Was es wiegt… #95: Fluß und Verbauung II

(Beiträge und Fragen zu einer nächsten Kulturpolitik)

[Vorlauf] Zum Thema „Vernetzung! Vernetzung! Vernetzung!“ hab ich an anderer Stelle schon notiert, es wäre doch längst geschehen, wenn „Die Szene“ auf solche Art existieren und das tatsächlich wünschen, noch besser: brauchen würde. Wodurch hätte sich das Kulturvölkchen davon abhalten lassen? Die Technik ist da und ist preiswert. Die Werkzeuge sind also verfügbar, um wenigstens eine Basisvernetzung aufzubauen. Lokal, regional, überregional, ganz egal.

Diese Basisvernetzung könnte man dann jederzeit auf ein höheres Organisationsniveau heben, wenn entsprechende Ressourcen verfügbar wären. Also etwa ein Büro für Verbindungsarbeit und was Public Relations, was auch immer. Doch die Basis wäre schon geschaffen, dabei das Wichtigste von allem wirksam: a) der Wille zu Kommunikation und Austausch, b) relevanter Content. (Ähem, räusper, hüstel, IG Kultur Steiermark?)

Damit hätte dann auch die Konferenzreihe unter Drexlers Flagge eine ganz andere Tiefe, Reichweite und Wirksamkeit. Wie erwähnt, ein „Congress in Progress“ mit seinen Arbeitseinheiten, aus denen ja hätte eine „Konferenz in Permanenz“ hervorgehen können, wäre auf eine sehr breite Kommunikationslage gestützt.

Deren gesamter Sinn läge auch für die Zeit danach in kontinuierlicher inhaltlicher Arbeit, laufendem Know how-Transfer und einer ganzjährige Einrichtung von Schnittstellen für Politik und Verwaltung, um mit der Branche in permanenter (Arbeits-) Verbindung zu stehen.

Warum sollte es das nicht geben? In dieser oder jener Form gab es das schon. Wenn es derlei heute nicht gibt, dann wohl mangels Bedarf. Wenn der Bedarf dennoch geäußert, ja: betont wird, dann womöglich in Ermangelung attraktiverer Themen.

Eine virtuelle Plattform?
Stellen Sie sich vor, „Die Organisation“ (als Dienstleister des Landes für die Abwicklung von „Kulturstrategie 2030“) hätte sich schon im Herbst 2021 mit a) der IG Kultur Steiermark und b) dem Kulturknoten mur.at verständigt, um im Internet eine Kommunikations- und Arbeitsplattform aufzubauen.

Organisatorin Heidrun Primas (Foto: Nikola Milatovic)

Die hätte einen „amtlichen Teil“ haben können, wo „Die Organisation“ ihr Hausrecht pflegt. Die hätte aber vor allem einen autonomen Bereiche der „Szene“ haben können, wo gemäß einer Kybernetik zweiter Ordnung keine Hierarchie der Informationsflüsse besteht.

Stellen Sie sich vor, ich hätte nicht Monate lang vergebens fragen müssen: Wie ist das ganze thematisch strukturiert? Wer sind die Schlüsselpersonen? Welche Kolleginnen und Kollegen wurden an die Tische gebeten? Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte?

Dieser autonome Plattform-Modus hätte es erlaubt, daß jene, die eine persönliche Resonanz haben, wahlweise inhaltliche Schnittpunkte finden, sich schon vorab hätten verständigen können, auch hinterher in Verbindung bleiben könnten, um so die Effizienz des gesamten Ereignisses markant anzuheben. (In Weiz, in meinem Bereich, blieb das völlig hierarchisch.)

Das alles schien in der Kommunikationspolitik der leitenden Instanz also verzichtbar. Mehr noch, ein ganz bemerkenswerter Dokumentationsakt kam erstens ohne EDV aus und wies zweitens sogar aus der Gutenberg-Galaxis heraus in die Vergangenheit der Skriptorien, die im alten „Europa der Klöster“ Wissen verwaltet haben.

In den Doku-Videos finden Sie verschiedene Stellen, an denen Heidrun Primas die handgeschriebenen Notizbücher zeigt und betont; jene Handschriften, die später, so hörten wir, in der Landesbibliothek verwahrt werden sollen.

Gut, kann man machen. Ich stelle fest, da ereignet sich insgesamt etwas, das ist auf verschiedenen Kontinenten beheimatet, wo völlig verschiedene Kulturen herrschen. Auf einem dieser Kontinente scheint die Netzkultur, wie wir sie in den 1990er Jahren kannten, erst jetzt zu beginnen. [Fortsetzung]

— [Das Weizer Panel] —
— [The Long Distance Howl] —

Ceterum censeo
Es hieß schon vor Monaten, die Steiermark habe bezüglich Fair pay außergewöhnliche Schritte getan. Wer weiß darüber etwas Näheres? Wo kann ich es nachlesen?

Postskriptum
Apropos Vernetzung. Am 9. Juni 2022 notierte die IG Kultur Steiermark: „Bei unserer diesjährigen Generalversammlung haben wir 21 neue Kulturvereine aufgenommen und stehen nun steiermarkweit bei 161 (!) Mitgliedern.Laufend stellen wir euch unsere neu dazugekommenen Kolleg:innen hier vor.“

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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