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Was es wiegt, das hat’s IX: Kulturpolitische Agonie

(Beiträge und Fragen zu einer nächsten Kulturpolitik)

Kulturpolitik ist etwas anderes als Kulturmanagement. Diese Trennschärfe wurde in der Oststeiermark leider völlig aufgelöst. Am 2. August 2019 waren wir beim Verlassen der Häuser noch unbeschwert. Corona soll schon in Bewegung gewesen sein, aber wir wußten es nicht. Ich notierte zum damaligen Wahlkampf unter „Kulturpolitik im Pausenmodus“ die Fragen: „Aber was meinen die Funktionstragenden der Politik, wenn sie solche Schlagworte plakatieren lassen? Sind das bloß leere Phrasen? Steckt etwas Greifbares dahinter? Kann ich irgendwo nachlesen, was gemeint ist?“ [Quelle]

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Kulturpolitik im Retourgang

Ich hab hier die vorige Notiz mit folgender Bemerkung eingeleitet: „Die Stadt Weiz verschickt ihr Kulturprogramm, als ob 2020 nichts gewesen wäre. Die Stadt Gleisdorf verschickt ihr Kulturprogramm, als ob 2020 nichts gewesen wäre.“

Schon Goethe wandte sich gegen so ein „Konzept der schönen Künste“.
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kunst ost: reflexionen #5

Kulturelles Engagement auf der Höhe der Zeit

Aber nun kurz zurück zu den klar erinnerbaren Anfängen von kunst ost, in erster Schreibweise noch kunst O.ST, was auf den Regionsbegriff „Oststeiermark“ verwies. Rückblickend läßt sich ein Abend konstituierender Ereignisse markieren. Der 6. März 2007: [link]

Wir hatten bei kultur.at zu der Zeit eine Kooperation mit dem Festival steirischer herbst erreicht, um so im Herbst 2007 einen Kunstakzent von internationaler Relevanz zu realisieren. Der Auftakt dazu war für 16. März festgesetzt: [link] Im Mai folgte, als Zwischenschritt, die kleine Ausstellung „Nobody Want’s To Be Nobody“.

Veronica Kaup-Hasler (steirischer herbst, links) und Mirjana Peitler-Selakov (kultur.at, Mitte) bei der Eröffnung in Gleisdorf

Das eingangs erwähnte Treffen vom 6. März hatte ich als eine Einladung an regionale Kräfte konzipiert, mit einem Auftritt an die Herbst-Geschichte anzudocken und ein Gesamtereignis herbeizuführen, in dem internationale und regionale Kräfte in Wechselwirkung kamen.

Das war also 2007 gewissermaßen die Vorläufersituation zum aktuellen Programmschema, in dem diese zwei Positionen allerdings heute geteilt sind: Regionale Kräfte im ersten Halbjahr (April-Festival), internationaler Kontext im zweiten Halbjahr.

Ende März 2007 hatte ich außerdem noch ein Gespräch in Weiz erwirkt, bei dem wir eine mögliche Kooperation Kulturschaffender quer durch die Region erörterten: [link] Das war die kulturpolitische Ebene; mit einigen Konsequenzen, die ich damals nicht einmal geahnt habe, denn es sollte später noch für erhebliche Unruhe sorgen, daß unser Arbeitsansatz der regionalen Kulturpolitik ganz neue Optionen zumutete: [link]

Gleisdorfer Kunst- und Kulturschschaffende beim ersten 2007er-Treffen, das zu kunst ost führte

Für die Ebene der primären Kräfte hatte ich einen „Dreisprung“ vorgeschlagen. Es ging mir darum, daß wir in drei festgelegten Schritten innerhalb von drei Jahren die praktische Kooperation üben konnten und innerhalb der Region schrittweise wachsen würden; falls alles gut ging. Die „1 von 3“ trug den Titel „next code: flow“ und ging im November 2007 auf dem Weizberg über die Bühne: [link]

