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Was wir derzeit wissen

Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann, zugleich Landeskulturreferent, spricht über die Region, spricht darüber mit Funktionstragenden aus der Region, und erwähnt dabei eine Reihe positiver Aspekte.

Kunst- und Kulturschaffende der Region auf gutem Weg, um in neuer Weise ernst genommen zu werden.

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Die Künstlerhaus-Debatte #10

Sendepause für Fortgeschrittene?

Ich sehe die mittlerweile sehr moderate Kontroverse um das Grazer Kunsthaus als Anlaßfall für Debatten, als einen Kasus, in dem ein bescheidener Weckruf steckt. Aus der ursprünglichen Frontstellung ist eigentlich nichts geworden. Die gängige Klamotte hatte exponierte Rollen für a) Landeskulturreferent Buchmann, b) Joanneum-Boss Pakesch und c) ein heterogenes Bündel an Kunst- und Kulturschaffenden parat.

In der frühen Phase dieser Geschichte sorgte ein sehr anregendes Papier „Zur Lage der bildenden Kunst in Graz“ [link] für einen Akzent, der zum Ausgangspunkt taugte. Es ist mir nicht aufgefallen, daß die angeblichen „Hauptgegner“ Buchmann und Pakesch dem energisch widersprochen hätten. Auch ist die stellenweise „Kriegsrhetorik“ aus der Berichterstattung früherer Tage inzwischen verschwunden. Es könnte also interessant werden.

Grübeln für Unerschrockene: "Was will der Künstler, was die Künstlerin?"

Wir warten wohl alle noch gespannt, wie sich Landeskulturbeirat und Landesrat Buchmann zu den eingereichten Projektpapieren in der Sache äußern werden. Inzwischen haben „Krone“ und „Kleine Zeitung“ eine ganze Reihe von Statements zum kulturpolitischen Status quo publiziert. Einiges davon ist online zu finden; siehe die (vermutlich unvollständige) Übersicht: [link]

Etwas unklar ist nach wie vor das öffentliche Agieren der IG Kultur Steiermark. Ohne jeden Zweifel waren es vor allem IG-Leute, die eine Formation initiiert und begleitet haben, welche sich auf dieser Website präsentiert: [link] Doch formelle IG-Statements betonen, dies sei KEINE Initiatve der IG, sondern, wie das Impressum der Site besagt, eine „Arbeitsgruppe steirischer Künstler*innen für ein selbstverwaltetes Künstler*innenhaus Graz“.

Eine nic.at-Abfrage nennt die „werkstadt graz“ [link] und Joachim Baur als Inhaber der Domain. Ein allfälliges Mission Statement von ihm oder seiner Einrichtung habe ich nicht finden können. Er ist auch nicht unter den Leuten des „Einser-Papiers“ [link] genannt.

Es ist also nach wie vor nicht so leicht, halbwegs flott zu überblicken, wer nun genau welche Erwartungen bezüglich Künstlerhaus hegt. Ich kann nur hoffen, daß der Landeskulturreferent, dem nun eine zukunftsweisende Entscheidung abverlangt wird, sich etwas besser informiert fühlen darf.

Eines teilt diese Formation, die „Arbeitsgruppe steirischer Künstler*innen“, mit etlichen anderen Gruppierungen, die Ansprüche auf inhaltliche Gestaltung und zukünftige Nutzung des Künstlerhauses stellen. Sie hat bis dato kein Konzept auf dem Tisch, vermutlich auch in keiner Schublade.

Mit der wundersamen Vermehrung von Fisch, Brot und roten Rüben sind wir noch nicht rchtig vorangekommen.

Was als sogenanntes „Manifest“ bisher manifest geworden ist, würde bei keiner mir bekannten Förderstelle auch nur die Spur einer Aussicht auf Kofinanzierung finden: [link] Es sind etliche Formationen, Initiativen und Verbände damit befaßt, sich eine Nutzung des Hauses auszumalen. Leider suche ich auf den diversen Websites dieser Einrichtungen vergeblich nach aufschlußreichen Proklamationen, kulturpolitischen Statements oder themenbezogenen Diskursen.

Auch längst eingeführte Plattformen bieten eher magere Informationen. Die IG Kultur Steiermark ist in Sachen Inputs von einer in Wien gestarteten Kampagne (der bundesweiten Ländervertretung) dominiert: „Fair pay“ [steirischer link] [wiener Link]

Immerhin: „Die IG Kultur Steiermark ist ein Zusammenschluss steirischer Kulturinitiativen und agiert als kulturpolitische Interessensvertretung.“ Die Mitglieder, gut, einige, aber doch recht überschaubar: [link]

Dennoch genug Leute aus dem Metier, das könnte für ein, zwei Jahre kritischen Diskurs zur Kulturpolitik gut sein. Der würde mit Sicherheit weder in Politik noch Verwaltung ignoriert werden. Bloß, da IST kein öffentlicher Diskurs zur Sache. Und falls es einen privaten gibt, dringt davon eher nichts nach außen.

Klicken Sie einen beliebigen Link auf der Mitglieder-Liste an, ich hab’s gerade gemacht: Vier Stichproben, nichts. Oder wie wäre es mit „KIG! Kultur in Graz“, weil nämlich eine „Plattform für interdisziplinäre Vernetzungsarbeit, mit Veranstaltungskalender und Diskussionsforum“? [link] Nein, heute nicht. Kein aktueller Diskurs. Vielleicht nächstes Jahr.

