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klang und bewegung

der tag auf dem weg zu ulla rauters vernissage war von „belfast-wetter“ geprägt. das ganze spektrum von regen wind und sonne, mehrmals abwechselnd, kalt, warm und heiß im ständigen durchlauf. spaßige zustände! wie sehr wußte ich es zu schätzen, daß wir gerade zur ausstellungs-eröffnung, als ein arger regenguß sich über uns entlud, in einer mit glas bedeckten passage zugange waren.

künstlerin ulla rauter (mitte) und kuratorin mirjana peitler-selakov

kuratorin mirjana peitler-selakov hatte eine der interessantesten jungen künstlerinnen aus der klasse brigitte kowanz („angewandte“, wien) eingeladen. rauter arbeitet konsequent entlang einem klaren konzept, mit präziser umsetzung ihrer werke. an einer stelle im feature von peitler-selakov klingt das so:

„Das Ausgangsmaterial zu Sound Surfaces sind reale Ton-Quellen. Das ‚reale‘ Material wird durch das digitale Medium praktisch entfremdet und in einen einfachen Datenfluss übersetzt. So wird das Objekthafte, das Räumliche, zuerst auf reine Oberfläche reduziert und dann durch den Prozess des Lichtmalens transparent gestellt, in ein Konturenrelief verwandelt. Von der digitalen Spur wird aus dem Klang ein reduziertes Bild erstellt; oder die Bewegung initiiert.“

in der praxis war das dann an kuriosen technischen umsetzungen zu erfahren, die einerseits in ihren funktionen, andererseits in den ästhetischen qualitäten der erscheinung überraschen, um schließlich in ihrer anwendung denk- und erfahrungsprozesse anzustoßen.

der leib als teil des instrumentes

ein beispiel für gegenwartskunst, die zum einen theoriegeleitet ist, also auf komplexen deutungen unseres technischen und medialen status quo beruht, zum anderen ein ästhtetisches ereignis sind, was meint: wahrnehmungserfahrungen initiieren, um dann, drittens, weiterführende denkprozesse zu triggern.

wir haben hier in der region noch vorherrschende auffassungen, vom erbauungs-, erfreuungs- und letztlich unterhaltungscharakter, der sich dem kunstgeschehen aufbürden ließe. so wie vernissagen, allerdings zu recht, mit der funktion eines sozialen ereignisses befrachtet sind.

würde das in summe bloß zu einem fröhlichen KONSUM von wein, brötchen und sinneseindrücken führen, bliebe das ein ereignistyp, den man beruhigt an den sozialausschuß für eine kooperation mit dem tourismus-büro abgeben könnte.

hier ist das dann doch wesentlich anders angelegt und genau nicht so aufbereitet, um den prinzipien unserer konsumkultur zu dienen.

geselliges ereignis UND rahmen für denkanstöße

der abend mit ulla rauter hat zu einigen debatten geführt. dabei stand erneut klar im fokus: die kunst ist die kunst und hat keine anderen aufgaben, als ihren eigenen möglichkeiten gewidmet zu sein. aber die BEFASSUNG mit kunst, egal ob schaffend oder rezipierend, führt zu erfahrungen und kompetenzen, auf die ein gemeinwesen dringend angewiesen ist.

spät am abend waren wir in einer verbleibenden runde auch dabei angelangt, daß wir dieser unserer gesellschaft einen rasenden KOMPETENZVERLUST zuschreiben dürfen, der ziemlich viele lebensbereiche betrifft. das gipfelt unter anderem in der tatsache, daß eines der reichsten länder der welt eines der teuersten bildungssysteme europa mit einem der schlechtesten ergebnisse europas hat.

auch die aktuellen ereignisse in den kontroversen zwischen kommunen, land und bund lassen sich ohne probleme als ausdruck eines zusammenbrechens von kommunikationslagen anläßlich gescheiterter problemlösungsmomente erkennen.

in eben diesen zusammenhängen können wir geltend machen und nachweisen, daß ein kulturelles engagement auf der höhe der zeit möglich ist, welches solche probleme nicht gleich aus der welt schafft, wo aber strategien und verfahrensweisen erprobt werden, in denen sich auf lokaler und regionaler ebene wieder wege öffnen lassen. wege der kommunikation, der selbst- und fremderfahrung, des begreifens immer komplexerer gesellschaftlicher zustände, bei gleichzeitiger praxis des HERUNTERBREMSENS jener schnell-schnell-welterklärungsmethoden, die ja offensichtlich immer tiefer in stagnation hineinführen.