Mit der „2 von 3“ im Jahr 2008 waren wir bei den konzeptionellen Grundlagen des April-Festivals angelangt: [link] 2009 folgte die „3 von 3“ und 2010 hatte ich mit der ganzen Geschichte einen Status quo erreicht, der uns neue Möglichkeiten bot, weil kunst ost inzwischen zu einem LEADER-Kulturprojekt geworden war; weshalb wir es aus kultur.at auslagerten und als eigenständige Rechtsperson aufstellten. Hier eine kleine Zusammenfassung dieser Schritte: [link]

Von links: Winfried Kuckenberger (Kulturbüro), Christoph Stark (Bürgermeister) und Hannes Felgitsch (Kulturreferent) vertraten das "offizielle Gleisdorf" beim Weizer Treffen

Ich denke, einer der wichtigsten Aspekten dieses Prozesses lag darin, regionale und internationale Kräfte in ein Wechselspiel zu bringen, so daß für die Kreativen in der Region neue Impressionen und Erfahrungen zum fixen Bestandteil unseres gemeinsamen Tuns wurden. Außerdem haben wir im kulturpolitischen Bereich eingelöst, was die Kommunen seit Jahren offiziell erwarten und erbitten: „Bürgerbeteiligung“, Bürgerinnen selbstverständlich eingeschlossen. Genau dieses Einlösen des Bottom up-Prinzip hat uns allerdings in manchen Gemeindestuben auch erhebliche Widerstände beschert.

Ich hab vor fast genau einem Jahr, beginnend am 21. März 2011, kurz zusammengefaßt, wo wir damals gerade mit kunst ost standen: [link] Es war das „Krisenjahr“, in dem die bestürzenden Budgeteinbrüche der Kommunen voll zur Wirkung kamen. Die weltweiten Krisen von 2008/2009 hatten voll zu uns durchgeschlagen, gerade im Kulturbereich wurde bedenkenlos gekürzt.

Ich habe in sehr schöner Erinnerung, was uns als Kollektiv in diesem schwierigen Jahr gelungen ist. Für mich steht außer Zweifel, daß wir diese Ergebnisse heuer bestätigen und stabilisieren können. Nächstes Jahr wird die aktuelle LEADER-Periode enden. Diesen Zusammenhang möchte ich noch kurz erläutern.

Wir sind in einer LEADER-Region, der Energie-Region Weiz-Gleisdorf (Oststeiermark), angesiedelt. Deshalb haben wir eine grundlegende Themenstellung formuliert, die ausdrückt, was hier prägend erscheint: „Zwischen Landwirtschaft und High Tech“. In diesem Gesamtzusammenhang entfalten wir seit Jahren unsere Aktivitäten.

Was diese Region angeht, finden Sie hier weiterführende Details: [link]

Auf dem Weg zum überhaupt ersten LEADER-Kulturprojekt des Landes im Jahr 2009 hatte ich die erhebliche Freiheit, daß mir niemand sagen konnte, wie zu verfahren wäre. Es gab ein interessantes Regelwerk, das sich von der Landesebene her aus a) Sonderrichtlinien und b) einem eigenen Arbeitspapier zusammensetzte:
a) Aktionsprogramm Achse 4 LEADER [Link]
b) Sechs Punkte zum Kulturgeschehen (Gerald Gigler) [link]

Es gab meine eigenen Erfahrungen aus der Praxis mit kultur.at und dem künstlerischen Langzeitprojekt the long distance howl, dessen damaliger Abschnitt unter dem Titel next code der Suche nach neuen Codes und Vorgangsweisen im Kunstkontext gewidmet war: [link]