Daß nun diese exponierten Angelpunkte in der aktuellen Sache – Künstlerhausdebatte – weitgehend beitragsfrei aufzufinden sind und speziell die Projektsite zum Thema [link] wie ein toter Briefkasten im Web hängt, wirft kein gutes Licht auf den Stand der Dinge. Es stellt sich vor allem die Frage: Was ist, wenn da nichts ist? Nämlich nichts an nachvollziehbaren Gründen und elaborierten Ansprüchen?

Was will ich damit eigentlich sagen? Mir fällt auf, daß die „primären Kräfte“, also Kunst- und Kulturschaffende der Steiermark, potentiell, aber eben nur potentiell, über eine erhebliche Medienmacht verfügen. All diese Initiativen und Einrichtungen verfügen gewöhnlich über eigene Printmedien oder haben adäquate Zugänge, betreiben eine Website, könnten in freien und in privaten Radios Präsenz pflegen.

Das könnte ein Diskursfeld und ein Ausmaß selbstbestimmter Öffentlichkeit ergeben, an dem – wie schon angedeutet – weder Politik noch Verwaltung vorbeikämen. Doch was ereignet sich? Es braucht eine konventionelle „Kleine Zeitung“, die ihr Personal losschickt, um über ganz herkömmliche journalistische Arbeit kluge Ansichten wie etwa die von Autor Johannes Schrettele zum Klingen zu bringen.

Wer immer sonst noch prätentiös rund ums Künstlerhaus herumsteht, freut sich vielleicht, sogar in der „Krone“ einige Statements von Gewicht nachlesen zu können. Doch viel mehr ist in der medial generierten Öffentlichkeit der Steiermark momentan nicht zu finden. Das Gros meiner Leute folgt offenbar dem Rat, den mir der oststeirische Bauer Richard Hubmann kürzlich augenzwinkernd zukommen ließ: „Da hilft nur eines: Kompromisslos weitersudern!“

[Die Debatte: Übersicht]

Die Künstlerhaus-Debatte

Über das Wollen, das Können und das Werden

Da war nun dieses kulturpolitische Arbeitspapier „Zur Lage der bildenden Kunst in Graz“ erschienen, in dem einige exponierte Kulturschaffende den Status quo skizziert haben: [link] Gegen Ende voriger Woche hat, so höre ich, Joanneum-Boss Peter Pakesch auf das Papier geantwortet. Diese Antwort ist leider bisher im öffentlichen Diskurs nicht aufgetaucht.

Peter Pakesch läßt wissen, daß er sich sein Leben auch gut ohne das Künstlerhaus vorstellen kann

Ich denke, es bleibt unverzichtbar, alle vertretenen Positionen auch sichtbar zu machen. Die IG Kultur Steiermark hat einiges an Statements und Presse-Reaktionen zusammengetragen, im Web deponiert: [link] Andere Akteurinnen und Akteure dieses Diskussions- und Klärungsprozesses zeigen sich in ihren Äußerungen noch sehr zurückhaltend.

Von APA/OTS kam kürzlich eine Meldung, die in manchen Punkten nachdenklich stimmt. Zum Beispiel: „So forderte die IG Kultur, das seit 2003 dem Joanneum zugeordnete Ausstellungshaus am Stadtpark lokalen Kulturschaffenden zur Verfügung zu stellen. Anita Hofer von der IG Kultur meint,…“ [Quelle]

Das halte ich für problematisch, denn „lokale Kulturschaffende“ wären jene von Graz, womit auch die IG Kultur Steiermark schon wieder einmal die Steiermark ausgeblendet hätte. Immerhin hieß es an anderer Stelle: „die Öffnung für die gesamte künstlerische Szene der Steiermark“, was offenbar den Leuten in der Grazer Szene nicht ganz selbstverständlich über die Lippen kommt.

In der OTS-Meldung heißt es weiters: „Am Kunsthaus Graz ‚sehen wir ja, wie so etwas läuft’, so Hofer: ‚Steirische Künstler haben kaum Chancen, dort auszustellen.’“ Da wäre freilich, mit Verlaub, einmal zu debattieren, warum Grazer Kunstschaffende vor allem in Graz mehr Ausstellungsmöglichkeiten haben sollen, anstatt sich zu rüsten, an anderen Orten und auch möglichst weit weg auszustellen.

Veronica Kaup-Hasler fühlt sich eher nicht prinzipiell für eine steirische Heimwerker-Bewegung zuständig

Eine Frage, in der schon Veronica Kaup-Hasler, der Intendantin des Festivals „steirischer herbst“, seinerzeit übel genommen wurde, daß sie auf ein ähnliches Anliegen hin wissen ließ, dieses Festival sei nicht primär als Schaufenster für heimische Kräfte konzipiert.

In gewissem Sinne wäre es sogar interessant auszuloten, was geschähe, wenn heimischen Leuten zuhause nur kleine Locations zum Üben verfügbar gemacht würden, es ihnen aber ansonsten möglichst schwer fallen solle, vor der eigenen Haustür auszustellen, um ihnen Geschmack an der Ferne nahezulegen. (Drohrufe, Verwünschungen und Briefbomben für mich bitte an das Salzamt adressieren!)

