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zukunft gestalten

aus irland ist mir diese anregung zugeflogen: „vergeude keine gute krise!“ krisen sind oft sehr wichtige voraussetzungen für neue entwicklungen. es ist viel unruhe in unser aller leben gekommen, weil sich nicht nur der lauf der dinge so ganz generell zu ändern scheint, sondern weil sich inzwischen unübersehbar die strukturen unseres zusammenlebens verändern.

das ist in den letzten jahren von sehr krisenhaften vorfällen begleitet, oft auch initiiert worden. in dieser zeit scheint es vielen menschen naheliegend zu sein, sich über solche vorgänge zu beklagen, vorwürfe zu formulieren. so als würde da draußen jemand unsere zurufe erwarten.

es erscheint mir wesentlich vielversprechender, im gemeinwesen aktiv zu werden und sich in die entwicklungsprozesse einzubringen. (man muß natürlich erst einmal eine meinung HABEN, um sie auch ÄUSSERN zu können.)

wenn wir dazu etwas zu sagen haben, sollten wir das auch tun!

ob nun von regionalen instanzen eingeführte prozesse probate mittel sind, derlei entwicklungen zu fördern, etwa: die beteiligung von bürgerinnen und bürgern, kann ja nur geklärt werden, wenn man hingeht, teilnimmt.

„Wie wird sich die Energieregion Weiz-Gleisdorf in den nächsten 40 Jahren entwickeln? Wie werden wir wohnen, arbeiten, uns fortbewegen? Wie wird sich unser Energiebewusstsein verändern?“

so lautet eine aktuelle fragestellung vom LEADER-management der energie-region„. ich habe zur zeit einen eher gedämpften optimismus, was die qualität der kommunikation zwischen a) den bürgerinnen und bürgern der region und b) den funktionstragenden aus politik und verwaltung angeht.

aber eben deshalb und aus den erfahrungen der letzten jahre bin ich überzeugt: wir müssen das ÜBEN. die PRAXIS des „bottom up-prinzips“ fällt uns nicht in den schoß. und was immer jemand über den zustand der politik beklagen möchte, kommunikation kann sich nicht in einbahn-systemen einlösen. sie bedarf der ausdauer vor allem dann, wenn sie in einigen abschnitten belastet erscheint.

eine von mehreren gelegenheiten, kulturpolitischen anliegen gehör zu verschaffen

nun ist gerade der KULTURBEREICH eines der am schwächsten getragenen genres der kommunen, sobald es einige schritte über herkömmliche repräsentationsformen hinausgehen soll. das zu BEKLAGEN wäre vollkommen sinnlos. wir kunst- und kulturschaffenden sollten in genau solche prozesse einsteigen, um unsere ansichten a) darzulegen und b) zu begründen.

um es noch einen tick konkreter zu machen:
kulturpolitik jenseits des landeszentrums bedeutete bisher überwiegend: a) verfügbare budgets zu verteilen und b) veranstaltungen zu eröffnen.

falls das jemand für eine ungenügende vorstellung von zeitgemäßer kulturpolitik hält, muß ja geklärt und öffentlich geäußert werden, WAS GENAU kulturpolitik leisten soll, welchen zielen sie zu widmen wäre und welche mittel daher als unverzichtbar erscheinen.

ich hoffe demnach, daß ich bei diesen veranstaltungen einige kunst- und kulturschaffende treffen werde.

[2005: übersicht]

zum beispiel: weiz

ein interview mit architekt winfried lechner zum thema stadtentwicklung, publiziert in der regionalzeitung „die oststeirische“, hat nun über wochen allerhand an reaktionen bewirkt. eine davon war, daß der weizer bürgermeister helmut kienreich auf einer pressekonferenz, bei der er seinen nachfolger erwin eggenreich vorgestellt hat, mehrfach aus diesem interview zitierte. das lechner-interview: [link]

also bat ich ihn um ein gespräch, um ihn nach details zu fragen. ich werde eine zusammenfassung dessen hier noch vorlegen. vorab fand ich sehr interessant, worauf kienreich den fokus gelegt hat, als ich nach seiner einschätzung des status quo im verhältnis der kommunen zu den bürgerinnen und bürgern fragte.

der weizer bürgermeister helmut kienreich sieht dem ende seiner amtszeit entgegen

das ist ja ein aspekt, der uns kulturschaffende auch sehr interessieren mag. womit sehen sich leute in politik und verwaltung konfrontiert? welche anforderungen haben bei ihnen hohe priorität? worauf werden sie sich allenfalls mit uns einlassen?