– [frauenmonat 2011: FMTechnik!] –

weiterführende verknüpfungen

stellen sie sich vor, sie wollten den hauptfilm beim festival „diagonale“ [link] sehen, konnten aber keine karte dafür bekommen. so erging es manchen menschen zuletzt mit marie kreutzers „die vaterlosen“: [link] aber nun wäre dieses filmfestival nach gleisdorf verzweigt und sie bekämen noch eine chance.

christina seyfried (links, „diesel kino“) und brigitte bidovec („diagonale“) beim ersten ausloten einer kooperationsmöglichkeit

das ist einer der aspekte, den ich eben mit repräsentantinnen des gleisdorfer „diesel-kinos“ [link] und der „diagonale“ debattiert habe. die hiesige „diesel“-filiale ist ja keineswegs bloß ereignisstätte für den mainstream. eine eigene filmreihe war schon bisher an cineastischen aspekten bzw. themen orientiert, nämlich „film anders“: [link]

ich hatte vergangenen märz, anläßlich eines besuches von regisseurin elisabeth scharang, gelegenheit, mit christina seyfried über weiterführende optionen zu sprechen: [link] medienkompetenzen verlangen ästhetische erfahrungen und einblicke in die funktionsweisen von medien. es müssen demnach andere als nur mainstream-filme überhaupt noch in realen kino-sälen gezeigt werden.

und es sollte ab und zu gelegenheit geben, mit erfahrenen leuten über das zu sprechen, was man dabei erlebt hat. vergangenen februar hatten wir über derlei zusammenhänge mit „diagonale“-chefin barbara pichler und ihrer mitarbeiterin brigitte bidovec besprochen: [link]

sandra kocuvan, zuständig für film und regionale kulturbelange, mit dem programm zu unserem „frauenmonat“

dazu kommt die möglichkeit, an themenstellungen wesentlicher filme anzuknüpfen. ich meine damit, es könnten unterschiedlich große kulturinitiativen an manchen inhalten und aspekten davon mit ihrer arbeit andocken. so entstünde ein kulturelles beziehungsgeflecht ungewöhnlicher art. ich mag vor allem diesen teil der idee, daß so höchst unterschiedliche instanzen eines kulturellen geschehens quer durch einen konkreten lebensraum momente der kooperation ansteuern würden.

das dürfte auch sandra kocuvan von der kulturabteilung des landes steiermark interessant finden, die als fachreferentin für den bereich film und ebenso für unsere kulturellen vorhaben in der region zuständig ist. wir starten übrigens heute mit der veranstaltungsserie unseresfrauenmonats („FMTechnik!“): [link]

auftakt ist die vernissage mit arbeiten der medienkünstlerin ulla rauter. wir bespielen hier ein leerstehendes geschäft in der innenstadt gleisdorfs, an dem die großen schaufenster eine wichtige rolle spielen. der übliche galeriebetrieb ist ja ein kulturgeschichtlich sehr junges phänomen. einen „white cube“ mehrere wochen offen und besetzt zu halten, das gehört zu den strukturellen anforderungen, die sich heute meist nicht einmal in vielen bereichen der landeshauptstadt einlösen lassen. umso weniger in der „provinz.

kuratorin mirjana peitler-selakov beim aufbau in der „popcorner-passage“

also brauchen wir flexible lösungen, die geringere kosten verursachen, um eine initiatve wie „kunst ost“ nicht mit running costs zu überlasten. es zeigen ja andere beispiele in der „provinz“, daß ein fixes haus den großteil von ressourcen frißt und dabei dann nur ein sehr viel geringeres potenzial für das eigentliche programm bleibt.

andrerseits ist es für künstlerinnen und kuratorinnen natürlich viel schwieriger, einen platz angemessen zu bespielen, der überhaupt nicht für die präsentation von kunstwerken konzipiert wurde. ein kniffliges thema, an dem wir noch einige arbeit haben werden.