Zur Sache! Wir erfahren von Pakesch überraschend: „Wir sind auch nicht böse, wenn wir das Künstlerhaus wieder los sind. Wir haben ohnehin genug zu tun.“

Das hat doch Charme! Die Zeit wäre eventuell reif, Pakesch darin beim Wort zu nehmen, sich selbst die Verantwortung für so ein bemerkenswertes Haus aufzubürden. Ja, eine Bürde ganz bestimmt, denn solcher Strukturen Vorteile zu konsumieren ist eine viel gemütlichere Hackn, als sie Jahr um Jahr in Gang und in Schuß zu halten.

Ich habe inzwischen schon den Ruf nach Selbstverwaltung hören können. Prima!

Offen gesagt, als vor einer Weile zu lesen war, daß steirische Kunstschaffende nun einig seien: „Wir holen uns die Selbstverantwortung für unsere Arbeit zurück!“, habe ich erstmals heiße Tränen der Rührung in mein Taschentuch geweint. Warum hatten wir sie so lange nicht, die Selbstverantwortung? Wer hatte sie uns geraubt? Jetzt aber!

Christian Buchmann tut jetzt genau das, was wir von einem Landeskulturreferenten erwarten würden: Er bittet den Landeskulturbeirat, die eingegangenen Konzepte zu prüfen.

Scherzchen beiseite, das sind ja ernste Angelegenheiten. Landeskulturreferent Christian Buchmann ergänzte eben meine Notizen auf INFOGRAZ um eine Stellungnahme: „…aktuell liegen mir sechs Konzepte für eine zukünftige Positionierung des Künstlerhauses vor. Es sind dies Konzepte von
den Künstlervereinigungen (Dr. Beate Landen)
von Luise Kloos, Erika Lojen, Edith Temmel
von der IG Kultur
vom Grazer Stadtmuseum
vom Künstler-Paar Nestler-Rebeau
und vom Universalmuseum.

Diese Konzepte wurden von mir am 2. November an den Landeskulturbeirat weitergeleitet, den ich um eine Expertise zu den Konzepten bis Ende des Jahres ersucht habe.“ [Quelle]

Der Beirat wurde heuer im Frühjahr neu besetzt: [link] Unter diesem Link findet man auch ein downloadbares PDF-Dokument mit einem aktuellen Mission Statement des Landeskulturbeirates. Angesichts des personellen Status dieser Instanz wird es mit gängigen Verschwörungstheorien etwas langweilig.

Freilich gibt es die absolute Killerapplikation der Auguren, Blitzgneißer und Propheten, nämlich ein Ansichtenbündel, wonach das alles nur Getöse sei, eine Inszenierung, die bemänteln solle, daß Entscheidungen hinter den Kulissen längst gefallen seien, daß diese nun bloß noch von quasidemokratischen Prozessen bemäntelt und legitimiert werden sollen.

Vorzüglich nutzbarer Raum in günstiger Lage: Das Künstlerhaus Graz

Das Bequeme an solchen Verschwörungstheorien ist, daß sie niemals entkräftet werden und so auch nicht aus der Welt geschafft werden können, ganz egal, wie sehr sich diese oder jene Menschen in der Sache anstrengen. Deshalb sind mir Verschwörungstheoretiker so suspekt. Sie betreiben ein dubioses Geschäft, welches kaum angemessen überprüft werden kann.

Da bewegen wir uns also jetzt im Bereich von Glaubensgegenständen, zu denen jemand vor allem einmal sein eigenes Credo einreihen kann. Ich mach das hier gleich: Diese lahme Verschwörungstheoretisiererei ist eine letzte Zuflucht jener, die sich nicht aufraffen möchten, um Klärungen zu ringen. Selbst ein inspirierender Dissens ist harte Arbeit. Diese Arbeit muß nun gemacht werden. Schauen wir, dann sehn wir schon!

[Die Debatte: Übersicht]

eine wegmarke

angenehmer weise komme ich mit der arbeit gar nicht damit nach, unseren online-pressespiegel auf stand zu bringen: [link] naja, im spätsommer wird das getan sein. an dieser sache ist wichtig, daß uns eine kontinuierliche präsenz in regionalen medien gelingt. denn medienpräsenz hat den rang von „realitätserzeugung“. das bedeutet, was in den medien vorkommt, gibt es, das wird von den menschen als existent wahrgenommen. was in den medien keine erwähnung findet, rangiert meist unter „unwichtig“ bis „gibt’s net!“

diese medieal vermittelte wahrnehmung spielt wiederum in einem anderen rang-system eine rolle, die wir nicht ignorieren können. ob wir von manchen schlüsselpersonen und machtpromotoren wahrgenommen werden, hat viel einfluß darauf, ob wir mit unseren ansichten und ansprüchen gehört werden oder nicht.

ich brauch für die entwicklung unserer vorhaben zugang zu mehreren verschiedenen ebenen. hier ein arbeitsgespräch mit landesrat christian buchmann (2. v. links) und funktionastragenden der stadt gleisdorf

wenn wir in verhandlungen augenhöhe zu unseren gegenüber erwarten, hat das viel damit zu tun, ob man uns die kompetenz und den rang zutraut, die beide voraussetzung sind, daß man quasi für eine begegnung in augenhöhe zugelassen wird. ich kenn die empörung darüber, daß es solche gefälle im verhältnis der menschen gibt, über mehrere partituren rauf und runter.

