Kritiker oder Denunziant?

Der öffentliche Diskurs und der Boulevard können nicht den Denunzianten überlassen bleiben. Ich denke, man muß gelegentlich auch zu einzelnen Positionen Stellung beziehen, ihnen sichtbar zur Seite treten, ihnren Einwände individuell vorlegen.

15jul13_kalaschnikow
Ich hatte eben im Web bei einem Beitrag zum Flüchtlingsthema folgenden Kommentar anzubringen:
>>ja, das hab ich mir schon gedacht, daß da jetzt nichts respektables mehr kommt. der herr ist zwar sachbuch-autor, aber recherche und nachvollziehbare begründungen… wer braucht das schon? ich will noch kurz darlegen, was den unterschied zwischen einem kritiker und einem denunzianten ausmacht.

+) der kritiker formuliert seine einwände, nennt seine gründe und bringt fakten bei, deren quellen er belegen kann.

+) der denunziant schüttet leute an, die ihm mißfallen, saugt sich notfalls auch was aus den fingern, braucht keine belege und keine quellen, weil er in seiner menschenverachtung aus seiner privatmythologie schöpft.<< [Quelle]

Öffentlicher Raum und öffentliche Diskurse sind spezielle politische Kategorien. Ich halte Mediennutzung für ein entscheidendes Kriterium, um zu beurteilen, welches Gewicht eine geäußerte Meinung erlangt. An diesem Punkt unterscheide ich Möglichkeiten der Meinungsfreiheit.

Menschen sollen denken was sie wollen. Sie mögen auch reden, was ihnen beliebt. Ohne Einschränkung. Wo sie aber menschenverachtende Gedanken äußern, muß die Mediennutzung reglementiert ein. Es soll ihnen nicht frei stehen, herabwürdigende Ansichten via Massenmedien zu promoten.

15jul13_dabkeIch will diese Ansicht nicht gegen die Freiheit des Internet gestellt wissen. Hier muß die Zivilgesellschaft eben Zeit und Engagement aufbringen, dort ganz konkret tätig zu werden, wo Menschen zu weit gehen.

Vor 20 Jahren waren Trolle in Online-Foren noch ein Nischenproblem. Menschen, die sich im „schnellen Medium“ über und gegen andere Menschen austoben, waren ein eher subkulturelles Phänomen, von dem ein Großteil der Bevölkerung nicht viel mitbekam.

Heute sieht das anderes aus, denn es hat inzwischen ja Massenzugänge in das Web gegeben und Foren bzw. Informationsplattformen mit Kommentarmöglichkeiten bestehen an allen nur denkbaren (virtuellen) Ecken.

Es gilt immer noch, was schon in subkulturellen Nischen galt: „Füttere den Troll nicht!“ Manche Menschen nutzen das Web hauptsächlich, um andere zu beschimpfen, möglichst vor sich herzutreiben, ganze Communities aufzumischen, nach Kräften zu dominieren, zum Kippen zu bringen. Die nennt man Trolle.

Wer auf die Postings solcher Leute antwortet, ganz egal womit, gibt ihnen nur weiter Futter, ermutigt sie, ihr irrationales Marodieren in Gemeinschaften auszuweiten.

Da braucht es wache Moderatorinnen und Moderatoren, die jemanden blockieren, wenn sich das anhaltende Räsonieren als Scheinkommunikation erweist, die in Wahrheit soziale Gewalttätigkeit ist.

Wir sind in unserer Kommunikationsfähigkeit gefordert, tausendfach neu zu unterscheiden, ob jemand Orientierungsprobleme hat und Antworten sucht, oder ob jemand polemisiert, gegen andere Menschen hetzt.

Zugegeben, es ist ermüdend, dieses ewig gleiche Sudern zu lesen und sich damit auseinanderzusetzen; Postings wie das von Peter L.: „Salafisten, Assyrer, Kurden, Jesiden, Schiiten, Sunniten, Tschetschenen, Aleviten etc. All diese Gruppierungen sind auch in A zahlreich vertreten und werden die Bevölkerung in Zukunft bereichernd begleiten. Derweil suggeriert die heimische Politik, wie wertvoll und bereichernd die Einwanderung ist…“ Quelle: „Apropos Flüchtlinge!“ [link]

Man findet diesen Peter L. dann mit seiner puren Polemik an unzähligen anderen Stellen. Ich halte nichts davon, solche Typen zu beflegeln. Ich setze sie vorzugsweise sehr konkreten Fragen aus, die dann meist offenbaren, daß diese Herrschaften nichts zu sagen haben, daß aus persönlichen Gründen bloß auf Kosten anderer expandieren.

— [From Diaspora…] [Netzkultur] —

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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