April-Festival: Ludersdorfer Klarheiten

Wienfried Lehmann hat gestern im Rahmen des April-Festivals die dritte seiner Veranstaltungen in Ludersdorf realisiert. Es ist zugleich die dritte Kunstveranstaltung in seiner Biographie, die er ganz nach seinen Vorstellungen gestaltet und umgesetzt hat.

Die Praxis des Kontrastes in Schloß Freiberg

Das korrespondiert mit einem grundlegenden Aspekt des Geschehens bei Kunst Ost; und zwar in jenem Abschnitt, wo sich nun als ein Arbeitsergebnis der letzten Jahre der Kulturpakt Gleisdorf einlöst.

Am Beginn dieser Geschichten, als Kunst Ost noch „kunst o.st“ geschrieben wurde, stand ein „Dreisprung“. Ich hatte den Engagierten unter uns Kulturschaffenden empfohlen, daß wir gemeinsam drei Veranstaltungsschritte machen sollten, um an- und miteinander Erfahrungen zu sammeln.

Die Grundidee war, mit der Bindung an drei Schritte einen Möglichkeitsraum zu eröffnen, in dem etwas wachsen könne. Der erste dieser Schritte war dann im November 2007 in Weiz erfolgt und trug den Titel „next code: flow“: [link]

In den Folgejahren wurde daraus das April-Festival, welches heuer im Frühjahrsschwerpunkt des Kulturpakt Gleisdorf aufgeht. Nun hat Lehmann diesem letzten April-Festival einen weiteren Glanzpunkt verliehen, denn was wir im Schloß erleben durften, war einigermaßen jenseits von Standardmomenten regionalen Kulturgeschehens.

Winfried Lehmann (links) neben Journalist Herwig heran

Es freut mich für ihn, daß ihm seine Bemühungen mit so breiter Publikumsreaktion quittiert wurden. Für uns ist darüber hinaus wichtig, daß wir nun sicher wissen, es lassen sich nach sehr individuellen Konzepten, in ihrer Vielfalt äußerst kontrastreich, starke Zeichen nach außen setzen, die laufende Prozesse im Inneren einer kulturellen Gemeinschaft ausdrücken.

Diese laufenden Prozesse quer durchs Jahr sind Beleg eines geistigen Klimas, in dem sehr unterschiedliche Themen und Leidenschaften gedeihen.

Ich bin – zugegebenermaßen – selbst ein wenig überrascht, wie umfassend (und auch in diese wie jene Tiefe gehend) sich solche Arbeitsansätze inzwischen einlösen. Ich bin außerdem in manchen Momenten ein wenig überwältigt von der Wirkung jener Praxis des Kontrastes, in der so unterschiedliche, manchmal sogar gegensätzliche Wünsche und Vorhaben sich komplementär zu einander fügen, um Außenwirkung zu gewinnen.

Damit meine ich, daß wir erleben dürfen: Eine hierarchische Anordnung unserer Obsessionen und Kompetenzen wäre Unfug. Die Schlüsselpersonen der in sich völlig autonomen Orts-Formationen innerhalb dieses Kulturpaktes könnten unterschiedlicher nicht sein. So sind es auch ihre Prioritäten und Zugänge.

Lehmann hat das Innen und das Außen bespielt

Eben das, diese Kontraste, gehen hier in einer gemeinsamen Anstrengung auf, in einer kollektiven Kulturpraxis.

Wie erwähnt, ich kann es noch nicht recht glauben, daß sich alles so verhält. In den Jahren 2006/2007 hatten wir begonnen, das zu entwickeln, was sich nun als Kulturpakt Gleisdorf zu einem konkreten Ergebnis verdichtet hat. Zugleich macht das einige von uns frei, sich inzwischen neue Aufgaben zu suchen. Ich zeige hier, was sich gerade anbahnt und womit wir heuer noch befaßt sein werden: [link]

Zu all dem darf ich verraten, es macht mich auch ein wenig stolz, daß wir einen Rahmen der Kulturpraxis schaffen konnten, in dem sich einzelne Personen derart in ihrer selbstgewählten Verantwortung profilieren mochten. Damit sind ideelle Stützpunkte entstanden, auf denen einige Prozesse ruhen, in denen das kulturelle Leben der Region ein paar weitere Optionen finden wird, auf die ich mehr als neugierig bin.

Alle weiteren Details zum April-Festival im Internet unter: [link]
— [Generaldokumentation] —

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
Dieser Beitrag wurde unter Feuilleton abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.