Schlagwort-Archiv: karl bauer

wohin und wie?

unser engagement für die gegenwartskunst hat vor- und rahmenbedingungen. wir haben gewissermaßen boden zu bereiten, um neue verfahrensweisen abseits des landeszentrums zu entwickeln und zu erproben. es geht um akzente von der basis her und um impulse von außen, um den blick über den tellerrand, aber auch um konkrete schritte über solche ränder hinaus.

das heißt für’s „basis-team“ konkret, die prägenden sozialen und kulturellen kräftespiele der region zu beachten, in die arbeit einzubeziehen. die grundlage dafür ist auf kontinuität ausgelegtes themenzentriertes arbeiten. das hat einen speziellen fokus im alljährlichen „april-festival“, dessen 2012-version wir nun schon vorbereiten:

Leben: Die Praxis der Zuversicht

wir haben einige themenbereiche und arbeitsansätze festgelegt, um die gegenwart der agrarischen welt in der „energie-region“ auszuleuchten. meine primären gesprächspartner für die entwicklung einer diesbezüglichen schwerpunkt-linie von „kunst ost“ sind der tierarzt karl bauer und der künstler christian strassegger. (zum aktuellen hintergrund siehe den beitrag brisanz und idylle!)

christian strassegger, präziser fotograf und schöpfer humorvoll gehaltener objekte

über die befassung mit der „nikola tesla-doktrin“ entwickeln wir außerem einen technologie-schwerpunkt, den ich augenblicklich mit kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov detaillierter ausarbeite.

sie kommt ursprünglich aus der motorenentwicklung (avl list), ist also mit beiden metiers, der technik und dem kulturbetrieb, vertraut. bei diesem teilthema sind wir via teleworking mit dem, belgrader forscher branimir jovanovic im einvernehmen und im austausch. (er war eben unser gast beim „april-festival“ 2011.)

eine der arbeiten, mit der malerin michaela knittelfelder-lang auf einen besuch im elin-werk für elektromotoren reagiert hat

so bemühen wir uns um die erzeugung eines „möglichkeitsraumes“, aus dem kunstschaffende anregungen für weitere vorhaben finden. es sind nicht nur die inhalte, es sind auch ambiente und inventare im bereich der genannten themen, aus denen sich ästhetische impulse beziehen lassen, wie etwa die aktuelle arbeit von malerin michaela knittelfelder-lang belegt.

mirjana peitler-selakov befaßt sich zur zeit auch mit dem thema „frauen und technik“, womit der bereich „frauenemonat“ weiter geführt wird. sie bereitet überdies für den herbst unseren tradtionellen kunst-schwerpunkt mit internationalem bezug vor.

mit dem oben erwähnten christian strassegger arbeiten wir ferner an der „künstlerischen klammer“, die zwischen den genannten themenbereichen vermitteln und sie zusätzlich auf das reale gebiet der „energie-region“ übertragen soll. das realisieren wir unter dem titel „close to nature“, inhaltlich 2010 von mirjana peitler-selakov erarbeitet.

mirjana peitler-selakov (rechts) mit zwei "schlüsselpersonen" des heurigen "april-festivals", den malerinnen irmgard hierzer (links) und michaela knittelfelder-lang

zu all diesen vorhaben, die auf künstlerische und themenbezogene schwerpunkte ausgerichtet sind, kommt begleitend die serie talking communities, in der es vor allem darum geht, know how zu mehren.

dabei verfolgen wir zwei linien. mit dem einen teil „konferenz in permanenz“ bieten wir vor allem anregungen zu kulturpolitischen fragen an, mit dem anderen teil „was sagen kunstwerke?“ erschließen wir möglichkeiten der debatte über kunst und kunstwerke. den auftakt dazu hatten wir mit medienkünstler niki passath: [link]

das ist die aktuelle aufgabenstellung von „kunst ost“, an der wir mit engagierten menschen arbeiten möchten. das bedeutet vor allem, wir sehen es NICHT als unsere aufgabe, FÜR andere eine bühne zu bauen und so „kulturprogramm“ zu fahren. wir sehen es als unsere aufgabe, MIT anderen an der kulturellen situation dieser region zu arbeiten.

brisanz und idylle

wir haben von unserem ersten „tag der agrarischen welt“ vor allem dieses motiv mitgenommen: ernährung ist das große geschäft der zukunft. international tätige companies kaufen schon heute riesige flächen auf. das wird abhängigkeiten in ganz neuem ausmaß hervorbringen.

wir werden von der geschäftswelt mit idyllischen bildern verwöhnt, was den blick darauf verstellt, daß sich schon jahrzehnte eine bipolare anordnung durchgesetzt hat, in welcher die bäuerliche landwirtschaft gegenüber der industriellen landwirtschaft den völligen nachrang hinnehmen muß. die dominante agrar-industrie verkauft uns ihre produkte vorzugsweise mit werbebildern, die sozusagen der bäuerlichen landwirtschaft heruntergerissen wurden.

tierarzt karl bauer wuchs in der agrarischen welt auf

ich hab diese zusammenhänge gerade erneut mit tierarzt karl bauer debattiert. wir sind uns einig, daß wir diesen themenkomplex für unsere kulturellen vorhaben erschließen wollen. es ist ein feld radikaler zusammenhänge, die unser aller leben erreichen; in jedem winkel der welt.

