Was es wiegt, das hat’s L: Die Causa II

(Beiträge und Fragen zu einer nächsten Kulturpolitik)

[Vorlauf] Schon zu Beginn der 2000er Jahre habe ich einige Erfahrungen gemacht, die für mich völlig neu waren. Noch nie zuvor hatte ich in all den Jahren seit 1975 erlebt, daß etablierte Formationen Kunstschaffende in unserem Milieu direkt attackieren oder auf andere Art hintergehen würden.

Helmut Kienreich (links) und Christoph Stark

In der ersten Glosse zu diesem Thema (Die Causa I) war fetzuhalten, daß es ein Papier gibt, mit dem auf höchster politischer Ebene der Steiermark ein Kulturprojekt, welches von der Basis her entstanden ist, verhindert werden solle. Das überhaupt erste steirische LEADER Kulturprojekt unter dem neuen Modus dieses EU-Programmes stand demnach unter skurrilen Vorzeichen.

Die rund 400.000,- Euro Budgetrahmen für jene LEADER-Periode sollte dem Verein Kultur.at zur Verfügung stehen, woraus schließlich die Plattform Kunst Ost und das GISAlab hervorgingen; streng dem Bottom up-Prinzip folgend, das zu den Bedingungen für jene EU-Budget gehört. Doch einigen Funktionstragenden waren die einschlägigen Reglements womöglich vollkommen egal.

Herabwürdigung
Die Attacke auf dieses Kultur.at-Vorhaben bedeutete nicht nur eine Herabwürdigung der geleisteten inhaltlichen Arbeit, um diesen Zuschlag zu bekommen. Sie war der Auftakt einer Reihe von ähnlichen Versuchen, diese Initiative zu diskreditieren. Von manchen dieser Versuche haben zuständige Landesbedienstete unbedingt gewußt, wie mindestens ein Video von einer öffentlichen Veranstaltung belegt, und… blieben untätig.

Winfried Kuckenberger (links) und Georg Köhler

Zu diesem speziellen Vorfall bei der „Konferenz in Permanenz“ zum Thema „Zeitgenössische Kunst und Kultur im ländlichen Raum“ vom 29.04.2010 komme ich später noch. Auch dieses Ereignis ein einzigartiger Affront, in Anwesenheit von Kräften des Landes vorgebracht, ohne daß jemand eingegriffen hätte.

Es wurde übrigens nie offengelegt, wer Papier „Kultur Ost“ verfaßt hat. Aber es steht fest, daß es – laut Dateisignatur – von Sabine Prazsky, der parlamentarischen Mitarbeiterin des damaligen Nationalrates Christian Faul, als PDF-Dokument hergestellt wurde. Und es steht fest, daß Faul es nicht bloß in Händen hatte. Er wollte es offenbar bei einem besonderen Treffen verwenden, denn von dort stammt das Foto in der vornagegangenen Glosse, die Fauls Hand auf dem Papier zeigt.

Kultur.at auf dem Prüfstand
Iris Absenger, die regionale LEADER-Managerin, lud für den 30.12.2009 (10.00 Uhr, W.E.I.Z) zu folgendem Treffen ein: „Maßgebliche Entscheidungssitzung – Kulturprojekt“. Das kam innerhalb dieser Ereignislinie:
+) 28.10.2009: Das „Protokoll zur Besprechung Kultur-Ost“ legt detailliert dar, weshalb jemand mein, mein Projekt solle es nicht geben.
+) 05.11.2009: Bürgermeister Christoph Stark informiert mich, daß jemand versucht, mein Projekt zu verhindern, wird aber nicht konkret.
+) 30.11.2009: Beim Arbeitstreffen zur Entscheidung über mein Projekt liegt dieses Papier auf dem Tisch.
+) 18.03.2010: Landesrätin Bettina Vollath auf Tour im Bezirk Weiz (Ein weiterer Versuch)

Das Flipchart avisiert: „1. Kulturregion der Steiermark“

Am Tisch dieser „Maßgeblichen Entscheidungssitzung“ auch der Weizer Kulturbeauftragte Georg Köhler und sein Sidekick, der Weizer Kunstschul-Betreiber Hubert Brandstätter. Ist es eine zu wilde Spekulation, wenn ich annehme, daß deren Kulturreferent Christian Faul unser in Aussicht stehende EU-Budget lieber an ihre Einrichtungen gebunden sehen wollte, als bei Kultur.at? Das „Protokoll“ ist dahingehend unmißverständlich.

Zu Brandstätter, Faul und Köhler kamen dann noch der Gleisdorfer Kulturamtsleiter Winfried Kuckenberger und natürlich die beiden Obleute der LEADER-Region: Bürgermeister Christoph Stark (Gleisdorf, ÖVP) und sein Verbands-Vize, Helmut Kienreich (Weiz, SPÖ).

Das Konzept von Kultur.at wurde übrigens in allen Instanzen zur Umsetzung empfohlen. Brandstätter, Köhler und Faul blieben bis heute ein adäquates Konzept schuldig, um zu belegen, daß sie besser geleistet hätten, was Kultur.at angegangen war. [Fortsetzung]

— [The Long Distance Howl] —


PS: Die Einladung im Wortlaut
Sehr geehrte Herren!
Liebe Kollegen!

Ich erlaube mir die Einladung zur maßgeblichen Entscheidungssitzung mit richtigen Datum zu wiederholen: Im Namen meines Obmannes Christoph Stark und Obmann-Stellvertreters Helmut Kienreich lade ich Sie herzlich am 30.11 um 10.00 bis 11.00 Uhr ins Weizer-Energie-Innovations-Zentrum zu einer Besprechung eines regionalen Kulturprojekts ein.

Mit freundlichen Grüßen
Iris Absenger

——–  Energieregion Weiz-Gleisdorf GmbH  ——–

Dr. Iris Absenger
Geschäftsführerin

Über der krusche

jahrgang 56, freischaffender künstler, repräsentant einer "art under net conditions"
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