wir kinder der gegenreformation sind leider nach zutiefst autoritäten mustern gestrickt und der lauf der dinge hat gezeigt, daß jene, die ganz ostentativ allergisch auf solche autoritätsformationen reagieren, oft selbst die härtesten bedingungen und unerbittlichsten gefälle einführen.

unterm strich bleibt jedenfalls, daß ein fruchtbarer und vor allem über längere zeiträume kontinuierlicher dialog zwischen sach- und machtpromotoren nicht von selber entsteht, sondern in den meisten fällen mühsam erarbeiten werden will.

ohne permanente diskursarbeit wäre für uns kaum klärbar, nach welchen kriterien wir nun um welche strukturellen maßnahmen konzentriert ringen sollten

daraus folgt auch, es braucht meist längerfristigen umgang mit einander, in dem achtsamkeit und die neigung zu respektvoller betrachtung platz haben, damit eine begegnung in augenhöhe stattfinden kann, wo menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen positionen dann bestenfalls auch zu kooperationen finden. es ist freilich eine reizvolle aufgabe, übliche barrieren einzuebnen, um auf die art neuen handlungsspielraum zu schaffen.

ich habe nun seit einiger zeit mit „kunst ost“ ein hauptprojekt installiert, das für „kultur.at“ völlig neue optionen ermöglicht. das soziokulturelle potenzial dieses projektes fesselt mich. aber ein spezieller höhepunkt ist natürlich aktuell die nun feststehende kooperation mit erich wolf, dem repräsentanten der „sammlung wolf“. durch die zusammenarbeit mit ihm bekommt unser fokus auf die gegenwartskunst ganz neue nuancen und perspektiven.

der mann befaßt sich seit jahrzehnten intensiv mit gegenwartskunst, hat sich in der sammlung auf steirische kunst vor allem der nachkriegszeit konzentriert, und ist natürlich auch teil angemessener netzwerke. somit erweitert sich unser handlungsspektrum und unser streben nach professionalisierung einzelner projektbereiche.

kunstsammler erich wolf

gerade unter den krisenhaften entwicklungen der landesbudgets und der kommunalen situationen stellt sich ja laufend neu die frage, welche guten gründe wir vorbringen können, um jene finanzierungen zu schaffen, die ein zeitgemäßes kulturelles engagement verlangt; mehr noch, die so eine konzentration auf gegenwartskunst unabdingbar benötigt.

mit dem aktuellen presse-info von „kunst ost“ [link] ist eine wegmarke am beginn des neuen arbeitsabschnittes hervorgehoben. wir sind uns übrigens einig, daß sich unsere konzeptuelle orientierung in drei bereichen einlösen und bewähren muß. was wir in summe vorhaben, muß LOKAL funktionieren, respektive im bezug auf die „kleinregion gleisdorf“. es muß REGIONALe und steiermarkweite relevanz entfalten können, es muß sich aber auch in einigen INTERNATIONALen bezügen als tauglich erweisen.

das ist eine spannende aufgabenstellung, weil wir so gefordert sind, ein sehr komplexes kräftespiel zu bearbeiten. es weist einiges darauf hin, daß einige unserer wege bisher noch nicht begangen wurden…

auf die nächste ebene

im vorfeld hatte es die frage gegeben: „wie hast du es geschafft, daß der buchmann herauskommt?“ ich konnte ein wenig angeben und sagen: „ist gar nicht so schwer gewesen.“ gut, das sind spielchen. nein, das ist nicht ganz nebensächlich. zur erläuterung: christian buchmann ist steirischer landeskulturreferent und wirtschaftslandesrat. er war gestern zu einem arbeitsgespräch nach gleisdorf gekommen.

ich habe als kunst- und kulturschaffender zwei grundlegende anliegen an leute aus politik und verwaltung:
a) gehört zu werden und
b) sachkundige gegenüber für arbeitsgespräche zu finden.

von links: sigrid meister (kustodin des „museum im rathaus“), winfried kuckenberger (leiter des büros für kultur und marketing), karl bauer (sachpromotor unserer „tage der agrarischen welt“) und gerhard flekatsch (kulturprojekt „bluethenlese“)

manchmal bin ich erneut überrascht, wie viel vorarbeit es ist, für ein komplexeres meeting die eigenen optionen aufzubereiten, so daß kommunizier- und verhandelbar ist, was wir anstreben und wie es erreicht werden soll. mir lag daran, personen der drei sektoren staat, markt und zivilgesellschaft an einen tisch zu bekommen. es ging darum, modi zu klären, wie eine kooperation von leuten aus diesen drei sektoren gestaltet sein solle, um längerfristig eine stabile arbeitssituation für kunst- und kulturschaffende zu erreichen.

landesrat christian buchmann: „warme stube richte ich zur zeit keinem. ansonsten bin ich für vieles offen.“

um diese fragen zu debattieren, hatte ich auch alois reisenhofer, den kulturreferenten von gleisdorf, an den tisch gebeten. und winfried kuckenberger, den leiter des büros für kultur und marketing, der sigrid meister, die kustodin des „museum im rathaus“, mitgebracht hatte. bürgemeister christoph stark hatte sich ebenfalls zeit genommen.