in den letzten fünfzig jahren ging in österreich – bei steigendem überfluß – die zahlt der menschen, welche in der landwirtschaft tätig sind, von 21 auf 3,9 prozent zurück. bei gleichbleibenden flächen hat die anzahl der landwirtschaftlichen betriebe laufend abgenommen. (das bedeutet: vergrößerung und rationalisierung vieler betriebe.)

der produzenenseite steht gegenüber: hierzulande wird der gesamte lebensmittelmarkt von genau drei konzernen kontrolliert. spar hat sich 29,5 prozent des marktes erarbeitet, rewe rund 31 prozent und hofer zirka 20 prozent. das bedeutet, etwa 80 prozent des lebensmittelmarktes sind in der hand von bloß drei international tätigen companies.

georg keuschnigg in „forum land“, ferbuar 2011

das läßt die fragen nach ernährungssicherheit und ernährungssouveränität einigermaßen brisant erscheinen. hier muß die rede von verfügbarkeit, qualität und preisen der nahrungsmittel sein. wenn man darüber nachdenkt und wenn man einrechnet, daß steigende energiepreise ein hauptereignis sind, um den agrarischen markt zu beeinflussen, wenn ich dann noch über das transportwesen, über verkehrskonzepte und regionale strukturprobleme nachdenke, dann wird sofort deutlich, was diese dinge mit den möglichen themen der „energie-region“ zu tun haben.

übrigens! „forum land“ (die zeitung für den ländlichen raum) titelte auf dem cover der ausgabe ferbuar 2011: „gemeindefinanzen: kippt der ländliche raum weg?“ der individualverkehr wird immer teurer, der öffentliche verkehr wird merklich reduziert. die neue landflucht ist längst realität. ganz klar, daß sich in der befasung damit auch soziokulturelle aufgabenstellungen abzeichnen. und diese ergeben ferner einladungen an kunstschaffende.

verleger reinhard wernbacher ist gelaunt, sich in das kulturprojekt einzubringen

ich habe also mit karl bauer und einigen anderen leuten konsens: das ist eine große themenstellung, die wir uns schrittweise, in einzelnen veranstaltungen und mit der konzentration auf teilthemen, erschließen möchten. dazu diskutiere ich nun auch die arbeit an einem buch, das uns gewissermaßen zu diesem thema führt und welches interessierten laien eine grundlegende orientierung bietet. das findet verleger reinhard wernbacher recht interessant. vor allem, weil wir einige grundlegende themenaspekte und speziell regionale zusammenhänge bündeln möchten.

das läuft übrigens auf einen weiteren schritt in dem hinaus, was mir als kulturelle option vorschwebt: die region erzählt sich selbst, indem die menschen, die hier leben und arbeiten ihre stimmen erheben: mit ihren jeweils bevorzugten mitteln und medien.

— [tag der agrarischen welt 2011] —
— [april-festival 2012]  —

agrarische welt: wie einiges zusammenhängt

ich wurde inzwischen mehrmals gefragt, wie ich denn auf das thema „agrarische welt“ gekommen sei. das ist eine geschichte in mehreren ereignis-sprüngen. der jüngste davon ereignete sich im sommer 2010, als ich mit tierarzt karl bauer das kosovo besucht hatte. das bescheidene level, mit dem die meisten bauern dort zurechtkommen müssen, entspricht, so bestätigte mir bauer, ungefähr dem, was der standard in der oststeiermark noch bis zum zweiten wetkrieg gewesen ist. (das hat mir eine menge fragen verursacht, auf die ich dort antworten bekam.)

mit tierarzt karl bauer zwischen kosovo und albanien

davor hatte ich das motiv schon in meinem „regionalen fahrtenbuch“ aufgegriffen: [link] dieser bereich unserer website trägt seit anfang 2010 das motto „zwischen landwirtschaft und high tech“. der grund ist naheliegend. das vormalige armenhaus österreichs, die oststeiermark, war erst nach dem zweiten weltkrieg durch verschiedene modernisierungsschübe zu jenem wohlstand gelangt, den wir heute kennen; und um den neuerdings wieder gefürchtet wird.

ich hatte im ersten eintrag des fahrtenbuchs das wappen von krottendorf werwähnt, in dem ähre und zahnrad diese bipolare situation symbolisieren: agrarisches und technisches. außerdem ist dort von einem zweibändigen werk die rede, das für mich schon für über 20 jahren jene orientierungshilfe ergab, durch welche mir diese region ein stück besser begreiflich wurde: „bäuerliches leben in der oststeiermark seit 1848“ von karl kaser und karl stocker.

ohne wenigstens kursorischer kenntnisse der soziokulturellenn zusammenhänge erschiene mir kulturelles engagement in der region sinnlos

zwischen diesen sehr verschiednen zugängen lag für mich die erfahrung, daß über den weg zur landesausstellung 2001 (“energie”) bis in die gegenwart eine legion von leuten in tourismus-büros, regionalmanagements etc. so allerhand flott dahinschrieben, was die region sei. dorch ein großteil dieser schilderungen, oft in aufwendigen print-produktionen publiziert, gibt eigentlich bloß sehr klischeehafte schilderungen in ausschnitten vom angeblich bäuerlichen und regionalen leben wieder.

wo wir uns heute um den kulturellen bereich einer eigenständigen regionalentwicklung annehmen und für diesen teil des gesellschaftlichen lebens relevante beiträge zu erarbeiten versuchen, muß einigermaßen klar sein, daß wir in der bloßen orientierung an stereotypen promt ins leere laufen und unnütz geld versenken würden.

