Regelmäßige Arbeitsgespräche machen inzwischen die Basis des laufenden Jahres aus. Es ist ein komplexes Gefüge geworden, in dem sich zwei Sphären verknüpfen. Ein Bereich ist von lokalen und regionalen Kräften belebt, die sich als Kunst- und Kulturschaffende in konkrete Veranstaltungen einbringen.
Ich hab heute keinen Zweifel mehr, selbst jene, die sich per Deklaration dem Gemeinwohl verschrieben haben, sind teilweise unermüdliche Repräsentanten der Eigennützigkeit. Das ist unanfechtbar und per Diskurs nicht zu ordnen.
Ich bin mit einigen Verbündeten strikt auf Zuversicht ausgerichtet; auf die Zuversicht, daß wir Problemlagen, die uns in den letzten Jahren erwuchsen, bewältigen werden und daß wir daraus Erfahrungen gezogen haben, die uns auf diesem Weg Klarheiten bieten.
Ästhetische Erfahrung. Das ist kein „Schönheitsgeschäft“. Das sind Wahrnehmungsprozesse. „Aisthesis“ heißt Wahrnehmung. Wenn ich mit einem Rudel erfahrener Kunstschaffender Zeit verbringen, dann ist das sehr wesentlich auch ein Kommunikationsereignis.
In Anger hat sich mir wieder bestätigt: Die langjährige Befassung mit Kunst schafft den meisten von uns eine grundlegende Disposition, über die wir ansatzlos miteinander in etwas Dichtes geraten können.
Es ist leider so, daß sich die Unruhe im regionalen Gefüge wieder größer zeigt denn je. Wir Kunst- und Kulturschaffende mußten eben erst WELTWEITE Krisenauswirkungen von 2009/2010 abfangen und unsere Projekte über die Berge bringen, während Gemeinden und Regionen Federn ließen, auch einander zausten, Budgets mehrfach wegbrachen.
Von links: Daniel Wetzelberger, Irmgard Hierzer und Christian Strassegger bei einem Arbeitstreffen von "kunst ost"
Irina Karamarkovic ist eine Sängerin, die wir schon bei einigen unserer Projekte zu Gast hatten. Ursprünglich Im Jazz zuhause, hat sie sich längst auch andere Genres erarbeitet. Karamarkovic ist aber ebenso Autorin und hat Erfahrungen in der Kulturarbeit gesammelt.
Irina Karamarkovic, rechts, neben Mirjana Peitler-Selakov
Natürlich hat man jedes Menschen Recht und Freiheit auf Idiotie zu respektieren. Jeder soll aus freien Stücken blöd sterben dürfen und sich seinen Abschied von einem hirnlosen Schlager umrahmen lassen. Aber all jenen, die sich für diesen Blindentanz entscheiden, darf schon ins Stammbuch geschrieben werden, dass Menschen mit offenen Augen und feingespitzten Ohren niemals auf die Idee kämen, die Hand, die sie füttert, auch noch zu beißen.
Künstler Helmut Rabel ist offenbar nicht der Auffassung, daß man jeden Streit vermeiden müsse...
Mit beiden hatten wir schon verschiedene Verständigungs- und Arbeitsschritte gesetzt. Der Ingenieur und der Kaufmann. Bei der zweiten Session von „Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft“ unter dem Titel „SATT und HUNGRIG: Was braucht der Mensch alles?“ [link] hatten sich ihre Wege gekreuzt.
Otto Sapper, vertraut mit wirtschaftlichen Belangen und der agrarischen Welt
Kunst, Kultur, Politik, Kulturpolitik
Die Kunst ist der Gesellschaft zu gar nichts verpflichtet. Wer mir mit Floskeln kommt wie „Die Aufgabe der Kunst ist es…“, kriegt von mir in der Regel zweierlei zu hören. Erstens: „Rutschen Sie mir den Buckel runter!“ Zweitens: „Lernen Sie Kulturgeschichte!“
Zur Erinnerung, seit der Renaissance haben wir Übereinkunft in der zentralen Frage und dieser Konsens wurde bisher noch nicht aufgehoben: Die Kunst ist sich selbst Auftraggeberin und keiner anderen Instanz als sich selbst verpflichtet.
Beim Gleisdorfer Kunst-Symposion, von links: Die Kunstsammler Erich Wolf und Hans Roth, Carmen Gasser-Derungs und Remo Derungs (Gelbes Haus, Flims), Künstler Martin Krusche, Ludger Hünnekens (Burda Museum, Baden-Baden), Künstler Richard Kriesche (Foto: Andreas Turk)
Der Umbruch, von dem ich hier schon eine Weile schreibe, bedarf auch einiger Klärungsschritte in den Fragen wie sich in der Region Kunstschaffende zu anderen Instanzen dieser Gesellschaft verhalten mögen und was das für die Praxis abseits des Landeszentrums bedeutet.