und dann 2050?

wenn sich zur frage der gestaltung unserer zukunft nicht nur leute aus der welt funktionstragender angesprochen fühlen sollen, wird es knifflig. „bottom up“, „bürgebeteiligung“, fein, aber wie gelingt kommunikation zwischen milieus, die kaum praktische erfahrung haben, einen austausch in augenhöhe zu pflegen? und wie gelingt dann erst konkrete kooperation?

solche fragen dürften im hintergund lauern, wenn es etwa um projekte wie „ienergie weiz-gleisdorf“ geht; siehe: [link] KOMMUNIKATION scheint mir dabei übehaupt DAS „schlüsselereignis“ zu sein. nun hat ein erster öffentlich zugänglicher abend zu dieser themenstellung stattgefunden: wie soll sich die region entwickeln? wie wollen wir in 40 jahren leben?

michael narodoslawsky von der tu graz

dazu hat ein projektteam fünf szenarien entworfen. das sind keine prognosen, sondern bloß denkmodelle von möglichen situationen in der zukunft. es stand dem publikum frei, eines der szenarien als das plausibelste hervorzuheben. ich hab zuerst eine eher pessimistische einschätzung bevorzugt. mit einer kleinen runde von „kunst ost“-leuten fanden wir uns dann aber bei der optimistischsten version wieder.

das hatte sehr wesentlich mit einer kurzen erörterung mit michael narodoslawsky von der tu graz zu tun, der bei jenem modell als diskussionspartner zur verfügung stand. er empfahl: „trennen wir einmal projekt und regionale realität“, was vermutlich meint, man solle sich den kopf frei machen, denn: „irgendwo muß man einmal anfangen zu klären, wo die region eigentlich hin will.“ dabei sollte man sich vermutlich nicht von überlegungen bezüglich des status quo einengen lassen.

rechts: malerin michaela knittelfelder-lang

narodoslawsky betonte: „regionalentwicklung spielt sich in den köpfen und in der kultur ab. wenn es da nicht hineingeht, ist es keine regionalentwicklung, sondern ein technologieprojekt.“ auf die frage, wovon wohl günstige veränderungsprozesse in einer ganzen region ausgelöst würden, falls für die menschen klar sei, WAS die region sei und was das alles mit ihnen zu tun habe, meinte narodoslawsky: „es braucht einen zündenden funken.“ und der habe mit IDENTITÄT zu tun.

aber welche IMPULSE könnten so einen funken auslösen? was muß geschehen, damit etwas „überspringt“? dazu meinte narodoslawsky, es gehe nicht nur um die impulse, sondern daß sie auch RESONANZ fänden. das skizziert ja klar eine KOMMUNIKATIONSSITUATION, vorzugsweise nicht im alten „broadcasting-modus“: ein sender, viele empfänger.

genau damit haben wir aber, trotz mehrerer jahre neuer mediensituation, noch erhebliche probleme: wie kommunizieren viele sender mit vielen empfängern, so daß mehr als bloß geschwätzigkeit und hintergrundrauschen herauskommen? müssen wir da auch mit inhalten anders umzugehen lernen? was bedeutet so eine kommunikationssituation für die welten „alter funktionärsherrlichkeit“? was heißt das für bürgerinnen und bürger, die den staat eher als service-eirichtung betrachten?

von links: wissenschafterin ulli vilsmaier, projektleiter matthias schaffer, bürgermeister christoph stark und wissenschafter michael narodoslawsky

wenn als IDENTITÄT bei solchen vorhaben ein zentraler faktor ist, dann haben wir unter anderem von kulturellen agenda zu reden. wenn es um identität gehen soll, müssen wir ja eine vorstellung entwickeln, wer wir sind. das ist immer auch ein umgang mit DIFFERENZ.

wo im scheinbar widersprüchlichen ein größeres ganzes erkennbar werden mag, muß zur „erzählung“ dieses größeren ganzen eine vielfalt an stimmen zugelassen sein. auf dem boulevard suggeriert uns gängige medienpraxis, das sei nur über komplexitätsreduktion und knappe slogans/headlines möglich. ich bezweifle das…

[2050: übersicht]

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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2 Antworten auf und dann 2050?

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