Archiv für den Monat: August 2011

randnotizen

ohne zu reisen würde meine existenz als künstler völlig mißraten. zweierlei bedingungen lösen sich auf den fahrten ein. im fremden zu sein und vor ort zu ein. die irritation durch das, was man noch nicht kennt und die konkrete anschauung dessen, was woanders ist… jenseits aller mutmaßungen.

das sind auch grundlagen jener kooperationsansätze, die wir bei „kultur.at“ und im rahmen von „kunst ost“ entwickelt haben. zur erinnerung: „kunst ost“ war ursprünglich ein projekt von „kultur.at“. wegen seiner anwachsende dimension und komplexität hatten wir es schließlich ausgelagert und mit einer eigenen struktur versehen.

doch im verweben der unterschiedlichen aufgaben und vorhaben ergibt es ein ganzes, das sich wechselseitig bedingt. es löst sich auch auf reisen ein. das meint einerseits die besuche von kolleginnen und kollegen in anderen regionen. davon verdichtet sich nun etwas in unserer „kulturspange“: [link]

teil der "kulturspange" (von links) franz maunz, eva ursprung, mirjana peitler-selakov und gerhard flekatsch

das gewinnt andererseits erweiterungen über unser „balkan büro“ [link] die krisen des vormaligen jugoslawien sind auch die krisen europas. uns damit und mit den konsequenzen zu befassen bedeutet, sehr viel von jenen kräftespielen zu begreifen, die ganz europa bewegen. (in den „fahrten südost“teil #1 und teil #2 — sind einige aktuelle notizen zusammengefaßt.)

diese mischung aus konzentration auf lokale und regionale, aber auch auf grnzüberschreitende zusammehänge bündeln sich nun in unserer arbeit an der startphase eines „kompetenzzentrums für gegenwartskunst“: [link]

steinernes monument eines brockens europäischer historie: die brücke über die drina

in kooperation mit dem kunstsammler erich wolf haben wir begonnen, gegen ressentiments und kompetenzdefizite, die es in verschiedenen instanzen dieser gesellschaft gibt, der gegenwartskunst gerade in dieser von krisen bestimmten zeit neues terrain zu gewinnen.

reflexionsvermögen, flexibilität des denkens, problemlösungskompetenzen, all das, was politik und wirtschaft so sehr fordern, was aber voe allem eine zeitgemäße demokratie dringend braucht, sind fertigkeiten, die in ihrer entfaltung klare vorbedingungen haben. es geht um WAHRNEHMUNGSERFAHRUNGEN, also um ästhetische erfahrungen. genau DAS bedeutet „ästhtetik“: wahrnehmung.

es gibt nur wenige genres, in denen all das so radikal, also grundlegend zu anwendung kommt, wie in der befassung mit kunst; egal ob als kunstschaffender oder als rezipierender mensch. so gesehen ist es absurd, daß gegenwartskunst vor allem jenseits der landeszentren als „abgehoben“ diffamiert und als „elitär“ herabgewürdigt wird.

man kann ja über kunst reden: malerin herta tinchon im arbeitsgespräch ("talking communities")

es ist ebenso absurd, daß budgets dafür so umfassend gekürzt wurden. aber das scheint im augenblick nicht verhandelbar zu sein. also brauchen wir strategien und neue modi, um in dieser zeit mit ihren kompetenzverlusten und ihrer stagnation nicht nur terrain zu halten, sondern boden zu gewinnen.

fahrten südost #2

der flügel von einem kampf-jet mit jugoslawischem hoheitsabzeichen. graffiti darauf belegt, daß die ära titos braver pioniere vorbei ist. es wäre früher sicher als enorme respektlosigkeit gewertet und geahndet worden, wenn sich jemand auf den memorials heroischer haltungen aus titos tagen derart verewigt hätte.

post-weltkriegs-monument als landmark mit rasendem bedeutungsverlust

quer durch die neuen länder befinden sich außerdem noch denkmäler, die an den kampf gegen den faschismus erinnern. manche davon aus dem ersten weltkrieg, dem „great war“, abgeleitet, mit dem zweiten verknüpft. danach: das paradigma, ein antifaschist sei gleich ein kommunist, ist längst zu bruch gegangen.

ländliches terrain von bescheidener blüte. auf dem weg nach srebrenica passiert man kravica. das mächtige schwarze kreuz erinnert an die toten serbischen leute, kombattanten und zivilisten, die einer attacke von bosnischen einheiten unter naser oric zum opfer gefallen waren. diese kampfhandlungen und reaktionen darauf waren zu einem sturm ausgewachsen, sind aber sicher nicht in monokausaler art die ursache für das massaker srebrenica gewesen.

dieses serbische mahnmal flankiert den weg nach potocari und srebrenica

ein dunkles statement zu einer serie von gewalttaten, deren unfaßbarer höhepunkt sich in der enklave srebrenica verdichtete. es ist mir übrigens vollkommen unbegreiflich, wie mladic seine verbände unter aufsicht des dritten niederländischen battailons in einer offiziellen schutzzone aufziehen und den massenmord an den muslimen realisieren konnte.