die drei sektoren, also politik & verwaltung, wirtschaftsbetriebe und deren metabereich sowie — in unserem fall der zivilgesellschaft — vor allem kunst- und kulturschaffende. worin und wofür können wir abschnittweise an einem gleichen strang ziehen? wie vermeiden wir das feststecken in bewährten klischee-ensembles, über die kaum mehr als bloß ein starkes gefälle produziert wird? unterm strich bleibt ja auch die frage, ob und unter welchen bedingungen uns ein umgang miteinander gelingt, der von begegnungen in augenhöhe geprägt ist.

alois reisenhofer (gleisdorfs kulturreferent) und maren spitzer-diemath (büro buchmann)

es waren demnach diese aspekte unterzubringen UND konkete, projektbezogene fragen, inhaltliche aspekte eines kulturgeschehens jenseits des landeszentrums, in dem überdies die gegenwartskunst an boden gewinnen kann. nicht weniger wollte ich bei diesem treffen auf dem tisch haben. damit ist auch klar gewesen, das konnte nur der AUFTAKT einer serie von treffen sein, in denen dieses komplexe paket bearbeitet wird.

arbeitstreffen, die eben zunehmend davon geprägt sein sollen, daß leute aus politik, verwaltung, wirtschaft und zivilgesellschaft a) gemeinsame fragen finden, b) daraus gemeinsame aufgabenstellungen beziehen, was c) zu gemeinsamen vorhaben führen soll. das betrifft unter anderem strukturen und bedingungen, in denen sich AUCH das kunstschaffen ereignen kann. aber hier muß klarheit bestehen, daß die kunst kein werkzeug der sozialarbeit, des tourismus oder anderer metiers ist.

bürgermeister christoph stark (links) und landesrat christian buchmann

es sind die gemeinsamen fragen und aufgabenstellungen, zu denen sich kunstschaffende mit ihren mitteln einbringen können, ohne daß die künstlerische praxis selbst in einen werzeugkasten für andere zwecke gepackt wird. ich stelle fest, daß diese nötige trennschärfe von den funktionären am tisch ansatzlos verstanden wurde, während sie unter uns kultur- und kunstschaffenden als thema nicht gar so präsent ist.

das berührt übrigens aspekte, wo ich mit künstler gerhard flekatsch einig bin: wir haben in unserem metier noch viel zu wenig antrengung darauf verwandt, breiter klar zu machen, wovon genau unsere profession eigentlich handelt, welche bedingungen sie hat und was genau sie zu leisten imstande ist, was andrerseits ausgeschlossen bleiben muß.

das macht wohl auch gelegentlich die verständigung mit leuten aus anderen metiers etwas schwierig. selbstreferenzielle wanderlegenden über das dasein als künstler nutzen uns dabei am allerwenigsten. wenn ich noch einrechne, wie wenig basiswissen selbst in gebildeten kreisen zu fragen des kunstbetriebes stellenweise vorzufinden ist, halte ich es für einigermaßen dringend, in diesen angelegenheiten langsam auf stand zu kommen. (oder doch etwas schneller.)

umbrüche

es sind oft feine kräftespiele, die eine position vom feld des kunsthandwerkes hinüber zur kunst verschieben. irmgard eixelberger bewegt sich gerade als grenzgängerin zwischen diesen zonen. ihre profunde kenntnis des brauchtums im agrarischen leben ergab nun einen anknüpfungspunkt für uns, um zu einer ersten „erweiterten runde“ zusammenzufinden, in der wir einige künstlerische optionen der „tage der agrarischen welt“ debattierten.

tierarzt karl bauer, die künstlerinnen herta tinchon, michaela knittelfelder-lang und irmgard eixelberger

auch hier gilt, daß kunstschaffende nicht zu einem „dekorationsgeschäft“ aufgerufen sind. es geht darum, daß sie mit ihren bevorzugten mitteln auf gemeinsam festgelegte frage- und aufgabenstellungen reagieren. im dialog mit leuten, die genau das mit anderen mitteln tun. dieser zugang basiert auf einer vorstellung, die wir dem „april-festival“ 2011 zugrunde gelegt hatten:

„Wenn diese Region eine Erzählung wäre, dann könnte sie sich selbst erzählen, falls die Menschen, die hier leben und arbeiten, ihre Stimmen erheben würden. Die Stimmen zu erheben ist in diesem Fall auch metaphorisch gemeint und bezieht sich auf das Einsetzen der jeweils bevorzugten Kommunikations- und Gestaltungsmittel.“ [quelle]

medienkünstler niki passath (links) und unternehmer tino pölzer bei den startvorbereitungen der „essigrakete“

das bedeutet zum beispiel ebenfalls, kunstschaffende von auswärts mit verschiedenen akteuren des regionalen gemeinwesens in interaktion zu bringen. ein beispiel dafür war die session beim unternehmer-ehepaar jaqueline und tino pölzer, bei der wir experimentalbäckerin ida kreutzer, medienkünstler niki passath und fotograf emil gruber zu gast hatten. [die crew]

nun arbeiten wir am kommenden „april-festival“ das den titel „leben: die praxis der zuversicht“ [link] tragen wird. mit dem eingangs erwähnen arbeitstreffen ist auch eine erste laborgruppe formiert worden, zu der sich noch der fotograf christian strassegger und die künstlerin renate krammer zählen. strassegger arbeitet übrigens auch an einem eigenen konzept für einen beitrag zu den „tagen der agrarischen welt“.