weiz hat, laut kienreich, ein ganz spezielles „grundproblem“: „Die kleine Stadtfläche. Fünf Quadratkilometer, etwa gleich wie Gleisdorf, aber noch einmal so viel Einwohner. Eine Industriestadt mit zweitausend Arbeitsplätzen. Elektroindustrie, Bauindustrie, neben der Leitindustrie sehr viele Gewerbebetriebe und eine sehr starke Einzelhandelsstruktur.“

das ist alles andauernd in bewegung: „Die Industrie zieht aus der Stadt teilweise ab. In den letzten Jahren gingen rund tausend Arbeitsplätze verloren. Aber zum Glück haben wir sie in der Kleinregion halten können.“

da fällt dann auch der begriff „zentralorte“. das wirft fragen auf, wie man ein allfälliges „zentrum-provinz-gefälle“ vermeidet, das verhältnis zwischen verschieden großen orten einer region ins positive wendet: „Zentralorte entwickeln sich nicht von heute auf morgen. Und sie entwickeln sich deshalb, weil es dort Stärken gibt. Wenn man die Stärken und Schwächen einer Kleinregion erfassen kann und dabei vernünftig denkt, können Zusammenlegungen vielleicht für ein paar Bürgermeister und Gemeinderäte, die es dann nicht mehr sind, ein Nachteil sein, aber für das gesamte Gemeinsame ist es hundertprozentig ein Vorteil.“

damit ist nun das absolut heiße thema der regionalen gegenwart angesprochen: gemeindezusammenlegungen. eine fragestellung, die alle kommunalen angelegenheiten der region zu berühren scheint. wir kulturschaffenden können dieses kräftespiel nicht ignorieren, wenn wir in aktuellen vorhaben und kulturellen prozessen, kooperatrionsmomente mit leuten aus politik und verwaltung erreichen möchten.

kienreich betont den servicecharakter, der heute im kommunalen engagegement erreicht werden müsse. die politische funktion einzelner personen hält er für nachtrangig gegenüber der anforderung, daß bürgerinnen und bürger anlaufstellen bräuchten, bei denen ihnen sehr konkret geholfen werde, ihre anliegen zu bearbeiten.

kienreich: „Früher war man auf einander angewiesen. Heute ist jeder für sich. Da haben sich die Strukturen sehr geändert. Man bringt die Leute heute eher über offizielle Angebote zusammen, als daß wer aufsteht und sagt: Ich mach das. Wenn ich sehe, daß das irgendwo funktioniert, können Sie sicher sein, daß ich am nächsten Tag dort bin und das unterstütze.“

er präzisiert: „Wenn sich wer engagiert, muß man das unterstützen. Und Service anbieten. Sehr viele Menschen haben soziale Probleme, brauchen eine Orientierung und so weiter.“ das bedeutet seiner meinung nach: „Die kommunale Ebene ist für das Ganze unersetzlich. Sie können heute kein Fest veranstalten, wenn die Kommune nicht hilft. Die Feuerwehr bringt das noch zusammen, aber sonst niemand.“

rechnen wir nun ein, daß seit oktober 2010 massive budgeteinbrüche des landes wirksam geworden sind, meine ich, wir sind im kulturbereich gut beraten, ein erkennbares maß an selbstorganisation zu zeigen, das eine teil dieser einbrüche zu kompensieren hilft, das andrerseits auch geeignet ist, uns der kommunalpolitik als koopertationbspartner zu empfehlen.

beim stand der dinge werden bürgermeisterinnen und bürgermsieter auch weiterhin sehr genau überlegen, wofür sie verknappte mittel einsetzen. die praktische erfahrung zeigt, daß der unmut einzelner kunstschaffender darauf so gut wie keinen einfluß nimmt. ich denke allerdings, wenn wir von uns aus faktenlagen schaffen, erreichen wir darin andere positionen, von denen aus kulturpolitische fragen viel fruchtbarer verhandelt werden können.

wovon handelt kulturpolitik? #9

ich habe hier schon erwähnt, daß sich diese in summe wohlhabende gesellschaft ein irritierendes ausmaß an stagnation und kompetenzverlusten leistet. das beschreibt unsere gesellschaft nicht erschöpfend, denn selbstverständlich sind auch andere kräfte im spiel, die durchaus grund zur zuversicht geben. aber die beharrenden momente sind momentan sehr auffällig.

vielleicht liegt eine zwickmühle darin, daß wir alte prägungen noch nicht ausreichend überwunden haben. wer bei den dingen nicht mitreden darf, wird auch keine verantwortung übernehmen wollen. wirft das ein „henne-ei-problem“ auf? ich kenne es nämlich auch umgekehrt und halte es in projekten ganz gerne so: wer keine verantwortung übernimmt, soll auch nicht mitreden.

ich vermute, es sind die erfahrungen von alten, hierarchischen gemeinschaftskonzepten, welche es menschen heute manchmal so schwer machen, die eigenen begehrlichkeiten auch mit ausreichender selbstverantwortung und initiative zu unterlegen. ich hatte zu solchen fragen eben eine interessante debatte in einer anregenden runde. wir waren uns im wesentlichen einig: wenn es so IST, dann nützt es nichts, darüber zu räsonieren. wir sind gefordert, auswege zu finden und auch zu gehen.

