Was es wiegt… #93: Die Wonne und der Grießschmarrn

(Beiträge und Fragen zu einer nächsten Kulturpolitik)

Ich bin da in meiner Einschätzung ohne Konzilianz. Wer den Kulturbereich als PR-Maschine nutzt und Kulturbudgets in solchem Sinn verheizt, korrumpiert die Zukunftsfähigkeit eines Gemeinwesens, beschädigt seine Fundamente, plündert seine materiellen und immateriellen Vorräte. Das ist ein apolitisches Verhalten.

Es ist schon mühsam genug, jene Auftritte auszugleichen, in denen Kunst und Kultur zu Distinktions-Generatoren herabgestuft, zu Mägden des Marketings gemacht werden. Da fährt vorzugsweise die Verwaltung ins Geschehen, um sich der Politik anzudienen und die eigenen Jobs zu festigen.

Sie ahnen gewiß, wie populär ich mit solchen Ansichten bin. Ich ahne allerdings, wie es kommt, daß ich unterm Kulturvölkchen keine Debatte über derlei Fragen finde. Auch die IG Kultur Steiermark kommt da nicht in die Gänge.

Als sich bei uns das letzte Mal eine Mittelschicht im großen Stil gegen ein soziales Abrutschen stemmte, führte das in den Faschismus. Was wird es diesmal werden, wenn unsere neue Bourgeoisie dem aktuellen Druck auf ihre Positionen standhalten soll? Der öffentliche Diskurs ist schon einmal festgefahren. Wer offen Kritik übt, darf selbst im Kulturbereich mit Post von einem Anwalt rechnen.

Richtungsfragen
In jeder Kommune wird das politische Personal stets neu entscheiden müssen, ob das laufende Geschehen bezüglich der Bürgerinnen und Bürger eher Richtung Konsumation oder Partizipation gelenkt werden soll. Da wird einiger Handlungsspielraum bleiben, solange man in den Kassen noch genug Geld findet.

Man muß es den Menschen sicher nicht übelnehmen, wenn sie sich für Komfort entscheiden. Das kostet bloß – wie auch in Fragen der Sicherheit – sehr bald einiges an Selbstbestimmung und Freiheit. Wir wissen aus Vergangenheit und Gegenwart: auch da sind viele unserer Mitmenschen nicht zimperlich. Sie geben Freiheit preis, wenn Komfort winkt.

Wer das beklagt, setzt vermutlich am falschen Ende der Geschichte an. Bei fortwährenden Belastungssituationen, wie wir sie nach meiner Einschätzung längst haben, wird das Feld sprunghaft enger. Wo kommen dann genug Menschen her, die zur Eigenverantwortung tendieren und sich im Gemeinwesen aktiv zeigen (Partizipation), statt das Konsumieren zu bevorzugen?

Ich glaube nicht daran, daß man ein Volk „erziehen“ kann. Was mit genügend Druck und Propaganda machbar erscheint, hat eine knappe Halbwertszeit. Das wissen wir aus den 1920ern, den 1930ern. Sie Corona-Pandemie hat uns auch Aufschluß gegeben, welchen pädagogischen Nutzen Druck hervorbringt.

Da wir in der Steiermark gerade das Thema „Kulturstrategie 2030“ auf dem Tisch haben: wer mir hier den Modus „Wonne/Grießschmarrn“ referiert, hat mindestens relevante Optionen einer intellektuellen Selbstachtung aufgegeben.

— [Das Weizer Panel] —
— [The Long Distance Howl] —

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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