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Wovon handelt Kulturpolitik? #25

Kunst, Kultur, Politik, Kulturpolitik
Die Kunst ist der Gesellschaft zu gar nichts verpflichtet. Wer mir mit Floskeln kommt wie „Die Aufgabe der Kunst ist es…“, kriegt von mir in der Regel zweierlei zu hören. Erstens: „Rutschen Sie mir den Buckel runter!“ Zweitens: „Lernen Sie Kulturgeschichte!“

Zur Erinnerung, seit der Renaissance haben wir Übereinkunft in der zentralen Frage und dieser Konsens wurde bisher noch nicht aufgehoben: Die Kunst ist sich selbst Auftraggeberin und keiner anderen Instanz als sich selbst verpflichtet.

Beim Gleisdorfer Kunst-Symposion, von links: Die Kunstsammler Erich Wolf und Hans Roth, Carmen Gasser-Derungs und Remo Derungs (Gelbes Haus, Flims), Künstler Martin Krusche, Ludger Hünnekens (Burda Museum, Baden-Baden), Künstler Richard Kriesche (Foto: Andreas Turk)

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basis-kunst: Schlußfolgerungen… folgen

Das Symposion [link] ist eine kräftige Markierung im Raum und auf dem Zeitpfeil unserer Vorhaben. Gerade in einer Phase, welche in der gesamten Steiermark mehr als krisenhaft erlebt wird, was gewöhnlich den Bereichen Kunst und Kultur größte Einbrüche beschert, gehen wir nach einem längeren Prozeß der Vorarbeit an die Öffentlichkeit und sagen klar, daß wir der Gegenwartskunst hier, in der Provinz, ganz neue Bedingungen schaffen wollen.

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Den Umbruch surfen

Ich denke, das waren nun wenigstens 20 Monate, in denen sich die Arbeit an weiterführenden Optionen hier so verbreitet hat, daß mir für künstlerische Arbeit kaum noch Zeit blieb. Aber was immer man den jüngsten Krisenszenarien an Realität zubilligt, es scheint mir klar, daß wir mitten in einem enormen Umbruch stecken.

Mit Künstler Richard Kriesche auf der Strecke

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Präzisierung für 2013

Vor einem Weilchen habe ich von einer Session in Wien erzählt, da wir auf der Rückfahrt quasi von Insidern erfuhren, der Steiermark stehe in Budgetfragen ein „Tal der Tränen“ bevor: [link] Von der Finanzlandesrätin wurde das kürzlich bestätigt. Vollath: „Für 2014 brauchen wir ein Wunder“ [link]

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Die aktuelle Krisensituation verstehen

Ich hab kein Problem mit der Tatsache, daß wir Krisen bewältigen müssen. In unserer Kulturgeschichte besteht seit Jahrtausenden die Vorstellung, daß jede Katharsis eine Krisis zur Vorbedingung habe. Außerdem sind Umbrüche aufregende Zeiten; wenn auch ziemlich anstrengend.

Im Jahr 1848 wurde das Ende der „Erbuntertänigkeit“ rechtskräftig, 1919 endete die Feudalzeit formal. Es folgte ein autoritärer Ständestaat, der in die Nazi-Tyrannis mündete. 1945 durfte die Zweite Republik anbrechen. Wir haben also noch nicht gar so viel Erfahrung damit, ein Kulturgeschehen inhaltlich zu gestalten, kulturpolitisch zu verhandeln und mit angemessenen Ressourcen auszustatten, um nicht bloß Eliten zu bedienen, sondern Zugänge zu Kunst und Kultur für eine Massengesellschaft zu schaffen, zu öffnen…

Ab den späten 1970ern wurde erprobt und etabliert, was wie heute als freie bzw. autonome „Initiativenszene“ kennen. Vieles, was einst unsere Arbeit war, ist heute Standard konventioneller Kulturbeauftragter. Wir sind also überfällig, neue Aufgaben zu finden. Dabei kommt uns der Lauf der Dinge aufmunternd entgegen, denn demnächst bleibt auf mehreren Feldern kein Stein auf dem anderen.