ulla rauter ordiniert

die penible arbeit an den wänden sieht man erst im dunkeln, wenn die schwarzlichtlampe aufgedreht wird. medienkünstlerin ulla rauter werkt zur zeit am und im raum, welcher ereignisort und ereignisoberfläche wird, in der gleisdorfer „popcorner-passage“.

ulla rauter on location: die farbe auf der weißen wand ist bei tageslicht nicht sichtbar

fotograph christian strassegger bewährt sich in der alpinistischen passage. wir hatten im vergangenen jahr fröhliche (und auch irritierende) momente, als in der allzweckhalle von urscha/labuch die ausstellung mit der arbeit von jelena juresa aufzubauen gewesen ist: „what it feels like for a girl“ [link]

christian strassegger würde vermutlich auch badehosen und taucherbrille mitbringen, wenn wir einmal eine geflutetes schwimmbecken zu bespielen hätten

kleiner einschub: der „frauenmonat“ von „kunst ost“ bedeutet, wir setzen einen fokus auf frauenleben. das bedeutet NICHT, hier sei eine veranstaltuzngsreihe nur an frauen adressiert. sie können sich vielleicht vorstellen, welche kuriose situation das in urscha/labuch war, als wir mitten in das revier von oststeirischen eisschützen einer portrait-serie geschundener und mißhandelter frauen gesetzt haben: [link]

ich habe freilich manchmal zweifel an dieser anstrengung, kunstwerke an plätzen zu zeigen, die nicht für die präsentation von kunstwerken gemacht sind. dabei trifft mich nur ein bruchteil dieser anstrengung. die meiste mühe hat kuratorin mirjana peitler-selakov zu bewältigen, um a) eine jeweils halbwegs adäquate raumsitution zu finden und b) mit der kunstschaffenden dann eine zufriedenstellende umsetzung der ausstellung zu erarbeiten.

ulla rauter und mirjana peitler-selakov in der „popcorner-passage“

die allgemeinen zugänge zur kunst sind ein noch junges gesellschaftliches phänomen. also haben wir keineswegs die situation, daß eine befassung mit kunst ebenso selbstverständlich als persönlicher gewinn bewertet wird, wie andere bildungs- und erfahrungsmöglichkeiten.

wenn man nun einrechnet, daß zur zeit in einem der teuersten bildungssysteme europas nicht einmal ein allgemein gewünschter bildungsstandard zustande kommt, sind präsenzprobleme der leute aus der kunst sehr einleuchtend.

indem wir beharrlich abseits des landeszentrums an orten, die genau NICHT der kunst gewidmet sind, die präsenz mit kunst zu halten versuchen, bemühen wir uns als kulturinitiative um ein stück kulturellen bodens, der gerade im moment enorm von austrocknung bedroht ist.

— [frauenmonat 2011: FMTechnik!] —
— [ulla rauter] —

frauenmonat: aufbau

künstlerin ulla rauter bei der aufbauarbeit in der „popcorner-passage“ von gleisdorf. wir haben dort ein leerstehendes geschäftslokal gemietet, um im zentrum der stadt einen teil des „frauenmonats“ von „kunst ost“ zu realisieren.

beginn der tausend handgriffe: künstlerin ulla rauter vor ort

diese tausend handgriffe, um in eine komplexe themenstellung hineinzugelangen. dieses völlig andere bezugssystem der kunst, um einen stand der dinge erfahrbar zu machen. „FMTechnik!“ fokussiert auf die zusammenhänge von frauen, macht und technik. dazu hat kuratorin mirjana peitler-selakov die kleine veranstaltungsreihe in die reale wirtschaftswelt verzweigt, hat ein stück meta-ebene und diskurs einbezogen, schließlich mehrere passagen durch zonen der kunst gelegt.

künstler christian strassegger und kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov

dieses changieren zwischen alltagspraxis, theorie und kunst ergibt nach unserer erfahrung sehr interessante möglichkeiten, komplexe themen transparenter und greifbar zu machen. das handelt im gesamten jahresverlauf auch von querverbindungen zum „kuratorium für triviale mythen“: [link]

– [frauenmonat 2011: FMTechnik!] –
– [ulla rauter] –

zu den frühen akteuren des kuratoriums gehört norbert gall, brand manager von abarth österreich: [link] während rauter im abgedunkelten geschäftsraum erste anordnungen für ihre kommende ausstellung festlegte, landete gall in gleisdorf.

