Transit: Die komplexe 17

Da ist eine Seite im Internet, die habe ich vor allem technisch gewichtet, aber es zeigen sich für das spezielle „Koordinatensystem in der Tiefe der Zeit“ natürlich auch mehrere andere Bezugspunkte als wesentlich.

Aus einem historischen Dokument: Das „Puch-Schammerl“

Die 17 ergibt heuer einen Angelpunkt für eine Reihe runder Zeitspannen, die ich auf einer eigenen Seite von „Mythos Puch“ aufgelistet habe. Diese Skizze eines „Zeitfensters“ soll für ein paar Orientierungen nützlich sein: [link]

Im Fokus meine Betrachtungen steht Mobilitätsgeschichte. Dabei markiert die Endzahl 17 eine beachtliche Reihe von Fahrzeugarten. Zum Beispiel 200 Jahre Fahrrad (1817), 100 Jahre Gabelstapler (1917), 70 Jahre Steyr– Traktoren (1947) und 60 Jahre Steyr-Puch 500 (1957).

Ich bin derzeit unter anderem damit beschäftigt, historische Dokumente zu scannen, um bei „Mythos Puch“ zum heurigen Pucherl-Jubiläum Bilder zeigen zu können, wie sie nicht schon hundert Mal zuvor publiziert wurden. Aber wir sind hier auch mit Sozial- und Kulturgeschichte befaßt.

Es liegt nahe, daß zu all diesen Themen mehrere Kulturinitiativen kooperieren, um einen Teil der Zusammenhänge und eine Gesamtschau zu bewältigen. Das hat im Fall von Fokus Freiberg, wo gerade das Aprilfestival [link] bevorsteht, auch einen speziellen Europa-Kontext. Und zwar über ein aktuelles LEADER Kulturprojekt: „Volkskultur 4.0: Eine Positionsbestimmung“ [link]

Dieses LEADER-Projekt berührt im Zusammenhang ein spezielles Jubiläum der EU: 60 Jahre Römische Verträge (1957) erinnern an Gründungsmomente des Friedensprojektes. Wie nun Frieden und Wehrhaftigkeit zusammenhängen, bleibt stets neu zu erörtern.

Das Sturmgewehr AK-47 (Foto: D.A. Haynes, Public Domain)

Wehrhaftigkeit oder Aggression? In dieser Frage fällt eine einstmals technische Innovation ganz außergewöhnlich prominent ins Gewicht: 70 Jahre AK-47 sind hier schon in der Bezeichnung der Waffe angelegt.

1947 ist des Einführungsjahr des Awtomat Kalaschnikowa. Dieser automatische Karabiner, ein robustes Sturmgewehr, hat es (samt allen Kopien) nach seriösen Schätzungen weltweit auf rund hundert Millionen Einheiten gebracht. Eine unfaßbar weit verbreitete Waffe.

Das mag Ihnen veranschaulichen, in welcher Komplexität sich unsere Themen auftun, anbieten, wobei wir dann zu entscheiden haben, welche davon wir a) individuell bearbeiten möchten und welche wir b) in Kooperation aufgreifen.

Eine dieser Kooperationen in unserem größeren Ganzen besteht zwischen der Technischen Universität Graz und dem Kuratorium für triviale Mythen (Kunst Ost): „Mensch und Maschine“ [link]

Kastenkreuz in der Gleisdorfer Mühlgasse

Dabei gibt es einen erklärten Volkskultur-Bezug. Das meint einerseits Volkskultur in der technischen Welt. Das geht aber andrerseits auch auf allgemein vertrauere Formen der Volkskultur ein, wie sie hauptsächlich aus der agrarischen Welt stammen.

Dazu kam übrigens ein ganz wesentlicher Impuls vom KulturBüro Stainz (KBS), denn Ursula Glaeser hat ein deutliches Faible für Kleindenkmäler und Flurdenkmäler, speziell für Wegkreuze, Bildstöcke, Kapellen. (Das wurde etwa bei ihren Walking Conferences stets deutlich.)

Dies Artefakte sind uns in ihrer Präsenz derart vertraut, daß man kaum darüber nachdenkt. Bei näherem Hinsehen tut sich ein unglaublich komplexes kulturelles und sozialgeschichtliches Codesystem auf, das lokale und regionale Geschichte ausdrückt. Wir haben bloß vergessen, wie man diesen Code liest, welcher die Landschaft auf spezielle Art zu einer Kulturlandschaft macht.

— [Dorf 4.0] —

 

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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