Wir haben in der Kooperation von „kunst ost“ und „kultur.at“ einen Schwerpunkt herausgearbeitet, der mit dem Kürzel KWW markiert wurde: Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft.

Da wir uns nicht nach den dominanten Marktsituationen reichten möchten, da wir aber auch keine 100 Prozent Abhängigkeit vom Staat für sinnvoll halten, ist neu zu klären, wie diese drei Bereiche sich zu einander verhalten mögen; speziell jenseits des Landeszentrums, in der „Provinz“.


Damit meine ich auch, wir haben zu klären, worin genau der Leistungsaustausch bestehen mag, der uns Budgets einbringt. Ich hab einiges zu diesen Überlegungen im Beitrag „Feine Krise“ [link] skizziert. Unsere genaue Kooperationssituation ist hier dargestellt: [link]

Ich hab außerdem zu behaupten, daß es „Die Wirtschaft“ nicht gibt und daß wir gefordert sind, etwas differenzierter klar zu machen, mit wem wir uns unter welchen Bedingungen was vorstellen können; siehe dazu: [link] Das handelt von RAHMENBEDINGUNGEN für all das, was wir dann einzeln und ganz speziell der GEGENWARTSKUNST widmen. In der Arbeitspraxis siehst das abschnittweise aus wie in den folgenden Absätzen umrissen.

Kleiner Einschub: In der „Provinz“ dominieren seites der Kreativen die „Voluntaries“ übermächtig. Das meint, mindestens 80 Prozent der Leute, die hier einen Kulturbetrieb reklamieren, um selbst zu veröffentlichen/auszustellen, sehen sich keineswegs der Gegenwartskunst verpflichtet, sondern repräsentieren die Voluntary Arts: [link] Das hat fundamentale kulturpolitische Konsequenzen.

Wo stehen wir im Moment? Ich hab im vorigen Eintrag [link] skizziert, welche Grundlagen im „FrauenMonat“ 2012 nun greifbar sind, um ein Labor-Projekt („FMTech_Lab!“) zu initiieren. Eine andere Themenlinie ist hier beschrieben: [link] Das bündelt in Summe Aspekte folgender Teilthemen:
+) Mediengeschichte
+) Industriedenkmäler
+) Sozialgeschichte
+) Mobilitätsgeschichte.

Warum haben wir den Fokus ausgerechnet darauf gerichtet? Wir sind die Kinder einer Massenkultur, deren markanter Auftakt in den 1930er-Jahren zu Situationen geführt hat, die uns derzeit ausmachen. Eines der großen Themen dieser Zeit ist die Massenmobilisierung und deren Generalfetisch, das Automobil.

Schon bevor diese Ereigniskette, symbolisiert vom Codesystem „Stromlinie“, unsere vertraute Welt völlig zu verändern begann, haben verschiedene Formen technischer Reproduzierbarkeit und der Massenfertigung zu enormen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Konsequenzen geführt.

Wenn wir also in der „Provinz“ einen kulturpolitischen Diskurs wünschen, sollten Grundlagen und Hintergründe der kulturellen Situation wenigstens im Ausmaß von Zeitgeschichte einigermaßen geläufig sein.

Gleisdorf: Kooperation mit Kulturbüro und City-Management

Es hat sich für uns ein großer Themenzusammenhang herauskristallisiert, über den wir zu klären versuchen, wie aktuell KUNST, WIRTSCHAFT und WISSENSCHAFT zu einer Wechselwirkung kommen SOLLEN und KÖNNEN. Diese grundsätzliche Fragestellung ist unter anderem auf einen sehr konkreten REGIONALEN Zusammenhang bezogen, auf das Kräftespiel zwischen Landwirtschaft und High Tech.