ich habe in ihm ein sachkundiges gegenüber zur erörterung gegenwärtiger zustände jener mobilitätsgeschichte, die in der ersten hälfte des 19. jahrhunderts bemerkenswerte kontroversen zeigte, die zwischen schiene und straße polarisierten; da gab es noch gar keine automobile im heutigen sinn.

norbert gall ist profunder kenner vor allem der entwicklungen in der zweiten hälfte des 20. jahrhunderts: [link] als manager der zum haus fiat gehörenden sportwagen-marke abarth habe ich in ihm freilich auch einen sachkundigen diskussionspartner, was gegenwärtige entwicklungen angeht.

verdichtung

egal, wie knapp das geld ist, ohne buchhaltung geht da gar nichts. oder aber: gerade bei knappen budgets ist der laufende überblick unverzichtbar. ich bin ein geborener tabellen-legastheniker, was bedeutet, die arbeit mit diesen bürokratischen belangen geht mir sehr schlecht von der hand. ich bin dabei langsam, erleide schweißausbrüche, kurz, ich stehe unter vollstress, wenn ich ein budget ordnen soll.

obfrau mirjana peitler-selakov ist eine exzellente mathematikerin und somit ein unerbittliches prüforgan meiner bescheidenen leistungen im rechnungswesen

zugleich habe ich natürlich große freude daran, a) zu erleben, daß wir ein projekt ökonomisch nicht in den sand gesetzt haben und b) zu erleben, daß die aufzeichnungen ausgeglichene konten ergeben. allein das abenteuer der tippfehler-suche in excel-dateien gehört zu den mutproben meines alltags, die ich nicht gar so oft haben mag.

auch andere arbeit trägt feine früche. so hat nina strassegger-tipl eben das layout von folder und plakat für unseren „frauenmonat“ geliefert. nun sind die drucksorten da. mit „FMTechnik!“ gehen wir in einen neuen abschnitt der inhaltlichen arbeit: [link] damit wollen wir in naher zukunft den bereich der technischen welt in der region ausloten.

nina strassegger-tipl hat die drucksorten für unseren „frauenmonat“ gestaltet

die arbeit an den aktuellen schritten bezüglich „agrarische welt“ ist nahe dem finish des ersten abschnittes. hier sind wir als trio tätig, mit mir wirken daran noch der tierarzt karl bauer und der künstler christian strassegger.

dazu hat sich nun die konkretiseierung einer weiterführenden idee ergeben. mit dem maler gerhard flekatsch habe ich schon eine weile kontakt. der initiator des vereins bluethenlese verbindet sein kulturelles engagement nicht nur mit gegenwartskunst, sondern auch mit historischen bezügen. eine leidenschaft, die wir teilen; speziell auch auf den autor und orientalisten joseph von hammer-purgstall bezogen, welcher in der oststeiermark einen wohnsitz hatte. genauer: im schloß hainfeld bei feldbach: [link]

mit der frage nach "ost-west-verhältnissen" befaßt: der maler gerhard flekatsch

dieses schloß hat eine besonderheit: seine besitzerin, annabella dietz, setzt nicht auf tourismusträchtige repräsentationskultur, sondern ringt nun seit einigen jahren um klarheit über einen weg, der dem ort UND seiner kulturgeschichtlichen relevanz gerecht wird.

das ist ein faszinierender prozeß, weil er von einem verständnis der dinge und einer kenntnis der hintergründe handelt, die weit übersteigt, wozu sich zum beispiel herkömmliche tourismus- und regionalmanagements üblicherweise aufraffen.

kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov (links) und juristin annabella dietz

wir sind uns nun einig, daß wir eine längerfristige kooperation entwickeln und umsetzen möchten, denn da ist konsens in einigen sehr wesentlichen betrachtungsweisen beim blick auf regionalgeschichte und regionalentwicklung. das ergibt in summe eine idee von kulturellen agenda, innerhalb derer auch die gegenwartskunst einen sehr angemessenen bezugsrahmen erhält.

denkt man das nun zusammen mit der tatsache, daß dietz sich für einen ausbau ihres betriebes als bäuerliche landwirtschaft entschlossen hat, ergeben sich mit ihr und dem künstler flekatsch sehr viele schnitt- und berührungspunkte.

