Walking Conference: Burka und Krawatte

Kürzlich äußerte Ursula Glaeser vom KulturBüro Stainz: „Und dann bleibt noch die Frage: Was hat die Burka mit der Krawatte zu tun?“

Ursula Glaeser im Gespräch mit Hermann Maurer (xxx)

Ursula Glaeser im Gespräch mit Hermann Maurer (IICM – TU Graz)

Den Anlaß dazu lieferte ein Dialog auf Facebook, in dem danach gefragt wurde, warum man die Frage des Dresscodes bei Frauen so energisch stellt, bei Männern offenbar gar nicht, wofür die Krawatte ein interessantes Beispiel sei, die mindestens ebenso Ausdruck von Ideologie ist, denn einen praktischen Zweck hat sie eher nicht.

Glaeser macht dieses Thema nun zum Gegenstand des Auftaktes ihrer Reihe „Walking Conference“. Das greift eine kulturelle Eigentümlichkeit der europäischen Antike auf. Aristoteles begründete die philosophische Schule der Peripatetiker. Da wurde im Gehen, im Umherwandeln gedacht und debattiert.

Zur Sache meint Glaeser: „Die Burka ist zum Symbol für Rückständigkeit und Unterdrückung geworden und wird heiß diskutiert. Die Krawatte bleibt unhinterfragt. Wussten Sie, dass der ‚Kråwåt‘, der Kroate, und die Krawatte verwandt sind? Eingeladen sind alle, die Lust haben mitzugehen und mitzureden oder einfach zuzuhören.“

Ab und zu debattieren ganze Gesellschaften vorhandene Bekleidungsvorschriften oder wollen neue einführen. Bis zum Ersten Weltkrieg riskierten Frauen Beschimpfungen, sogar tätliche Übergriffe, wenn sie in Hosen auf die Straße gingen.

Als die Rocklängen über das Knie hinaufrutschten, wurde das als skandalös beklagt, den Verzicht auf einen BH kreidete man Frauen lange Zeit an. Vor diesen Ereignissen, im 19. Jahrhundert, war der Frau von Stand eine enorme Stoff-Last auf die Hüften gelegt, der Leib in ein Korsett gezwängt.

Als die Einschnürung des Frauenkörpers entfallen sollte, war überdies das „Reformkleid“ gedacht, die Stoff-Last zu mindern und Richtung Schulter zu verlegen.

Dieser laufende Kampf um die leibliche Silhouette der Frau scheint nicht zu enden. Aktuell sind es Kopftuch und Burka, die als Symbole erkannt werden und – je nach Position – Frauen nahegelegt oder verboten werden sollen.

Ist es Zufall, daß es immer die Frauen sind, denen wir „symbolische Kleidung“ aufdrängen oder wegnehmen wollen?

Walking Conference: Burka und Krawatte
Samstag, 1. Oktober, 15:00 Uhr
Treffpunkt: Kulturbüro Stainz, Hauptplatz 7
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Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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