Was es wiegt, das hat’s LIII: Die Causa IV

(Beiträge und Fragen zu einer nächsten Kulturpolitik)

[Vorlauf] Ich hab derzeit gute Gründe, der Frage nachzugehen, ob es in meinem Metier Funktionstragende gibt, die geneigt sind, einen Künstler zu schikanieren, falls er ihren Ansichten und Vorhaben im Weg steht oder dabei mindestens unbequem erscheint.

März 2020: Bettina Vollath (Mitte) und Christian Faul in der Region (Foto: Land Steiermark/Koller)

Gleisdorfs Bürgermeister, der Nationalratsabgeordnete Christoph Stark, hat mir in einem Arbeitsgespräch unmißverständlich klar gemacht: Wenn ich Kräften des öffentlichen Dienstes eine Pflichtverletzung vorwerfen wolle, würde das auf ein Offizialdelikt hinweisen. „Und dann müßten wir jetzt in einem andren Ton reden“, sagte Stark.

Seine Miene und sein Habitus hatten sich dabei völlig verändert. Ich mußte erst recherchieren, wovon da die Rede sei: „Ein Offizialdelikt ist in Österreich eine strafbare Handlung, die die Staatsanwaltschaft von Amts wegen verfolgen muss. Ein Offizialdelikt kann von jeder Person angezeigt werden, die Kenntnis darüber erhält – die Anzeige kann auch nicht mehr zurückgezogen werden.“

Wer also einen Vorwurf so hoch hängt, wechselt die Ebene des Geschehens, bringt sich selbst in ein völlig anderes Kräftespiel ein. Derzeit sehe ich meine Unterlagen durch, welche Kontinuität sich allenfalls feststellen läßt, in der Konfrontationen zwischen primären kulturellen Kräften mit Politik, Verwaltung und Funktionstragenden der „freien Szene“ merklich schärfer ausfielen als davor.

In der Glosse „Die Causa II“ können Sie nachlesen, wie eine Gruppe von Funktionären, von denen einige der Bezirkshauptstadt Weiz verbunden waren, eine verblüffende Attacke auf ein Kulturprojekt von Kultur.at/Kunst Ost gestartet hatte, ohne sich um eine Verschleierung dieser Aktion auch nur minimal zu bemühen.

In der Glosse #4: „Weiz“ habe ich skizziert, welche Personen dort im Kulturgeschehen der Region welche Formationen repräsentieren und deren Interessen vertreten. Das dabei ein Kulturprojekt im EU-Kontext, das streng dem Bottom up-Prinzip entsprach, demontiert werden könnte, schien mir damals undenkbar.

Nicht nur ich war dem Land verpflichtet, das Land auch mir.

Weitere Zeichen an der Wand
Im März 2010 erreichte mich ein staunenswerter Anruf, den ich durch einen Vorfall im April 2020 erst später richtig deuten konnte. Davor hatte ich der Sache nicht viel Beachtung geschenkt. Schauspielerin Barbara Carli (Theaterkollektiv „Die Rabtaldirndln“), fragte mich, ob ich ihr erklären könne, was da los sei. Sie habe in Weiz gerade eine sehr irritierende Situation erlebt.

Carli schilderte mir ein Treffen regionaler Kulturschaffender mit der damaligen Landeskulturreferentin Bettina Vollath (SPÖ). „Ein großer Teil der Zeit, die sie da war, ist dafür draufgegangen, daß sie über dich hergezogen sind. Was ist denn da los?“ Carli betonte, daß man dieses Arbeitsgespräch mit der Landespolitikerin besser hätte nutzen können. Sie war über diese Vergeudung von Gesprächszeit verärgert. Ich konnte ihr darüber keine Auskunft geben, denn von diesem Treffen hatte ich nichts gewußt.

+) Weshalb war ich als Architekt des überhaupt ersten steirischen LEADER-Kulturprojektes dazu nicht eingeladen worden? (Es fand ja in der Energieregion Weiz-Gleisdorf statt.)

Das Internet belegt: „Mit der Besichtigung des neu adaptierten Besinnungsraums im Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein startete Landesrätin Vollath gemeinsam mit dem Nationalratsabgeordneten Christian Faul am 18.03.2010 in einen spannenden Tag im Bezirk Weiz.“ [Quelle]

Damit entfällt meine erste Frage, nämlich:
+) War der Weizer Kulturreferent bei diesem Treffen anwesend?

Bliebe weiter zu fragen:
+) War der Weizer Kulturbeauftragte Georg Köhler bei diesem Treffen anwesend?
+) War Köhlers Sidekick Hubert Brandstätter bei diesem Treffen anwesend?
+) War Kurator Walter Kratner („Kunst am Weizberg“) bei diesem Treffen anwesend?
+) War Leader-Managerin Iris Absenger bei diesem Treffen anwesend?
+) War die Landesbedienstete Sandra Kocuvan bei diesem Treffen anwesend?

Falls ja, wie konnte sich das ereignen und niemand fand es angebracht, wenigstens hinterher das Gespräch mit mir zu suchen? Einige der hier genannten Leute waren ja für mein Projekt zuständig, denn ich hatte einen Vertrag mit dem Land Steiermark, der mir einige Verpflichtungen auferlegte.

Wie konnten Kräfte im Dienst meiner Vertragspartner all dem zusehen, ohne ein Compliance-Problem zu entdecken und mir im Rahmen ihrer Dienstpflichten bei der Erfüllung meines Vertrages beistehen? Man staune über folgende Passage auf dem offiziellen Server des Steirischen Landtages:

„Im Anschluss daran besuchte Landesrätin Vollath das Kunsthaus Weiz wo sie sich gemeinsam mit Bürgermeister Helmut Kienreich, Landtagsabgeordnetem Siegfried Tromaier und Nationalratsabgeordnetem Christian Faul einer äußerst spannenden Diskussion mit Künstlerinnen und Künstlern des Bezirkes stellte. Im Zentrum standen einerseits die aktuellen Projekte der freischaffenden KünstlerInnen, andererseits das Thema regionale Kulturförderung im Spannungsfeld eines geografisch besonderen Bezirks.“ [Link] Honi soit qui mal y pense! [Fortsetzung]

— [The Long Distance Howl] —

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
Dieser Beitrag wurde unter Reflexion und Grundlagen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.