Gschaftlhuber, Neohippies & Yogafaschos: Weltyogatag

Ich habe als Teenager eine Vorstellung bezogen, was Yoga sei oder sein könnte, weil ich als Lehrbub damals einer Frau direkt unterstellt war, die sich intensiv mit Yoga in Theorie und Praxis befaßt hat.

Aus dem internationalen Büro für sinnsimulierendes Geschwafel (Quelle: „Bewußtsein-Seele-Geist“)

Ursula, so hieß sie, betreute in der Buchhandlung Moser eine eigene Fachbuchabteilung zum Thema Yoga, wodurch mir Klassiker wie Paramahansa Yogananda oder Sri Yukteswar Giri bald geläufig waren. Da ist von den frühen 1970er Jahren die Rede. Damals war Yoga nicht annähernd so populär wie heute.

Es ist kein Zufall, daß ich gestern mit der Glosse „Gschaftlhuber, Neohippies & Yogafaschos“ das Thema aufgegriffen und dabei auf Antisemitismus verwiesen hab. Diese Kombination ist bei uns derzeit ähnlich auffallend, wie man im Indien des nationalistischen Politikers Narendra Modi mit Moslems umspringt.

Wie im vorigen Beitrag erwähnt, dem Mann traue ich ethnische Säuberungen zu. Das erschöpft sich vorerst im Schikanieren von Moslems, gewaltsame Übergriffe inklusive. Es bringt offenbar politischen Profit, wenn man seine Selbstdefinition durch Feindmarkierung vertieft. (Bei uns immer noch auf Kosten der Juden, in Indien immer noch auf Kosten der Moslems.) Aber der Reihe nach.

In meiner Beschreibung eines hybriden Neofaschismus hab ich schon betont, wir schwierig es inzwischen oft ist, die Ministranten der Menschenverachtung zu identifizieren. Man muß eine Weile genau hinhören und hinschauen, weil die Neue Recht gelernt hat, ihre Intentionen zu kostümieren.

Aber sobald Zwischentöne auftauchen, die Antisemitismus und/oder Queer-Haß ausdrücken, wenn eine Art „elitäres“ Selbstverständnis dazu kommt, in dem andere „Eliten“ adressiert und desavouiert werden, ist man besser hellhörig.

Irgendwann, irgendwo, irgendwie, blablabla! (Quelle: Arkthorus5)

Die Oststeiermark hat heute ein dichtes Netz von Yogis und Yoginis, die teils ihre Dienste anbieten, lehren wollen, Retreats bewerben etc.

Etliche davon zähle ich zu den Neohippies, die sich durchs Leben schnorren, dabei anderen gegenüber erhaben fühlen, ohne auch nur die Spur der Haltung etwa eines buddhistischen Bettelmönchs zu zeigen, der einem demütig die Gelegenheit zur Mildtätigkeit bietet. So kommt das eben, wenn man andere Kulturen in seichten Gewässern plündert, sich ihre Zeichen und Symbole aneignet, um die eigenen Pläne zu maskieren. Aber nun zum heutigen…

Weltyogatag
Der „Internationale Tag des Yoga“ belebt das Geschäft. Im Raum Gleisdorf boomen gerade die Angebote. Unter dem Stichwort „Bewußtsein“ gibt es etwa Annoncen wie: „Happy Welt Yoga Tag! Aktionen bis zu -20%”. Man hat also mindestens den Kapitalismus verstanden. Etwa so: “…bis zu – 20% auf unsere Abos, Blöcke und der Sommerkarte. Die Preise findest du direkt auf…”

Freilich bezahlt man nicht unbedingt, sondern bietet einen „Energieausgleich“ und grüßt natürlich mit „Namaste!“ Die Hashtags sind aufschlußreich; zum Beispiel: #bewusstsein #yogaweiz #yogastudio #gesundheitsstudio #sommersonnenwende #weltyogatag #yogafüralle #yogajourney #yogaoutdoor #yogaimsommer #yoga #yogaaustria etc.

Die Branche boomt, der unkontrollierte Emoji-Einsatz signalisiert nicht gerade Kompetenz. (Quelle: Facebook)

Es mag sein, daß sich auf diesem umsatzträchtigen Markt genug redliche Leute umtun. Es wäre freundlich, würden man innerhalb dieser Communities von sich aus erklären, wie man zu den problematischen Seiten des Weltyogatags steht. Aber solche Diskurse sind mir in der Region noch nicht untergekommen.

Ein paar Details
Ein Michael, der sich als “in Inspiration“ fühlte, hat als Redakteur bei “yogamehome.org“ im Jahr 2019 notiert: “Rate einmal, welcher Antrag an die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) von Beginn an die meisten UnterstützerInnen hatte? Im Internet kursiert die aus unserer Sicht sehr schöne Geschichte, dass dies der Antrag der indischen Regierung war, einen internationalen Tag des Yoga einzuführen. Dieser Antrag hatte Erfolg – und darum feiern wir heute!” [Quelle]

Der inspirierte Michael läßt Narendra Modi unerwähnt. Anders die Crew der „yoga.ZEIT“. Eine Gruppe der Wohlmeinenden, denn: „Hinter yoga.ZEIT steht ein Team, das sich mehr Zeit für Yoga nimmt, Kopf und Körper aktiviert, eine positive Lebenseinstellung pflegt, persönliches Wachstum fördern will, mehr Fragen als Antworten stellt, stets dazulernt, sich sinnvolle und sinnfindende Gedanken macht, gute Geschichten teilt und Yoga im alltäglichen Leben eine Matte ausrollt.“

Unter „Ein Tag für den Yoga“ hieß es da: „Der 21. Juni wurde als ‚Internationaler Tag des Yoga‘ am 11. Dezember 2014 ins Leben gerufen. In seiner Ansprache vor der UN-Generalversammlung betonte der Indische Ministerpräsident Mr. Narendra Modi, welch Geschenk von unschätzbarem Wert Yoga für die Welt sei.“

(Grafik: Heinz Payer)

Machen Sie sich einfach die Mühe, Narendra Modi und das Wort Nationalismus, wahlweise Rassismus, in eine Suchmaschine zu hauen. Versuchen Sie vielleicht dann, in einer zweiten Suchroutine die Situation von Frauen in Indien zu abzufragen. Sie werden Sätze wie diesen finden: „Frauen in Indien: Weibliche Singles gelten als Freiwild“ [Quelle] (Das schließt gelegentlich auch Jagdszenen und Gruppenvergewaltigungen ein.)

Spätestens dann könnte einem dämmern, daß uns „der Indische Ministerpräsident Mr. Narendra Modi“ mit seinen Empfehlungen vielleicht besser nicht so willkommen wäre. Aber das ist eben auch ein Merkmal des hybriden Neofaschismus. Da verschwimmen solche Zusammenhänge bis zur weitreichenden Unschärfe.

Selbst bei „SOS-Kinderdörfer weltweit“ hat man völlig unkritisch notiert: „Auch Premierminister Modi übte an diesem Tag mit – zwei Stunden lang, zusammen mit 50.000 Freiwilligen. Er sagte: ‚Viele Kräfte in der Welt spalten uns – die Kraft des Yoga vereint uns!’“ [Quelle] Na, dann muß doch alles gut sein. Oder?

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Über der krusche

jahrgang 56, freischaffend
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