natürlich wird von den südslawen in der rückschau alles mit jedem verknüpft. doch geschichts-klitterung, die plötzlich tausende tote bewirkt, ist eben genau so komplex, auch so gefährlich, wenn sie sie auf staatlicher legitimation beruht. das ist keine domäne südslawischer völker, das ist eine grausame kompetenz europas.

ein body count macht für sich noch nichts deutlich. aber die tausenden toten muslime, von denen längst noch nicht alle wieder gefunden wurden, ergeben eine erdrückende dimension der traurigkeit und des entsetzens, wo europa seine düstere fratze gezeigt hat.

die gedenkstätte in potocari ist auf zehntausend grabstätten ausgelegt. das ist, wenn man über jenes gelände geht, kaum erträglich.

es befinden sich heute wieder moscheen in der gegend und im vorbeifahren sieht man ab und zu menschen, deren erscheinung mutmaßen läßt, daß muslime zurückgekommen sind. aber ich vermute, das ist alles serbisch dominiert. war das ein guter grund für radko mladic? ist es bloß darum gegangen, diese eher ärmliche gegend für die serbische seite zu nehmen? was war dort zu gewinnen gewesen?

potocari überfordert einen im grunde, was da begreifen der vorgänge betrifft.

in meiner vorstellung ergibt sich vorerst nur eine schlüssige antwort: mladic hat es gemacht, weil es für einige zeit möglich war, weil er es tun konnte. das ist der einzige nachhaltige grund, auf den ich komme.

darin liegt eine massive warnung.

und warum sollten wir uns in einer vor allem regional tätigen, oststeirischen kulturinitiative mit solchen themen befassen? ich habe es oben erwähnt: das ist eine von mehreren gegenden, wo europa seine düstere fratze gezeigt hat.

es geht nicht einfach um „die jugoslawen“, nicht um „die serben“. mit den aspekten persönlicher schuld, die aus täterschaft und unterlassung entstehen, haben sich ordentliche gerichte zu befassen.

darüber hinaus hat sich da einmal mehr eingelöst, was die lektion des nationalismus in europa ist, der verdun und auschwitz ergeben hat und der auch heute wieder in österreich sein maul aufreißen darf.

das berührt politische und kulturelle agenda; wenn etwa eine aktuelle innenpolitik nur schwach gerüstet ist, den vaterländischen ihre menschenverachtenden diskurse abzuschneiden, die von wachsenden bevölkerungsteilen aufgegriffen werden.

wir hängen da alle mit drinnen. und wir werden es am eigenen leib erneut erfahren, wenn wir den schreihälsen ihre hetzerei nicht abzugewöhnen imstande sind.

[Übersicht]

fahrten südost

wir haben bei „kunst ost“ verschiedene themenschwerpunkte. zeitgeschichte und sozialgeschichte spielen dabei eine erhebliche rolle. die agrarische welt ist eines unserer bezugssysteme. blühen und verfall von industriellen komplexen interessieren mich, weil sie gegenwärtige situationen eingefärbt haben.

die krisen-erfahrungen durch kriegshandlungen sind ein eigenes themenfeld, von dem ich bei uns nur mehr symbolische und mentalitätsgeschichtliche präsenzen finden. (doch deren wirkung besteht.)

hinter vukovar: ackerbau und viehwirtschaft im großen stil

auf dieser fahrt durch kroatien, serbien und bosnien haben derlei zusammenhänge völlig andere bedingungen. so wie ich es innerhalb der steiermark für unverzichtbar halte, andere regionen konkret zu besuchen, wo sich für uns arbeitsschnittpunkte ergeben, gilt mir das auch für südost-europa.

wir haben für unsere regionale projektarbeit wachsende arbeitskontakte mit leuten aus sehr verschiedenen teilen des vormaligen jugoslawiens vereinbart. eine wichtige voraussetzung dafür sind die realen begegnungen, weil nur so sich jenes lernen ereignen kann, das grundlagen der zusammenarbeit ebnet.

wenn trubaci auf dem set erscheinen, bleiben die leute nicht mehr auf den sitzen und kein staub auf den möbeln

was ich damit meine? die südslawischen leute ticken natürlich in vielem völlig anders als wir. sie haben andere codes, sie sind in allerhand fragen von grundlegend anderen ereignissen geprägt.

soweit ich sehen kann, sind einige jahre der laufenden begegnungen keineswegs zu viel, um eine erste ahnung zu bekommen, worin man sich — jenseits der gefundenen gemeinsamkeiten — auch sehr stark unterscheidet. (ZEIT ist ein WICHTIGER faktor in solchen prozessen.)

in manchen momenten verdeckt die höflichkeit im achtsamen umgang mit einander heftigen dissens. außerdem verfügen wir „schwabos“ gegenwärtig über keine ausreichende vorstellung, was gehabte kriegsgreuel und kolportage, mutmaßungen und hoffnungen zwischen den ethnien angerichtet haben.

in potocari wird der tausenden ermordeten aus der enklave srebrenica gedacht

drei völker, getrennt duch die gemeinsame sprache, von heftigkeiten erschüttert, für die sich weit weniger rationale gründe finden lassen, als uns allen lieb sein kann.