frauenmonat 2011: FMTechnik!

unsere kuratorin mirjana peitler-selakov stellte folgende frage: „Seit Jahren wird versucht, mit Hilfe diverser Förderungsprogramme, Frauen für technische Berufe zu interessieren. Leider beweisen die Untersuchungen, dass diese frauenfördernden Aktionen bisher wenig Effekt gebracht haben. In den klassischen Ingenieursfächern sind noch immer fast keine Studentinnen zu finden. Warum ist das auch heute, im 21. Jahrhundert, so?“

kunsthstorikerin mirjana peitler-selakov (rechts) beim lokalaugenschein mit künstlerin ulla rauter

peitler-selakov ist grenzgängerin im bewohnen verschiedener felder. als kunsthstorikerin widmet sie sich momentan für ihre dissertation ganz speziell den methoden kollektiven erinenerns. doch davor war sie rund eineinhalb jahrzehnte als diplomingenieurin in der motorenentwicklung tätig. sie verkörpert damit ein ganz spezielles beispiel der kombination verschiedener genres, wie wir das bei „kunst ost“ kängerfristig umzusetzen versuchen.

das hat nach unserer auffassung vor allem auch in der „energie-region weiz-gleisdof“ erhebliche relevanz, da hier die agrarische welt durch eine ganze kette von high tech-unternehmen kontrastiert wurde, die teilweise auf dem weltmarkt reüssiert haben.

der „Frauenmonat 2011“ steht unter dem titel „FMTechnik!“, damit ist der themenbogen „frauen, macht, technik“ zur diskussion gestellt. mittlerweile ist das programm ausgearbeitet, zwischen grundlagen, alltagspraxis und kunst verzweigt: [link]

die gegenwartskunst spielt dabei keinesfalls eine „dekorative“ rolle, sondern ist einer von mehreren handlungs- und erfahrungsbereichen, in denen die reflexion, die debatte, aber auch der dort entstehende ausdruck wichtige beiträge zu diesen gesellschaftlichen prozessen ergeben, in denen stets neu geklärt wird, wo wir stehen und wohin wir uns orientieren möchten.

so finden sie in dieser veranstaltungsreihe frauen aus verschiedenen genres der theorie UND praxis im dialog mit einander und mit den kommenden gästen.

– [frauenmonat 2011: FMTechnik!] –

frauenmonat von „kunst ost“

nach dem „april-festival“ nun ein weiterer programm-fixpunkt im jahreslauf: der „frauenmonat“. kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov hat mit dem schwerpunkt „FMTechnik!“ das thema „frauen, macht und technik“ ins blickfeld der heurigen aktivitäten gerückt. die generelle inhaltliche arbeit zu diesem thema verknüpft peitler-selakov mit einem speziellen künstlerischen beitrag.

künstlerin ulla rauter (links) und kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov

lokalaugenschein. projektbesprechung. künstlerin ulla rauter [link] besuchte gleisdorf. wir haben einen raum in einer passage im stadtzentrum zur verfügung; beim „popcorner“: [link] … eine immobilie von horst lesser: [link]

damit gehen wir einmal mehr mit beiträgen der gegenwartskunst in räume des alltagslebens der stadt. rauter wird aktuelle werke zeigen, aber auch direkt vor ort etwas erarbeiten.

"glissando" von ulla rauter

die künstlerin wird in wien von konzett vertreten: [link] ihre subtilen arbeiten sind anlaß, auch die aktuelle mediensituation zu reflektieren. die vernissage zur ausstellung von ulla rauter ist mit einer speziellen performance für dienstag, den 5. juli 2011, angesetzt. kurz darauf, am 8. juli, wird eine fachtagung im „service center“ der stadt gleisdorf (rathausplatz 3) realisiert.

die frauenbeauftrage von gleisdorf, vizebürgermeisterin christa lang, trägt das vorhaben mit. bei dieser tagung werden versierte frauen von verschiedenen einrichtungen das thema in bezug auf ihren fachbereich referieren. „ams“, „institut für soziologie“, „FiT – frauen in der technik steiermark“ … es wird ein interessanter querschnitt präsent sein.

einen speziellen aspekt von „frauen und technik“ wird von der grazer künstlerin eva ursprung [link] vorgetragen werden. ihre erfahrung mit elektronischer musik spielt dabei eine wesentliche rolle.

außerdem tagen unsere „talking communities“ wieder zum thema „was sagen kunstwerke?“ diesmal mit der gleisorfer künstlerin herta tinchon [link]

das „kuratorium für triviale mythen“ hat inzwischen auch auf das thema reagiert. hier eine erste notiz zum thema wie männlich ist die technik?.

