Die dritte Kara Tepe-Session auf dem Gleisdorfer Hautplatz liegt hinter uns. Es werden weitere folgen. Wenn sich unter anderem Kunst- und Kulturschaffende dabei exponieren, dann hat das mit wenigstens zwei Aspekten zu tun.

Die dritte Kara Tepe-Session auf dem Gleisdorfer Hautplatz liegt hinter uns. Es werden weitere folgen. Wenn sich unter anderem Kunst- und Kulturschaffende dabei exponieren, dann hat das mit wenigstens zwei Aspekten zu tun.

Gleisdorf erlebt eine kleine Serie von Wochenend-Sessions zu Fragen bezüglich der Flüchtlinge in Kara Tepe, also zu Elenden auf dem Boden Europas. Bürgerinnen und Bürger aus dem Bezirk Weiz haben sich entschlossen, individuelle und sehr konkret Verantwortung zu übernehmen, indem sie fünf Familien aus diesem Elend holen wollen, um sie in unsere Gegenwart begleiten.

Es war die dritte Kara Tepe-Session auf dem Gleisdorfer Hautplatz. Keine laute Angelegenheit. Aktuelle Informationen. Einige Reflexionen. Und eine markante Arbeit, ein buntes Geflecht auf den Stufen des Kirchriegels: „Ein Teppich für Kara Tepe“ von Anni Seitinger und Maki Stolberg.

ich war jetzt bloß rund DREI STUNDEN im freien. bergschuhe, dicke socken, wollpullover winterjacke. ich bin sehr froh, mich nun aufwärmen zu können.
müßte ich so, wie ich da stand, und gegen meinen willen die nacht über draußen bleiben, wäre ich extrem übellaunig und wohl auch sehr streitlustig.

Mit der Corona-Pandemie ist unsre gesellshaft unter einen Druck geraten, der manches verdeutlicht, der Fragen aufwirft, der etablierte Konzepte einer Selbstdarstellung ins Wanken bringt. Was meint jemand, wenn dieses „Wir“ ausgerufen wird? Eine Erkundung meines Umfeldes.

01) Doctor youtubis causa
02) Wo noch niemand war
03) Die boomende Wirerei
_______________
Es ist das 19. Jahr meines auf 20 Jahre angelegten Projektes „The Long Distance Howl“. Siehe dazu: „Das neunzehnte Jahr“!
Siehe zur gesamten Themenstellung auch: „Meine Post-Beuys-Befindlichkeit“!
Das Wir hat wieder Konjunktur; zumindest als Propagandamaterial. Ich habe an verschiedenen Stellen schon notiert, wie sehr ich in meinem Metier seit wenigstens einem Jahrzehnt relevante kulturpolitische Diskurse vermisse. Dieser Mangel ist uns naturgemäß schon mehrfach um die Ohren geflogen und wurde immer verläßlich mit Solidaritätsrufen bemäntelt.

[Vorlauf] Ich hab in der ersten Glosse skizziert, wie das Auftauchen selbstreferentieller Genies die Sphären der Wissens- und Kulturarbeit verändert hat. An der Spitze dieser radikalen Bildungsbewegung steht der „Doctor youtubis causa“ in dem sich weibliche wie männliche Blitz-Expertenschaft ausdrückt.

Es ist so leicht dahingesagt: Wir! Das handelt oft von völlig unüberprüften Annahmen. Ich hab es mir inzwischen abgewöhnt. Dieses sagenhafte „Wir“ hat keinen breiteren Konsens. Gut, ich sag sicher noch gelegentlich: „Wir, das Kulturvölkchen.“ Damit ist aber ein Metier gemeint, ein Berufsfeld, sozial völlig fragmentiert.

Ich bin kein Mann der zu Ahnungen neigt. Diese Woche hatte ich über mehrere Tage einfach ein schweres Herz. Ich bin im Umgang mit Krisen sehr erfahren und konnte dafür individuelle Strategien entwickeln. Als Freelancer auf dem Kunstfeld muß auch unter großer Belastung immer irgend ein Teil an mir weiter funktionieren, damit meine Existenz in harten Zeiten nicht komplett den Bach runtergeht.

Am 30. Jänner 1921 (!) setzte die Allgemeine Automobil-Zeitung ein kurioses Fahrzeug auf die Titelseite. Die Bildunterschrift lautet: Der Elektro-Tourenwagen Modell 2121. Es wurden damals auch radikalere Reisemöglichkeiten erwogen, aber dazu die Frage gestellt: „…was täten wir auch auf dem Monde?“ (Das ist inzwischen geklärt.) Es sieht fast aus, als wäre die Industrie mit ihren Entwicklungen hundert Jahre früher dran, so einen Tourenwagen anzubieten. Und nicht nur Konzerne lassen tüfteln. Auch einzelne Enthusiasten hauen sich ins Zeug.