Ich hab im vorigen Eintrag skizziert, welches Themen-Ensemble wir bei kunst ost nun für die laufende Praxis über eine konkrete Kooperationssituation mit versierten Akteuren abgedeckt haben: [link] Das betont einige Teilthemen besonders:
+) Mobilitätsgeschichte/Sozialgeschichte
+) Gegenwart zwischen Landwirtschaft und High Tech
+) Frauen & Technik
+) Kulturpolitik im Sinne eigenständiger Regionalentwicklung
+) Gegenwartskunst

Wie, womit und wohin steuert eine Kommune? Wo und wodurch dockt BürgerInnenbeteiligung an?

Ganz klar, daß wir in der Summe unserer Arbeit manche Bereiche auf internationale Relevanz ausrichten und erklärtermaßen ein Beispiel für Best Practice in Europa zustande bringen wollen. Wir sind aber in anderen Aspekten auch auf die Oststeiermark und speziell auf die „Energie-Region Weiz Gleisdorf“ konzentriert.

Dabei hat sich nun über das Thema Verwaltungsreform eine aktuelle Brisanz ergeben, die einerseits Gleisdorf als Stadt, andrerseits die „Kleinregion Gleisdorf“ in besonderen Kontrast zu einander stellt. All das handelt von Umbrüchen, Neuorientierungen, Veränderungsschritten. (Derlei vollzieht sich freilich steiermarkweit.)

Gerwald Hierzi ist ein Bindeglied zwischen Gleisdorfs Kulturbüro (kommunal) und dem City-Management (privatwirtschaftlich). Für ihn lautet etwa die Frage nach Identität ganz konkret: Wer bin ich? Dabei beschäftigt ihn die Stadt mit ihren Geschichten, also mit ihren handelnden Personen.

Zur Frage verfügbarer Ressourcen sagt Hierzi einleuchtend: „Wer mittut, soll mehr Nutzen haben.“ Das betont PARTIZIPATION, die es neuerdings zunehmend schwer hat, sich gegenüber Haltungen der KONSUMATION zu behaupten. Und es korrespondiert mit meinem Prinzip für Projekte: Es soll mitreden, wer Verantwortung übernimmt.

Mit Gerwald Hierzi hab ich ein gegenüber a) in der Kommune und b) in der Privatwirtschaft

Hierzi versteht die Stadt als Bühne, in der sich Lebensrealität und Inszenierung komplementär ereignen. Daran interessieren ihn die Rollen, die gefunden und/oder kreiert werden. Das paßt mir gut. Man erinnere sich an meine Lieblingsmetapher: Wenn diese Region eine Erzählung wäre, würde sich diese Geschichte selbst erzählen, wenn wir die Menschen, die hier leben und handeln, dazu brächten, ihre Stimmen zu erheben. Wobei „Stimme“ das individuell bevorzugte Medium meint, nicht unbedingt Text oder Sprache sein muß.

Mir scheint, hier korrespondieren einige Vorstellungen davon, wie man an solchen Themen und Aufgaben arbeiten kann. Deshalb sind wir nun auch eine fixe Kooperation eingegangen, die uns über einen längeren Zeitraum mit Erfahrungsaustausch und interessanten Ergebnissen erfreuen soll.

Wir haben uns regional auf das Projekt „Vision 2050“ eingelassen. Gerwald Hierzi sagt, der Zeithorizont 2050 sei ihm für die praktische Arbeit im Rahmen seiner jetzigen Aufgabenstellungen etwas zu fern, ihn beschäftige in der Kommunikation nach außen die Zone 2025, denn das sei quasi in „Griffweite“. Hier treffen sich etliche unserer Fragestellungen dahingehend, an welchen Zielvorstellungen sich und welche Handlungsweisen orientieren sollen…

— [Vision 2050] —

Themen und Arbeitsebenen

Das ursprüngliche „Trägersystem“, die Kulturinitiative kultur.at: verein für medienkompetenz, hat im Jahr 2009 ein Projekt realisiert, das inzwischen als kunst ost: soziokulturelle drehscheibe Eigenständigkeit erreichte.

