Das zweite Halbjahr 2013

Ich bin mit einigen Verbündeten strikt auf Zuversicht ausgerichtet; auf die Zuversicht, daß wir Problemlagen, die uns in den letzten Jahren erwuchsen, bewältigen werden und daß wir daraus Erfahrungen gezogen haben, die uns auf diesem Weg Klarheiten bieten.

Für Larmoyanz fehlen mir Laune und Energie. Wir haben in zu vielen Punkten jüngst erlebt, völlig auf uns gestellt zu sein. Wir mußten auch hinnehmen, daß manche Konfusion, etwa auf Landesebene, ziemlich bedenkenlos auf unsere Kosten abgearbeitet wurde.

Daran ließ sich nicht rütteln, das ließ sich nicht abwenden. Allfällige Beschwerden konnten bestenfalls beim Salzamt vorgebracht werden, da sich manch andere Adressaten einfach taub stellten oder Einwände aggressiv abgewehrt haben. (Fußnote: Wird es bei der Arbeit eng, haben wir sehr schnell wieder hierarchische Muster auf dem Set.)

Damit kann man sich nicht länger aufhalten, weil es verschwendete Energie bedeutet. Es lassen sich dem bloß Faktenlagen gegenüberstellen.

Wir sind als Kulturschaffende mit den Bedingungen unseres Lebensraumes befaßt. Wir können zugleich nicht ignorieren, wovon ganz Europa bewegt wird. Gerade die letzten Jahre mußten wir erfahren, wie solche Kräftespiele praktisch verlaufen.

Was sich 2008/2009 zu einer weltweiten Krisensituation der Wirtschaft aufbaute, was über Banken- und Immobilienprobleme in ganz anderen Weltgegenden entstanden war, schlug 2010 mit voller Härte in unsere regionalen Gegebenheiten durch.

Wer unter den Kulturschaffenden 2011 nicht den Bach hinunterging, wer 2012 eine neue Konsolidierung schaffte, findet heute teilweise ganz andere Bedingungen, als sie vorher gerade noch haltbar schienen.

Der Status quo drückt sich auch in einem aktuellen Doppelbudget des Landes Steiermark aus, das auf Maastricht-Kriterien hingetrimmt werden mußte, was bedeutet: Ein budgetäres Tal der Tränen. (Das steirische Kulturbudget bringt es gerade einmal auf ca. 6,6 Prozent des Gesamtbudgets, wovon drei Viertel in Graz verbleiben.)

Genug davon, denn das nimmt uns niemand, das erledigt niemand für uns, wir müssen es selbst regeln.

In der Kooperation von „kunst ost“ und „kultur.at“ ist nun für den Rest des Jahres ein komplexes Ereignisgefüge programmiert, in dem darauf geachtet wurde, daß sich eine Reihe gravierender Themen KOMPLEMENTÄR bearbeiten und zusammenführen lassen.

Dabei stützen wir uns aktuell auch auf den „Kulturpakt Gleisdorf“, ein kulturpolitisches Labor.

Mit dem heurigen Hauptereignis unter dem Titel „Südost“ bereiten wir uns für das Jahr 2014 vor, in dem wir auf die historische Dimension der Ereignisse ab 1914 und die Schüssen von Sarajevo zurückzublicken haben.

Wissensarbeit, Diskurs, künstlerische Praxis. In der Kombination dieser Verfahrensweisen lösen wir den Anspruch ein, als Formation der Provinz auch abseits des Landeszentrums auf relevante Art an so großen Themenstellungen zu arbeiten.

All das ist zugleich akuten Fragen der „Eigenständigen Regionalentwicklung“ gewidmet. Dazu widmen wir uns im Dialog mit Kulturwissenschafter Günther Marchner der Option „Wissen schafft Region“. Sie sollten darin unter anderem eine Konsequenz auf die Erfahrungen sehen, die uns der Nationalismus des späten 19. Jahrhunderts im Durchqueren des 20. Jahrhunderts beschert hat.

Das bedeutet, wir arbeiten daran, neue Grundlagen von „Wir-Konstruktionen“ zu klären, die sich nicht den Konzepten des 19. Jahrhunderts verdanken und auch nicht dem historischen Faschismus.

Damit haben wir im gesamten Repertoire des heurigen Jahres auch am Thema „Gewalt im Namen der Ehre“ (Emina Saric) zu arbeiten, was keinesfalls bloß unsere verstärkten Begegnungen mit Eigenheiten islamischer Kulturen meint, sondern genauso in unserer eigenen Kultur genuine „westliche“ Wurzeln und Entwicklungen hat.

In all dem haben wir ferner daran zu arbeiten, was Massenkultur und Massenbewegungen im letzten Jahrhundert mit sich gebracht haben. Hier kommt etwa unser „Kuratorium für triviale Mythen“ zum Zug, denn ein großer Teil wirkmächtiger Motive stammt hier aus den Zusammenhängen unserer Mobilitätsgeschichte.

Anschließend eine kleine Vorschau auf kommende Termine:

+) Dienstag, 10.9.2013
diSTRUKTURA: „Homeland“ (Intervention im öffentlichen Raum) und Ausstellungseröffnung „Südost“
+) Freitag, 13.9.2013
Konferenz #1: We Were Enemies
+) Samstag 14 9.2013
Konferenz #2: Artist as Human Capital
+) Samstag, 5.10.2013
Die „Fünfer-Nacht“ (Lange Nacht der Museen)
— Das Gehen, Reiten und Fahren (Eine Einführung) mit Martin Krusche
— Mobilitätsfragen mit Iris Absenger-Helmli
— Die Muchar-Session mit Bernhard Kober
— Schönheit (Über die Macht des Blickes) mit Alfredo Barsuglia
— Spurtreue (Über die Erfindung des Mopeds) mit Josef Laller
+) Donnerstag, 17.10.13
Günther Marchner: „Wissen schafft Region“
Workshop mit Kunst- und Kuturschaffenden
+) Freitag, 8.11.13
Günther Marchner: „Wissen schafft Region“
Erweiterter Workshop, Politik und Verwaltung werden einbezogen.
+) Donnerstag, 12.12.13
Günther Marchner: „Wissen schafft Region“
Fazit, öffentliche Veranstaltung
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P.S: Auf Nachfrage, nein, die Fotos waren hier mehr gedacht, Stimmungen auszudrücken. Aber das sind reale Personen aus vergangenen Prozeßabschnitten. Oben der Literaturwissnschafter Klaus Zeyringer (links) und der Autor Dzevad Karahasan, unten der Künstler Robert Adrian X mit einer frühen Arbeit von Christian Eisenberger.

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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