Ich hatte außerdem seit den 1980ern meine Erfahrungen mit den Ideen eigenständiger Regionalentwicklung. Von da her war klar, daß jenseits des Landeszentrums noch keinerlei kulturpolitische Konzepte bestanden, die über Gemeindegrenzen hinausreichten; wenn wir vom Veranstaltungstyp „Landesausstellung“ und dessen Folgekonzept „regionale“ absehen. Aber die sind beide top down angelegt. Mich interessierte, was für einen Künstler bottom up möglich wäre…

[kunst ost: reflexionen]

zum beispiel: weiz

ein interview mit architekt winfried lechner zum thema stadtentwicklung, publiziert in der regionalzeitung „die oststeirische“, hat nun über wochen allerhand an reaktionen bewirkt. eine davon war, daß der weizer bürgermeister helmut kienreich auf einer pressekonferenz, bei der er seinen nachfolger erwin eggenreich vorgestellt hat, mehrfach aus diesem interview zitierte. das lechner-interview: [link]

also bat ich ihn um ein gespräch, um ihn nach details zu fragen. ich werde eine zusammenfassung dessen hier noch vorlegen. vorab fand ich sehr interessant, worauf kienreich den fokus gelegt hat, als ich nach seiner einschätzung des status quo im verhältnis der kommunen zu den bürgerinnen und bürgern fragte.

der weizer bürgermeister helmut kienreich sieht dem ende seiner amtszeit entgegen

das ist ja ein aspekt, der uns kulturschaffende auch sehr interessieren mag. womit sehen sich leute in politik und verwaltung konfrontiert? welche anforderungen haben bei ihnen hohe priorität? worauf werden sie sich allenfalls mit uns einlassen?

weiz hat, laut kienreich, ein ganz spezielles „grundproblem“: „Die kleine Stadtfläche. Fünf Quadratkilometer, etwa gleich wie Gleisdorf, aber noch einmal so viel Einwohner. Eine Industriestadt mit zweitausend Arbeitsplätzen. Elektroindustrie, Bauindustrie, neben der Leitindustrie sehr viele Gewerbebetriebe und eine sehr starke Einzelhandelsstruktur.“

das ist alles andauernd in bewegung: „Die Industrie zieht aus der Stadt teilweise ab. In den letzten Jahren gingen rund tausend Arbeitsplätze verloren. Aber zum Glück haben wir sie in der Kleinregion halten können.“

da fällt dann auch der begriff „zentralorte“. das wirft fragen auf, wie man ein allfälliges „zentrum-provinz-gefälle“ vermeidet, das verhältnis zwischen verschieden großen orten einer region ins positive wendet: „Zentralorte entwickeln sich nicht von heute auf morgen. Und sie entwickeln sich deshalb, weil es dort Stärken gibt. Wenn man die Stärken und Schwächen einer Kleinregion erfassen kann und dabei vernünftig denkt, können Zusammenlegungen vielleicht für ein paar Bürgermeister und Gemeinderäte, die es dann nicht mehr sind, ein Nachteil sein, aber für das gesamte Gemeinsame ist es hundertprozentig ein Vorteil.“

damit ist nun das absolut heiße thema der regionalen gegenwart angesprochen: gemeindezusammenlegungen. eine fragestellung, die alle kommunalen angelegenheiten der region zu berühren scheint. wir kulturschaffenden können dieses kräftespiel nicht ignorieren, wenn wir in aktuellen vorhaben und kulturellen prozessen, kooperatrionsmomente mit leuten aus politik und verwaltung erreichen möchten.

kienreich betont den servicecharakter, der heute im kommunalen engagegement erreicht werden müsse. die politische funktion einzelner personen hält er für nachtrangig gegenüber der anforderung, daß bürgerinnen und bürger anlaufstellen bräuchten, bei denen ihnen sehr konkret geholfen werde, ihre anliegen zu bearbeiten.

