Zwischenstand

Najaaaaa, ich dachte eine Weile, dies sei eine passende Zeit aktueller Standortbestimmungen und Befunde. Falsch gedacht! Ganz erstaunlich, wie ruhig es zu etlichen Themen da draußen ist. Dabei hat gerade das Kulturvölkchen den aktuellen Umbruch so markant um die Ohren, es ginge kaum deutlicher.

Die Phase zwischen 2010 und 2020 hat uns alle in die Konsequenzen der amerikanischen Wirtschaftskrise von 2008/2009 getaucht. Für die Steiermark hieß das ab 2010: Verwaltungsreform, Doppelbudgets, Gemeindezusammenlegungen, ein harter Sparkurs für etliche Bereiche. (Natürlich hat das die Kultur speziell getroffen.)

Zugleich sind ab 2010 Big Data und die Vierte Industrielle Revolution unübersehbare Fakten geworden. In der Mitte des Zeitfensters, um 2015, haben enorme Schübe in weltweiten Flüchtlingsbewegungen unser hausgemachten Systemschwächen verdeutlicht. Was wachsende Klimaprobleme abgeht, meine viele Leute, unsere aktuelklen Wettererfahrungen seien noch kein Beleg dafür. Erstaunlich!

Die einbrechende Ressourcenlage der Jahre zuvor hat im Kulturbereich für ein verdecktes Rat Race um verbliebene Mittel gesorgt. Das führte innerhalb des Kulturvölkchens zu allerhand schäbigen Effekten. Das verlockte die Leute in so manchem Verwaltungsbereich, Kulturbudgets zu kapern, um sie für andere Zwecke zu nutzen; vorzugsweise für PR-Arbeit und generell für die Stärkung der eigenen Abteilungen. Das sind Mittel, die uns bei der Wissens- und Kulturarbeit fehlen.

Haben wir darüber einen kritischen Diskurs? Haben wir nicht! Das alles zeigt sich freilich längst in kuriosen Details. Zum Beispiel: unser Kulturminister stümpert: „DJ Ötzi und das Steirertum“. Unser steirischer SPÖ Clubchef stümpert: „Ich, Hannes Schwarz, Sozialdemokrat“. Keine Debatte. „Die neue steirische Landesausstellung“ läuft, keine Debatte. Die steirische Kulturpolitik behauptet ein neues Verlangen nach Volkskultur. Wo sind die Belege dafür?

So geht es dahin. Ich sehe „Krusches Kontinentaltheorie“ weiter bestätigt. Was als eine eher homogene „Szene“ beschrieben wird, ist es nicht. Es bestehen Kulturen und Konzepte wie auf verschiedenen Kontinenten. Das führt auch zu Kollisionen. Dabei ist Guerilla Marketing keine Ausnahme. Ein Milieu klaut die Bilder und Begriffe eines anderen Milieus und promotet damit seine eigenen Geschäfte.

Das finde ich auch im Kleinformat, bei einzelnen Personen. Immerhin, es läßt sich derzeit gut betrachten, welche Art von Effizienz regiert. Das will behübscht sein. Ich mag dieses meiner Mantras besonders: „Menschen. Haben. Interessen!“

Ich mag aber auch die Vorstellung, daß wir uns für Güte und Vertrauten entscheiden könnten. Ich muß träumen können, sonst würde ich sofort aus der Welt fallen. Ich denke, der Vertrauensverlust zählt zu den besonders schweren jener Bürden, die wir uns in den vergangenen Jahren aufgeladen haben. Kein Naturereignis, sondern von uns gemacht.

Gut! So ist es und da sich gesellschaftliche Angelegenheiten stets verändern, wird auch das alles in Bewegung kommen, egal wohin. Ich bin heute noch mit einigen erfreulicheren Aspekten befaßt. Abends werden wir im Graz Museum die Eröffnung der Ausstellung „Geteilte (in)Kompetenzen“ erleben können.

Das Booklet dazu war für mich nach langer Zeit wieder einmal Anlaß für konventionelle Redaktions- und Layoutarbeit, was mich etwas sentimental gemacht hat. Das gab auch ein paar launige Momente, etwa um meinen Issuu-Account wieder in Schuß zu bringen, denn der lag noch im Bereich meiner alten Kultur.at-Adressen, die längst nicht mehr existieren.

Kurios zu erleben, daß es mit dem Support übern großem Teich hinweg schneller klappt als zu Hause. Ich hab mich dafür schließlich bedankt, was mit dieser Nachricht endete: „Jun 30, 2021, 13:38 GMT+2 / Hi Martin / Thank you for the update. Have a lovely day! / Maria (Issuu Success)“

Hier einig Links zu den erwähnten Themen
+) Das Booket zur Ausstellung
+) DJ Ötzi und das Steirertum
+) Ich, Hannes Schwarz, Sozialdemokrat
+) Die neue steirische Landesausstellung
+) Krusches Kontinentaltheorie

— [Wachsende Unruhe] —
— [Das 19. Jahr] —

Post Scriptum
Das Regenfoto stammt von meiner Ausfahrt mit Musiker Oliver Mally. An diesem Tag wurde klar, daß Emil Gruber nun verlöscht. Kurz darauf ist er gegangen.
+) Sturm im Rücken (Eine Session des Oliver Mally)
+) Emil Gruber, 1959 bis 2021 (Was bleibt, wenn einer geht?)

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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