Konvergenz: Handfertigkeit und Poesie II

Das heurige Aprilfestival wurde von Kurator Winfried Lehmann unter den Titel „Los!Lassen!“ gestellt. Das legt eine Bedeutungsvielfalt vor, in dem der kultur.at: verein für medienkultur einen speziellen Aspekt bearbeitet. Dieses Teilthema gibt Sonntag, den 24.4.2016, dem Aprilfestival-Kulturtisch den Titel „Handfertigkeit und Poesie“.

Die Altmeister Manfred Haslinger (links) und Fredi Thaler

Die Altmeister Manfred Haslinger (links) und Fredi Thaler

Wer über körperliche Arbeit abschätzig denkt, hat nicht begriffen, wie wir Menschen gemacht sind. Der Schaffensprozeß, die Poiesis, ist ein Zusammenwirken mehrerer Instanzen, unter denen der Leib eine fundamentale Rolle spielt; und zwar nicht bloß als „ausführendes Organ“. Er wirkt in all seinen Aspekten der Wahrnehmung (Aisthesis) eben auch inhaltlich mit.

Die Handfertigkeit, also das Geschick der Hände, fällt nicht vom Himmel. Sie wird erarbeitet. Aber eben nicht bloß um zu dienen, sondern um den Schaffensakt auch in seinen Inhalten mitzubestimmen. Poiesis (Poesie = Herstellen) und Aisthesis (Ästhetik = Wahrnehmung) sind in Kunst und Handwerk gleichermaßen wichtige Kategorien.

Was davon sollten wir unbedingt erhalten, was allenfalls loslassen, aufgeben, wo wir gerade in eine Vierte Industrielle Revolution gehen? Maschinensystem lernen rapide. Was übergeben wir ihnen, woran halten wir besser fest?

Graphic Novelist Chris Scheuer

Graphic Novelist Chris Scheuer

All das wird schon auf dem Weg zum heurigen Aprilfestival in einigen Schritten greifbar gemacht. Die Reihe „Talking Communities“ (Kunst Ost) bringt Gelegenheit, mit Meistern ins Gespräch zu kommen. Einen Abend gestalte ich mit Fredi Thaler und Manfred Haslinger. Sie kommen aus der Industriearbeit und haben sich über viele Jahrzehnte Kompetenzen erworben, die ich zum Anlaß nehme, mit ihnen Fragen zur „Ehre des Handwerks“ zu erörtern.

Ein anderer Meister sagt über sich: „Wenn ich etwas nicht verstehe, dann hab ich es noch nicht gezeichnet.“ Der Graphic Novelist Chris Scheuer erkundet die Welt, indem er zeichnet, was ihn interessiert. So begreift er, womit er es zu tun hat. Wenn der Schaffensakt dann ein Ausdruck gewonnener Klarheit wird, nennt er das so: „Der Bleistift ist das Abbeuteln des Denkens.“

Diese beiden Abende werden Ihnen Vorstellungen verschaffen, daß Kunst und Kunstfertigkeit zwei verschiedene Kategorien sind, die nicht verwechselt werden sollten. Aber sie schöpfen natürlich teilweise aus den gleichen Quellen und sie dienen gelegentlich den selben Intentionen eines Menschen.

Blues-Musiker Sir Oliver Mally will übrigens zu dieser Themenstellung auch eine Session mit mir absolvieren. Die wird aber nicht diskursiver Natur sein. Da greifen wir neu auf, was wir vor rund dreizehn Jahren schon einmal durchgenommen haben: „Die Kraft der Poesie“.

+) Eine Kooperation mit Fokus Freiberg [link]
+) Handfertigkeit und Poesie [link]

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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