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im licht zu kontrasten

manchmal ist ein hartes licht nötig, um in den aufkommenden kontrasten zu sehen, wo man steht. als kulturschaffende sind wir launige „beleuchter“ …

die flache kultur-steckdose stammt von fotograf christian strassegger, der auch das heurige cover-motiv für unser „april-festival“ geliefert hat. mit ihm habe ich eben ein längerfristiges teil-projekt von „kunst ost“ erörtert, das am nun ersten tag der agrarischen welt anknüpft.

die „kultur-steckdose“ von christian strassegger

es geht uns um die „sichtbarmachung“ der rationalen und emotionalen zusammenhänge, in denen sich die oststeiermark zu ihrem gegenwärtigen status herausgebildet hat; vor dem hintergrund ihrer komplexen sozialgeschichte. das hier schon skizzierte spannungsfeld zwischen agrarischer welt und high tech ergibt dabei eine spezielle herausforderung.

wir streben einen prozeß an, der sich deutlich vom werbeagentur-geschwätz unterscheidet, durch das uns nun schon so oft der blick auf unseren lebensraum verstellt wurde. das handelt dann zum beispiel auch von motiven, wie sie mir der vormalige bauernbub sepp gauster geschildert hat. eben noch ist gleisdorf ein „straßendorf“ gewesen, von landwirtschaften geprägt, die teils nur ein sehr karges leben erlaubten.

unternehmerin jaqueline pölzer und der vormalige bauer sepp gauster

gauster hat seinerzeit die kleine landwirtschaft, der er entstammt, hinter sich gelassen, ist der agrarischen welt aber stets verbunden geblieben. unternehmerin jaqueline pölzer ist einen umgekehrten weg gegangen. sie erschloß sich mit ihrem mann tino vor einigen jahren ein stück eben dieser agrarischen welt.

pölzers betrieb, in dem essig und senf erzeugt werden, ist zugleich seit jahren immer wieder ereignisort kultureller vorhaben: [link] ein weiterer bezugspunkt für uns, um formen einer kooperation im kulturbereich zu erproben, die nicht auf antiquierte art davon handeln, daß „wir“ von den „geldigen“ geld erbitten, um etwas realisieren zu können; in solchen klischeehaften polarisierungen würde hier nichts interessantes entstehen.

es geht statt dessen um das ausloten von kooperationsformen, in denen die beteiligten ganz unterschiedliche rollen finden. unsere station bei pölzer ist dem „kuratorium für triviale mythen“ gewidmet: [link]

unternehmer richard mayr beim finish für seinen ausstellungsbeitrag

völlig anderer art ist die kooperation mit apotheker richard mayr und zwei weiteren gleisdorfer unternehmern (franz lukas und andreas turk). sie sind selbst als kreative in das „april-festival“ eingestiegen und haben miteinander eine komplexe reflexion über den lebensraum gleisdorf erarbeitet.

diese verfahrensweisen bezwecken nicht bloß künstlerische ergebnisse, sondern haben auch den zentralen sinn, daß höchst unterschiedliche akteurinnen und akteure mit einander zu einer kulturellen praxis finden, die ja konkret erprobt werden muß.

dieser erfahrungsprozeß handelt von vollkommen verschiedenen positionen, interessenschwerpunkten und lebensstilen. eben dieser kontrastreichtum bildet ja etwas davon ab, was diese region real ausmacht.

— [april-festival] —

unter strom stehen

wir hocken in der „energie-region“, sind ein bissl außer atem, weil es über mehrere monate ein ziemliches gerenne gewesen ist, damit uns in diesem kulturprojekt nicht der saft ausgeht, nun wüßte ich gerne, wo ich schnell meine batterien aufladen kann; ein liegestuhl und zimmerservice wären auch nett, aber dazu fehlen jetzt einfach zeit und mittel.

sie merken schon, ich bin nicht ganz ernst aufgelegt, obwohl der stand der dinge eine ernste angelegenheit ist und der lauf der dinge mir durchaus zu schaffen macht. dann habe ich aber auch meine freude am status quo, weil es bisher gar nicht so öd werden konnte, daß nicht auch einige menschen durch ihr engagement zeigen, wie für alle mehr rausschaut, wenn einige konsequent zusammengreifen.

