Zum Jahresauftakt 2016

Unser Tätigkeitsfeld ist die Kultur- und Wissensarbeit in der Provinz (abseits des Landeszentrums) mit der Gegenwartskunst als Angelpunkt. Dabei ergab sich aus der Arbeit 2014/2015 ein Themen-Triptychon, der Bereiche verknüpft, die landläufig gerne gegeneinander abgegrenzt werden: „Die Ehre des Handwerks, das Gewicht der Kunst, der Geist in der Maschine“.

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Diese Bündelung bezieht sich unter anderem auf die Tatsache, daß unser Gehirn weder eine Maschine ist, die gewartet werden muß, noch ein Muskel, den man trainieren könnte. Wahrnehmung, Reflexion und Kreativität sind Ergebnisse einer massiven Interaktion zwischen Geist und Leib.

Das entfaltet sich außerdem nicht in „einsamer Größe“ sondern stützt sich auf die Vorleistungen anderer Menschen und ist ganz wesentlich die Frucht kollektiver Modi, auch wenn manche besondere Momente am besten in Einsamkeit gelingen.

Die uns vertrauten Institutionen mit ihrer vertikalen Organisation und ihren Hierarchien entspringen den Erfordernissen der Dampfmaschinen-Moderne. Das spiegelt sich auch in unserem Bildungswesen wieder, wo es inzwischen seit Jahrzehnten nicht gelingen will, akute Krisen zu bewältigen, um die vielfach schlechten Ergebnisse dieses teuren Systems endlich zu wenden.

Kollaborative Verfahrensweisen, in denen Ressourcen angemessen geteilt werden, eine Orientierung Richtung Share Economy und Creative Commons, wären auch in der Kultur- und Wissensarbeit eine vorzügliche Strategie, um zum Beispiel Budgeteinbrüche und Ressourcen-Verknappung, wie wir sie spätestens seit 2008/2009 massiv erleben, verläßlich zu kompensieren.

Ich blicke auf das Jahr 2015 zurück und stelle fest, daß statt dessen ein antiquierter Modus dominiert, ein Wettlauf um Ressourcen, der sich stellenweise auch als völlig rücksichtsloser Verteilungswettkampf äußert. Das ist ein sicherer Weg, Schiffe mit bedrohlichem Tiefgang auch gleich leck zu schlagen.

In einem Beitrag aus dem Jahr 2011 hieß es hier: „eine unsere zentralen thesen für die kulturarbeit besagt: kooperationen zwischen den ‚drei sektoren’ könnten eine neue arbeitssituation ergeben. was mag damit gemeint sein? die drei sektoren sind 1.: der staat (politik & verwaltung), 2.: der markt (wirtschaftstreibende) und 3.: die zivilgesellschaft (privatpersonen, vereine etc.)“ [Quelle]

Ich denke, das ist immer noch ein wesentlicher Arbeitsansatz; nämlich auszuloten, was Kooperation auf Augenhöhe praktisch bedeutet, wenn sich demnach diese Sektoren nicht mehr hierarchisch anordnen.

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Wer heute einmal beginnt, über jene Fragen nachzudenken, die uns der Weg in den Abschnitt Industrie 4.0 aufwirft, also in die Vierte Industrielle Revolution, wird sehr schnell klare Eindrücke gewinnen, daß uns dabei die Konzepte aus der Dampfmaschinen-Moderne nicht vorankommen lassen.

Wir haben für 2016 einige Themen betont, die mit Projekten belegt sind, so daß die Wissens- und Kulturarbeit sich sehr konkret ereignen kann.
+) Thema: Gegenwartskunst, Leitprojekt: „Fiat Lux“ [link]
+) Thema: Volkskultur, Schwerpunkt „Volkskultur in der technischen Welt“ [link] … Themenrahmen: „Die Ehre des Handwerks“ [link]
+) Thema: Diversität, Leitprojekt „From Diaspora to Diversity“ (dreijährig & international) [link]

Dazu kommen im Hintergrund ergänzende Themen- und Arbeitsfelder, aus denen wir 2016 Veranstaltungen und weitere Arbeitsprozesse ableiten werden.
+) Kunst & Kohle (Kulturpolitsiche Aspekte) [link]
+) Peripherie (Regionale Wissens- und Kulturarbeit) [link]
+) Raum (Netzkultur und reale soziale Begegnung) [link]

Dabei haben wir einige Themenschwerpunkte im Auge, die mit den Begriffen Industrie 4.0 (Jeremy Rifkin) und Renaissance 2.0 (Peter Weibel) markiert sind. Wie sich das dann in unserer praktischen Arbeit niederschlägt, muß sich erst zeigen. Die weiterführende inhaltliche Arbeit ist im Internet hier gebündelt: „In der Ebene“ [link]

— [Generaldokumentation] —

 

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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