Diese institutionelle Eigenständigkeit beider Formationen erweist sich als sinnvoll, weil ein thematisch sehr komplexer Prozeß entstanden ist. Aus den letzten Jahren hat sich eine Aufgabenstellung herauskristallisiert, die sich aus folgenden Genres zusammensetzt:

1) Kunstvermittlung und -präsentation
2) Diskursarbeit: a) Kunstdiskurs & b) kulturpolitische Diskurse
3) Lobby- und Communityarbeit
4) Dokumentation & Publikation
5) Grenzüberschreitende Kooperationen

Dazu sind im Hintergrund
+) laufende Basisarbeit und
+) Archivarbeit sowie
+) der Ausbau der Web-Präsenz nötig.

Wir verfolgen als thematische Hauptlinien folgende Bereiche
1) Gegenwartskunst
2) kulturelle Praxis auf der Höhe der Zeit
3) Frauen & Technik
4) Sozialgeschichte/Mobilitätsgeschichte

Das verzahnen wir regional in zwei Komplexe
1) Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft
2) Zwischen Landwirtschaft und High Tech

Aus diesem Themengefüge soll sich quer durchs Jahr eine Kontinuität der Ereignisse und Veranstaltungen ableiten lassen, in der eine heterogene Community vielfältige Kompetenzen zur Wirkung bringt.

Das zeigt sich in der Praxis grundsätzlich über drei Optionen:
+) Produktionen aus dem „Kernbereich“, von Mirjana Peitler-Selakov (Kunsthistorikerin) und Martin Krusche (Künstler) entwickelt.
+) Produktionen aus einem engeren Kreis von „Schlüsselpersonen“ der Drehscheibe kunst ost.
+) Kooperationen mit vollkommen eigenständigen Kulturinitiativen der Region.

Dazu kommen zwei Kooperationen gänzlich anderer Art, die im Sinne eigenständiger Regionalentwicklung Gewicht haben. Einerseits die mit dem Unternehmer und Kunstsammler Erich Wolf: [link] Andrerseits die mit dem Ziviltechniker Andreas Turk: [link]

Da erarbeiten wir gerade die Grundlagen eines längerfristigen Zusammenwirkens. Wie schon angedeutet, das Zusammenspiel von Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft hat aktuell Klärungen verlangt: Warum sollen wir überhaupt diese Genres verknüpfen? Wovon handeln mögliche Gemeinsamkeiten und wie sollte das in gemeinsames Tun überführt werden? Das ist inzwischen erheblich klarer und wird für den Rest des Jahres 2012 schon praktische Ergebnisse zeigen.

Tage der Reflexion

Das „April-Festival“ [link] liegt hinter uns, hat sich quer durch die Region ereignet, und die Serie der Veranstaltungen ist im Landeszentrum verklungen. Die Session unseres Kuratoriums für triviale Mythen setzte einen besonderen Akzent in einem Denkmal der heimischen Industriegeschichte, wo nächsten Monat das neu adaptierte Johann Puch-Museum eröffnet wird: [link]

Unsere Session im ehemaligen "Einser-Werk" von Johann Puch

Wie schon erwähnt, das Festival war heuer zur Hälfte der Kunstpräsentation und zur anderen dem Gewinn an Know how gewidmet. Unsere Reihe „Talking Communities“ bringt laufend Inputs von außen. Einen Teil davon können Sie als Soundfiles (MP3) downloaden und in Ruhe noch einmal durchgehen, was an den Abenden zur Debatte stand.

So sind etwa die wichtigsten Statements von Michael Narodoslawsky (Institut für Prozess- und Partikeltechnik, TU Graz) in zwei kleinen Serien verfügbar: [Serie #1] [Serie #2] In Summe ein klares Plädoyer für die Langsamkeit grundlegender Prozesse der Meinungsbildung. Außerdem voll interessanter Hinweise darauf, wie wir über unsere Debatten zeitgemäße Formen des „Öffentlichen Raumes“ konstituieren.