rupert rauch (links), mirjana peitler-selakov und horst fickel

ich halte das für den teil einer grundlegenden KULTURPOLITISCHEN debatte. das handelt im kern von fragen der demokratie. denn hier geht es um ideen, wie menschliche gemeinschaft gestaltet werden kann, das stützt sich sehr wesentlich auch auf symbolisches denken, auf unsere ideenwelten. wenn also nicht simples faustrecht vorherrschen soll, bedarf es sehr „kultivierter“ denkweisen, um konzepte zu entwickeln und auch praktisch zu erproben, in denen sich KULTUR zeigt.

die KUNST spielt dabei als — ein radikaler erfahrungsbereich — eine wichtige rolle. sie ist aber nur ein teil dieses größeren ganzen einer sich äußernden kultur, also auch der kulturpolitik. ich habe es schon betont, kulturpolitik muß anders verstanden werden als ein bloßes verteilen von budgets und eröffnen von veranstaltungen. diesde auffassung kann hier in der „provinz“ aber nicht vorausgesetzt werden.

gerhard flekatsch

das heißt folglich, kulturpolitik kann nicht nur die sache von funktionstragenden der politik sein. was das nun konkret bedeuten soll, bearbeiten wir einerseits innerhalb der crew unserer „kulturspange“: [link] das ist andrerseits anlaß für arbeitsgespräche in weiteren formationen.

künstler gerhard flekatsch und kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov sind teil der kulturspangen-crew. rupert rauch ist ein bauer aus straden. dieser ort markiert übrigens nach tradiertem verständnis auf dem stradner kogel das südliche ende der oststeiermark. horst fickel ist unternehmer im technikbereich. ein kompetenzen-mix nach meinem geschmack.

was sind also nun zeitgemäße kulturpolitische arbeitsansätze, die vor allem jenseits des landeszentrums beitragen, ein kulturelles klima zu schaffen, das über die alten hierarchischen prägungen hinausweist? was ist ein kulkturelles engagement auf der höhe der zeit, das der kunst ihren rang bestätigt und die eigenverantwortung der menschen betont?

gerhard flekatsch (links) sabine zettl und rupert rauch

das zu klären beschäftigt uns gerade; mit einem fokus auf die oststeiermark, aber auch mit bezug zu anderen landesteilen. im zentrum stehen dabei gegenpositionen zu stagnation und kompetenzverlust. die praxis der eigenverantwortung und eigeninitiative; auch als herausforderung für politik und verwaltung.

p.s.:
horst fickel und sabine zettl sind übrigens in fragen der kochkultur sehr bewandert. diesmal wurde die session durch sabines beitrag zu einem klassischen symposion, einem erlesenen GASTMAHL.

[überblick]

der blick auf details und die welt

wir haben „kunst ost“ inhaltlich an der region auf einen themenbogen zwischen agrarischer welt und high tech orientiert. dabei spielt mobilitätsgeschichte eine wichtige rolle. und es zeigt sich immer mehr, daß wir für die summe unserer teilthemen einen deutlichen schnittpunkt in den fragen nach ernährungs-souveränität finden. damit führt der blick in die welt dann auch wieder auf details in der region zurück.

leader-managerin iris absenger-helmli (links) informierte uns über den status quo einiger großer leader-projekte. (ihr gegenüber karl bauer und alois reisenhofer)

leader-managerin iris absenger-helmli hat uns eben einen überblick angeboten, wo die energie-regionmit ihren projekten und optionen steht. gleisdorfs kulturreferent alois reisenhofer und gemeinderat karl bauer begleiteten mich zu diesem gespräch.

das meeting war für mich nun die erste gelegenheit zu erfahren, daß eine regionale formation schon konkret auf jenen prozeß eingeht, der sich heute aus strukturellen umwälzungen und politischen kräftespielen zwangsläufig ergibt. es ist ja längst faktum, daß die anzahl steirischer gemeinde verringert werden wird. in diesem zusammenhang sollen auch die steirischen leader-regionen zahlenmäßig vermindert werden; ebenfalls durch zusammenlegungen. (alle betroffenen erwarten momentan sehr gespannt das ende des septembers, wo die landespolitik konkrete direktiven für den umbau einiger strukturen ausgeben will.)

ich hab im projektlogbuch schon von diesen prozessen erzählt; siehe zum beispiel log #356! in diesem jahr war bisher noch wenig konkretes darüber zu erfahren, wie und womit lokale und regionale funktionstragende auf diese nahe zukunft mit ihren unausweichlichen umwälzungen konkret zugehen möchten. im bereich des regionalen „leader-managements“ wird an einigen großen projekten gearbeitet, welche genau jenen zusammenhängen gewidmet sind.

kulturreferent alois reisenhofer (rechts) und gemeinderat karl bauer

kulturreferent reisenhofer meinte, durch diese besprechung sei ihm nun einiges klarer, was die „energie-region“ ausmache. gemeinderat karl bauer wird diese aktuelle orientierungshilfe nützen, um unsere arbeit am thema „agrarische welt“ auf solche entwicklungem hin zu überprüfen.