wir können und wollen in der arbeit nicht ignorieren, was eben noch bestimmend, geradezu normativ im leben der menschen dieser region gewesen ist. was daran sozialgeschichtlich interessant erscheint, dazu erhielten wir gerade nennenswerte anregungen bei ersten „tag der agrarischen welt“.

all das bringt außerdem bezugspunkte zu gegenwärtigen problem- und aufgabenstellungen hervor. individuelle mobilität, verkehrskonzepte, ernährungssicherheit und die frage der nahrungsmittelqualität; vor dem hintergrund weltweiterfinanzkrisen und hochschnellender energie- wie nahrungsmittelpreise zur debatte gestellt.

das sind nicht notwendigerweise bevorzugte themen künstlerischer praxis. aber das sind fundamentale themen, auf denen sich kulturelles engagement aufbaut. und dabei ergibt sich dann durchaus, daß teilthemen und aspekte greifbar werden, die sich dann als künstlerische sujets nahelegen.

ich gehe inzwischen mit ganz anderen augen durch die zonen der agrarischen welt (dieses motiv hab ich allerdings aus dem norden von graz mitgebracht)

so werden wir also dem überaus komplexen thema „agrarische welt“ weiter nachgehen, werden auch interessante querverbindungen zur regional präsenten welt des high tech im auge behalten und in summe einiges beitragen können, was eine authentische vorstellung von dieser region ausmacht. genau DAS sind dann auch durchaus relevante rahmenbedingungen für ein künstlerisches geschehen und ein kulturelles klima, welches dieses künstlerische geschehen fördert.

— [das april-festival 2011] —

agrarische welt: reflexionen

historisch betrachtet: das bäuerliche leben war eine ständige schinderei, der mangel allgegenwärtig und die herrschaft konnte sich nehmen, was ihr zu nehmen beliebte. laufende dienste und abgaben. wenn unter den noblen geheiratet wurde, bedeutete das extra-steuern. wenn ihnen jemand wegstarb, war ein „besthaupt“ fällig, also das beste stück vieh aus den ställen der untertanen. (von krieg gar nicht erst zu reden.)

soziahistoriker robert f. hausmann machte uns mit einigen grundlegenden zusammenhängen vertraut

sie können quer durch österreich hotels finden, die „meierhof“ oder „alter meierhof“ heißen. lustig, daß sich die nachfahren von untertanen dort wohlfühlen sollen. meierhöfe waren einst stattliche wirtschaften der aristorkratie. da durften die bauern mit robot-leistungen zur sache gehen. frondienst, abgaben, sondersteuern …

sozialhistoriker robert f. hausmann gab uns beim „tag der agrarischen welt“ einen ersten überblick, was einige geschichtliche dimensionen des lebens in der region betrifft; und was zusammenhänge des wirtschaftens angeht. dem schloß sich kamillo hörner („volksbildungswerk steiermark“) mit deutungen der aktuellen situation an.

kamillo hörner ("volksbildungswerk steiermark") hatte eine annäherung an das thema landflucht vorbereitet

noch gegen ende des 19. jahrhunderts waren rund 90 prozent der bevölkerung im agarischen bereich tätig. heute sind es im grundlegenden sinn gerade einmal 2,5, insgesamt bis zu 5 prozent. dieser umbruch hatte seine größte schubkraft erst nach dem zweiten weltkrieg, als eine maschinisierung der landwirtschaft sowie neue saat- und düngemittel sich durchsetzten.

tierarzt karl bauer ging schließlich auf heutige produktionsweisen ein und auf aspekte der vermarktung. wenn man bedenkt, daß bei uns der großteil der lebensmittelversorgung von bloß drei handelsketten geleistet wird, kommt man schon etwas ins grübeln. was bedeutet das bezüglich preisgestaltung, qualität und versorgungssicherheit?

tierarzt karl bauer konzentrierte sich auf die themen nahrungsmittelproduktion und ernährungssicherheit

das sind einige der sachlichen bezugspunkte bei unserem ersten „tag der agrarischen welt“ gewesen, welcher auch von einer ausstellung kreativer aus der gemeinde gutenberg (im norden der „energie-region“) getragen wurde. dazu gehörte auch authentische volksmusik der formation „ob & zua“ (rund um christian nell).

es kam in wetzawinkel eine fülle von denkanstößen daher, die wir nach dem „april-festival“ reflektieren und in weitere arbeitsschritte einbringen möchten. gespräche vor ort haben schon gezeigt, daß wir daraus auch für künstlerische arbeiten anregungen beziehen.

eine klare gegenposition zum flachen und geistlosen geschrumpel im mainstream-radio: die gruppe "ob & zua"

obwohl ich mir diesen themen-fokus selbst gewünscht habe und ihn gemeinsam mit karl bauer erarbeiten konnte, war ich dann überrascht, wie groß die reichweite der teilthemen ist, um in unser aller leben hereinzureichen, und wie deutlich wir auf anhieb eben auch für künstlerische vorhaben bezugspunkte finden konnten.

wie im vorigen beitrag erwähnt, wir haben schon eine themenstellung für 2012: an: “leben: die praxis der zuversicht”