Michael Narodoslawsky

Bei einer anderen Diskussion tauchte erneut die Idee auf, KUNST sei etwas LEBENSFREMDES, wenn sie angesichts gesellschaftlicher Probleme nicht zurücktrete und ihre Budgets für „wichtigere“ Agenda verfügbar mache. Genau DAS ist nämlich die Botschaft, die uns erreicht, wenn etwa mit trinkfreudigen Teenagern argumentiert wird, die als zügellose Party-Kinder den Erwachsenen Sorgen bereiten.

Warum sollte die Gegenwartskunst dafür einstehen? Warum kommt jemand auf die Idee, Kunst sei ein „Mittel um zu…?“ In der Sache sind noch klärende Debatten ausständig. Hier auf jeden Fall ein klares Statement GEGEN die unakzeptable Vorstellung, Kunstpraxis müsse ihre Legitimation im Bearbeiten sozialer Defizite beweisen: [link]

Zum eingangs erwähnten Abend des Kuratoriums für triviale Mythen, bei dem es um das Thema Mobilitätsgeschichte am Beispiel „Puch“ ging, ist auch ein Live-Mitschnitt verfügbar: [link] Weitere Tondokumenten werden demnächst verfügbar sein. Hie ein kleiner Gesamtüberblick des jüngeren Bestandes: [link]

gleisdorf-session: virtuosen der täuschung

unser abend am 20. oktober 2011 in der gleisdorfer galerie „einraum“ wird sehr verschiedenen aspekten gewidmet sein: [link] dazu eine kleine vorgeschichte.

als in „treci beograd“ die session mit den „kollektiven aktionen“ aus moskau eröffnet wurde (eine weitere station der „virtuosen der täuschung“), sage ein künstler zu mir: „konzeptkunst interessiert mich überhaupt nicht. ich bin maler.“

er ist ein maler, der zum beispiel monate an einem ölbild arbeitet, schicht um schicht, der also ausdauernd in zeit und in material verwoben ist, bis so ein werk entstanden ist.

die vernissage auf dem areal von "treci beograd"

das ist selbstverständlich eine radikal andere verfahrensweise, als eine kunstform, die primär über denken und über text entsteht, um sich dann in aktionen einzulösen und über dokumentar-material evidenz zu erlangen. (siehe dazu auch: „beuys verstand das denken als „quellpunkt aller kreativität“. [link]) es wäre freilich töricht, eines dieser genres gegen das andere auszuspielen.

wenn wir nun im rahmen der „talking communities“ einen schritt der reflexion über solche abläufe setzen, führt das unausweichlich auf mehrere ebenen. für die einen ist künstlerische praxis im herkömmlichen sinn vorrangig, sie fühlen sich dabei nicht auf diskurse angewiesen. für andere ist die debatte über kunst und deren bedingungen ein zentrales feld ihres künstlerischen tuns.

sergej letov ("kollektive aktionen") bei der vernissage: "ich bin kein künstler, ich bin musiker."

zusätzlich fallen noch kulturpolitische fragestellungen an, wo wir allenfalls der auffassung sind, daß kunstgeschehen nicht nur am markt orientiert sein dürfe, daß es deshalb wünschswert erschiene, die öffentliche hand möchte den kunstbetrieb unterstützten, mitfinanzieren.

so oder so, im kern geht es freilich um unsere wahrnehmung und unsere möglichkeiten, aus eingespielten konventionen des sehens und denkens immer wieder auszusteigen, sich quasi selbt zu „entfremden“, um so für neue erfahrungen empfänglich zu werden.

dem sind die abende der „talking communities“ gewidmet; stark gesprächsbezogen, auf die debatte offener fragen gerichtet.