unterm strich bleibt als einer der wichtigen punkte in diesem gesamtzusammenhang, daß wir mehr über die verschiedenen lebenswelten der menschen in der region herausfinden, um das angemessen darzustellen. wenn wir einander nicht erzählen was wir tun und wie wir unseren alltag bewältigen, wissen wir auch nicht, wer wir sind. das deutlicher herauszuarbeiten ergibt dann auf jeden fall kuturelle agenda, auch anregungen und themenstellungen für kunstschaffende.

frauenmonat 2011: FMTechnik!

unsere kuratorin mirjana peitler-selakov stellte folgende frage: „Seit Jahren wird versucht, mit Hilfe diverser Förderungsprogramme, Frauen für technische Berufe zu interessieren. Leider beweisen die Untersuchungen, dass diese frauenfördernden Aktionen bisher wenig Effekt gebracht haben. In den klassischen Ingenieursfächern sind noch immer fast keine Studentinnen zu finden. Warum ist das auch heute, im 21. Jahrhundert, so?“

kunsthstorikerin mirjana peitler-selakov (rechts) beim lokalaugenschein mit künstlerin ulla rauter

peitler-selakov ist grenzgängerin im bewohnen verschiedener felder. als kunsthstorikerin widmet sie sich momentan für ihre dissertation ganz speziell den methoden kollektiven erinenerns. doch davor war sie rund eineinhalb jahrzehnte als diplomingenieurin in der motorenentwicklung tätig. sie verkörpert damit ein ganz spezielles beispiel der kombination verschiedener genres, wie wir das bei „kunst ost“ kängerfristig umzusetzen versuchen.

das hat nach unserer auffassung vor allem auch in der „energie-region weiz-gleisdof“ erhebliche relevanz, da hier die agrarische welt durch eine ganze kette von high tech-unternehmen kontrastiert wurde, die teilweise auf dem weltmarkt reüssiert haben.

der „Frauenmonat 2011“ steht unter dem titel „FMTechnik!“, damit ist der themenbogen „frauen, macht, technik“ zur diskussion gestellt. mittlerweile ist das programm ausgearbeitet, zwischen grundlagen, alltagspraxis und kunst verzweigt: [link]

die gegenwartskunst spielt dabei keinesfalls eine „dekorative“ rolle, sondern ist einer von mehreren handlungs- und erfahrungsbereichen, in denen die reflexion, die debatte, aber auch der dort entstehende ausdruck wichtige beiträge zu diesen gesellschaftlichen prozessen ergeben, in denen stets neu geklärt wird, wo wir stehen und wohin wir uns orientieren möchten.

so finden sie in dieser veranstaltungsreihe frauen aus verschiedenen genres der theorie UND praxis im dialog mit einander und mit den kommenden gästen.

– [frauenmonat 2011: FMTechnik!] –

gesetz und ordnung, gelegentlich konfus

wer unter den kunst- und kulturschaffenden hat sich eigentlich das kulturförderungsgesetz der steiermark schon einmal angesehen? einige gewiß, die meisten eher nicht. immerhin ist das ein regelwerk, aus dem wir zwar keinen anspruch auf förderungen ableiten können, das wäre nämlich, so heimo steps, verfassungswidrig, aber es enthält einige grundlagen, durch die sich auch das land gegenüber den kulturschaffenden verpflichtet hat. es wäre für kulturschaffende also vorteilhaft, diesen text zu kennen.

steps war einer der architekten kulturförderungsgesetzes und hat dabei seine eigene, langjährige praxiserfahrung einfließen lassen. als promotor der frühen phase von „gamsbART“, einer legendären steirischen jazz-serie, war er teil der grazer szene. (hier das „gründungsmanifest“ aus dem jahr 1984: [link])

die plakat-kunst von herms fritz wurde beim "STERZ" nicht nur mit einem schwerpunkt-heft gewüdigt

ich verbinde diese ära auch mit der phänomenalen plakatserie, die herms fritz dieser veranstaltungsserie quasi auf den leib zeichnete. das hier gezeigte bild stammt allerdings nicht daher, ich habe es von der „sterz“-website geklaut, wo es eine ausgabe zu den fritz’schen plakaten markiert: [link]

und weil ich mich gerne an all das erinnere, hier auch noch ein zitat aus einem herms fritz-interview im „falter“: „Was ist gutes Design?“ / Fritz: „Ja ich!“ [quelle]

aber zurück zum eigentlichen thema! das gesetz birgt ein interessantes politisches statement. der § 1 nennt als ausdrückliches ziel unter anderem: „die schöpferische Selbstentfaltung jedes Menschen durch aktive kulturelle Kreativität und die Teilhabe jedes Menschen am kulturellen und künstlerischen Prozess in jeder Region des Landes“. damit ist vor allem regionales kulturgeschehen jenseits des landeszentrums graz ausdrücklich hervorgehoben.