wir gehen gerade daran, unseren aktuellen arbeitsansatz mit landesrat christian buchmann zu debattieren. aus unserer konzeption ergibt sich nämlich ein ganz anderer modus als herkömmlich zirkulierende „geschäftsmodelle“, wie wirtschaftstreibende und kunstschaffende mit einander zu tun haben können. dieser modus steht auch im kontrast zu gängigen befürchtung, die wirtschaft werde die kunst vereinnahmen. wenn sich dieser ausgangspunkt klar markieren läßt, nämlich eine gemeinsamen fragen- und aufgabenstellung, dann ergeben phantasien vom vereinnahmen keinen sinn.

der kanadier simon brault gibt in seiner streitschrift “no culture, no future” einen anregenden hinweis auf solche zusammenhänge: „We are still locked in a restrictive mode that is preventing us from taking full advantage of the potential of the arts and culture, which are incredible vectors of creativity, the principal driver of economic and social growth.“

brault sagt ebenso unmißverständlich: „Culture is not a parasite of economic and social development, but it can be a motor for it.“

apotheker richard mayr (links) und büchsenmacher franz lukas als akteure im kunstgeschehen

das verlangt etwa, herkömmliche rollenzuschreibungen aufzugeben. als beispiel: wenn ich mich bemühe, versierte unternehmer für ein projekt zu gewinnen, und zwar als akteure, dann betrachte ich sie nicht als „geldquelle auf zwei beinen“, sondern als personen, die a) interessante kompetenzen einbringen und b) ihrerseits sehr konkrete erfahrungen mit unserem milieu und unseren arbeitsweisen machen.

das bringt nicht bloß interessante ergebnisse, wie sich etwa im fall von „ist gleich/ungleich“ gezeigt hat. da ging es mir darum einen kaufmann (richard mayr), einen ingenieur (andreas turk) und einen handwerker (franz lukas) für ein gemeinsames vorhaben zu gewinnen: [link]. derlei modi verändern auch die kulturelle situation eines ortes.

nun geht es darum, solchen wechselseitigen erfahrungsprozessen mit ihrer gemeinsamen wirkung nach außen als ein spezielles kulturelles geschehen dauer zu verleihen. dabei spielt zwar die gegenwartskunst eine wichtige, aber nicht die einzige rolle.

ich hab übrigens gerade zusammengefaßt, welche art von rolle ich in solchen zusammenhängen für kunstschaffende sehe: [link]

es geht mir da um eine klare position, sich den verschiedenen varianten simpler verwertungslogik zu entziehen. was sich nun interessanterweise zeigt: genau darin, nämlich im ablehnen simpler verwertungslogik, finden wir dann auch mit manchen wirtschaftstreibenden und einzelnen leuten aus politik und verwaltung konsens. offenbar ein tauglicher ansatz, um begegnung und umgang in augenhöhe zu erproben.

wo liegt das salzamt

ich kann in meinem milieu keineswegs die auffassung voraussetzen, daß KULTURPOLITIK von sehr viel mehr handeln sollte als von einer mittelvergabe an kunstschaffende, um kunstproduktion zu ermöglichen und um kunstpräsentationen zu ermöglichen.

jenseits des landeszentrums ist die vorstellung gar nicht selten, kulturpolitik sei im wesentlichen: ausstellungen, konzerte und lesungen zu ermöglichen und zu eröffnen. punktum! im zetrum des geschehens sehe ich vor allem die vertretung von partikularinteressen. eine arbeit an einem größeren ganzen scheint kaum anziehend zu sein.

das rächt sich natürlich postwendend, wenn wohlstand verklingt und verteilungskämpfe schärfer werden. dann erscheint nämlich das konzept „ausstellungen, konzerte und lesungen ermöglichen und eröffnen“ schagartig als „dekorationsgeschäft“, das von einer majorität für verzichtbar gehalten wird.

grob zusammengefaßt:
wenn wir gegenwartskunst und volontary arts kategorial nicht zu unterscheiden wissen, wenn darüber hinaus NUR kunstproduktion, vermittlung und repräsentation als KULTURPOLITISCHE AGENDA verstanden und vertreten werden, geht der laden den bach runter. genau: jetzt!

kleine kulturdebatte mit dem bauern richard hubmann (links) und dem bürgermeister robert schmierdorfer: gegenwartskunst hat natürlich traditionell keine hohe priorität im ländlichen raum

wo wir also einen größeren soziokulturellen zusammenhang weder zu argumentieren, noch zu praktizieren verstehen, sagt die kommunal- und regionalpolitik: „wir können den winterdienst für unsere großen wegenetze kaum schaffen, ohne zu ächzen, wir können die pflegekosten für unsere leute nicht mehr zahlen, was, bitte, wollt’s IHR denn jetzt?“

hinzu kommt verschärfend, daß es ein eklatantes „stadt-land-gefälle“ zwischen graz und der restlichen steiermark gibt und daß jenseits von graz strukturen des kulturbetriebes großflächig fehlen, vom vorhanden gerade vieles wegbricht. ich habe den status quo kürzlich in unserem projektlogbuch zusammengefaßt: [link]

eine ig kultur steiermark [link] zeigt keinerlei nachvollziehbare wahrnehmung für das zentrum-provinz-gefälle und die wesentlich höhere brisanz der situation kulturschaffender jenseits von graz. im gegenzug gibt es keine hinweise auf eine relevante lobby-bildung kulturschaffender der „provinz“, sei es für sich, sei es innerhalb einer ig kultur steiermark.

