volkskultur VII

es ist immer wieder erstaunlich, wie effizient das industrieprodukt andreas gabalier sich im gesamten kulturbereich promoten läßt und sich dabei auch ins feuilleton schraubt. der mann würde eigentlich eher ins börsenblatt passen. ein produkt der unterhaltungsindustrie, das mit großem ressourcen-aufwand vermarktet wird, um einen angemessenen return of investment zu lukrieren, wobei enorme summen bewegt werden.

(grafik: heinz payer.)

daß gabalier sich selbst künstler nennt, fällt fast schon unter guerilla-markerting. daß er sich die pr-kreation „volks-rock ‚n‘ roller“ wie ein superhelden-cape umhängt, verhüllt kaum, wovon dieses geschäftsmodell handelt. da werden elemente aus wenigstens zwei musik-genres abgeschöpft, rausgerissen, in neuem kontext rekombiniert und die daraus entstandene musik-klitterung auf den markt geschoben.

was der mann vertritt und bietet, kann freilich in keiner seriösen debatte über a) volkskultur und b) rock & roll vorkommen. allein schon, weil es dazu keine nennenswerten kulturgeschichtlichen referenzpunkte in jenen genres gibt.

referenzpunkte? heino!
mit wem aus der zeit seit 1900 sollte gabalier verglichen werden? und mit wem könnte er sich als interpret messen, wenn man den strom abschaltet und ihn unplugged loslegen ließe? da sehe ich weit und breit nichts, während er natürlich auf dem feld der massenmedial umgesetzten unterhaltung den vergleich mit vielen referenzpunkten absolvieren kann.

mir fällt diesbezüglich zuallererst der deutsche heino (heinz georg kramm) ein. dessen lebenswerk ist auf vergleichbare art die rekombinierte form diverser versatzstücke aus mehreren musik-genres.

das reicht von „hoch auf dem gelben wagen“ bis zu covers von „die ärzte“, „rammstein“, „fanta 4“ etc., deckt also ein weit größeres spektrum ab als das repertoire von gabalier. show biz. teil einer großen geldmaschine. mit volkskultur in einem früheren sinn hat das alles nichts zu tun.

selbst wo sich gabalier weltanschaulich äußert, bleibt er im klischeebereich und muß seine botschaften vermutlich mit der pr-abteilung seines konzerns abstimmen. sein management wäre ja inkomptenet, würde man von da her zulassen, daß einige flott rausgehauene gabalier-statements markante umsatzeinbrüche bewirken könnten.

wie erwähnt, gabaliers verweis auf volksmusik und rock & roll ist mehr guerilla marketing als genuiner kultureller ausdruck. das muß man ihm nicht vorwerfen. er holt die budgets, die man mit seiner pose derzeit lukrieren kann. das ist okay.

aber wenigstens die kulturpolitik sollte in der lage sein, den kategorien-unterschied herauszuarbeiten und das thema volkskultur von konzept-produkten der industrie freihalten; gemäß dem bonmot: wenn wir keine begriffe haben, wissen wir nit, worüber wir reden. (facebook-notiz vom 6.6.21, origami ninja association)

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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