heimo steps hatte sich in seinen beiträgen bemüht, den anforderungen kunstschaffender entgegenzukommen

auch „eine zum Verständnis und zur Kritik befähigte Öffentlichkeit“ zählt zu den kulturellen agenada, welche hier formell von der politik eingefordert werden. das bedeutet ja umgekehrt, wir sollten fähig sein, uns unter anderem in aktuellen kulturpolitischen streitgesprächen auf diese absichtserklärung der regierung zu berufen. (da ist boden bereitet, um den wir nicht mehr ringen müssen!)

der absatz 5 des § 1 regt uns ferner an, lokal- und regionalpolitische gremien darauf hinzuweisen, daß der gesetzgeber, immerhin repräsentant des volkes, implizit geäußert hat, fußball-klub und blaskapelle würden noch kein kulturpolitisches programm ergeben.

ich erwähne das – etwas polemisch formuliert – deshalb, weil uns die praxis gelegentlich zeigt, daß sich alteingessene formationen in der region notfalls GEGEN die kunst und deren kulturbetrieb aussprechen, wenn es etwa um verteilungsfragen geht.

karl bauer (rechts), mitglied des gleisdorfer kulturausschusses, bevorzugt eine klare kenntnis von rahmenbedingungen, wenn projekte in gang kommen sollen

im gesetzes-text steht ausdrücklich: „Dieses Gesetz verfolgt auch das Ziel, den Gemeinden als Vorbild für deren Kunst- und Kulturförderung zu dienen.“ es sollte uns also gelingen, kommunale kräfte dazu zu bewegen, sich das gesetz einmal anzuschauen.

ich erinnere mich gut, daß ich voriges jahr von einem regionalen management her den einwand hörte, es sähe nicht so gut aus, wenn „kunst ost“ ein plenartreffen in markt hartmannsdorf realisiere, da dieser ort nicht zur „energie-region“ gehöre, in der „kunst ost“ ansässig ist. ich nehme freilich an, das gesetz ist auf meiner seite, wenn da als eines der ziele steht: „die Öffnung gegenüber neuen kulturellen und künstlerischen Entwicklungen im In- und Ausland“. und da wir in dieser frage mit dem gesetzgeber übereinstimmen, pflegen wir auch laufend auslandskontakte, obwohl „kunst ost“ ein erklärtes „regional-projekt“ ist.

übrigens! der § 2 macht deutlich, was ich hier in der region schon gelegentlich um die ohren gehaut bekam, nämlich die bedeutung des fokus auf gegenwartskunst: „Das Land setzt einen Schwerpunkt seiner Förderung im Bereich der Weiterentwicklung der Gegenwartskunst und der Gegenwartskultur.“

wir werden noch darüber zu reden haben, was damit in der praxis gemeint ist, warum das vor allem gegenwartskunst und eher nicht die voluntary arts meint, warum wir DENNOCH auch die voluntary arts in unser engagement eingebunden haben und warum es trotz allem im zentrum von „kunst ost“ um die gegenwartskunst geht.

kompliziert? oh ja! tut mir leid, aber so ist es. naja, überlassen wir radikale komplexitätsreduktion den boulevard-blättern, die „knackig“ sein möchten wie frischer salat, und widmen wir uns der spannenden herausforderung, die komplexität des lebens ernst zu nehmen.

das kulturförderungsgesetz und weitere informationen: [link]
— [talking communities] —

wohin und wie?

unser engagement für die gegenwartskunst hat vor- und rahmenbedingungen. wir haben gewissermaßen boden zu bereiten, um neue verfahrensweisen abseits des landeszentrums zu entwickeln und zu erproben. es geht um akzente von der basis her und um impulse von außen, um den blick über den tellerrand, aber auch um konkrete schritte über solche ränder hinaus.

das heißt für’s „basis-team“ konkret, die prägenden sozialen und kulturellen kräftespiele der region zu beachten, in die arbeit einzubeziehen. die grundlage dafür ist auf kontinuität ausgelegtes themenzentriertes arbeiten. das hat einen speziellen fokus im alljährlichen „april-festival“, dessen 2012-version wir nun schon vorbereiten:

Leben: Die Praxis der Zuversicht

wir haben einige themenbereiche und arbeitsansätze festgelegt, um die gegenwart der agrarischen welt in der „energie-region“ auszuleuchten. meine primären gesprächspartner für die entwicklung einer diesbezüglichen schwerpunkt-linie von „kunst ost“ sind der tierarzt karl bauer und der künstler christian strassegger. (zum aktuellen hintergrund siehe den beitrag brisanz und idylle!)

christian strassegger, präziser fotograf und schöpfer humorvoll gehaltener objekte

über die befassung mit der „nikola tesla-doktrin“ entwickeln wir außerem einen technologie-schwerpunkt, den ich augenblicklich mit kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov detaillierter ausarbeite.

sie kommt ursprünglich aus der motorenentwicklung (avl list), ist also mit beiden metiers, der technik und dem kulturbetrieb, vertraut. bei diesem teilthema sind wir via teleworking mit dem, belgrader forscher branimir jovanovic im einvernehmen und im austausch. (er war eben unser gast beim „april-festival“ 2011.)