— [frauenmonat: FMTechnik!] —

keine sommerpause

wir gehen mit den „talking communities“ nun weiter. in wenigen tagen treffen wir heimo steps, den vorsitzenden des kulturförderungs-beirates, zu einer zweiten session: [link] in einem text von steps finden sich allerhand details, die deutlich machen, wie dieses gesetz gemeint und daher der beirat orientiert ist. da heißt es unter anderem:

>>Kulturförderung ist kein Gnadenerweis, sondern eine Vereinbarung, die einerseits von den Kulturschaffenden ein korrektes Management ihrer kulturellen Aktivitäten verlangt, andererseits vom Land transparente Entscheidungsgrundlagen und Verlässlichkeit. Um es der freien Szene und den regionalen Kulturinitiativen zu ermöglichen, weitsichtig und effizient zu planen, vernünftige Planungshorizonte zu realisieren, sollen dreijährige Förderungsvereinbarungen abgeschlossen werden.<< [quelle]

bleibt natürlich stets neu zu vehandeln und zu klären, was das für die praxis vor allem regionaler kulturschaffender bedeutet.

unsere kuratorin mirjana peitler-selakov bereitet inzwischen weitere treffen für den anderen bereich der „talking communities“, die reihe „was sagen kunstwerke?“, vor. dazu ist sie momentan mit zwei bildenden künstlerinennen im gespräch, der gleisdorferin herta tinchon und der grazerin eva ursprung.

entwürfe unter verwendung von bildern des werkes von ulla rauter

das verweist zugleich auf den „frauenmonat“ 2011 im kommenden juli, für den nina strassegger-tipl gerade an den print-entwürfen arbeitet. peitler-selakov hat dazu die wortmarke „FMTechnik!“ eingeführt: [link] damit greift sie den themenzusammnenhang frauen, macht und technik auf. sie stellt folgende frage:


>>Seit Jahren wird versucht, mit Hilfe diverser Förderungsprogramme, Frauen für technische Berufe zu interessieren. Leider beweisen die Untersuchungen, dass diese frauenfördernden Aktionen bisher wenig Effekt gebracht haben. An der TU Graz beträgt der Frauenanteil beispielsweise im Durchschnitt knapp 20%, im Wintersemester 2010/2011 waren es 21,4%. In den klassischen Ingenieursfächern sind noch immer fast keine Studentinnen zu finden. Warum ist das auch heute, im 21. Jahrhundert, so?<<

die „talking comnmunities“ handeln also von zwei ebenen und diskussions-bereichen. „was sagen kunstwerke?“ erklärt sich von selbst. wir wollen zeigen, daß man über kunst sprechen kann und daß sich durchaus klären läßt, was kunst ist und was kunstwerke sind.

der andere teil, die „konferenz in permanenz“, ist kultur- und regionalpolitischen fragen gewidmet. was soll kulturpolitik leisten und warum? was verlangt eigenständige regionalentwicklung und was steht dem eventuell entgegen?

polemisch verkürzt läßt sich sagen: wo alte funktionärsherrlichkeit an neuen aufgaben scheitert, steigt die tendenz zu tricksereien. die kippen dann manchmal auch in kriminelle dimensionen.

links moderator winfried kuckenberger, rechts herberstein-insider heinz boxan

wir haben genau das kürzlich an einem sehr spektakulären beispiel dargelegt bekommen. heinz boxan, vormals verwalter auf gut herberstein, war zu gast unserer „talking communities“. anlaß für hitzige debatten. feedback in der „kleinen zeitung“: [link]

[talking communities]
[FMTechnik!]