— [april-festival] —
— [die region: hofstätten/raab] —

kunst ost in der praxis #5

dieses „april-festival“ ist ein modellhaftes projekt, an dem sich unsere momentan bevorzugte arbeitsweise sehr gut demonstrieren läßt. es wurde in kooperation mit einigen gemeinden der „kleinregion gleisdorf“ realisiert. das ist EINE ebene des geschehens. es wurde auch von lokalen und regionalen wirtschaftsbetrieben unterstützt. das ist eine weitere ebene. es kam jedoch hauptsächlich zustande, weil eine reihe kulturschaffender mehr für das „größere ganze“ getan haben, als sich bloß um die präsentation ihres eigenen oeuvres zu kümmern.

zwei schlüsselpersonen auf einem sitz: malerin irmgard hierzer (mitte) von einer gleisdorfer "location crew" und malerin michaela knittelfelder-lang von der "location crew" in markt hartmannsdorf. (links der puppenspieler werner hierzer)

dabei sind nun zwei arten der kräftespiele entstanden. einerseits hat die inhaltliche ausrichtung des „april-festivals“ zu momenten der kollektiven kreativität geführt. andrerseits haben wir greifbar erlebt, daß sich erhenamtliches engagement mit hauptamtlicher arbeit verknüpfen läßt. nur so war dieses ergebnis, dessen auftakt wir gerade absolvierten, möglich geworden.

angelpunkte solcher entwicklungen sind die „schlüsselpersonen“. das sind menschen, die quasi als verbindungsglieder zwischen allen teilnehmenden des festivals und der „basis-crew“ fungieren. engagierte leute, welche dadurch auch mehr arbeit leisten müssen als jene ürbigen, deren beiträge im „april-festival“ gezeigt werden.

tierarzt karl bauer ist als privatmann schlüsselperson des "tages der agrarischen welt" (wetzawinkel), zugleich als gleisdorfer gemeinderatsmitglied repräsentant der lokalpolitik

was die öffentliche hand angeht, sind teilweise landesmittel zum einsatz gekommen, außerdem hat sich die stadt gleisdorf mehr als andere kommunen mit ressourcen eingebracht.

wirtschaftstreibende sind durch ganz unterschiedliche leistungen mit im spiel, was die fülle des festivals wesentlich abrundet. nichts ist verzichtbar, das mosaik aller beiträge ergibt ein verblüffend leistungsfähiges setup.

der aufwand an privaten mitteln war diesmal untypisch hoch und kann sicher nicht dauerhaft in diesem maße erbracht werden. aber die konkrete erfahrung, was heuer vor dem hintergrund der aktuellen finanzkrisen auf landeseben und in der region möglich wurde, scheint mir sehr ermutigend.

von links: andreas turk, franz lukas und richard mayr; drei gleisdorfer unternehmer, hier nicht als geldgeber, sondern als künstlerische akteure im festival präsent

für die zukunft wird es nötig sein, die ehrenamtlich tätigen schlüsselpersonen teils mehr zu entlasten beziehungsweise mit mehr mitteln und möglichkeiten auszustatten. ich denke, durch die konsequente inhaltliche arbeit und deren effekte, zuzüglich einer noch besseren umsetzungsarbeit – wir lernen ja alle dazu –, könnten sich die kommunen bestärkt fühlen, intensiver mir uns in kooperationen zu gehen.

ein eigener komplex, der noch klärungsarbeit verlangt, ist das angebot an die wirtschaftstreibenden; nämlich nicht im simplen „zweiweg-modus“ als geldquellen zur verfügung zu stehen, sondern aktive rollen im kulturgeschehen der region zu finden.

kulturbüro-mitarbeiterin sigrid meister, kustodin des "museum im rathaus" (hier rechts neben kunsthandwerkerin irmfard eixelberger), repräsenteirt die verwaltungsebene gleisdorfs und hat bei der umsetzungsarbeit des festivals etliche aufgaben übernommen

was die inhaltliche arbeit angeht, kann man die mehrschichtigen prozesse hier ablesen: [link] das werde ich weiterhin forcieren. ich denke, in diesem bereich entstehen nicht nur anregungen für künstlerische und kulturelle beiträge, hier entstehen folglich auch anlässe, durch die sich kommunen und firmen zur kooperation angeregt fühlen mögen.

hier zeigt sich also, wie wir das denkmodell der „drei sektoren“ (1: staat, 2: markt & 3: zivilgesellschaft) in ein praxismodell der kooperartion dieser drei sektoren überführen. ich denke, das ergebnis belegt, daß wir aus eienr situation der (sozialen) schwäche gegenüber den anderen zwei sektoren in eine starke position gelangen konnten. was hier womit verzahnt wurde, werde ich um der transparenz willen hier noch erläutern.

allein die fotos in diesem beitrag mögen erahnen lassen: wo wir eine enge zusammenarbeit von leuten aus 1: politik & verwaltung (staat), 2: regionaler wirtschaft (markt) und 3: privaten kunst- und kulturschaffenden (zivilgesellschaft) erreichen,
+) wächst das gegenseitige verständnis für höchst unterschiedliche zugangsweisen
+) gewinnt das inhaltliche spektrum des festivals und
+) steigt die allseitige akzeptanz der beteiligten für präferenzen aus höchst verschiedenen lebenswelten.

