeigt.

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Facebook-Notiz vom 29.5.2019

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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