ein kurzer überblick

Die soziokulturelle Drehscheibe „kunst ost“ verknüpft verschiedene soziale und kulturelle Agenda mit Optionen der Gegenwartskunst, wobei wir aus unserer langjährigen Erfahrung schöpfen, solche Vorhaben jenseits des Landeszentrums, in der sogenannten „Provinz“ zu realisieren. Dabei beziehen wir Kompetenzen aus der Praxis im Bereich eigenständiger Regionalentwicklung und haben auch auf dem Kunstfeld Zugänge entwickelt, die uns erlauben, für unseren Arbeitsbereich geltend zu machen: „Provinz war gestern!“

vorarbeiten für den schwerpunkt "frauen und technik": kulturmanagerin nina strassegger-tipl (links) und kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov in albersdorf

Wir bemühen uns, das gesamte Geflecht an soziokulturellen und sozialgeschichtlichen zusammenhängen angemessen zu bearbeiten. Das bezieht sich in den großen Schwerpunkten auf unsere
+) Tage der agrarischen Welt
und den momentanen Fokus auf
+) Frauen und Technik
sowie verschiedene thematische Querverbindungen, die das
+) Kuratorium für triviale Mythen
bearbeitet, welches sich in den Kunstbereich verzweigt, aber stellenweise auch stark sachbezogen arbeitet. In diesen Zusammenhängen greifen wir momentan auch verstärkt das Thema
+) Mobilitätsgeschichte
auf.

christian strassegger (mitte) setze den heurigen auftakt zu "close to nature", was bernhard kober ("kuratorium für triviale mythen") mit einer aktion abrundete

Wir entwickeln unsere Projekte vor dem Hintergrund eines Themen-Horizonts, an dem zwei große Teil-Themen ineinander gehen, welche diesen Lebensraum, die „Energie-Region“, ausmachen:
+) die agrarische Welt
+) und die High Tech-Zonen.

Im Zentrum unserer Aufgaben steht die Befassung mit Gegenwartskunst und ihren Bedingungen. Die Bedingungen der Kunst sind über quasi benachbarte Genres berührbar:
+) die Alltagskultur
+) das Kunsthandwerk und
+) die Voluntary Arts,
… also jener sehr populäre Bereich, in dem sich interessierte Menschen außerberuflich mit künstlerischen Verfahrensweisen befassen.

Einige dieser Bereiche verknüpfen wir quer durch das Jahr mit künstlerischen Aktivitäten im Rahmen der Reihe „close to nature“. So fügt sich „kunst ost“ als Ganzes zu einem Gesamtvorhaben, in dem diese verschiedenen Themen- und Aufgabenstellungen in Theorie und Praxis verbunden werden.

[kuratorium für triviale mythen]
[Frauenmonat: FMTechnik!]
[april-festival 2012]
[close to nature]
[was ist kunst?]

was ist kunst? #12

gelegentlich steht mir jemand mit folgender haltung gegenüber: „ja, können sie mir jetzt sagen, was kunst ist oder nicht?“ es scheint manchmal menschen ein beruhigendes gefühl zu verschaffen, wenn sie keine kurze wie bündige antwort erhalten. („aha, er weiß es nicht!“)

bei unseren talking communties erlebte ich sogar die kuriosität, daß eine ausgewiesene kunsthistorikerin behauptete, man könne eigentlich nicht so genau sagen, was kunst sei. kurz und bündig läßt es sich freilich nicht klären. auf die art könnten sie nicht einmal klären, was zum beispiel eine zange sei. oder erklären sie mir einmal, was „sozialpartnerschaft“ ist; immerhin sind wir in der „zweiten republik“ entlang dieses politischen konzeptes aufgewachsen.

selbstverständlich können wir in der frage nach kunst sehr viel klären. das verlangt aber interesse und zeit. wer die welt in drei sätzen erläutert haben möchte, findet auf dem boulverad reichlich zuspruch. hier geht es aber etwas zeitraubender zu.

ich hab nun einige monate keine konzentration für dieses thema gefunden, der eintrag #11 stammt aus dem vergangenen februar. in jenem eintrag sieht man bilder von der eröffnung einer ausstellung des serbischen künstlers nikola dzafo.