"kunst ost"-aufkleber; eine idee von christian strassegger

ein beispiel: fotograf christian strassegger hat mir gerade diese witzige lösung eines motivs für einen „kunst ost“-aufkleber zukommen lassen. tja! woher kommt der strom? und woher kommen die ideen? und wie schaffen wir es, dem kulturbetrieb die nötigen strukturen zu erhalten, wo doch so viele leute leichtfertig dahinfragen: „za wos brauch ma des?“

ich kann es ja gerne erklären. belassen wir es augenblicklich bei der kurzform; mit folgender gegenfrage: „genügt ihnen der arbeitsalltag, also ein leben von dienstbeginn bis dienstschluß? oder darf es im leben auch sonst noch um etwas gehen?“ (autsch! ich bin heute einfach zu polemisch gestimmt.)

elisabeth wiedenhofer ist beim kommenden "april-festival" die "schlüsselperson" für die gutenberger gruppe aus gutenberg

themenwechsel! menschen mit engagement. da wäre zum beispiel elisabeth wiedenhofer, die sehr spontan und ohne viel umschweife die verantwortung für eine komplette „location crew“ übernommen hat. so ist im rahmen des kommenden „april-festivals“ der „tag der agrarischen welt“ auch mit einem satten künstlerischen beitrag ausgestattet.

wir haben dieses prinzip der „location crews“ im vorjahr eingeführt. der sinn liegt darin, daß wir zwar kooperations-situationen mit verschiedenen kleingruppen zustande bringen, die über einzelnen „schlüsselpersonen“ mit uns für das jeweilige vorhaben verbunden sind, daß aber INNERHALB der jeweiligen „location-crew“ autonomie herrscht, was meint: da reden wir den leuten nicht drein, wie sie ihren part gestalten.

das bedeutet auch: wer konkrete verantwortung übernimmt, hat auch entscheidungsgewalt; wie zum beispiel im fall von elisabeth wiedenhofer: sie ist sozusagen die verwalterin der „programmhoheit“ für die „location wetzawinkel“.

das sind wichtige details, denn es hat sich hier gezeigt, was auch irmgard hierzer als „schlüsselperson“ einer gleisdorfer „location crew“ erlebt hat: man gerät mitunter an kreative, die nur ihren eigenen vorteil im auge haben und darin durchaus geneigt sind, die entscheidungen einer „schlüsselperson“ auf umwegen aushebeln zu wollen …

so würde eine kollektive anstrengung für einzelne zum „selbstbedienungsladen“. ich sehe das in der geschichte von „kunst ost“ nicht zum ersten mal. und ich werde nicht zum ersten mal das „riff“ sein, an dem solche ego-touren steckenbleiben …

— [april-festival] —

april-festival: programm und plakat

nina strassegger-tipl hat eben den ersten plakatentwurf für das kommende „april-festival“ geliefert. wir sind gut in der zeit, das programm steht nun im wesentlich, bedarf nur noch einiger detail-arbeit: [link]

das visuelle hauptmotiv zu diesem jahresschwerpunkt stammt übrigens aus einer bemerkenswerten foto-serie, für die künstler christian strassegger [link] die region ausgelotet hat. was dabei inzwischen eine wichtige rolle spielt: dieses festival ist mehr als seine vorläufer ein praxismodell der „drei sektoren“.

damit meine ich die praxis-anordnung für eine KOOPERATION der drei sektoren „staat, markt und zivilgesellschaft“. die betonung liegt auf KOOPERATION. wir haben in summe ein setting herbeigeführt, in dem kunst- und kulturschaffende selbst ein hohes maß an eigenverantwortung übernehmen.

in der koordination dieser selbstbewußten aufstellung gelang es dann, eine reihe von bürgermeistern und kulturbeauftragten in die „gesamtkonstruktion“ hereinzubekommen UND einige unternehmer zur mitwirkung zu bewegen.

dieses setup ist überdies der konkrete auftakt für einen kulturpolitischen modus, der erstmals konsequent über einzelne ortsgrenzen hinausreicht. ein NOVUM in der „energie-region“.

un muß sich freilich diese verfahrensweise erst bewähren, um uns eine grundlage zu schaffen, eventuell längerfristig derlei modi zu entwickeln, die dabei möglichst auch an reichweite zulegen sollten. schauen wir einmal, dann seh’n wir schon …

— [das programm] —
— [die inhaltlichen grundlagen] —