eine der arbeiten, mit der malerin michaela knittelfelder-lang auf einen besuch im elin-werk für elektromotoren reagiert hat

so bemühen wir uns um die erzeugung eines „möglichkeitsraumes“, aus dem kunstschaffende anregungen für weitere vorhaben finden. es sind nicht nur die inhalte, es sind auch ambiente und inventare im bereich der genannten themen, aus denen sich ästhetische impulse beziehen lassen, wie etwa die aktuelle arbeit von malerin michaela knittelfelder-lang belegt.

mirjana peitler-selakov befaßt sich zur zeit auch mit dem thema „frauen und technik“, womit der bereich „frauenemonat“ weiter geführt wird. sie bereitet überdies für den herbst unseren tradtionellen kunst-schwerpunkt mit internationalem bezug vor.

mit dem oben erwähnten christian strassegger arbeiten wir ferner an der „künstlerischen klammer“, die zwischen den genannten themenbereichen vermitteln und sie zusätzlich auf das reale gebiet der „energie-region“ übertragen soll. das realisieren wir unter dem titel „close to nature“, inhaltlich 2010 von mirjana peitler-selakov erarbeitet.

mirjana peitler-selakov (rechts) mit zwei "schlüsselpersonen" des heurigen "april-festivals", den malerinnen irmgard hierzer (links) und michaela knittelfelder-lang

zu all diesen vorhaben, die auf künstlerische und themenbezogene schwerpunkte ausgerichtet sind, kommt begleitend die serie talking communities, in der es vor allem darum geht, know how zu mehren.

dabei verfolgen wir zwei linien. mit dem einen teil „konferenz in permanenz“ bieten wir vor allem anregungen zu kulturpolitischen fragen an, mit dem anderen teil „was sagen kunstwerke?“ erschließen wir möglichkeiten der debatte über kunst und kunstwerke. den auftakt dazu hatten wir mit medienkünstler niki passath: [link]

das ist die aktuelle aufgabenstellung von „kunst ost“, an der wir mit engagierten menschen arbeiten möchten. das bedeutet vor allem, wir sehen es NICHT als unsere aufgabe, FÜR andere eine bühne zu bauen und so „kulturprogramm“ zu fahren. wir sehen es als unsere aufgabe, MIT anderen an der kulturellen situation dieser region zu arbeiten.

unsere reichweite

vor einigen jahren haben wir symbolisch eine line gezogen, die von wien über beogad nach istanbul reichte. damit sollte ausgedrückt werden, daß unser lebensraum von drei großen kulturellen konzepten bestimmt ist: von latinität, orthodoxie und islam: [link]

das sind nicht bloß religiöse kategorien, sondern die begriffe stehen eben auch für kulturelle und politische dimensionen, wobei in allen drei sphären das denken der griechischen antike zwar unterschiedlich, aber ausnahmslos rezipiert und gewürdigt wurde.

was hat das mit unserer gegenwart zu tun? mentalitätsgeschichte, kulturelle paradigmen und allerhand überlieferungen wirken oft noch über hundert generationen von menschen mitbestimmend, wo gegenwärtige eigenheiten sich soziokulturell so oder so zeigen, äußern. es dürfte bei einem gegenwärtigen engagement im soziokulturellen bereich nützlich sein, solche zusammenhänge wenigstens flüchtig zu kennen. (aber wir reisen auch leiblich zu unseren „alten nachbarn“; siehe dazu das balkan-büro!)

zum thema "europa" fühlen wir uns auch als regionale kulturinitiative angesprochen

manches davon loten wir in unserem regionalen kuturprojekt aus, OBWOHL wir ausdrücklich (leader-) projekt einer bestimmten region sind, also (auch) regionale grenzen haben. die sind aber vor allem formaler natur. der blick über tellerränder und landesgrenzen bleibt unverzichtbar. er ist überdies von unseren partnerinnen und partnern auf landesebene ausdrücklich erwünscht.

beim „europatag 2011“ werde ich solche aspekte in der ersten runde „mobilität“ u.a. mit dzevad karahasan (schriftsteller), elisabeth arlt (verein pavelhaus), anna badora (schauspielhaus graz) und peter pakesch (universalmuseum joanneum) diskutieren.

nikola tesla-experte branimir jovanovic in action: from consumerism to sustainability

das thema „mobilität“ berührt in unserer arbeit auch agenda des kuratoriums für triviale mythen und die „nikola tesla-doktrin“, zu der wir ab nun längerfristig mit dem forscher branimir jovanovic kooperieren. (siehe dazu den beitrag weichenstellungen!)

eine querverbindung zu einem anderen aspekt dieses themenkomplexes: ich arbeite zur zeit gemeinsam mit sozialhistoriker matthias marschik an einem buch, in dem wir österreichs prominentestes phänomen der massenmobilisierung nach dem zweiten weltkrieg vorstellen: „Steyr-Puch 500. Seine Zeit, sein Umfeld, seine Verwandten“. (demnächst im sutton verlag!)