+) eine anregung zu diesem abend von sabine hänsgen: [link]
+) einige offene fragen: [link]
+) the track: archive [link]

kulturelles neuland

die befassung mit kunst berüht eine ganze reihe zentraler menschlicher möglichkeiten. wahrnehmung, auffassung, deutung. solche fertigkeiten zu verfeinern, das betrifft nicht nur kulturelle anliegen der menschen. unser aller alltag läßt uns darauf angewiesen sein, daß wir derlei kompetenzen entwickeln, statt verkümmern lassen.

die befassung mit kunst war über hunderte generationen nur den gesellschaftlichen eliten vorbehalten. museen gibt es ohnehin erst seit dem 18. jahrhundert. davor waren die „wunderkammern“ und „kunstkammern“ ein privilegien-detail von adel und hohem klerus. damit möchte ich betonen, daß wir kulturell noch wenig erfahrung haben, kunstsammlungen allgemein zugänglich zu halten und diese freien zugänge auch auf breiter gesellschaftlicher ebene angemessen zu nutzen.

es geht um die schaffung eines hochkarätigen künstlerischen gravitationsfeldes

angemessen nutzen meint einerseits eine mischung aus privaten, persönlichen, ja intimen erfahrungsmöglichkeiten in der befassung mit kunst, aber andrerseits auch den gesamtgesellschaftlichen gewinn aus einem anregenden geistigen klima in gemeinsamen lebensräumen.

das heißt ferner, herkömmliche kunstveranstaltungen, etwa mit vernissagen als sozialen ereignissen, lassen uns solche möglichkeiten nur zu einem geringen teil ausloten. es bedarf konzentrierterer formen, um in diesen fragen neuland zu gewinnen. wir halten diverse bildungseinrtichtungen für selbstverständlich, soziale institutionen für standard, das gesundheitswesen, fragen der sicherheit, all dem haben wir fixe strukturen gegeben. (vor allem und am stärksten in den landeszentren.)

auf dem kultursektor kennt die region nur wenige zeitgemäße einrichtungen fixer natur. es bestehen, konventionellen konzepten folgend, manche feste häuser. ein „forum kloster“ in gleisdorf, sein „kulturkeller“, ein „kunsthaus“ in weiz sind ausdruck dessen. das gleisdorfer „haus der musik“ repräsentiert eine eigene dimension der sozialen und kulturellen qualität, die sich im erlernen und spielen von musikinstrumenten einlöst; das hat die vermutlich längste tradition im hier genannten sinn, wenn über weitere bevölkerungskreise zu sprechen ist. da treffen sich die traditionen der volksmusik und des bürgerlichen salons mit den geschichten von chor- und blasmusik.

kunstsammler erich wolf: "ich ringe um erkenntnis, um mit künstlern auf augenhöhe zu gelangen."

die bildende kunst mit ihren querverbindungen und zeitgemäßen derivaten hat außerhalb der landeszentren meist keine solche tradition und keine adäquaten einrichtungen. was hier nun mit einer kooperation von kunstsammler erich wolf und „kunst ost“ begonnen hat, bedeutet in der region ein betreten von neuland. der weg führt uns zu einem kompetenzzentrum für steirische gegenwartskunst, das als fixe einrichtung eine ganze reihe jener aufgaben erfüllen soll, die so bis heute keinen ort in der region haben.

ereignis-ort, präsentationsraum, bildungsstätte, arbeits-ort, drehscheibe für einen umfassenden know how-transfer. ein projekt, das sich nicht nur lokal und regional bewähren soll, sondern das auch internationale relevanz entfaltet. derlei vorhaben laufen unter anderem auf eine praktische schule der wahrnehmung und des denkens hinaus.

diese gesellschaft hat in den letzten jahren ein beunruhigendes ausmaß an stagnation und kompetenzverlusten erfahren. was immer die günde dafür sein mögen, faktum ist, daß konventionelle bildungseinrichtungen das nicht verhindern konnten, zum teil sogar selbst als die quelle solcher probleme gelten müssen. wir loten hier im spannungsfeld mehrerer kunst-genres neue möglichkeiten aus, die kulturellen möglichkeiten der menschen zu bereichern und zu stärken.