— [übersicht] —
— [april-festival] —

kunst ost in der praxis #4

es macht mir erhebliche freude, daß einige leute der „kunst ost“-community so genau verstanden haben, was zeichen der zeit sind und wie wir einige der defizite kompensieren können, welche uns durch aktuelle sparmaßnahmen verursacht wurden. dieses „april-festival“ ist ausdruck einer aktiven und einfallsreichen reaktion auf die budgetprobleme des landes und der kommunen.

gleisdorfs kulturreferent alois reisenhofer und kulturmanagerin nina strassegger-tipl (kulturreferent ist ein politisches amt, das von einer verwaltungsaufgabe unterschieden werden muß)

das bedeutet definitiv nicht, hier hätten bürgerinnen und bürger sich aufgerafft, politik und verwaltung aus ihren aufgaben zu entlassen. aber wir haben schon vor einer weile begonnen, neue modi und möglichkeiten der kooperation zu entwerfen, zu verhandelt und zu erproben.

im beitrag #2 zum thema „kunst ost in der praxis“ habe ich skizziert, welche situation der gemeinderat uns zeigt. gleisdorf, das muß betont werden, steht augenblicklich – im vergleich zu anderen gemeinden – noch ungewöhnlich gut da. und weil die fraktionen offensichtlich die situation möglichst stabil halen möchten, wurde in einigen bereichen kräftig auf die bremse gestiegen. das haben auch wir schmerzlich zu spüren bekommen.

winfried kuckenberger leitet das gleisdorfer "büro für kultur & marketing", repräsentiert also die VERWALTUNG, während kulturreferent reisenhofer für die POLITIK steht; das sind zwei verschiedene instanzen

auf der anderen seite ist allerdings ein ansatz gegeben, mit politik und verwaltung der stadt neue kooperationsweisen auszuloten. das nimmt uns leider nicht die bürde der erheblichen kürzung von mitteln, von ressourcen. da geht’s also nicht bloß um cash. in der „kleinen zeitung“ war eben zu lesen: „Denn, so Stark, sehr viele Serviceleistungen würden von der Gemeinde freiwillig erledigt, die eigentlich gar nicht Aufgabe der Gemeinde wären.“ gleisdorfs bürgermeister christoph stark bevorzugt klartext; siehe: „Soll die Gemeinde so viel helfen?“ [quelle]

wie läßt sich die veränderung also handhaben? wie lassen sich die aktuellen defizite kompensieren? ich hab im beitrag #3 das denkmodell von den „drei sektoren“ erwähnt: 1) staat, 2) markt und 3) zivilgesellschaft. ich bemühe mich, kooperations-situationen zwischen leuten aus diesen drei bereichen herbeizuführen: 1) politik &/ verwaltung, 2) wirtschaft und 3) privatpersonen, vereine etc.

gemeinderat karl bauer (links) und bürgermeister christoph stark repräsentieren zwei bereiche der politik der stadt

das „april-festival“ ist gewissermaßen unser „labor“ für diese perspektive. wie und wodurch können wir politik und verwaltung bewegen, in unsere vorhaben zu investieren? was führt dazu, daß wirtschaftstreibende sich auf unsere projekte einlassen? es scheint ansatzweise so zu gehen: relevante themenstellungen, prozeßhafte arbeit, also auch: kontinuität, ein mindestesmaß an selbstorganisation, also auch: selbstverantwortung, all das in einem zusammenwirken von hauptamt und ehrenamt, also von bezahlter und unbezahlter arbeit.

das bedeutet in summe, den stellenwert von kooperationen höher anzusetzen und teilbereiche zu professionalisieren; im sinne von: engagement und abläufe etwas effizienter gestalten, damit die knapperen mittel besser genutzt werden können.

mir ist aufgefallen, daß manche unserer leute keine trennschärfe zwischen künstlerischer praxis und vermittlungsarbeit aufbringen. so habe ich etwa die kuriose vorhaltung gehört, eine themenstellung würde die „künstlerische freiheit“ einchränken. oder ich erlebe, daß eine künstlerin jemandem im projekt für ihre dienstmagd hält und entsprechend fordernd agiert, ohne selbst etwas erkennbares für das „größere ganze“ beizutragen.

diese unschärfen werden sich noch abarbeien lassen. wie angedeutet, es ist zweierlei, a) als kunstschaffende ein werk zu erarbeiten und b) sich für die kunstvermittlung, die publikation von werken zu engagieren, also etwas beizutragen, damit es so ein kulturfestival gegeben kann, eine serie von veranstaltungen, die koordiniert, organisiert und beworben werden müssen.

ich schreibe hier von zweierlei: von momenten kollektiver kreativität und von zukunftsträchtigen kooperationen engagierter leute aus den drei erwähnen sektoren. die individuelle künstlerische position und freiheit bleibt davon ja unbelastet. als freelancer weiß ich gut genug, daß marktlage und kulturpolitischer status quo natürlich großen einfluß auf meine individuelle situation haben, daß meine möglichkeiten als freischaffender künstler davon sehr wesentlich mitbestimmt werden.

aber eine „regionale kulturpolitik“, die über einzelne gemeindegrenzen hinausreichen würde und mit deren funktionstragenden wir unsere bedingungen verhandeln könnten, gibt es noch nicht. vielleicht bietet das „labor april-festival“ einen ansatz dazu …

— [übersicht] —
— [april-festival] —

kunst ost in der praxis

durch welche verfahrensweisen läßt sich für den kulturbereich in der heutigen situation terrain halten? wir haben gerade erlebt, wie radikal sich der rückzug der öffentlichen hand vollzieht, wenn budgets einbrechen und strukturen wanken.