es ist natürlich viel komfortabler, im landeszentrum zu verbleiben, die codes arabischer kulturen zu plündern, schuhe zu werfen und sich auf einer „oasen“-party mit dem kabarettisten josef hader fotografieren zu lassen.

ja, ich weiß, polemik.

nein, ich möchte nicht behaupten, kulturlandesrat christian sei vor ergriffenheit in andacht verfallen, weil er die oststeiermark besuchen durfte. aber er war hier und ich konnte in ruhe eine reihe von fragen vorlegen, auf die ich ausführliche antworten bekam

bemerkenswert ist bloß, daß ich in letzter zeit keine probleme hatte, vertragsbedienstete wie etwa heimo steps (vorsitzender des förderausschusses) oder sogar landeskulturreferent christian buchmann hier vor ort zu sprechen. referatsleute wie sandra kocuvan oder gerald gigler haben auch kein problem, gelegentlich in die oststeiermark zu fahren, damit wir uns akuten fragen widmen können.

aber unsere primären kolleginnen und kollegen neigen eher zur haltung: „Lieber Martin, wann bist Du in Graz und hast Zeit für ein klärendes Gespräch? Liebe Grüße, Christian.“ so der künstler und kulturaktivist christian w. am 7. juni 2011, das war’s.

ob mit privatfahrzeug oder öffentlichen verkerhsmitteln, jede fahrt nach graz schlägt mit satten kosten zu buche

es gibt im eigenen milieu nicht einmal eine wahrnehmung, was das allein an konkreten reisekosten anhäuft, 30 bis 50 mal pro jahr aus der provinz nach graz zu fahren. selbst manche leute, die etwas von mir brauchen, scheuen den weg in die oststeiermerk und haben die chuzpe zu fragen: „wann bist du denn einmal in graz?“

wir teilen uns also keineswegs die anfallenden mobilitätskosten, wie auch sonst viele grazer zentrums-leute ein höheres maß an mitteln und möglichkeiten lieber in graz gebündelt sehen. siehe dazu meine zusammenfassung „zur lage: zentrum/provinz“ im projekt-logbuch: [link]

der ruf nach solidarität bedeutet also primär einen ruf der solidarität zum zentrum. wie erwähnt, ich habe selbst hochrangige leute der steirischen kulturpolitik und der verwaltung öfter in der oststeiermark gesehen als kolleginnen und kollegen aus graz. ich hatte öfter gelegenheit, meine ansichten mit diesen amtstragenden hier zu diskutieren als mit grazer leuten meines metiers.

mehr noch, sogar das „Steiermärkisches Kultur- und Kunstförderungsgesetz 2005“ betont explizit in § 1 punkt (5) „Dieses Gesetz verfolgt auch das Ziel, den Gemeinden als Vorbild für deren Kunst- und Kulturförderung zu dienen.“ das muß alles jenseits von graz überhaupt erst kommuniziert, bearbeitet und aufgebaut werden. das würde aufgrund fehlender evidenz in der „provinz“ einen erhöhten einsatz an mitteln verlangen, fördermittel UND vielleicht auch personelle unterstützung von grazer sachkundigen, die uns dabei mit know how und renommee begleiten, unterstützen könnten.

ein entsprechendes begehren habe ich kürzlich im salzamt abgegeben.

p.s.:
wo liegt das salzamt? na, wenn sie einmal nach graz kommen, werden sie es schon finden.

— [übersicht: wovon handelt kulturpolitik?] —

wovon handelt kulturpolitik? #2

bei einem ausführlichen gespräch mit dem wirtschafts- und kulturlandesrat christian buchmann und einigen regionalen funktionstragenden, wie etwa dem landtagsabgeordneten erwin gruber, sagte buchmann: „mehrheit ist wahrheit in der politik.“

wirtschafts- und kulturlandesrat christian buchmann (links) und landtagsabgeordneter erwin gruber

ob einem diese auffassung paßt oder mißfällt, so also läßt mich ein erfahrener landespolitiker wissen, was er innerhalb seiner sphäre im auge behält. buchmann ist sicher versiert genug, um nicht zu meinen, es sollen nur mehrheiten bestimmen, was zu geschehen habe. doch mindestens in der regionalpolitik wird sehr schnell deutlich, daß beispielsweise die bürgermeisterinnen und bürgermeister in kleinen orten keinesfalls ignorieren, was sich an stimmungen in der bevölkerung bemerkbar macht.

kurios bleibt, daß lautes murren mit mehrheiten assoziiert bleibt, was ja keine ausgemachte sache ist. wir wissen in der regeln nicht so genau, was „die leute“ allgemein denken. das sind meist mutmaßungen aufgrund von gerüchten, wanderlegenden, berichterstattung in den medien, leserpost in zeitungen, lauten auslassungen von deutungseliten etc.

aber wir wissen aufgrund von leserpost, umfragen und manchmal laut werdendem gemurre, daß der kulturbereich ganz allgemein und die gegenwartskunst im speziellen keinerlei mehrheiten hinter sich vermuten dürfen.

