Ich wollte also wissen, wie es denn zu einigen der Gleisdorfer Plätze gekommen sein mag. Da gibt es heute so manche Kuriosität.

Ich wollte also wissen, wie es denn zu einigen der Gleisdorfer Plätze gekommen sein mag. Da gibt es heute so manche Kuriosität.
Ich habe im vorigen Eintrag das temporäre Büro erwähnt, mit dem sich ab nun das „Amt für allgemeines Können“ gelegentlich manifestiert. Das ist für sich kein Kunstwerk, aber Teil eines Prozesses, in dem Kunst und Werke wesentliche Rollen spielen.
In unserer „Fünfer-Nacht“ übernahm Kunstliebhaberin Elisabeth Santigli einen Part in Alfredo Barsuglias Performance, mit welcher er das temporäre Büro bespielte.
Ich befasse mich seit weit mehr als zwanzig Jahren höchst interessiert mit Südosteuropa. Anfangs war dabei der Begriff „Balkan“ verpönt. Die negativen Konnotationen und die Unschärfe in der Präzisierung einer bestimmten Region ließ das in den 1990ern so gelten.
Am 10. September 2013 eröffnet im Beginn des Gleisdorfer Kunstsymposions auch das „Amt für allgemeines Können“. Wir tragen damit einer populären Basisbewegung Rechnung, die sich nicht nur im Alltag jederzeit manifestiert, sondern speziell auch im Bereich der Gegenwartskunst mit starken Lobbies vertreten ist.
Das Motto dieser Bewegung lautet: „Ich kann das auch“.
Wir haben uns iner ernsten Angelegenheit zu wirmen. Historiker Karl Kaser schrieb in seinem Buch “Freundschaft und Feindschaft auf dem Balkan” (2001) an einer Stelle:
Ein weiterer Indikator für das mangelnde Vertrauen in staatliche Institutionen ist die “magische” Kraft des Stempels. In meiner beruflichen Tätigkeit bin ich immer wieder auf dieses Phänomen gestoßen. Es wäre höchst interessant, die Kulturgeschichte des Stempels auf dem Balkan genauer zu erforschen. Ein Schreiben, ganz gleich, was in diesem festgehalten wird, wird als sehr dubios angesehen, wenn es zwar eine Unterschrift, aber keinen Stempel aufweist. Dies gilt nicht nur im Verkehr zwischen der Behörde und den Klienten, sondern auch unter den Behörden.
Wir haben in Europa quer durch das 20. Jahrhundert mehrfach die Erfahrung gemacht, daß die Brutalisierung einer ganzen Gesellschaft bestürzend schnell zu organisieren ist. (Derzeit können wir das im arabischen Raum beobachten.)
Die Zeit meiner Eltern betreffend sind mir die penibel geführten Tagebücher von Victor Klemperer ein stellenweise schockierendes Zeugnis solcher Entwicklungen. Was die jüngsten Balkankriege angeht, haben wir jede Gelegenheit, Menschen zu treffen, die das erlitten, aber auch jene, die das verursacht haben.
Die Konsolidierung des heurigen Herbst-Projektes „The Track: Axiom | Südost“ ist nun in Planung und Basisorganisation auf den Punkt gebracht. Reflexion, Diskurs, künstlerische Beiträge; wir sind aufgestellt, um eine anregende Grundlage für das Jahr 2014 zu erarbeiten.
Dragan Prole ist einer von diesen Intellektuellen, die zu treffen man schon ein paar Kilometer hinter sich bringen muß. Solche Leute finde ich nicht an der nächsten Ecke. Nun hat mich der Lauf der Dinge verwöhnt. In diesen Tagen ist alles sehr dicht geworden. Rasa Doderovic hat mir ein paar der Wege geebnet.