das aktuelle krisenmanagement war für uns überhaupt nur mit privatem einsatz von arbeitskraft und geld zu bewältigen. ansonsten wäre „kunst ost“ nun den bach hinuntergegangen. für mich schien vorrangig, das heurige „april-festival“ zustande zu bringen. das ist nach innen eine prüfung, was unser konzeptioneller arbeitsansatz taugt.

medienkünstler niki passath ist beim kommenden "april-festival" unser erster gast in der neuen diskussions-reihe "was sagen kunstwerke?"

nach außen soll es ein signal sein, das den verantwortlichen aus politik und verwaltung demonstriert, was das kollektiv zu leisten imstande ist; inhaltlich und in der umsetzung. da bewährt sich nun jener prozeß aus mehreren jahren, in dem wir klären konnten, was alles NICHT geeignet ist, einen modus kollektiver kreativität voranzubringen.

dank dieser praktischen erfahrungen können wir uns heute in hohem maße auf jene schritte konzentrieren, die sehr vielversprechend erscheinen.

wir haben 2006 begonnen, ein setup herauszuarbeiten, welches aktuell stabilität bringt, wo sich in den letzten monaten – mangels verfügbarer budgets – einige mögliche kooperationspartner schlagartig verflüchtigt haben.

es war wichtig, für „kunst ost“ eine neue „basis-crew“ zu formieren, die sich so einer aufgabe gewachsen sieht, und – wie erwähnt – das „april-festival“ 2011 sicherzustellen. eine idee, ein handlungsplan, etwas geld und einige engagierte leute, die auch bereit sind, unbezahlte arbeit einzubringen.

das hat sich als leistungsfähige „grundausstattung“ erwiesen, um den aktuellen umbruch zu bewältigen. von hier aus sollte sich ein status erarbeiten lassen, der einen passablen mix von ehrenamtlicher und hauptamtlicher kulturarbeit ermöglicht.

das packen wir vor dem hintergrund einer mittefristigen entwicklung des inhaltlichen horizonts, dem sich „kunst ost“ widmet, an. das bedeutet, aus dem erst skizzenhaft entworfenen themenbogen „zwischen landwirtschaft und high tech“ haben wir nun konkrete inhaltliche arbeitsansätze, die von sehr verschiedenen personen mitgetragen werden.

sach-promotoren im umfeld von "kunst ost" (von links): tierarzt karl bauer, volksmusikant christian nell und kamillo hörner vom "volksbildungswerk steiermark"

ich habe die ganze situation am denkmodell der „drei sektoren“ orientiert. dabei ist keine hierarchische anordnung vorgesehen. ziel dieser orientierung ist eine kooperation von sachkundigen leuten aus den drei sektoren staat, markt und zivilgesellschaft. also
1) politik und verwaltung,
2) wirtschaft und
3) kulturschaffende als einzelpersonen wie als teil von vereinen.

das aktuelle „april-festival“ bildet diese vorstellung schon sehr konkret ab. die inhaltliche entwicklung haben wir in rund einem dreiviertel jahr kontinuierlicher themenarbeit realisiert: [link]

zur „basis-crew“ (krusche, peitler-selakov & strassegger-tipl) kamen heuer autonome „location-crews“ und (aktuell in erprobung) einige „labor-gruppen“. in dieser situation kommt den verantworlichen „schlüsselpersonen“ eine wesentliche rolle zu: [link]

sie sind nicht nur bindeglieder zwischen der „basis-crew“ und den verschiedenen autonomen formationen eines größeren vorhabens, sie sind auch garanten für eine vielfalt in den zugängen und verfahrensweisen.

das bedeutet, wir nehmen die „praxis des kontrastes“ sehr ernst. und wir sind gestimmt, die vereinbarkeit dieser komtraste zu demonstrieren. das bezieht sich übrigens auch auf die vier genres, die wir integrieren: alltagskultur, kunsthandwerk, voluntary arts und gegenwartskunst [link]

überdies haben wir, was die annäherung zwischen kulturschaffenden und wirtschaftstreibenden angeht, auch einen modus entwickelt, der sich inzwischen als sehr tragfähig erweist … siehe dazu den beitrag im licht zu kontrasten„!

— [april-festival] —
— [übersicht] —

vehikel der zuversicht

„wie geht es ihnen?“
„danke, kann nicht genug klagen!“

zugegeben, solche momente waren mir in den letzten monaten vertraut. es ist ein mühsamer abschnitt gewesen, ein ringen, um die sicherung unseres kultur-projektes. aber ich hab keine freude am klagen. es kostet kraft und zeit, bringt nichts und läßt einen dort sitzen, wo man gerade feststeckt.

lieber in bewegung bleiben. unser april-festival ist sozusagen das „vehikel der zuversicht“, mit dem wir leute aus verschiedenen bereichen bewegen wollen, den kulturbereich zu stützen, mitzutragen, auch wenn die budgets krachen.

dagobert eberdorfer, schulleiter in wetzawinkel, lüftet gerade ein betriebsgeheimnis, während veterinär karl bauer die kurve kratzt

eben waren wir auf lokalaugenschein in der fachschule von wetzawinkel, wo wir unseren „tag der agrarischen welt“ realisieren möchten. hausherr dagobert eberdorfer kommt uns dabei sehr entgegen. eine weitere station in der umgebung von gleisdorf, die wir uns als längerfristigen teil eines gemeinsam entwickelten regionalen kulturgeschehens wünschen.

den nachmittag davor habe ich auf etwas kuriose art verbracht. für den 17. februar war in graz die entscheidung der zweiten instanz im fall herberstein angekündigt. der skandal hat ja in der steiermark einiges an strukturen grundlegend verändert.