dzafo arrangiert dzafo in der "schock-galerie", links flaniert schon mrdjan bajic (foto: art klinika)

in meinem privaten logbuch tauchte dzafo kürzlich auf: [link] er ist gerade dabei, mein set „nobody wants to be nobody“ in der „schock-galerie“ (novi sad) neu zu ordnen: [link] das hat übrigens seinen bezug auf eine unserer früheren stationen in gleisdorf, als wir nämlich 2007 das erste mal mit dem festival „steirischer herbst“ kooperiert haben: [link]

merken sie etwas? dieser text bündelt eine reihe von vorkommnissen, die in der zeit angeordnet sind und zu einander in beziehung stehen. es geht — aus gutem grund — damit noch ein stück weiter, das DOKUMENTIEREN spielt dabei eine wichtige rolle.

der erwähnte eintrag in meinem logbuch handelt unter anderem vom theoretiker boris groys. der ist heuer kurator des russichen beitrags zur biennale in venedig und entschied sich für die „kollektiven aktionen“: „Empty Zones: Andrei Monastyrski and the ‘Collective Actions’ Group (Nikita Alexeev, Elena Elagina, Georgy Kizevalter, Igor Makarevich, Andrei Monastyrski, Nikolai Panitkov, Sergei Romashko, Sabine Hänsgen)“ [link]

romashko und hänsgen waren (gemeinsam mit sergei letov) letzten herbst auf unserer strecke. mit „the track: virtuosen der täuschung“ [link] hatten wir eine der bedeutendsten konzeptkunst-formationen des 20. jahrhunderts in der oststeiermark.

von links: mirjana peitler-selakov, sergei romashko und sabine hänsgen im "gemälde-zimmer" des gleisdorfer "red baron"

für uns war es ein vergnügliches wie anregendes erlebnis, mit so erfahrenen leuten einige zeit zu verbingen. in der gegenwartskunst rußlands spielen ARCHIVE eine bedeutende rolle. außerdem waren die tage mit dieser crew höchst lehrreich; nie zuvor habe ich kunstschaffende erlebt, die es in ihrer arbeit mit jedem detail, bis hin zum einzelnen wort, so genau nehmen.

im gesamten werk der „kollektiven aktionen“ sind die aspekte des archivs und der dokumentation sehr wesentliche bestandteile dessen, wie sich diese konzeptkunst-formation über viele jahrzehnte manifestiert hat.

ich habe nun schon boris groys erwähnt, dessen theorie einer „kulturökonomie“ von den komplementär angeordneten zuständen des „profanen raumes“ und der „kulturellen archive“ handelt.

groys geht davon aus, daß kulturen grundsätzlich hierarchisch aufgebaut sind, genauer: „werthierarchisch“. wir bestimmen permanent, was es wert sei erhalten zu werden und was uns insoferne als banal umgibt, daß wir es zwar haben, benutzen etc., dem aber keine besondere bedeutung beimessen, die uns diese dinge als erhaltenswert erscheinen ließe.

kunst ereignet sich unter anderem genau dort, wo wir dingen eine bedeutung zuschreiben, die sie aus dem „profanen raum“ in die „archive der kultur“ verschiebt. groys‘ theorie finde ich deshalb so anziehend, weil sie überdies das dynamische solcher prozesse betont.

schafft es ein werk zu einem publikum und in die archive? bleibt es es fremden blicken verborgen? ist kunst an veröffentlichung gebunden? (franz sattler und emil gruber bei unserer station in albersdorf.)

was einmal mit der ausstattung zum erinnern geweiht wurde, also in bibliotheken, museen oder anderen archiv-varianten verwahrt wird, kann nämlich auch wieder profanisiert werden, also aus den archiven der kultur in den profanen raum zurückfallen.

umgekehrt kann zum beispiel triviale massenware im lauf der zeit qualitäten zugeschrieben bekommen, die sie in die archive wuchtet, also mit ganz neuer bedeutung auflädt.

ich habe eingangs vor allem einmal begonnen, ein wenig geschichtchen zu erzählen. die „kollektiven aktionen“ aus moskau, nikola dzafo aus petrovaradin, der „steirische herbst“ in der oststeiermark, die prozesse und momente, wie sie hier auch in unseren online-dokumentationen auftauchen. ideen, themen, prozesse, artefakte und dokumentationen. unsere künstlerische praxis ist auf eine sehr kompexe ereignis-kette angewiesen. ist es nur kunst, wenn all das auch „kanonisiert“ und in die geschichtsschreibung eingetragen wird?

[überblick]