das kühle extrazimmer 5

in der folge #4 habe ich erzählt, warum mich visits/user sessions interessieren, hits dagegen überhaupt nicht. besuchszahlen, ja, es ist wie mit dem geld, ich kann ruhig darüber reden, ich gehöre ja nicht zu den reichen.

ich WILL quote! das meint: ich will mir im web ebenso ein publikum erarbeiten wie im realraum. (zum thema „quote“ im anschluß noch ein hinweis auf die tagung “Netzliteratur”, die am 17.5.2000 im grazer „forum stadtpark“ stattgefunden hat.) aber ich hab real überhaupt nichts von aufgeblähten darstellungen.

es gibt nämlich allerhand „optimierungsmaßnahmen“, die man sich selbst greifbar machen kann; oder man bezahlt professionals dafür. dabei halte ich es für einen qualitativen unterschied, ob ich das nötige tue, damit ich im web gefunden werden kann oder ob ich alle register ziehe, um möglichst viele visits auf mich zu ziehen.

nicht rasend wichtig, aber doch interessant: zu welcher tageszeit tut sich auf unserer website was?

das grundproblem ist simpel: was nützen mir denn real tausendsfünfhundert visits pro tag, wenn davon tausenddreihundert leute aus aller welt sind, die mich in den suchmaschinen gut vorgeführt bekamen, aber eigentlich eh was anderes gesucht haben?

konnte ich deutlich machen, was ich meine? für meine arbeit und das gedeihen meiner vorhaben nützen mir faktisch nur leute, die tatsächlich an den themen interessiert sind, die ich anzubieten habe. das web wirkt in dieser sache keine wunder. es bietet mir bloß eine ZUSÄTZLICHE BÜHNE, ein preiswertes schaufenster, im besten fall eine plattform für interessante begegnungen und teleworking.

menschen, die sich für gegenwartskunst, kulturpolitik und soziokulturelle zusammenhänge interessieren, sind in unserer gesellschaft eine minorität. also werden sie auch im web nicht massenhaft auftreten.

ich bin genau deshalb sehr skeptisch, wenn kultur-leute aus meinem milieu viel geld in üppige webauftritte investieren. das ist eine art elektronisches imponiergehabe, das sich meistens nicht einlösen wird; einlösen im sinn von: die erhebliche investition im effekt rechtfertigen.

unter uns alten gäulen der netzkultur offenbart sich jemand, der da zu großen gesten neigt, als rookie, parvenü, womöglich großspuriger stümper. es gibt viele gründe, eine „quotenhatz“ jenseits inhaltlichen gewichtes als blödsinn abzutun.

[NETZKULTUR: der überblick]
[die statistik]

post scriptum: weiterführend

die forderung “ich will quote!“ habe ich augenzwinkernd am 17.5.2000 bei der tagung “Netzliteratur” im grazer „forum stadtpark“ erhoben. der text dazu ist als RTF-datei hier verfügbar: „Ich will Quote!“ (Und ein BMW-Cabrio. Das teurere!) [link]

wer sich über solche zusammenhänge etwas ausführlicher informieren möchte, findet zitate aus diesem meinem text und die analyse des größeren zusammenhanges in der dissertation von andrea ghoneim: „Literarische Publikationsformen im World Wide Web“, Veränderungen in Produktion, Publikation und Vermittlung von Literatur am Beispiel ausgewählter österreichischer Literatur-Medien: [link] (PDF-datei, ca. 6 MB)

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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