von links: journalistin monika bertsch, frau olga (wurm), regionale großmeisterin des gulaschkessels, und heinz boxan, vormals verwalter in herberstein

wir saßen mit dem vormaligen verwalter heinz boxan, als beitragstäter nun rechtkräftig verurteilt, im ruhigen extrazimmer des gasthofs „wurm“ und erörterten den stand der dinge.

wie erbärmlich die hochmütig angelegte klamotte endete, in der über geraume zeit die republik ausgeplündert wurde, machte der „standard“ im bericht nach der urteilsverkündung deutlich: „Jedes Urteil ist nicht nur ein Urteil gegen mich, sondern auch ein Urteil gegen meine Kinder.“ Bei ihrem Schlusssatz brach die tränenerstickte Stimme von Andrea Herberstein. [quelle]

kann mir zufällig jemand sagen, was das eine mit dem anderen zu tun hat? eben! gar nichts! diese weinerliche art, das ganze gebäude an manipulationen, täuschungen, kostspieligen erhabenheiten und merkwürdigen konstruktionen nun in solcher larmoyanz zurechtzustellen, erscheint mir ekelhaft.

aber die selbsternannte „gräfin“ die sich nun nicht mehr so nennt, interessiert mich recht wenig. mich interessiert viel mehr dieses stück regionalgeschichte, das auch ein stück reale regionalentwicklung ist, in dem sich so viele menschen auf allen ebenen haben hinreißen lassen, regeln zu übergehen, zu brechen. mich interessiert diese kumpanei, die lösungen zugusten des gemeinwohls vorgab und doch bloß eigennutz beförderte.

in einer zeit, wo probleme rasch wachsen und wirksame lösungen rar werden, steigt offenbar die neigung vieler leute, flotte lösungen herbeizuhudeln, notfalls zu simulieren, eventuell auch über gesetzesbruch aus dem boden zu stampfen.

ich denke, das „system herberstein“ steht für eine komplexe „realpolitische“ problemlage, die wir uns noch genauer ansehen sollten; vor allem unter den aktuellen anforderungen, bei diesen zunehmenden problemen, jenseits des landeszentrums nun die strukturen zu sichern und der massiven „neuen landflucht“ etwas wirksames  entgegenzusetzen.

was uns das angeht, wo wir doch ein kulturprojekt betreiben?

wir haben nach den realen bedingungen unseres lebens und unserer arbeit in der region zu fragen. ohne verständnis dieser zusammenhänge bleibt kulturpolitik unklar, hat folglich das kunstschaffen keine beschreibbaren bedingungen.

das geht uns also eine menge an, wie dorfhonoratioren und mitglieder verschiedener deutungseliten hier den lauf der dinge deuten und beeinflussen, entsprechend oder entgegen den regeln der republik.

— [kunst.rasen] —

strategiedebatten

wir haben nun eine art besprechungs-marathon hinter uns. es ging nicht nur darum, das projekt „kunst ost“ durch die verdichteten krisen-auswirkungen der jahreswende zu steuern und dabei wieder zu stabilisieren. es ging auch darum, den regionalpolitischen status quo zu erheben, um eine vorstellung entwickeln zu können, unter welchen konkreten bedingungen wir heuer unsere arbeit entfalten.

es mißfällt mir zu räsonieren, aber ich bin momentan ziemlich aufgebracht, welches durcheinander offenkundig in den fragen der regionalentwicklung herrscht. die kommunikation zwischen den verschiedenen ebenen (land, region, gemeinde, zivilgesellschaft) liegt sehr im argen. dabei klingt es fast schon lustig, daß wir im arbeitsjahr 2010 drei verschiedene landeskulturfererenten erlebt haben.

gleisdorfs kulturreferent alois reisenhofer ist gerüstet, kulturpolitische überlegungen und arbeitsschritte anzugehen, die über eine einzelne orts- und gemeindegrenze hinausreichen

unser jüngstes arbeitsgespräch mit den kulturleuten des „offiziellen gleisdorf“ (siehe zwischenstände“!) hat mehr als klar gemacht, daß a) die kommunalen teams von den rabiaten budget-kürzungen merklich durchgerüttelt sind und b) die diversen regional-konzepte als eher verwirrend statt hilfreich empfunden werden.

da ist also mindestens einiger stress im verhältnis der „kleinregion gleisdorf“ („lokale agenda 21“) und der „energie-region weiz-gleisdorf“ (LEADER plus) zueinander, da gibt es dann auch noch die „oststeiermark neu“ und das „regionalmanagement ost“. was denn nun eine „großgemeinde“ und eine „großregion“ praktisch sei, erscheint mir momentan eher unklar.

die bürgermeister fühlen sich verpflichtet, andauernd meetings zu besuchen, deren sinn und nutzen vielen nicht mehr klar ist. aber überall muß von den kommunen in irgend einen topf eingezahlt werden und arbeitszeit geht drauf. ergebnisse? wissen wir nicht so genau!

gerald gigler (hier mit „kunst ost“-exponentin mirjana peitler-selakov) ist einer unserer diskussionpartner für die frage, wie sich das kulturelle klima stabilisieren und für die gegenwartskunst boden gewinnen läßt

dazu kommt, daß hinter dem nächsten horizont neue gemeinde-zusammenlegungen anstehen. das bringt etliche orts-chefs schon jetzt in kampfstimmung und in verschiedenen notizen klingt die bereitschaft zu widerstand an. aber auch deren personal ist teilweise sauer oder am rande seiner möglichkeiten.