aber genau DAS ist MEIN europa. erschüttert von seinen komplexen möglichkeiten. verstaubt und aufgerüttelt zugleich. mißgunst und leidenschaft manchmal ineinander verheddert. harte kontraste und tausend optionen.

ich habe hier nur drei von mehreren völkern erwähnt, die einst jugoslawien ausgemacht haben. ich kann mit serben in kroatien nicht über die „albanci“ im kosovo sprechen und um denen gerecht zu werden, müßte es „kosova“ heißen, aber dort sind ja eben erst die konflikte wieder hochgegangen, da reden wir leicht.

kleiner einschub:
ich staune manchmal über kleine details wie daß albanische kosovaren sich selbst „shqiptaret“ nennen, wenn aber serben das phonetisch für mich überhaupt nicht unterscheidbare „siptar“ sagen, dann ließe sich kein übleres schimpfwort finden.

mazedonien wirft als thema offenbar keine konflikte auf und über montenegriner wird freundlich gelächelt. von den slowenen wird praktisch nicht gesprochen, denn wo sind die schon dabei gewesen?

gestern nacht habe ich im zentrum von sarajevo ein feuer vor einer gedenktafel brennen sehen. beides erinnert daran, wie brigaden der serben, bosnjaken und kroaten — „srba, muslimana i hrvata“ — am 6. april 1945 die stadt befreit haben.

am selben ort einst vereinte befreier, später erbitterte feinde

dieses andenken wird hier bewahrt, menschen zeigen es ihren kindern und lassen sich davor fotografieren. zugleich sieht man von nahen gassen und plätzen auf die umliegenden hügel, von denen im jüngsten krieg die serbischen kanoniere und scharfschützen auf unbewaffnete menschen gefeuert haben.

die kroaten waren hier einmal mit den serben einig, sich bosnien untereinander aufzuteilen, dann standen sie einander wieder als feinde gegenüber. diese 1990er-jahre sind mehr als verwirrend.

ich ahne zumindest, wie alt manche der ressentiments sind, wenn ich sagen höre: „naja, die kroaten können ihre straßen nur nach einem ban benennen, wir nach einem kralj.“

der ban war etwa ein markgraf, kralj ist das wort für könig, die hierarchie ist klar. aber, wie schon erwähnt, genau DAS ist MEIN europa, so komplex und manchmal zutiefst irritierend. verheerend in seinen ausbrüchen und hinreißend mit all seinen schätzen.

ich kann mir ein kulturelles engagement auf der höhe der zeit ohne solche querverbindungen nicht vorstellen. auch wo es ein ausgewiesen REGIONALES engagement ist, hat es nicht erst durch die junge erfahrung einer globalisierung vieler lebensbereiche diese bedingung: die praxis des kontrastes zu bewältigen.

wir, und das sage ich sehr bewuß: WIR, haben damit schon eine lange, tief in die geschichte reichende erfahrung. unsere kultur ist das ergebnis solcher erfahrungen. gegenwärtige kulturarbeit sollte also bei solcher vielfalt wieder anschließen können.

[Übersicht]

die kulturspange

um sam peckinpah zu zitieren: „wir haben einen konvoi!“ aber was haben wir nun genau? sie merken schon: da ist auf jeden fall ein hang zu trivialen mythen [link] doch ich greife vor.

wir haben also nun eine kulturspange konstituiert, welche quer durch die steiermark reicht. ich habe das thema schon öfter voranzubringen versucht. ende 2009 war das kurz in einiger reichweite, wie im projekt-logbuch nachzulesen ist:

>>Dieser neue Abschnitt in der Entwicklung von „kunst ost“ wird von der kommenden“Freitags-Konferenz“ unterstrichen, in der wir die „Kulturspange“ bearbeiten. Da zeichnet sich ein Kommunikations- und Kooperationsraum zwischen Weiz, Gleidsorf und Feldbach ab.<< [quelle]

peripatetische einschüber bei der konstituierenden session: (von links) franz maunz, gerhard flekatsch, mirjana peitler-selakov und eva ursprung

damals bin ich mit dieser vorstellung offenbar noch zu früh unterwegs gewesen. heute sieht das anders aus. die gang of excellence, konkret: gerhard flekatsch, günther marchner franz maunz, mirjana peitler-selakov eva ursprung und ich, ist auf der primären kompetenzebene folgendermaßen aufgestellt: drei kunstschaffende (flekatsch, ursprung und ich), ein kulturschaffender (maunz), zwei leute aus der wissenschaft (peitler-selakov und marchner).

auf einer zweiten ebene verfügbarer kompetenzen sind alle im team seit jahren mit kunstvermittlung, fragen der kulturpolitik und auch mit kunsttheorie vertraut. das bedeutet, in dieser crew werden aktion und reflexion beieinander gehalten.

ohne reflexion, theorie und klar benennbare gründe ist im kuturbereich kein boden zu gewinnen: (von links) günther marchner, franz maunz und gerhard flekatsch

dazu kommt der räumliche/regionale aspekt. feldbach und gleisdorf (südost- und oststeiermark), graz als landeszentrum, gesäuse und salzkammergut (als obersteirische bezugspunkte) ergeben territorial einen sehr passablen ausgangspunkt für unsere steirische präsenz.

