Archiv für den Tag: 28. März 2012

Avantourismus: Das Puch-Buch ist da!

Es ist bloß die Hälfte der Lieferung. Der Fahrer war so freundlich, mir meine Wohnungstür nicht völlig zuzumauern. Außerdem kamen die Pakete in zwei Durchgängen. Das hat seine Vorteile, denn Kartons, mit solchen Alben vollgepackt, bringen es auf ein stattliches Gewicht, das geschultert und unters Dach verbracht werden muß.

Teil 1 der Lieferung

Also habe ich mir diese freudigen Mühen aufteilen können. Es ist insgesamt eine lange Geschichte auf einem gewundenen Weg. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich begonnen hab, mit Michael Toson an diesem Vorhaben zu arbeiten. Nun aber liegt das kuriose Album vor mir und duftet heftig. Ich liebe den Geruch von Druckfarbe ebenso wie den von altem Papier, welchen betagte Bücher verströmen. Frische Drucksorten riechen naturgemäß vollkommen anders.

Ich mag auch diese gewundenen Wege, auf denen etwas wird, das sich derart prozeßhaft entwickelt, langsam entfaltet. Hier ist es ein Stück Mobilitätsgeschichte, das erzählt und gezeigt wird. Die Historie hab ich zusammengefaßt, Techniker Michael Toson schuf die Ausschneidebögen, Graphic Novelist Jörg Vogeltanz besorgte das Art Work.

Das "Puch-Buch", ein buntes Album

Die „Puch-Werke“, das sind neun Bastelbögen mit den maßgeblichen Fahrzeugen aus der Grazer Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier eine kleine Leseprobe der Geschichte zu dieser Geschichte: [link]

So ist außerdem ein Akzent gesetzt, mit dem unser Kuratorium für triviale Mythen in einen nächsten Bereich der Arbeit an unserer Mobilitätsgeschichte geht. Das hat eine Erzählebene in der Themenleiste „Die Gefolgschaft des Ikarus“: [link]

Das hat außerdem schon bald eine Station im Rahmen unseres April-Festivals: „Gehen, reiten, fahren“ (Fahrzeug & Fetisch) [link] Die Geschichte des 20. Jahrhunderts belegt mehr als deutlich, daß die soziokulturelle Inszenierung und emotionale Aufladung dieser Hauptobjekte einer damals neuen Massenkultur, der Automobile und schließlich Motorräder, so radikal, langfristig und mit derart hohem Budgetensatz betrieben wurde, da kann eine rein rationale, vor allem ökologisch begründete Kritik dieser Entwicklung gar nicht hinreichen.

Michael Tosons "Puch-Werke" im gebauten Zustand

Wir wollen also klären, über welche soziokulturellen Zugänge diese Thema greifbarer werden kann und wohin diese Entwicklung führen mag…

[Das Puch-Buch]
(Euro 9,- zuzügl. Versandkosten)
[Der Avantourismus]
[Das April-Festival 2012]

April-Festival 2012: Die Eröffnung

Ich kann die Stunden, bevor es los geht, nie leiden. Dabei bin ich für die Eröffnung des April-Festivals in der höchst entspannenden Position am Rande gewesen. Das war eindeutig der Abend von Irmgard Hierzer, die mit ihrer Crew den Auftakt unseres Frühlingsschwerpunktes gestaltet hat. Und was für ein Auftakt!

Malerin Irmgard Hierzer
Malerin Irmgard Hierzer

Wir sind auf einem interessanten Weg. Da geht es eindeutig längst nicht bloß um Repräsentation. Was sich in dieser üppig besuchten Vernissage eingelöst hat, ist das Ergebnis eines komplexen Prozesses, der im Akt einer Ausstellung keineswegs abbricht.

Inhaltliche Impulse, kontrastreiche Zugänge, gelegentliche Kontroversen, Privates verschränkt sich ab und zu mit den Arbeitsverläufen einer Gruppe, selbst Leben und Sterben berühren die Wege jener kleinen Reisegesellschaften, als deren Summe sich kunst ost inzwischen erweist.

Das ist vielleicht der für mich wichtigste Aspekt in dieser Geschichte. Es geht keineswegs immer ohne Reibungen, aber es hat Bestand. Kontinuität. Und es läßt, wie sich stets neu zeigt, keinen Aspekt des Lebens aus. Dazu kommt, was zu hoffen war, aber keineswegs gesichert schien: Dieses Prozeßhafte ist inzwischen wieder Anlaß, daß sich Offizielle aus den Kommunen solchem Geschehen zuwenden.

Ich denke, wir werden zeigen können, daß hier eine Art soziokultureller Prozesse erprobt wird, die einem konzentrierten Wirken von Geist, Emotionen und gestalterischen Kompetenzen in einem komplexen Zusammenhang Kontinuität geben; als einem kulturellen Geschehen, in dem Repräsentation zwar weder unterschätzt noch gering geschätzt wird, wo deren Anlaß aber ein weit höheres Gewicht bekommt.

Kunsthistorikerin Mirjana Peitler-Selakov im Gespräch mit Kunstsammler Erich Wolf

Da nun dieses April-Festival gerade erst begonnen hat, beschäftigt mich allerdings schon, welche Schritte uns zum April 2013 führen könnten. Klar ist jetzt schon, diese Schritte führen im kommenden Herbst über ein Symposion, das den Titel „regionalität und realität // globalität und virtualität“ trägt: [link]

Ich bin bereits eine Weile im Dialog mit Kunstsammler Erich Wolf, der die Hauptperson in diesem Vorhaben ist, der Angelpunkt eines mehrjährigen Vorhabens, um so eine Plattform für steirische Gegenwartskunst aufzubauen:
„ereignis-ort, präsentationsraum, bildungsstätte, arbeits-ort, drehscheibe für einen umfassenden know how-transfer. ein projekt, das sich nicht nur lokal und regional bewähren soll, sondern das auch internationale relevanz entfaltet.“ [Quelle]

[Die Station]