kienreich: „Früher war man auf einander angewiesen. Heute ist jeder für sich. Da haben sich die Strukturen sehr geändert. Man bringt die Leute heute eher über offizielle Angebote zusammen, als daß wer aufsteht und sagt: Ich mach das. Wenn ich sehe, daß das irgendwo funktioniert, können Sie sicher sein, daß ich am nächsten Tag dort bin und das unterstütze.“

er präzisiert: „Wenn sich wer engagiert, muß man das unterstützen. Und Service anbieten. Sehr viele Menschen haben soziale Probleme, brauchen eine Orientierung und so weiter.“ das bedeutet seiner meinung nach: „Die kommunale Ebene ist für das Ganze unersetzlich. Sie können heute kein Fest veranstalten, wenn die Kommune nicht hilft. Die Feuerwehr bringt das noch zusammen, aber sonst niemand.“

rechnen wir nun ein, daß seit oktober 2010 massive budgeteinbrüche des landes wirksam geworden sind, meine ich, wir sind im kulturbereich gut beraten, ein erkennbares maß an selbstorganisation zu zeigen, das eine teil dieser einbrüche zu kompensieren hilft, das andrerseits auch geeignet ist, uns der kommunalpolitik als koopertationbspartner zu empfehlen.

beim stand der dinge werden bürgermeisterinnen und bürgermsieter auch weiterhin sehr genau überlegen, wofür sie verknappte mittel einsetzen. die praktische erfahrung zeigt, daß der unmut einzelner kunstschaffender darauf so gut wie keinen einfluß nimmt. ich denke allerdings, wenn wir von uns aus faktenlagen schaffen, erreichen wir darin andere positionen, von denen aus kulturpolitische fragen viel fruchtbarer verhandelt werden können.

Konferenz in Permanenz: „Fotovortrag mit Schwerpunkt Fotokunst von Franz Sattler“

Herzliche Einladung zum                                    

„Fotovortrag mit Schwerpunkt Fotokunst von Franz Sattler“
Am:  Freitag 29.10.2010
Uhrzeit: 18.30 Uhr mit „open end“
Ort:  Gasthof Allmer – Seminarraum 

Zu sehen gibt es jede Menge (kreative) Bilder aus der internationalen und österreichischen Fotoszene. Zum Abschluss zeigt der Referent Franz Sattler eigene Fotoarbeiten.
Dazu kommen wirklich praxistaugliche Empfehlungen aus seiner langjährigen beruflichen Erfahrungen.
Der Vortrag ist somit für jeden interessant, der seine Bildqualität verbessern möchte oder Impulse für die künstlerische Fotografie sucht.

Keine Voraussetzungen nötig – jede bzw. jeder der Interesse an Fotografie (Fotokunst) hat ist willkommen! Gute Laune mitbringen, sich mit Freunden treffen.

Der Eintritt ist frei

Ein Zitat von Robert Frank: Ich fotografiere nicht weil ich eine Kamera besitze, sondern weil ich Augen habe und etwas sagen möchte….!  

Kurzbiografie Franz Sattler:
Fotografenmeister/Berufsbildender Künstler

Lehrtätigkeit an verschieden Schulen (Höhere,HTL,HLW, Hauptschulen usw.)
lebt in Naas bei Weiz
Zahlreiche Ausstellungen im In und Ausland
Kontakt: foto.sattler@aon.at

Tel 03172-41561,  0664-4039261
Zitat Franz Sattler: „ich freue mich auf zahlreiche Teilnahme der Kunst-Ostler und deren Freunde und dem obligatorischen Nachsitzen.“

Wir freuen uns ebenso auf euer Kommen!

Ein kurzes Antwortmail mit der Zusage an diese Adresse reicht.

 Anfahrt:
Weiz – Richtung Birkfelderstraße – Richtung Weizberg – links geht es zur Kirche rauf, rechts beim Minikreis geht es nach ca. 100 Meter zum Gasthof Allmer. http://www.gasthof-allmer.at/sonstiges/anfahrtsplan.pdf

 Anmeldung und Info.: +43 (0) 664 540 42 89 oder office@kunstost.at