siehe dazu etwa bürgermeister christoph starks tagebucheinträge wie diesen: „Wenn dann verlautet wird, dass man nun eine neue Organisationseinheit schaffe, in die (angeblich) vieles integriert werde, dann ist es nicht verwunderlich, dass es zu mittelschweren allergischen Reaktionen kommt. Auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.“ [quelle]

ich höre in informellen gespräche, daß etliche gemeinden noch heute die konsequenzen älterer gemeinde-zusammenlegungen nicht verdaut haben. die liegen zwar schon jahrzehnte zurück, bringen aber immer noch differenzen hervor, die sich zwischen zugehörigen „alter“ katastralgemeinden auftun.

zu all dem hatten wir erfahren, es bestünde seit dem ende des vorjahres ein regierungsbeschluß, die LEADER-regionen der steiermark zu reduzieren. erst war von neun, zuletzt sogar von bloß sieben verbleibenden regionen die rede. man kann sich die unruhe in den bestehenden LEADER-managements vorstellen.

ich habe noch nie zuvor in meinem leben eine derart vielschichtig konfuse situation erlebt, in der uns regionale kulturarbeit gelingen soll, während sich unsere potenziellen gegenüber in den kommunen mehr denn je mit „ganz anderen sorgen“ herumschlagen.

ich bin zur zeit WÜTEND, wie konfus sich manche „offzielle“ des regionalen geschehens geben, wie viel an blicken gerade wieder hinter die tellerränder zurückrutschen, in welchem ausmaß die kommunikation vor allem auch unter kulturschaffenden selbst eingebrochen ist etc.

von krisenmanagement keine rede und ich weiß auch nicht so genau, was da draußen zur zeit an problemlösungs-kompetenzen aktivierbar ist, um manches von dem zu kompensieren, was uns eben an strukturen und ressourcen weggebrochen ist.

das lokale generell in größeren zusammenhängen betrachten: karl bauer (links) vom gleisdorfer kulturausschuß und kamillo hörner vom "steirischen volksbildungswerk"

in den letzten wochen wachsender konfusion war nun gleisdorfs kulturfererent alois reisenhofer der erste, von dem ich in unserem jüngsten arbeitsgespräch konkret gehört habe, daß wir uns nach dem april-festivaldarauf konzentrieren würden, ein treffen mit engagierten leuten der „kleinregion gleisdorf“ zu absolvieren, um optionen und strategien zu besprechen.

das ist für mich heute der erste konkrete ansatz einer regionalen kulturpolitik, die über einzelne ortsgrenzen hinaus in die nahe zukunft gedacht sein will. mit diesem wissensstand trafen wir nun auch gerald gigler zu einer strategiebesprechung. gigler ist beim land steiermark für den LEADER-bereich zuständig (abteilung 16).

wir haben uns bemüht, eine brauchbare ansicht vom status quo zu formulieren und daraus überlegungen abzuleiten, welche schritte und aktivitäten in nächster zeit vielbversprechend erscheinen, um das kulturelle klima zu stabilisieren und der gegenwartskunst boden zu gewinnen.

besuch in gutenberg

gutenberg ist eine der nördlichen gemeinden der „energie-region“. werner höfler, bürgermeister die südlichsten gemeinde in der „energie-region“, nämlich höfstätten, hatte uns zugestimmt: es wäre eine interessante geste, die kunstschaffenden von gutenberg nach wetzawinkel einzuladen. siehe dazu: zwischen landwirtschaft und high tech“!

damit ist auch der größere themenrahmen genannt, innerhalb dessen wir darangehen, längerfristig auszuloten, was denn diese region in ihrem kern ausmache, eben: „zwischen landwirtschaft und high tech“. ich habe dabei im tierarzt und gleisdorfer kulturausschuß-mitglied karl bauer einen sachkundigen kooperationspartner zur seite.

karl bauer (links) im gespräch mit kunstschaffenden von gutenberg

wie bezeichnend, daß sich im auftaktgespräch jene zwei positionen zeigten, zwischen denen dann auch ganz andere zugänge sichtbar wurden: hier die bäuerin, die von ihrem arbeitsalltag sagt: „in der landwirtschaft gibts’s so viele sachen, die nicht sichtbar sind.“ mit ihrer künstlerischen arbeit macht sie dann ganz andere erfahrungen.

bürgermeister thomas wild schätzt das künstlerische engagement der runde, auch indem er es praktisch unterstützt

da die vormalige industriearbeiterin (trafo-bau), die erzählt, daß die künstlerische tätigkeit für sie eine wichtige möglichkeit war, zur harten arbeit des alltags einen gegenpol zu haben, abschalten zu können. künstlerische praxis als das feld, das man betritt, um das reich der alltagsbewältigung zu verlassen, um etwas über sich und die welt herauszufinden …

das war der auftakt mehrerer arbeitsgespräche, in denen sich die gutenberger über einen möglichen beitrag, ein gemeinsames künstlerisches statement zu unserem „tag der agrarischen welt“ beim „april-festival“ 2011 verständigen wollen. das ist keine fixe formation in der kleinen gemeinde nahe weiz, sondern eine sehr kontrastreiche runde kreativer menschen, die sich gelegentlich über gemeinsame interessen verständigen.

[april-festival 2011: notizen & reflexionen]