ob ministerin claudia schmied noch weiß, in welcher schublade die studie über die soziale lage kunstschaffender liegengeblieben ist?

mindestens jene studie [link] zur sozialen lage kunstschaffender, die seit jahren in irgendeiner schublade von ministerin claudia schmied verrottet, unterstreicht diese annahme sehr gründlich.

es weist seit jahren nichts darauf hin, daß mehrheitlicher zuspruch zu einer bezüglich gegenwartskunst offensiven und gut dotierten kulturpolitik vom himmel fallen könnte. es weist außerdem nichts darauf hin, daß politisches personal diesen oder jenen bonus bei seinem klientel riskieren möchte, um jenen sektor nennenswert zu stärken, der sich doch in tagespolitischen scharmützeln so handlich zur diskreditierung anbietet. schlimm? ja, schon. aber wen schert’s?

wir werden uns also voraussichtlich selbst um eine valorisierung unseres sektors kümmern müssen. ich gehe davon aus, daß ein anbrüllen anderer leute sich dafür am wenigstens eignet. ich nehme an, daß konsequente inhaltliche arbeit und das bemühen um strategisch bewirkten „bodengewinn“ uns in der sache voranbringen können.

das sind fragen der inhaltlichen klärungen, fragen der vermittlungsarbeit und fragen der kommunikation nach außen, also auch der medienpräsenz, in summe soziokulturelle agenda.

[übersicht]

lebhafte tage

mein hang zur repräsentationsarbeit hält sich sehr in grenzen. aber sichtbarkeit, wahrgenommen zu werden … es gehört zum geschäft, diese aspekte nicht zu ignorieren. umgekehrt betrachtet: es freut mich natürlich auch, wenn unsere arbeit u.a. dadurch gewürdigt wird, daß sie in einem größeren rahmen beachtung findet.

beim „europa-tag“in der aula der alten universität, graz (von links): frido hütter (kultur-chef „kleine zeitung“), landeskulturreferent christian buchmann und kulturpublizist peter wolf

so ein größerer rahmen war ohne zweifel der „europatag 2011“ in graz, zu dem ich exemplarisch für steirische basis-kulturinitiativen jenseits des landeszentrums eingeladen war; in ziemlich bunter gesellschaft, wie sich zeigte:
+) Elisabeth Arlt, Verein Pavelhaus
+) Max Aufischer, Kulturvermittlung Steiermark
+) Anna Badora, Schauspielhaus Graz
+) Christian Buchmann, Landesrat für Wirtschaft, Europa und Kultur
+) Frido Hütter, Kleine Zeitung
+) Dzevad Karahasan, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler
+) Martin Krusche, kunst ost: Soziokulturelle Drehscheibe
+) Margarethe Markovec, Verein
+) Gerhard Melzer, Franz-Nabl-Institut Graz/Literaturhaus Graz
+) Peter Pakesch, Universalmuseum Joanneum
+) Eberhard Schrempf, Creative Industries Styria
+) Gottfried Wagner, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur

daß ich hier nicht bloß nominell neben dem bosnischen autor dzevard karahasan gelandet bin, hat mir sehr gefallen, weil uns eine längere geschichte verbindet [link], die wohl auch ihre querverbindungen zu unseren kommenden vorhaben finden wird.

tags darauf folgte eine weitere station im rahmen unserer talking communities. viele kulturschaffende haben sich erfahrungsgemäß das steirische kulturförderungsgesetz noch nie näher angeschaut. wir haben einen der „architekten“ dieses gesetzes, heimo steps, gebeten, es uns zu erläutern, es mit uns zu debattieren.

referent heimo steps und kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov

wir werden diese art der inhaltlichen „basis-arbeit“ beibehalten. es geht mir dabei sehr wesentlich um einen andauernden kompetenzgewinn der kulturschaffenden, was uns in summe dazu verhelfen sollte, unsere vorhaben zu sichern und so den boden zu befestigen, auf dem sich gegenwartskunst — auch abseits des landeszentrums — zeigen und ereignen kann. das braucht freilich ganz andere strategien und wege als die „zentrums-situationen“. (den gesetzestext kann man HIER downloaden.)

wir sind zugleich laufend richtung praxis unterwegs. im augenblick bedeutet das, es geht mit „close to nature“ zur sache. basierend auf einer konzeption von mirjana peitler-selakov übertragen wir künstlerische arbeiten auf die region; nicht im metaphorischen sinn, sondern ganz konkret auf die landschaft.

ein erster, knapper blick auf ein stück der arbeit von christian strassegger

unser „raketenprojekt“ mit medienkünstler niki passath war ja schon ein kurioser vorbote dieses genres. wir hatten dabei auf dem anwesen der familie pölzer gehörigen spaß, was ein weiterer, wichtiger hinweis ist: die ernsthafte arbeit schließt den spaß nicht aus.

eine arbeit von christian strassegger wird nun dieser erste formelle akzent von „close to nature“ 2011  sein, ergänzt um eine session mit bernhard kober. man könnte sagen: rasenmäher trifft hubschrauber. das schafft auch querverbindungen zu unserem kuratorium für triviale mythen, bei dem augenblicklich die geschichte der mobilität und des verkehrswesens zur debatte steht.