nach südosteuropa führen unsere wege momentan vor allem nach bosnien-hercegovina und in die serbische vojvodina. das bedeutet unter anderem, wir etablieren einen laufenden erfahrungsaustausch mit kunst- und kulturschaffenden, die uns in den krisen- und mangelerfahrungen bei der arbeit viel voraus haben.

und es ist schin so, daß einem bei engagierten frauen mitunter ganz andere strategien auffallen, als sie herkömmliche männer-seilschaften pflegen: mirjana peitker-selakov (links) und eva ursprung

zugleich ist der künstlerische austauch in diesen bereichen vielversprechend, weil die kunstschaffeden dort von völlig anderen hintergünden und zusammenhängen geprägt sind, was wechselseitige horizonterweiterung in aussicht stellt.

es ist auch nicht gerade unerheblich, daß franz maunz und ich die kooperation zweier LEADER-kulturprojekte repräsentieren, bei denen eine klare auffassung besteht, daß gegenwartskunst und „voluntary arts“ zwei grundverschiedene kategorien sind, die unterschiedliche rahmenbedingungen haben und verlangen.

zu all dem kommt, daß wir nun in gleisdorf eine fixe kooperation mit kunstsammler erich wolf eingegangen sind, um in einer zweijährigen vorlauf-phase die grundlagen für ein kompetenzzentrum zur gegenwartskunst zu erarbeiten. (siehe: eine wegmarke!)

kunstsammler erich wolf besitzt eine der bedeutendsten kollektionen steirischer gegenwartskunst

damit haben wir natürlich nicht bloß regionale reichweite im auge, sondern auch bundesweite und internatioale relevanz. diese arbeitsansätze korrespondieren mit der bereitschaft des „offiziellen gleisdorf“, im bereich politik und verwaltung mit uns regelmäßige arbeitstreffen zu pflegen, um relevanten aspekte all dieser themen in kontinuität durchzugehen. (siehe dazu: zur praxis des bottom up-prinzips!)

das bedeutet, wir klären nun in einer außergewöhnlichen gesamt-kooperation, wie sich eine kulturelle situation, in der gegenwartskunst eine erhebliche rolle spielt, abseits des traditionbellen landeszentrums so entfalten kann, daß wir uns a) absolut auf der höhe der zeit bewegen und b) in den wesentlichen positionen nach internationalen standards bestehen.

[die spange]

auf jeden fall: weng

was ich am zusammenkommen von versierten leuten sehr mag: wir müssen uns die branche nicht erklären. niemand hat lust, sich jammereien anzuhören. wir überprüfen unsere befunde auf klare schnittpunkte, wir debattieren die schlüsse, die daraus zu ziehen sind, und welche handlungspläne diese nahelegen. so ist das nach meinem geschmack.

oh, was könnten wir in dreißig jahren für eine verrückte rentner-gang abgeben! (womöglich kommt es ja so.) es ist also von einer denkwürdigen session in weng bei admont zu erzählen. die gegend hat besonderen reiz. es herrscht dort etwa acht monate winter und zwei monate ist es kalt. nein! kleiner scherz! wir hatten bei unserer klausur milde sommertage.

alpin gelagert (von links): eva ursprung, franz maunz, mirjana peitler-selakov und gerhard flekatsch

kürzlich gab es eine erfahrung von weng, der folgte meine erste erklärung von weng. das war eine kleine wegmarke am rand möglicher routen. zwischendurch hatte ich einige leute gefragt, ob sie mit mir in eine konzentrierte arbeitssituation gehen würden. meine lieblings-annahme: gerade WEIL die zeiten schwierig sind, der kulturbereich schläge gegen seine fundamente und strukturen hinnehmen muß, die sich offenbar nicht abwenden lassen, möchte ich mit inspirierten leuten losziehen und zusätzlichen boden gewinnen.

diese idee fand jazz-promotor franz maunz ganz interessant. zumal ihm auch die vorstellung behagte, wir könnten quer durch die steiermark eine art „kulturachse“ installieren, der entlang sich kompetenzen bündeln und möglichkeiten verknüpfen ließen.

wissenschafter günther marchner (links) und jazz-promotor franz maunz teilen eine spezielle leidenschaft: sie sammeln wein und haben uns sachkundig durch einige uralte basisgebiete der kultur geleitet 😉

diese vorstellung mußte ich dem sozialwissenschafter günther marchner [link] nicht erst buchstabieren, der mann ist seit wenigstens 20 jahren mit solchen zusammenhängen gut vertraut. künstler gerhard flekatsch [link] bringt auch so viel an erfahrung und vorausschau mit, daß wir uns mit fragen nach den basics keinen moment lang aufhalten müssen. damit war unser pflänzchen von neuem bezugssystem — über gleisdorf — nach norden und nach süden verzweigt.

man kennt hier mein wiederkehrendes räsonieren über „zentrum-provinz-verhältnisse“ und die diversen arten von gefälle, welche darin zutage treten. das ist EIN aspekt der geschichte. ein anderer aspekt liegt in den zusammenhängen künstlerischer praxis im landeszentrum graz, wo ja von keinem honigschlecken berichtet werden kann; wie künsterin eva ursprung zu erzählen weiß. [link] unserer erfahrungen handeln von allerlei kontrasten und schnittpunkten. das macht die erörtererung von gemeinsamen optionen ziemlich spannend.

