Axiom: Verzweigung

Für unsere konstituierende Konferenz waren Jelena Juresa und Ivana Volic nach Österreich gekommen. Die Künstlerin und die Wissenschafterin, wechselseitig beiden Metiers, der Kunst und der Wissenschaft, verpflichtet.

Jelena Juresa (links) und Ivana Volic

Mit uns am Tisch Kunsthistorikerin Mirjana Peitler-Selakov und Historiker Karl Kaser, Leiter der Abteilung für Südosteuropäische Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz. Der unmittelbare Anlaß ist unser aktueller Brückenschlag.

Juresa und Volic haben gemeinsam mit Mirko Sebic das Projekt „Our Places“ entwickelt: „Eine Geographie des Erinnerns und Vergessens“. Darin sind eine ganze Reihe von Fragestellungen enthalten, die wir teilen, an denen wir gemeinsam arbeiten wollen.

Wir sind uns einig: Wo wir über Zukunft sprechen, sind die Aufgabenstellungen für die Länder des vormaligen Jugoslawiens auch die Aufgabenstellungen ganz Europas. In der Frage nach einem multiethnischen „Wir“ und in den darin enthaltenen Konfliktpotentialen sind nicht bloß die südslawischen Völker, sondern wir alle gefordert, praktikable Antworten zu finden.

Karl Kaser und Mirjana Peitler-Selakov

Daß wir für die gemeinsame Reflexion und Praxisschritte Mittel der Kunst und der Wissenschaft kombinieren, ist absolut naheliegend. Das entspricht unserer langjährigen Praxis.

Daß wir für ein längerfristiges Vorhaben in Kooperation von der Provinz ausgehen, ist ebenso naheliegend. Die Erfahrung eines aufrechten, aber meist verschwiegenen bis unterschlagenen Spannungsverhältnisses innerhalb des alten Denkmodells „Zentrum/Provinz“ ist im Kleinen und Regionalen ebenso auffindbar wie gesamteuropäisch.

Wir sind einander übrigens nicht fremd. Mit Karl Kaser verbindet uns schon eine lange Vorgeschichte. Er bot uns außerdem für unseren Beitrag zum Festival „steirischer herbst“ im Jahr 2008 („next code: exit“) einen wichtigen „Angelpunkt“; sein Eröffnungs-Vortrag „Balkan heute“ leitete zu unserer längerfristigen Kooperation mit dem serbischen Kollektiv „Led Art/Art Klinika“ über.

Diese Formation stammt aus Novi Sad, woher auch Jelena Juresa kommt. Kasers Vortragstext finden Sie hier: [link]

Ivana Volic, Mirjana Peitler-Selakov und Martin Krusche

Kleiner Einschub:
Novi Sad ist jene Stadt in der serbischen Vojvodina, wo wir 2010 unsere Reihe „talking communities“ gestartet haben: [link]

Juresa war 2010 unser Gast beim „FrauenMonat“ von „kunst ost“. Mit ihrer Installation “What It Feels Like for a Girl“ hatten wir in der Mehrzweckhalle von Urscha-Labuch eine außergewöhnliche Situation erlebt: [link]

Da sind also jetzt einige Ereignislinien zu bündeln. Das Projekt „Our Places“ hat verschiedene Bezugspunkte. Dazu gehört auch „networking with people engaged in the same fields from across Europe“. Wir fassen dabei nicht weniger als eine „neue symbolische Geographie“ in’s Auge.

Hier ist also nun eine neue Markierung gesetzt, die sich auf der österreichischen Seite derzeit als eine Arbeitsebene des Teilprojektes „the track: axiom“ entfalten wird. Siehe: [link]

Das ist ein „Kapitel“ im aktuellen Abschnitt („the track“) des 2003 begonnen Langzeitprojektes „the long distance howl“. Siehe dazu: [link] [srpska verzija]

Jelena Juresa, Mirko Sebic und Ivana Volic haben ihr „Our Places“ ebenfalls mehrjährig angelegt, werden es von 2012 bis 2017 realisieren.

Der österreichische Bezugspunkt ist augenblicklich als eine Kooperation von „kultur.at“ und „kunst ost“ angelegt. Die Kooperation mit der Abteilung für Südosteuropäische Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz [links] wird noch präzisiert.

— [the track: axiom] —

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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