Autonomie im Kulturbetrieb

Dies ist das Intro zur Zusammenfassung mehrerer Glossen der Origami Ninja Association.

Das 2020er Jahr mit den Einschränkungen durch die Pandemie, dem Lockdown und dem Verreiben weiter Teile des Kulturbetriebs hat alte Stereotypen wiederbelebt, quasi aus der Gruft gezerrt. Zu den populärsten „Untoten“ des Kulturbetriebs gehören zwei Begriffe ganz speziell: „Die Szene“ und „Solidarität“.

flugblatt aus den ungzügelten tagen.

Ich verstehe das Bedürfnis, die eigene Existenz zu Romantisieren, wo Härten auftauchen. Eine ganz andere Sache sind dabei Funktionstragende, die so ein Phantasma hochhalten, um es bewirtschaften können. Was das meint?

Politik und Verwaltung zeigen ein Faible für „klare Verhältnisse“ und gehen bei der Budgetvergabe gerne Richtung Sicherheit. Das steht vielfach im völligen Widerspruch zu fundamentalen Anforderungen einer Künstlerexistenz.

Eigentlich sollten Politik und Verwaltung uns primäre Kräfte begleiten und verstärken, statt uns ihre Grundsätze aufzudrängen. Ein Stück Sicherheit im Unsicheren. Aber eine Verwaltungskraft wird eventuell ihre eigene Anstellung stabilisieren wollen und Projekte bevorzugen, die keine Risken bergen, um so ihre Reputation und/oder ihre Anstellung nicht zu gefährden.

In diesem Bestreben um Sicherheit haben sich wenigstens während der letzten 20 Jahre auch viele Kunstschaffende solchen Modi angeschlossen, ihre eigene Existenz stabilisiert und so das Gedeihen unseres Metiers untergraben. (Ausdruck des Reüssierens einer neuen Bourgeoisie.)

jung, goschert, unzerstörbar, im ausgewaschenen panzerfahrer-overall auf der KIZ-bühne: „ehrliche arbeit“. (das KIZ war das grazer „kino im augarten“, boss nikos grigoriadis eine amüsante heimsuchung für alle arten von spießern.)

Verstehen Sie den Zusammenhang? Statt uns primäre Kräfte auf unseren Wegen in der Unsicherheit zu unterstützen, werden wir Richtung Verwaltungslogik, Verwertungslogik und stabile Zusammenhänge gedrängt. Das spottet zwar der Zukunftsfähigkeit von Kunstpraxis, aber es sorgt für Ruhe im Laden.

Genau das sind übrigens Zusammenhänge, an denen manche künstlerische Kräfte verzweifeln, sich dann etwa zu Tode saufen oder auf andere Art ihre Substanz verbrennen. Die Steiermark hat dafür etliche Beispiele, von denen ich hier einige noch nennen werde.

Ich habe neuerdings einige Einwände gegen meine diesbezüglichen Ansichten gehört. Allerdings wird man nicht entkräften können, was ich seit 1977 erlebt hab. Das ist das Jahr, in dem ich meine fixe Anstellung als Buchhändler hinwarf, um mit großer Geste das Metier zu wechseln.

Ich darf Ihnen versichern, seit meine ersten Glossen zum Thema auf der Facebook-Leiste der Origami Ninja Association erschienen, haben mir etliche Leute aus der Kunstpraxis Off Records bestätigt, was ich bezüglich Szene und Solidarität zu sagen hab.

Ich verstehe, daß sich viele mit ihrer einschlägigen Kenntnis nicht exponieren möchte, denn das muß auch klar sein: wer Funktionstragende aus Politik und Verwaltung brüskiert, erlebt Konsequenzen, erfährt Nachteile. (Ich werde das noch genauer ausführen.) Aber nun zur weiteren Zusammenfassung meiner Facebook-Glossen…

+) Folge I im Austria-Forum

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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