kuratorin mirjana peitler-selakov pendelt in ihrer arbeitspraxis zwischen höchst verschiedenen lebensräumen zwischen „zentrum“ und „provinz“, vertieft durch aktuelle projekte auf dem balkan, der ja seinerseits als ganzes dem „westlichen“ europa gegenüber eine art provinz-funktion wahrnehmen muß.

die gang zu gast bei radio "freequenns" in liezen

so, da sind wir also nun, drei kunstchaffende (flekatsch, ursprung und ich), ein kulturschaffender (maunz), eine kunsthistorikerin (peitler-selakov) und ein sozialwissenschafter (marchner). das ergibt in summe weit über hundert jahre kulturelle praxis und theoriegestützte diskurse. ich darf behaupten, hier hat sich nun eine „gang of excellence“ formiert, die lustig ist, über das bündeln der diversen kompetenzen und kenntnisse arbeitsbedingungen herbeizuführen, die das bei weitem übertreffen, was uns zur zeit quasi „gnadenhalber“ von herkömmlichen einrichtungen angeboten wird.

themen, strategien, methoden, ich darf weiter behaupten: wo wir hinfassen, ist auf jeden fall die action. und zwar auf der höhe der zeit. schauen wir also wer das zeug und die laune hat, auf diese art für kunst und kultur neuen boden zu erarbeiten. (siehe zum aktuellen hintergrund auch: wetterfest im schlechten wetter!)

eine wegmarke

angenehmer weise komme ich mit der arbeit gar nicht damit nach, unseren online-pressespiegel auf stand zu bringen: [link] naja, im spätsommer wird das getan sein. an dieser sache ist wichtig, daß uns eine kontinuierliche präsenz in regionalen medien gelingt. denn medienpräsenz hat den rang von „realitätserzeugung“. das bedeutet, was in den medien vorkommt, gibt es, das wird von den menschen als existent wahrgenommen. was in den medien keine erwähnung findet, rangiert meist unter „unwichtig“ bis „gibt’s net!“

diese medieal vermittelte wahrnehmung spielt wiederum in einem anderen rang-system eine rolle, die wir nicht ignorieren können. ob wir von manchen schlüsselpersonen und machtpromotoren wahrgenommen werden, hat viel einfluß darauf, ob wir mit unseren ansichten und ansprüchen gehört werden oder nicht.

ich brauch für die entwicklung unserer vorhaben zugang zu mehreren verschiedenen ebenen. hier ein arbeitsgespräch mit landesrat christian buchmann (2. v. links) und funktionastragenden der stadt gleisdorf

wenn wir in verhandlungen augenhöhe zu unseren gegenüber erwarten, hat das viel damit zu tun, ob man uns die kompetenz und den rang zutraut, die beide voraussetzung sind, daß man quasi für eine begegnung in augenhöhe zugelassen wird. ich kenn die empörung darüber, daß es solche gefälle im verhältnis der menschen gibt, über mehrere partituren rauf und runter.

wir kinder der gegenreformation sind leider nach zutiefst autoritäten mustern gestrickt und der lauf der dinge hat gezeigt, daß jene, die ganz ostentativ allergisch auf solche autoritätsformationen reagieren, oft selbst die härtesten bedingungen und unerbittlichsten gefälle einführen.

unterm strich bleibt jedenfalls, daß ein fruchtbarer und vor allem über längere zeiträume kontinuierlicher dialog zwischen sach- und machtpromotoren nicht von selber entsteht, sondern in den meisten fällen mühsam erarbeiten werden will.

ohne permanente diskursarbeit wäre für uns kaum klärbar, nach welchen kriterien wir nun um welche strukturellen maßnahmen konzentriert ringen sollten

daraus folgt auch, es braucht meist längerfristigen umgang mit einander, in dem achtsamkeit und die neigung zu respektvoller betrachtung platz haben, damit eine begegnung in augenhöhe stattfinden kann, wo menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen positionen dann bestenfalls auch zu kooperationen finden. es ist freilich eine reizvolle aufgabe, übliche barrieren einzuebnen, um auf die art neuen handlungsspielraum zu schaffen.

ich habe nun seit einiger zeit mit „kunst ost“ ein hauptprojekt installiert, das für „kultur.at“ völlig neue optionen ermöglicht. das soziokulturelle potenzial dieses projektes fesselt mich. aber ein spezieller höhepunkt ist natürlich aktuell die nun feststehende kooperation mit erich wolf, dem repräsentanten der „sammlung wolf“. durch die zusammenarbeit mit ihm bekommt unser fokus auf die gegenwartskunst ganz neue nuancen und perspektiven.

der mann befaßt sich seit jahrzehnten intensiv mit gegenwartskunst, hat sich in der sammlung auf steirische kunst vor allem der nachkriegszeit konzentriert, und ist natürlich auch teil angemessener netzwerke. somit erweitert sich unser handlungsspektrum und unser streben nach professionalisierung einzelner projektbereiche.

