Mittags in Thannhausen

Die Saison ist im Gange. Die Schrauber- und Sammlerszene des Landes zeigt, was sie hat, also auch was sie kann. Nun lud der „Traktor Oldi Stammtisch Thannhausen“ ebendorthin, vor das imposante Schloß des Konrad Freiherr von Thannhausen, das im 16. Jahrhunderts errichtet wurde.

Caddy mit Barock-Kulisse

Caddy mit Barock-Kulisse

Von diesem Terrain aus sieht man frei zur Weizbergkirche, dieser architektonischen Faust der Gegenreformation. Das Renaissance-Schloß war bis 1848, dem Jahr des Endes der Leibeigenschaft, ein Sitz der Landesobrigkeit.

Wie passend, daß sich heute die Enkel und Urenkel der Untertanen hier einfinden, um quasi das gute Leben zu zelebrieren, denn noch vor kaum mehr als einem halben Jahrhundert hatten die Menschen in dieser Region eher wenig zu lachen.

Landser trifft GI: VW Kübel und Willys Jeep

Einstmals Kriegsgegner: Landser trifft GI (VW Kübel und Willys Jeep)

Nun also einerseits diese Fröhlichkeit bei den vielfältigen Klassikern, andrerseits bei den zahlreichen Tischen, zwischen denen ein robustes Quartett von Hand Musik machte; so viel besser als eine Stadard-Beschallung über Lautsprecher.

Zwischen vielen Standards aus der Youngtimer-Abteilung waren feine Raritäten zu finden, vor allem aber auch interessante Ensembles. Wenn etwa ein Willys Jeep neben einem VW Kübel steht, womit einst die Kriegsgegner aneinandergerieten, klingt die Geschichte an.

Andere historische Momente illustrieren die interessanten Standmotoren, die teilweise mit erheblichem Körpereinsatz angeworfen wurden. Ganz wunderbar die Demonstration einer 1910er Dampfmaschine von Merryweather & Sons, britische „Fire Engine Makers“, die anschaulich machte, was den uns vertrauten Verbrennungsmotoren vorausging.

Beeindruckendes Ereignis: Dampfmaschine im Praxis-Betrieb

Beeindruckendes Ereignis: Dampfmaschine im Praxis-Betrieb

Naturgemäß waren Traktoren breit vertreten, vom 15er Steyr bis zum opulenten Lanz Bulldog. Bei diesen Treffen zu einer „Volkskultur in der technischen Welt“ gewinnen die Zweiräder immer mehr an Bedeutung.
Eines der Glanzstücke war darunter die geradezu taufrische Puch 250 S4, also die „Sport 4-Gang“, wie sie 1934 bis 1942 gebaut wurde. Der Gegenpol dazu war (etwas am Rande des Geschehens) ein Hercules Fahrrad mit Kinder-Beiwagen, befeuert durch einen Saxonette Hilfsmotor, ein Sonderfall der Moped-Welt.

Nicht zu vergessen, daß auch zwei bei uns nicht gerade verbreiteten MB-Trac auf dem Set standen, jene großen Maschinen zwischen Unimog und Traktor.

Solche Sonntage geben Gelegenheit, seine Perlen zu zeigen, schaffen Kontakte und Austausch. Man kann sich Youngtimers vom Puch-Schammerl bis zum Rolls Royce ansehen, aber auch vom populären Opel Manta bis zum mächtigen Dodge Charger.

Eine traumhafte Puch 250 S4

Eine traumhafte Puch 250 S4

So zeigen sich gut organisierte Kulturveranstaltungen mit einem beeindruckenden Publikumzuspruch. Es ist genau diese Schrauber- und Sammlerszene der Oststeiermark, welche auf interessante Weise demonstriert, wie eine Balance zwischen Konsumation und Partizipation aussehen kann, also zwischen aktiv was beitragen und das Dargebotene genießen.

— [Zusätzliche Fotos] [Johann Puch Museum] —

+) Rückschau: Thannhausen 2015 [link]
+) Übersicht: Kleine Reportagen [link]

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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