Es ist für mich ein Pendeln zwischen realen Orten und imaginären Räumen, zwischen Oberflächen und den Tiefen von Erzählungen. Ich sitze einerseits mit Fotograf Richard Mayr in seinem Cockpit, an dieser leistungsfähigen Workstation, wo die Software schnell genug umsetzen kann, was seine Hand mit dem Stift am Tablet gebietet. Sortieren, Auswahl, Fotobearbeitung.
Von links: Richard Mayr, Stefan Dreier und Lorenz Ninaus
Sie haben es vermutlich selbst schon öfter gesagt: „Das ist keine Kunst!“ Damit meinen wir meist, daß keine besondere Leistung vorliegt, auch wenn sich jemand mit einer Sache hervortut. Jüngst hörte ich in einem Gespräch wieder einmal, wie ein Mann sagte, er habe die Motorhaube eines speziellen Fahrzeugs geöffnet, den Motor betrachtet: „Ein Kunstwerk!“
Manchmal beneide ich mich selbst. Eben habe ich in Kooperation mit Fotograf Richard Mayr das Projekt „Funkenflug“ in die Startphase gebracht. Das ergibt eine Serie von Begegnungen mit inspirierten Menschen. Momente, Gespräche, Blickpunkte. Wir arbeiten auf, was zu erleben war. Das geht dann auf eine erste Erzählebene im Web, quasi auf meine Werkbank. Eine zweite Ebene wird sich jenseits davon vermutlich als eigenständiges Buch entfalten. Weshalb ich mich nun selbst beneide?
Wie sich Dinge entfalten… Da schrieb Carolina Sales Teixeira von dieser Ausstellung in der CIB-Sprachschule in Gleisdorf. Malerin Gabi Troester und Keramikerin Elisabeth Saurugg kannte ich schon von früheren Veranstaltungen. Den Ort kenne ich erst seit wenigen Tagen, als wir dort ein Arbeitsgespräch hatten; siehe: „Running Code“ (Work in Progress)
Launiger Zufall zum 12. März 2022. Die Erinnerungsmaschine von Facebook haut mir heute dieses Blatt auf den Tisch, worin es heißt: „Mayr ist wieder in der Stadt. Man weiß ja meist nicht, wo er grade steckt, häufig auf irgendwelchen Bergen mit viel Schnee und wenig sonst was. Kommt er dann mit einer Lawine herunter oder mit einem reißenden Wildbach? Oder sitzt er auf einem Fischkutter und wird grade von einer faszinierenden Eisscholle im Polarmeer zurückgebracht?“
Es ist ganz amüsant, wie sich in manchen Zeitfenstern Schnittpunkte zeigen. Ich hab dazu den „Möglichkeits-Raum“ als bevorzugte Metapher. In meiner Auffassung von Wissens- und Kulturarbeit spielt Kontinuität eine wichtige Rolle, das prozeßhafte Vorgehen mit Varianten kollektiver Arbeit.
Eben noch auf einen Kaffee bei Fotograf Richard Mayr. Wir haben über die Jahre manchmal ein paar gemeinsame Schritte gemacht. Nun, bei den „Wegmarken“, dachte ich schon, das Buchprojekt ginge den Bach runter, denn es ist eine Kooperation mit vier Gemeinden. Vier Bürgermeisterbüros unter Corona, nachdem die regionalen Kräfte einen Wahlkampfmarathon absolviert hatten.
Wir sind alle wandelnde Geschichten. Ich bin schon lange überzeugt, eine zentrale Grundsituation menschlicher Gemeinschaft sieht so aus: jemand erzählt, andere hören zu. Das war mir in meiner Netzkultur-Praxis überaus klar geworden. Technologie ändert unsere Rahmenbedingungen zwar und wirkt als Werkzeug auf uns selbst zurück. Dennoch bleibt das Erzählen in all dem eine vorrangige Angelegenheit.
Ich habe kürzlich begonnen, einen Prozeß zu etablieren, der zum Jahresende hinführen soll, in das 2018er Kunstsymposion. Dieser Prozeß ist als Dialog zwischen mir und dem Photographen Richard Mayr angelegt. Das bedeutet unter anderem, es kommen Sprach-Codes und visuelle Codes in Wechselwirkung.
Fotograf Richard Mayr scheint zu grübeln. Der rote Kofferraumdeckel gehört zu einem Ferrari Mondial. Der wiederum gehört Michael Toson, von dem ich hier nun mehrmals erzählt habe, weil er die Bastelbögen zum aktuellen „Puch-Buch“ erstellt hat. (Toson spiegelt sich rechts in der Scheibe des Wagens.)
Fotograf Richard Mayr und das Spiegelbild von Michael Toson
Die „Vorpremiere“ des Puch-Albums ereignet sich im Rahmen des „April-Festivals“, wo ich das Thema “Gehen, reiten, fahren” referiere: [link] Ich bin momentan sehr tief in die historischen Grundlagen unserer Mobilitätsgeschichte verwoben.
Zur Gegenwart dieses Themas zeigen sich bei uns auch kuriose Bezüge, da unsere Kuratorin Mirjana-Peitler-Selakov in wenigen Tagen bei Magna Steyr an Bord gehen wird, um dort einen Bereich der Sicherheitskontrolle in der E-Car-Forschung zu übernehmen. Siehe dazu: „Gleisdorf als Angelpunkt“ [link]
Die Galerie "Einraum"
Doch zurück zu Richard Mayr. Die Gleisdorfer Galerie „Einraum“ erhält gerade ein neues Konzept, das von der Firma Kricker Glas [link] mitgetragen wird. Im Vorbeigehen fällt dort momentan der mächtige, barock anmutende Goldrahmen des großen Fensters auf. Und das Zebra, welches einem da entgegenblickt.
Hier sind also zur Zeit einige Arbeiten von Mayr zu sehen, der kommenden Dienstag ein Teil jenes Trios ist, das eine weitere Station des „April-Festivals“ ergibt: [link]