kunstsammler erich wolf

gerade unter den krisenhaften entwicklungen der landesbudgets und der kommunalen situationen stellt sich ja laufend neu die frage, welche guten gründe wir vorbringen können, um jene finanzierungen zu schaffen, die ein zeitgemäßes kulturelles engagement verlangt; mehr noch, die so eine konzentration auf gegenwartskunst unabdingbar benötigt.

mit dem aktuellen presse-info von „kunst ost“ [link] ist eine wegmarke am beginn des neuen arbeitsabschnittes hervorgehoben. wir sind uns übrigens einig, daß sich unsere konzeptuelle orientierung in drei bereichen einlösen und bewähren muß. was wir in summe vorhaben, muß LOKAL funktionieren, respektive im bezug auf die „kleinregion gleisdorf“. es muß REGIONALe und steiermarkweite relevanz entfalten können, es muß sich aber auch in einigen INTERNATIONALen bezügen als tauglich erweisen.

das ist eine spannende aufgabenstellung, weil wir so gefordert sind, ein sehr komplexes kräftespiel zu bearbeiten. es weist einiges darauf hin, daß einige unserer wege bisher noch nicht begangen wurden…

auf jahre

unsere vorhaben sind nun in wesentlichen zielpunkten auf jahre klar entworfen. das löst sich cih in kleinen ereignissen ein. wir haben heuer begonnen, entlang unserer veranstaltungen eine serie von postkarten herauszubringen. eben sind zwei weitere ausgaben fertig geworden. jene von richard mayr schließt noch an das vergangene „april-festival“ [link] an, jene von christian strassegger ist das erste motiv der serie „close to nature“: [link]

nun sind auch je eine karte vion christian strassegger (links) und richard mayr in unserer edition verfügbar

damit ist ein großer teil unserer aktuellen arbeit in eine ruhige phase gekommen. im augenblick beginnt wieder die inhaltliche arbeit zu dominieren. nächste woche absolvieren wir eine kleine kulturkonferenz in der obersteiermark. dabei sollen möglichkeiten der kooperation und des erfahrungsaustausches jenseits der „energie-region“ überprüft werden. (siehe dazu: die erfahrung von weng!)

ich habe schon mehrfach erwähnt, daß ich inhaltliches gewicht und kooperation für wesentliche mittel halte, um aktuelle auswirkungen diverser krisen zu kompensieren. außerdem haben gerade diese krisenausläufer der etwa letzten 10 monate deutlich gezeigt, wie gering quer durchs land die allgemeinen kenntnisse der zusammenhänge von gegenwartskunst und generell dem kulturellen klima sind.

das bedeutet auch, viele entscheidungen, die GEGEN kulturbudgets fallen, basieren sehr wesentlich auf mangelnder sachkenntnis. berührungsängste sind standard, ressentiments erlebe ich häufig. anders ausgedrückt: wer in einem herkömmlichen gemeinderat mit dem thema KUNST anzukommen versucht, hat allergrößte chance, zuerst einmal ins leere zu laufen.

es interessiert mich nicht, darüber klage zu führen, weil jene, die ich gerne als sachkundige gegenüber gewinnen würde, ohnehin schon ausreichend rückzug üben, genau WEIL sie den öffentlichen diskurs meiden, in dem die häufig herrschenden kompetenzmängel auffallen könnten.

wir brauchen demnach andere strategien und verfahrensweisen, um für die sache der kunst boden zu gewinnen. die lassen sich nach meiner überzeugung in wachsenden kooperationen finden. erst in der konkreten zusammenarbeit entsteht jene wechselseitige kenntnis von einander, die vorerst so schmerzlich fehlt.

ich debattiere diese fragen zur zeit auch mit dem gleisdorfer kunstsammler erich wolf. er verfügt über eine beachtliche kollektion steirischer gegenwartskunst. wolf ist ein mann, der nicht auf das „besondere bild“ aus ist, sondern die zusammenhänge sucht, also ensembles bevorzugt, die eine verlaufsgeschichte abbilden.

kunstsammler erich wolf bemüht sich mit leidenschaft, das steirische kunstschaffen der nachkriegszeit in seinen wesentlichen positionen überschaubar und verständlich zu machen

diese faible für das prozeßhafte ist mir sehr vertraut. nun schätze ich nicht bloß anregende debatten über kunst und deren bedingungen mit ihm. wir gehen gerade einen erheblichen schritt weiter. inzwischen ist es also gewissermaßen „amtlich“. es gibt nun eine kooperation zwischen der sammlung wolf und dem projekt „kunst ost“. wir haben einen prozeß eingeleitet, der auf mehrere jahre angelegt ist und das ziel hat, in dieser region eine art kompetenzzentrum für gegenwartskunst herbeizuführen.

damit wir uns recht verstehen, das meint nicht ein museum, sondern eine leistungsfähige „drehscheibe“, bei der es vor allem auch um know how-transfer, netzwerke und auslandskontakte geht, um maßnahmen, steirisches kunstgeschehen wirksam mit internationalen prozessen zu verknüpfen. aber natürlich soll auch vor ort gezeigt werden, wo kunstschaffen aus der steiermark gerade steht.

es ist also ein einigermaßen anspruchsvolles unterfangen, für das wir uns die ärmel aufgestrickt haben. null will die konzeption konkretisiert und die umsetzungsarbeit begonnen werden.