das korrespondiert mit unserer gesamten themenstellung „zwischen landwirtschaft und high tech“, wo vor allem die ersten jahrzehnte der zweiten republik eine zeit der radikalen moderiniserung waren, das heißt sehr konkret auch: eine ära der umfassenden maschinisierung und jenes individualverkehrs mit automobilen, von dem wir uns nun — unter merklichen mühen — langsam wieder verabschieden dürfen.

als wäre es für unser thema extra arrangiertworden: soziale distanz in den 1960ern (ein östereichiches "puch-schammerl" neben einem porsche 356 und vor einem jaguar e-type auf einem parkplatz in gleisdorf)

das sind einige aktuelle arbeitsschwerpunkte entlang unserer vorstellung, der gegenwartskunst in einem soziokulturellen projekt mehr gewicht zu verschaffen; in einem kräftespiel, das wir lokal, regional und international verknüpfen.

die soziokulturelle drehscheibe „kunst ost“ ist das überhaupt erste LEADER-projekt der steiermark. den überblick der laufenden projekte finden sie hier: [link] vermutlich bin ich nicht der einzige, der zur zeit darüber staunt, daß hier eine LEADER-region, nämlich unsere, sich neuerdings über das promoten volkstümlicher schlagermusik hervortut.

ich bin vorerst noch völlig ratlos über der tatsache, daß ein offizielles leader-management das regionale engagegment für innovation und zukunftsorientierung über kommerzielle unterhaltungsmusik promoten möchte (quelle: woche weiz & birkfeld)

aber das ist eben ein stück regionaler realität, die vielleicht über aktuelle kommunikations-defizite innerhalb der region salopp hinwegsehen lassen soll; siehe dazu die aktuelle notiz im projekt-logbuch: [link]

april-festival: aktueller stand

Wir durchleuchten heuer Zusammenhänge im regionalen Leben zwischen agrarischer Welt und High Tech, zwischen trivialen Mythen und realen Strategien der Krisenbewältigung. Es geht gewissermaßen um die Praxis der Zuversicht.

Wenn diese Region eine Erzählung wäre, dann könnte sie sich selbst erzählen, falls die Menschen, die hier leben und arbeiten, ihre Stimmen erheben würden. Die soziokulturelle Drehscheibe „kunst ost“ schafft für diese kulturelle Möglichkeit einen Rahmen. Es geht um eine Versuchsanordnung, in der grundverschiedene Kreative Gelegenheit finden, gemeinsam für einige Wochen zu einem größeren Ganzen zu finden.

(coverfoto: christian strassegger)

Mit dem Thema des „April-Festivals“ 2011 – „elektrisiert“ – widmen wir uns dem Funken, der uns bewegt, um auf die Zukunft aktiv zugehen zu können.

Heuer haben wir erstmals das Formieren völlig autonomer „Location Crews“ angeregt, um so eine Organisationsform einzurichten, in der die teilnehmenden Personen selbst mehr Verantwortung für das Ganze tragen, in der zugleich die Prinzipien eigenständiger Regionalentwicklung in eine aktuelle Praxis überführt werden.

Wir haben außerdem innerhalb des „April-Festivals“ 2011 Schwerpunkte gesetzt. Neben den „Tagen der Kunst“ realisieren wir andere „Thementage“, wie etwa einen „Tag der agrarischen Welt“, einen „Tag der trivialen Mythen“ oder einen „Nikola Tesla-Tag“. (Tesla ist jener herausragende Ingenieur, dessen Erfindungen zu Grundlagen der Elektrifizierung der Welt wurden: [link])

In der praktischen Umsetzung des Festivals ergibt sich eine spezielle Referenz an die „Energie-Region“, indem heuer eine Gruppe Kunstschaffender aus Gutenberg, das zu den nördlichsten Gemeinden der Region zählt, in Wetzawinkel (Hofstätten), der südlichsten Gemeinde in der „Energie-Region“, gastiert. Zugleich haben wir in dieser Gesamtveranstaltung erstmals ein kulturelles Zusammenwirken der „Kleinregion Gleisdorf“ erreicht und so eine Praxis-Situation geschaffen, um mit solchen Anforderungen der Regionalentwicklung weitere Erfahrungen sammeln zu können.

