Schnorrer

Eben kam wieder so ein kultureller Geisterfahrer mit seinem Tunnelblick auf mich zu. Diese Typen sind inzwischen offenbar rudelweise auf dem Set unterwegs. Es steht ihnen auf die Stirn geschrieben: „Wo gibt’s was zu holen?“ Wahlweise: „Was wird aus mir?“

Das sind ja irgendwie amüsante Episoden, wie sich so jemand an einen ranschmeißt. Ich will diesen Vogel jetzt gar nicht erst hier hinhängen, sondern greif ein zurückliegendes Geschichtchen auf, um dieses Klima zu skizzieren. Den Musiker hatte ich als liebenswürdigen Kerl kennengelernt.

Der wandte sich via Facebook an mich: „Du hast doch damals diese Geschichte über mich geschrieben. Hab ich. „Da gab es wirklich viele Reaktionen. Sogar ein Engagement auf das hin.“ Freut mich. „Ich hab jetzt ein neues Projekt. Könntest du vielleicht wieder was über mich schreiben?“

Okay. Er hat mich nicht als Kollege betrachtet, sondern einfach als Ressource. Es fehlt sogar ein freundliches Aviso, etwas wie zum Beispiel: „Und wenn wir uns das nächste Mal treffen, geb ich dir einen Drink aus.“ Sehen Sie, sowas finde ich heute amüsant.

Noch markanter und knapper war eine Grazer Künstlerin, deren pathetische Auftritte die Qualität ihrer Arbeit erheblich übertreffen. Sie drehte den Spieß um und schrieb mir: „Ich habe da kürzlich diese Geschichte von Dir gelesen. Da kam mir in den Sinn, daß Du meine Arbeit sehr inspirierend finden könntest.“

Ich gab diese Post an mein firmeninternes Übersetzungsbüro weiter und bekam folgendes Ergebnis zugstellt: „Die will, daß du über sie was schreibst.“ Wirklich? „Ganz sicher!“ Was für herzerwärmende Leute ich um mich hab.

Nun kann man wissen, daß ich tatsächlich oft unentgeltlich über andere Leute und deren Arbeit schreibe, sogar sehr gerne. Menschen, die mich durch etwas berührt haben, deren Tun mir etwas sagt. Das geschieht in der Regel, wenn wir durch irgendeinen Moment in Verbindung kommen; und sei es bloß für Augenblicke.

Mir macht das Freude. Das möchte ich auch beibehalten. Wie sang Wolfgang Ambros in seinen frühen Jahren so treffend? „Net ollas, wos a Wert hot, muaß a an Preis hobn.“ Aber diese Schnorrer… Dazu fällt mir inzwischen gar nichts mehr ein.

+) Stadt-Land (Feuilleton)

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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