wovon handelt kulturpolitik? #7

ob man zu den kunstschaffenden zählt, die einen brotberuf ausüben, oder zu jenen, die ihr jahreseinkommen nur aus künstlerischer arbeit beziehen, ist primär eine soziale kategorie und keine der kunst. aber es macht natürlich unterschiede in den ergebnissen, ob ich im jahr auf 300 tage künstlerischer arbeit komme oder bloß auf 30.

welche berufsbilder mögen sich daraus ergeben, wenn es auch ein beruf sein kann, zu den kunstschaffenden zu gehören? auf banaler ebene bevorzuge ich die annahme, professionalität komme durch arbeitszeit. also zum beispiel: lieber 300 tage statt 30 tage künstlerischer arbeit im jahr.

die letzten 200 jahre mußte man entweder reiche eltern haben oder zu jener mikro-minorität kunstschaffender gehören, die sehr schnell hohen marktwert schaffen. für leute meiner herkunft war ein künstlerleben eher undenkbar und ökonomisch nicht machbar. darüber schwindeln sich manche von uns gerne mit romantischen bildern hinweg.

zwischenzeitlich gehörte es zum guten ton in der „bohème“, bürgerliches dasein zu verachten. im 19. und frühen 20. jahrhundert waren solche milieus leidenschaftlich damit beschäftigt, „bürgerliche normen“ zu ignorieren, zu verachten oder zu brechen. in solchen mileus ereignete sich ab und zu ein wenig an relevantem kunstgeschehen.

die austrifizierte version: von jim cogan hab ich den blues zu spielen gelernt und wodka war standard, southern comfort das dessert.

in der pop-kultur hat sich das dann auch auf verschiedene arten gezeigt, freilich auf gebrochene art, weil viel weniger romantisch verbrämt. das ist beispielsweiser in der ironischen phrase „money for nothing chicks for free“ zusammengefaßt. die „dire straits“ haben dem thema einen song gewidmet: [link]

in meiner biographie läßt sich so eine bohème-phase nachweisen. stoff für reminiszenzen und sentimentale momente. das ist aber meist ein status, der einen in künstlerischen belangen nicht gerade rasend voranbringt. mindestens nicht im kunstbetrieb österreichs.

einer der wesentlichsten gründe dafür liegt wohl im etwas tabuisierten zusammenhang zwischen künstlerischer existenz und dem „bürgertum“ als hautsächlichem publikum, hauptsächlicher kundschaft, also primäres bezugsfeld und primäre einkommensquelle. (kunstschaffende unter sich sind einander erfahrungsgemäß nur selten gewogenes publikum und schon gar nicht kundschaft.)

ich hab es gemocht, ein bohemièn zu sein, aber das war selbstverständlich ein leben auf einem anderen planeten

damit meine ich auch: die „antibürgerliche“ attitüde erschöpft sich meist schnell, wenn ich für ein selbst mäßiges jahreseinkommen sowohl in verkäufen und engagements wie auch in den fragen nach stipendien und preisen niemand anderem gegenüberstehe als menschen der mittelschicht.

die obere mittelschicht und die reichen sind in der regel ohnehin keine realen gegenüber in meinem milieu. mindestens im bereich der bildenden kunst wären da zum beispiel galeristen vermittelnde instanzen. wer von uns in diesem bereich reüssiert, kann feilich erleben, daß etwa gut situierte sammler eines tages das atelier sehen wollen. aber die meisten von uns sind in der realen begegnung noch nie in solche gesellschaftlichen zonen vorgedrungen.

mangels einer wenigstens halbwegs offenen auseinandersetzung mit fragen des beruflichen selbstverständnisses, der sozialen bedingungen und der realen einkommensverhältnisse von kunstschaffenden in österreich herrscht über weite strecken diffusion, zuweilen sogar recht obskures mutmaßen.

wenn die rede auf unsere soziale lage kommt, verweisen wir üblicherweise auf eine studie, die in einem schreibtisch der bildungsministerin verrottet und auf einige streitschriften der ig kultur österreich, wahlweise der ig autorinnen autoren. das war’s!

mir ist das etwas zu wenig. und mich stört das gemurmel und gemurre, das nie konkret werden will. deshalb habe ich begonnen, einige takte klartext in diese angelegenheit zu bringen. wenn ich mit meiner sozialen lage und mit dem kulturpolitischen status quo nicht zufrieden bin, was der fall ist, dann erscheint es mir nützlich, möglichst konkret greifbar zu machen, worüber ich rede und warum ich bestimmte erwartungen habe, auf gewissen standards bestehen muß.

dabei scheint es mir nützlich, eine soziale standard-situation kunstschaffender exemplarisch greifbar, nachvollziehbar zu machen. rund um diese simplen faktenlagen konkreter zahlen möchte ich auch sichtbar machen, welche summe an kompetenzen eingesetzt werden müssen, um abseits des landeszentrums eine existenz als freelancer im kunst- und kulturbereich zu haben.

darum hier nun der schwerpunkt „wovon lebt der krusche“: [link] im projekt-logbuch habe ich dazu ein quasi vorwort verfaßt: [link] ich möchte in meinem umfeld ein stück terrain schaffen, auf dem etwas mehr klarheit herrscht, wie die dinge zusammenhängen und funktionieren.

