Reglements und Haftungsfragen

Wir müssen die Inzidenzzahlen sinken sehen, damit wir im Kulturbereich steigende Bewegungsfreiheit erhalten. Wir bleiben für unsere Vorhaben (ganz unabhängig von detaillierten medizinischen Sachlagen) darauf angewiesen, daß wir unsere neuen Konzepte mit behördlichen Vorschriften und daraus resultierenden Haftungsfragen abstimmen können.

Der „Zeit.Raum“ in der Gleisdorfer Bürgergasse hast zwei „Bildschirme“.

Dabei müssen wir aber auch noch dem Publikum Modi bieten, auf die sich Menschen einlassen wollen und können, sonst bleiben sie zu Hause. Hilft uns die Kulturpolitik dabei? Das sehe ich momentan noch nicht.

Ich hab derzeit drei Erfahrungsräume im Blickfeld, die mir dazu Klarheiten liefern sollen. Ein vierter ist derzeit noch völlig in der Schwebe und zumindest für uns Kunstvölkchen aufschlußreich.

+) Bezugsrahmen #1: mein konzeptionell betonter Bereich mit dem „Zeit.Raum“.
+) Bezugsrahmen #2: der performativ gewichtete Bereich von Musiker Sir Oliver Mally.
+) Bezugsrahmen #3: der performativ gewichtete Bereich der Übüs, also Theater.
+) Bezugsrahmen #4: der Motorsport, das Moped-Beschleunigungsrennen von Manuel Wutti.

Damit ist gemeint, daß wir in den Bereichen #1 bis #3 permanent an Umsetzungsfragen arbeiten, bei Bereich #4 ist abzuwarten, was die Behörde nahe dem Termin am 24.7.2021 zuläßt. In meinem Bereich besteht ein Handlungsspielraum, der von behördlich verfügten Reglements vorerst nur minimal betroffen ist. Bei Oliver Mally ist das ganz anders. Dessen Live-Arbeit verlangt seit vielen Monaten nach ständigen Revisionen.

Bei den Übüs, also Rezka Kanzian und Franz Blauensteiner, herrscht im Moment noch eine Entwicklungsphase vor, in der neue Modi erprobt werden, da das Paar im Vorjahr sein „Werkraumtheater“ liquidieren mußte.

Mally ist sehr auf die Live-Arbeit konzentriert, hält wenig vom Streaming, will der Telepräsenz nur minimalen Raum geben. Er besteht auf realen sozialen Begegnungen. Mally ist aber auch laufend mit der Arbeit an neuen Tonträgern befaßt, wofür er sich mit Musikern im Tonstudio treffen muß. Dazu gehört für die Leute Reisetätigkeit und Übernachten etc. Dafür sind die Einschränkungen und Kosten derzeit in Summe erheblich.

Die Übüs: Open Air-Konferenzchen im Gleisdorfer Stadtpark.

Für die Übüs war der Verlust des Theaterraumes ein sehr harter Schlag. Derzeit arbeiten sie konzentriert an Produktionen, die sich per Videoclip umsetzen lassen und via Internet angeboten werden können. Der direkte Publikumskontakt, für ihre Arbeit fundamental wichtig, ist völlig eingeschränkt, ihre gesamte Arbeit damit radikal bedroht.

Das Moped-Beschleunigungsrennen, naturgemäß eine Open Air-Veranstaltung, war für mich im 2020er Jahr ein unbeschwert genossenes Erlebnis an Geselligkeit mit größerem Publikum, Stimmengewirr, Fröhlichkeit, Spannung, Hin- und Hergerenne bis zur Ermüdung; abgerundet von einem etwas skurrilen Rahmen für das Abendessen der Crew im engeren Kreis.

Ich bezweifle allerdings, daß wir bei derzeitiger Inzidenzentwicklung in der Oststeiermark so ein Ding genehmigt bekommen. Nicht nur der Bezirk Weiz ist mit der Inzidenz neuerdings wieder über die 200er-Marke hinaufgegangen, auch der Bezirk Fürstenfeld-Hartberg. Und das zur gleichen Zeit, in der Österreichs Inzidenz-Durchschnitt permanent sinkt, zum heutigen Tag bei 134,1 liegt.

Ich führe laufenden Aufzeichnungen über diese Zahlen, um eben die Tendenzen im Bezirk erkennen zu können, weil die eine Aussagekraft haben, was uns die Behörde möglich machen wird und was nicht. Wie erwähnt: Reglements und Haftungsfragen.

In der Sache wird auch interessant, was mir Cartoonistin Kerstin Feirer jüngst erzählt hat. Sie ist mit ihrem Innenstandort „Wosnei x“ Teil eines Kulturprojektes, das demnächst realisiert werden soll und dessen Trägerschaft die Stadt Gleisdorf innehat, also die Behörde. Dieses Beispiel könnte uns zeigen, was bezüglich der Umsetzungen auf Behördenseite an Sachkenntnis innerhalb bestehender Reglement gegeben ist.

Es könnte uns auch zeigen, ob die Kulturabteilung einer Stadt dieses Genre primär als PR-Faktor sieht und nutzt, oder ob die Kulturpolitik von sich aus Ideen uns Maßnahmen für das geistige Leben der Region entwickelt, umsetzt, uns dadurch entgegenkommt.

Politik und Verwaltung wären ja gleichermaßen wie wir primäre Kräfte des Kulturgeschehens gefordert, neue Ideen zu erarbeiten und zu erproben, denn unser Leben wird nach dem Lockdown nicht gleich weitergehen wie vor dem Lockdown. Im besten Fall werden wir mit Politik & Verwaltung, mit der Wirtschaft und der Wissenschaft in solchen Fragen an manchen Stellen kooperieren, um kulturelles Neuland zu finden.

+) Meine Inzidenz-Statistik
+) Bezugsrahmen #1: Das Projekt „Zeit.Raum“
+) Bezugsrahmen #2: Sir Oliver Mally
+) Bezugsrahmen #3: Die Übüs
+) Bezugsrahmen #4: Das 2020er Moped-Rennen
+) Wosnei x: Mode | Kunst | Design

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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