volkskultur I

mein nachdenken über die kuriositäten, mit denen der begriff volkskultur befrachtet wird, beginne ich mit einer meiner lieblings-mantras: „jeder mensch, ausnahmslos jeder, hat spirituelle und kulturelle bedürfnisse“.

Tennengauerinnen (Österreichische Kunst, Heft 7/8 1935)

vereinbaren wir doch einen grundsätzlichen respekt vor jeder kulturellen äußerungsform. also auch vor kitsch, vor trivialem kram, der ebenso legitime befindlichkeiten ausdrückt wie äußerungen, die in unserer gesellschaft höher bewertet werden.

anders geht’s nicht! ab da bewerten wir freilich in menschlicher gemeinschaft auch nach anderen zusammenhängen. ich kann horizontal bewerten, kann eine art „landkarte der bedeutungen“ erstellen, um mich zu orientieren.

ich kann vertikal bewerten, um eine hierarchie zu bauen. (auch dabei geht es um orintierung, allerdings im kontext von machtverhälrnissen und machtausübung.) achtung! meine glosse ist keine soziologiche abhandlung, sondern bloß ein gedankenspiel, das als denkanstoß nützen soll! einige punkte:

+) jeder mensch hat spirituelle und kulturelle bedürfnisse.
+) gelingt darüber der dialog mit sich selbst, ist viel geschafft.
+) gelingt darüber der dialog mit anderen: gut für uns alle, denn
+) mißlunge kommunikation (mit sich und anderen) ist eine quelle von katastrophen.

weshalb will ich über den begriff volkskultur und seine frachten reden? gelingende kommunikation nach innen und nach außen stützt sich nicht bloß auf sprache, auch auf symbolisches denken, metaphern, bilder, codes und emotionen.

+) menschen äußern sich mit den mitteln, die ihnen vertraut sind.
+) daher gelten auch ramsch und kitsch als legitime medien des ausdrucks.
+) bewertungen im vergleich mit werken aus dem kunstkanon dienen anderen fragen.
+) das unkontrolliert zu vermischen schafft bloß konfusion.

wenn also die politik öffentliche gelder widmet und vergibt, sollten die begriffe und zuschreibungen treffend, sollten die kriterien klar sein. das steht uns in einer res poblica allen zu und das ist dem geistigen leben geschuldet. jede verschleierung oder schlamperei trübt die situation. ich würde also gerne klären, womit wir es zu tun haben, wenn jemand VOLKSKULTUR sagt. meint das

+) einen sozialen und sozialgeschichtlichen zusammenhang?
+) ein künstlerisches genre?
+) ein vermarktbares produkt der unterhaltungsindustrie?

und sind diese sektoren kombinierbar? ist das wünschenswert? falls dies oder das: weshalb? (facebook-notiz vom 16.5.21, origami ninja association)

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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