[übersicht]

auf die nächste ebene

im vorfeld hatte es die frage gegeben: „wie hast du es geschafft, daß der buchmann herauskommt?“ ich konnte ein wenig angeben und sagen: „ist gar nicht so schwer gewesen.“ gut, das sind spielchen. nein, das ist nicht ganz nebensächlich. zur erläuterung: christian buchmann ist steirischer landeskulturreferent und wirtschaftslandesrat. er war gestern zu einem arbeitsgespräch nach gleisdorf gekommen.

ich habe als kunst- und kulturschaffender zwei grundlegende anliegen an leute aus politik und verwaltung:
a) gehört zu werden und
b) sachkundige gegenüber für arbeitsgespräche zu finden.

von links: sigrid meister (kustodin des „museum im rathaus“), winfried kuckenberger (leiter des büros für kultur und marketing), karl bauer (sachpromotor unserer „tage der agrarischen welt“) und gerhard flekatsch (kulturprojekt „bluethenlese“)

manchmal bin ich erneut überrascht, wie viel vorarbeit es ist, für ein komplexeres meeting die eigenen optionen aufzubereiten, so daß kommunizier- und verhandelbar ist, was wir anstreben und wie es erreicht werden soll. mir lag daran, personen der drei sektoren staat, markt und zivilgesellschaft an einen tisch zu bekommen. es ging darum, modi zu klären, wie eine kooperation von leuten aus diesen drei sektoren gestaltet sein solle, um längerfristig eine stabile arbeitssituation für kunst- und kulturschaffende zu erreichen.

landesrat christian buchmann: „warme stube richte ich zur zeit keinem. ansonsten bin ich für vieles offen.“

um diese fragen zu debattieren, hatte ich auch alois reisenhofer, den kulturreferenten von gleisdorf, an den tisch gebeten. und winfried kuckenberger, den leiter des büros für kultur und marketing, der sigrid meister, die kustodin des „museum im rathaus“, mitgebracht hatte. bürgemeister christoph stark hatte sich ebenfalls zeit genommen.

die drei sektoren, also politik & verwaltung, wirtschaftsbetriebe und deren metabereich sowie — in unserem fall der zivilgesellschaft — vor allem kunst- und kulturschaffende. worin und wofür können wir abschnittweise an einem gleichen strang ziehen? wie vermeiden wir das feststecken in bewährten klischee-ensembles, über die kaum mehr als bloß ein starkes gefälle produziert wird? unterm strich bleibt ja auch die frage, ob und unter welchen bedingungen uns ein umgang miteinander gelingt, der von begegnungen in augenhöhe geprägt ist.

alois reisenhofer (gleisdorfs kulturreferent) und maren spitzer-diemath (büro buchmann)

es waren demnach diese aspekte unterzubringen UND konkete, projektbezogene fragen, inhaltliche aspekte eines kulturgeschehens jenseits des landeszentrums, in dem überdies die gegenwartskunst an boden gewinnen kann. nicht weniger wollte ich bei diesem treffen auf dem tisch haben. damit ist auch klar gewesen, das konnte nur der AUFTAKT einer serie von treffen sein, in denen dieses komplexe paket bearbeitet wird.

arbeitstreffen, die eben zunehmend davon geprägt sein sollen, daß leute aus politik, verwaltung, wirtschaft und zivilgesellschaft a) gemeinsame fragen finden, b) daraus gemeinsame aufgabenstellungen beziehen, was c) zu gemeinsamen vorhaben führen soll. das betrifft unter anderem strukturen und bedingungen, in denen sich AUCH das kunstschaffen ereignen kann. aber hier muß klarheit bestehen, daß die kunst kein werkzeug der sozialarbeit, des tourismus oder anderer metiers ist.

bürgermeister christoph stark (links) und landesrat christian buchmann

es sind die gemeinsamen fragen und aufgabenstellungen, zu denen sich kunstschaffende mit ihren mitteln einbringen können, ohne daß die künstlerische praxis selbst in einen werzeugkasten für andere zwecke gepackt wird. ich stelle fest, daß diese nötige trennschärfe von den funktionären am tisch ansatzlos verstanden wurde, während sie unter uns kultur- und kunstschaffenden als thema nicht gar so präsent ist.

das berührt übrigens aspekte, wo ich mit künstler gerhard flekatsch einig bin: wir haben in unserem metier noch viel zu wenig antrengung darauf verwandt, breiter klar zu machen, wovon genau unsere profession eigentlich handelt, welche bedingungen sie hat und was genau sie zu leisten imstande ist, was andrerseits ausgeschlossen bleiben muß.

das macht wohl auch gelegentlich die verständigung mit leuten aus anderen metiers etwas schwierig. selbstreferenzielle wanderlegenden über das dasein als künstler nutzen uns dabei am allerwenigsten. wenn ich noch einrechne, wie wenig basiswissen selbst in gebildeten kreisen zu fragen des kunstbetriebes stellenweise vorzufinden ist, halte ich es für einigermaßen dringend, in diesen angelegenheiten langsam auf stand zu kommen. (oder doch etwas schneller.)