+) Eine kurze Übersicht der Orte und Veranstaltungen: [link]
+) Das Programm mit den Akteurinnen und Akteuren: [link]
+) Laufende Notizen zur inhaltlichen Entwicklung dieses Festivals: [link]

Für „kunst ost“
Martin Krusche, Künstler
Mirjana Peitler-Selakov, Kunsthistorikerin
Nina Strassegger-Tipl, Kulturmanagerin

P.S.:
In unserer Arbeit bündeln wir vier Genres, die wir zu einander in Wechselwirkung bringen, damit Menschen mit sehr unterschiedlichen Intentionen und Talenten Anknüpfungspunkte finden: Alltagskultur, Voluntary Arts, Kunsthandwerk und Gegenwartskunst. Siehe dazu auch: [link]

es gibt kein „unwertes leben“

in der 7. kalenderwoche 2011 habe ich das vorwort zu unserem kommenden „april-festival“ publiziert: [link] darin heißt es unter anderem: „… gewissermaßen eines der großen Themen menschlicher Gemeinschaft: Die Bewältigung der Wildnis. Das meint nicht etwa die Beherrschung der Wildnis, denn diese Idee ist ein Phantasma, welches uns die Natur regelmäßig herunterräumt. Aber die Bewältigung der Wildnis als ein Ringen um Lebensräume, in denen die Menschenwürde sichere Orte hat, das ist eine große Aufgabe, …“ so erschien es inzwischen auch im „stadtjournal“ von gleisdorf.

wir können die wildnis bewältigen, aber nicht beherrschen ...

kürzlich erschien noch etas anderes. ein bürgermeister der „kleinregion gleisdorf“, respektive der „energie-region weiz-gleisdorf“, publizierte in einer öffentlichen „facebook“-präsenz die ansicht, für „geistig abnorme rechtsbrecher“, die sich an kindern vergangen hätten (zitat: „als perverses schwein bist du geboren“), sei die todesstrafe einzuführen. es gab ein laues dementi. danach bestätigte der mann dutzende neue „freunde“, die ihm überwiegend zustimmten, ihm mut zusprachen, sein posting unterstrichen.

es ist nicht einmal authentischer ausdruck einer nachvollziehbaren sorge, sondern pure polemik, um den blick auf das reale thema und prblem zu verstellen ...

hat der bürgermeister damit einen lebhaften beitrag zu unserer themenstellung bei „kunst ost“ geleistet? („Die Bewältigung der Wildnis.“) möglich! denn der pathologische gewalttäter, nach menschlichem ermessen untherapierbar, der sich an einem kleinkind vergeht, den gibt es ja. das wäre ein praktisches beispiel, für die oben erwähnte „wildnis“, mit der uns die natur belehrt, daß „hundert prozent sicherheit“ ein phantasma bleiben. aber er ist die extreme ausnahme, äußerst rar. (da fürchte ich für meinem kind weit mehr notorische alkolenker und solche konsorten als potenzielle gefahr für seele, leib, und leben.)

mit der unredlichen fokussierung auf den pathologischen sex-attetntäter triggert der bekennende katholik nun „vox populi“, bringt schlagartig unbedachte emotionen zum anspringen und … vernebelt so den blick völlig auf das eigentliche „haupt-problem“, nämlich das gros jener sex-attentäter, die eine absolute majorität der gefahrenquellen für unsere kinder ausmachen.

eben genau NICHT die „psychos“, „hirnis“ oder wie auch immer des bürgermeisters neue freunde pathologische gewalttäter nennen, sondern die „normalos“, also psychisch keineswgs als „abnormal“ eingestufte und vielfach völlig unauffällige leute. unter denen wiederum, und das verschweigt der politiker aus der „familien-partei“ övp ebenfalls, stammt ein erdrückend hoher anteil aus dem unmittelbaren familiären umfeld der opfer.

nicht zu vergessen: typische „vertrauenspersonen“ wie lehrer und erzieher kommen dazu, nicht ausschließlich männer, auch frauen, aber doch überwiegend jungs auf der täterseite. hier reden wir noch gar nicht, wie erschreckend hoch die dunkelziffer behinderter frauen ist, an denen sich „ganz normale männer“ vergehen.

wenn wir also über sexuell aufgeladene gewalt reden wollen und was dagegen zu tun sei, dann stehen – sachlich betrachtet – die pathologischen fälle eher unten auf der prioritätenliste. davor kommen noch tausend andere gefahren, vor denen wir unsere kinder schützen möchten; davon wiederum sehr viele, vor denen wir sie auch schützen KÖNNEN, wenn diese gesellschaft als ganzes kindern mehr schutzwürdigkeit zubilligen und gewalt gegen kinder verläßlich wie umfassend ächten würde.

halten wir überdies fest, daß hier „pro todesstrafe“ nicht nur GEGEN die österreichische verfassung argumentiert wird, was unakzeptabel ist, vor allem, wenn es von einem amtierenden politiker kommt; die community, welche sich hier eingefunden hat, um die todesstrafe zu begrüßen, unterstellt damit, daß es „unwertes leben“ gebe, welches aus gründen angeblicher „staatsräson“ ausgelöscht werden solle.

da hilft kein dementi. das ausgangsstatement und die ganze folge einzeln zugelassener „facebook-freunde“ mit ihren pro-todesstrafe-kundgebungen sind ein faktisches eintreten für die idee vom „unwerten leben“. ich werte das als eine herausforderung der zivilgesellschaft. das ist kein „ausrutscher“, schon gar nicht „blauäugig“ (sic!). das ist eklatantes fehlverhalten einer regional exponierten persönlichkeit. es besteht klärungsbedarf!

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