Die Zuneigung des Layouters

Glauben Sie mir, Sie wollen nicht, daß der Layouter eines Programmheftes Sie haßt. Er würde in der Folge vermutlich alles unterlassen, was einer vorteilhaften Kommunikation Ihrer Inhalte nützt. Es liefe auf Dienst nach Vorschrift hinaus.

Unternehmer Ewald Ulrich, der grade begonnen hat, sich im oststeirischen Kulturgeschehen zu engagieren, verständigt sich derzeit mit mir über seine nächsten Schritte. Umsetzungsfragen.

Ewald Ulrich (Schloß Freiberg) orientiert sich gerade, wie die Dinge laufen können

Ich erlebe zum ersten Mal seit langer Zeit, daß sich jemand, der Zugänge sucht, sehr genau auf der vorhandenen Webpräsenz von Kunst Ost umsieht und dann auch Fragen stellt. Wie viele Kulturbegeisterte stürmen – im Gegensatz dazu – einfach auf das Feld, um dann auf diesem Feld bedenkenlos herumzustümpern.

Das muß allen Kulturbegeisterten natürlich freistehen. Aber wenn es die Arbeitszeitressourcen anderer Leute berührt, ist da und dort ein wenig Nachdenken, vielleicht auch Nachfragen, segensreich.

Bevor Sie also an einen Redaktionsschluß heranschlittern und dann Texte raushauen, fragen Sie sich selbst doch einmal: Ließe sich das „Wer, was, wann, wo und wie“ herauslesen. Ist vielleicht auch ein Warum erwähnt?

Dazu noch ein Klassiker: Funktioniert der Internet-Link, den Sie angefügt haben, überhaupt? Ein Tippfehler genügt, um das Publikum ins digitale Nirvana zu schicken. Wollen Sie das? Ich garantiere Ihnen, ein genervter Layouter läßt das genau so stehen, womit also Ihre Sichtbarkeit in der Sache runterrasselt.

Und sollten Sie meinen, daß Sie selbst besseres zu tun haben als die von Ihnen angeführten Namen auf deren richtige Schreibweise zu überprüfen, das bißchen Text korrekturzulesen, lassen Sie sich überraschen! Denn eines ist sicher: Wenn auf dem Plakat oder im Programmheft Quatsch steht, denkt niemand: „Der depperte Layouter!“ Nein, es bleibt an Ihnen hängen: „Net amal das kriegen die auf die Reihe?“

Kulturschaffende der region treffen sich kontinuierlich, um Erfahrungen auszutauschen iúnd anstehende Fragen zu klären (Links Michaela Knittelfelder-Lang, rchts Irmgard Hierzer)

Wehe, wenn dann auch noch das Bildmaterial mies ist. Sie verstehen nichts von Bildbearbeitung? Aber das werden Sie bestimmt nachvollziehen können: Falls Sie für jegliche Art von Drucksorte eine Bilddatei schicken, die gerade einmal 73 Kilobyte hat, geht das total schief und wird furchtbar aussehen, also auf Sie zurückfallen.

Sie haben noch nie was von 300 dpi Auflösung gehört? Macht nichts! Achten Sie wenigstens drauf, daß es eine JPG-Datei ist, keinesfalls unter 1 – 1,5 Megabyte groß, dann hat der Layouter wenigstens irgendwas, mit dem er irgendwas anfangen kann.

Der Text! Sie liefern per Email? Also nicht per Anhang einer Textdatei, sondern sie tippen alles in die Email rein? Supa! Der Layouter rollt ein kleines Püppchen aus Stoff und sucht ein paar lange Nadeln aus der Schreibtischlade.

Sauber getippter und korrigierter Text gehört in eine RTF-Datei, die der Email angehängt wird. Warum das Rich Text Format? Sehen Sie selbst, denn da hat sich jemand was gedacht: [link] Einen RTF-Text krieg ich auf jeder Maschine auf, egal, welches System und welche Textverarbeitungssoftware ich gerade nutze.

Das ist der Grund für RTF, also das Rich Text Format, welches ich etwa bei Winword kriege, wenn ich einen Text wie üblich verfasse und dann über die Funktion „Speichern unter“, „Speichern als“, „Safe as“ ein Duplikat der Textdatei anlege, dabei aber das Format RTF anklicke.

Übrigens, sind Sie selbst Grafikerin oder Layouter? Vielleicht. Fein! Aber Sie gestalten nicht die Dokumente, für die Sie anderen Leuten das Material schicken. Also gestalten Sie bitte auch nicht die Texte, die Sie liefern. Fette und kursive Hervorhebungen mögen Sie sich wünschen, das richtet sich aber eher nach dem Layoutkonzept.

Hier hab ich aus Anschaungsgründen in den Text hineingstümpert. Die weißen Punkte in der Mitte der Zeilen sind Leerezeichen.

Das größte Übel sind Einrückungen per Leerzeichen oder Tabulator. Rücken Sie nichts ein! Das sind Layoutfragen. Die Liga der erlesenen Plombenzieher treibt es noch weiter, kennt seit Jahren noch immer nicht die kleine Funktion „zentrieren“ und zentriert sogar mehrere Zeilen untereinander per Leerzeichen.

Das gibt nicht bloß Nadeln in der Voodo-Puppe, sondern auch eine Feuerzeugflamme.

Man kann beim Texteditor die Steuerzeichen sichtbar machen. Dann erkennt man auch, wo doppelte Leerzeichen oder unnötige Tabs stehen. Wer nach einem Punkt und vor einem Zeilenumbruch ein, zwei Leerzeichen stehen läßt, hat unnützen Ballast produziert, denn ein Layouter herausfieseln muß. (Der Voodo-Puppe wird ein Arm ausgerissen!)

Von manchen Leuten, die sich in Sachen Kunst hervortun müssen, bekam ich zu hören: „Ich kenn mich da nicht aus, ich kann das halt nicht.“ Schätzchen, wie schaffst Du Deinen Alltag, wenn Du etwas nicht kannst und einfach wartest, bis es sich selbst erledigt?

Mach es wie die Großen: Frag jemanden! Und dann probier, ob Du es hinkriegst. Wer darauf verzichtet, sendet eine fatale Botschaft: „Ich bin so wichtig, daß Du Dich um mich und meine Kunst kümmern sollst, aber Du bist leider so unwichtig, daß ich Dir auf den Schreibtisch haue, was bei mir grade so herumliegt.“

So viele Personen eine Kulturcommunity hat, so viele verschiedene Konzepte und bevorzugte Wege gibt es

Wollen wir einfach annehmen, nun landet die Voodo-Puppe im Herdfeuer und das Programmheft wird beim Publikum einen schlechten Eindruck machen. Wer verliert? Na, der Layouter eher nicht.

Ich hänge hier zur Orientierung eine Textdatei im RTF-Format an, wie ich sie mit Unternehmer Ewald Ulrich erarbeitet hab. Eine kleine Orientierungshilfe für Leute, die ihr Engagement ernst nehmen: [link]

P.S:
Und meiden Sie bitte den Deppen-Apostroph! Dies hier ist nicht Martin’s Text, sondern Martins Text. Wir haben hier auch nicht des Schloß Freiberg’s Sache verhandelt und eines Künstler’s Potential wäre das eines Vollpfosten’s, falls es sich auf die Art schriftlich mitteilen möchte.

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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