Der Groove von 2020

Etwas organisieren. Ja. Gut. Aber Kulturmanagement ist das, was wir anwenden, wenn sich etwas Inhaltliches verdichtet hat. Habe ich je das Wort Planungssicherheit so oft gehört wie im bisherigen Jahresverlauf? Nein. Davon sind ja inzwischen bis rüber zu den Kindergartenkindern annähernd alle Kreise unserer Gesellschaft betroffen.

Oliver Mally mit einer von Gottfried Gfrerer gebauten „Triolian“ Resonator-Gitarre. Mally: „Nach Monaten fang ich jetzt an, diese Gitarre zu verstehen.“ (Foto: Rudi Ferder)

Am 16. März 2020 trat eine Verordnung in Kraft, mit ein Lockdown seinen Auftakt hatte, der quer durch den April reichte. Die darin verfügten Ausgangsbeschränkungen endeten mit dem 30. April 2020. Ab dem 1. Mai galt eine neue Verordnung des Gesundheitsministers.

Damit war ein Kräftespiel in Gang gesetzt, das mich zu einigen neuen Erfahrungen brachte. Vor allem betreffend die inhaltliche Kompetenz und konzeptionelle Kraft der Leute meines Metiers. Dabei kam ein Ausmaß an Ratlosigkeit und Kompetenzmängeln an die Oberfläche, das mich völlig überrascht hat.

Ich sehe übrigens bis heute landesweit keine anregenden kulturpolitischen Diskurse, aus denen ich Impulse beziehen könnte. Regional hat die Kulturpolitik vollkommen aufgegeben. Im Bezirk Weiz haben weder Verwaltung noch Politik irgendeine relevante Reaktion auf die Pandemie gezeigt.

Aber auch seitens der Kunst- und Kulturschaffenden konnte ich nur Schweigen feststellen. Gut, Kunstpraxis ist etwas anderes und es gibt keine Verpflichtung für die Kunst, sich auf Tagesgeschehen zu beziehen. Aber Kunstschaffende sind zugleich auch Bürgerinnen und Bürger eine Gemeinwesens mit Interessenslagen. Aus dem Zusammenhang hätte ja etwas kommen können; irgendwas. Nichts!

Ich habe mich in dieser Zeit vor allem mit dem Musiker Oliver Mally laufend über das geschehen und sinnvolle Schlußfolgerungen verständigt. Analyse, Befund, Konsequenzen. Das ist unser Ding.

Naheliegend, daß in diesem Jahr meine künstlerische Arbeit über Strecken ruhend gestellt wurde. Andrerseits habe ich mich auf den Bereich Volkskultur in der technischen Welt konzentriert und mich um Adaptionen von „Mythos Puch VII“ gekümmert.

Ich verfolge nach wie vor Themenzusammenhänge zwischen Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst. Das hat seine Schnittpunkte in meinem Teilprojekt „Tesserakt“, das derzeit in Phase III angekommen ist. Hier tut sich nun auch etwas im Dialog mit Oliver Mally auf: „Groove“.

Der Rest dieses Jahres wird erst zeigen, wo unser Einsatz an Engagement und Know how bleibende Früchte tragen kann, was flüchtig bleibt und worin wir flexibel sein müssen. Derzeit ist niemand schlau. Zu viele Optionen und Unwägbarkeiten. Was für eine interessante Zeit!

+) Krusche & Mally: Groove

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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