Zum Abschied: Lehmann & Oberbichler

Was für ein launiges Schicksal. Innerhalb eines recht kleinen Zeitfensters sind zwei Männer gegangen, die für einander gute Freunde waren, sich außerdem gemeinsam in der regionalen Kulturarbeit engagiert haben. Sie zeigten ein erhebliches Maß an Weltgewandtheit, hatten über Jahrzehnte hinweg immer wieder über Tellerränder hinausgeblickt, waren in vielfältige Kontraste gegangen, um andere Kulturen zu erkunden.

Helmut Oberbichler † (links) und Winfried Lehmann † auf Schloß Freiberg

Von dieser Weltsicht brachten die beiden Männer Eindrücke und Anregungen in unser regionales Leben zurück, gingen dabei stets ihrem Faible für die Kunst nach. Am 25.02.2022 erlag Helmuth Oberbichler 74jährig seinen gesundheitlichen Problemen. Am 9. März 2022 fiel Winfried Lehmann 87jährig einem Unglück zum Opfer. Sie sind vielen Kulturinteressierten durch ihre Arbeit am Aprilfestival geläufig und haben damit auf Schloß Freiberg kräftige Akzente gesetzt.

Die Hintergrundfolie
Das Aprilfestival war ursprünglich eine Kooperation höchst unterschiedlicher Kräfte. Jedes der Festivals wurde mit einem Bündel von Veranstaltungen an verschiedenen Orten quer durch die Region realisiert. Das ergab wichtige Erfahrungen für eine Wissens- und Kulturarbeit abseits des Landeszentrums. Siehe dazu: „Das Aprilfestival“ (Wie etwas begann)!

Dieses Konzept erschöpfte sich naturgemäß nach einigen Jahren. Es war dann Künstler Winfried Lehmann, der sich vornahm, die Grundidee neu zu fassen. Er hatte am 13. Februar 2015 sein „Mission Statement“ präzisiert: [Link] Dabei stand ihm Oberbichler zur Seite. Das Festival wurde nun auf einen Ort – das Schloß – konzentriert, war als Kooperation angelegt, um weitere Optionen kollektiver Kulturarbeit in der Region zu erkunden.

Eine Notiz vom 24.6.2016 besagt: „Ewald Ulrich ist bei Fokus Freiberg federführend, Winfried Lehmann beim Aprilfestival. Ich stehe für Kunst Ost. Drei regionale Kulturmarken, die ein Spektrum bespielen, das von trivialen Mythen bis zur Gegenwartskunst reicht.“ [Quelle]

Bald darauf, am 18. August 2016, hieß es: „Vier unruhige Seelen auf einem Fleck. Der unebene Steinboden von Groznjan. Hier finden vier grundverschiedene Lebenswege kurz einen Schnittpunkt, an dem sich nun eine Erzählung entzunden hat, die aufzublättern vor uns liegt. Das handelt auch von einer Quest.“ [Quelle]

Das Reisen hat bei Lehmann und Oberbichler immer eine wichtige Rolle gespielt, auf daß sie ihre Sichtweisen in andere Farben und Klänge bringen und Erfahrungen sammeln konnten. Nun haben diese Männer innerhalb weniger Tage ihre jeweils letzte Reise angetreten.

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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