Archiv für den Monat: Februar 2012

die gefolgschaft des ikarus

In diesem Land ist viel in Bewegung gekommen. Worauf sollen sich Kulturschaffende momentan konzentrieren? Für unseren Teil sind gerade einige Entscheidungen gefallen. Ich hab im vorigen Eintrag [link] zwei zentrale Fragen herausgestellt, die uns bei „kunst ost“ momentan beschäftigen:
+) Was ist regionale Identität?
+) Woher kommt das Neue?

In diesem Zusammenhang haben wir schon vor eine Weile begonnen, die regionale Gegenwart der agrarischen Welt etwas genau zu betrachten: [link] Darin liegen einige Aspekte und Fragen, die zu ignorieren uns ein völlig schiefes Bild von unserem Lebensraum liefern würde. Suchen wir überdies Klarheit über einige Zusammenhänge aktueller Mobilitätsgeschichte, sind Modernisierung und Maschinisierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg höchst aufschlußreiche Teilthemen.

Wohin führt unser Wunsch nach individueller Mobilität?

Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich noch ein ganz anderer Angelpunkt dieser Themenkomplexe: „Möchten wir das 20. Jahrhundert begreifen, sollten wir das Wesen der Massenmotorisierung verstehen; die ist wiederum ein legitimes Kind der individuellen Mobilität, welche durch das Fahrrad vom exklusiven Herrenvergnügen zum Breitensport wurde.“

So habe ich es für die Themenleiste „die gefolgschaft des ikarus“ [link] formuliert, mit der wir nun auf das kommende „April-Festival“ [link] zugehen.

Diese Erzählung soll auf sehr individueller Ebene deutlich machen, wie sich die komplexe Materie fassen läßt. Das korrespondiert mit einer Facebook-Leiste zum Thema Mobilitätsgeschichte. Hier bewegen wir uns im Plauderton durch rund zwei Jahrhunderte, um auszuleuchten, was es mit all dem auf sich hat und wie es zusammenhängt: [link]

Die andere Facebook-Leiste ist dem Themenschwerpunkt „KWW – Kunst Wirtschaft Wissenschaft“ gewidmet: [link] Da gehen wir konzentriert in die regionale Praxis des kulturellen Engagements.

So sollen Theorie und Praxis, Aktion und Reflexion in laufender Wechselwirkung bleiben, um hier, in der „Energie-Region“, ein kulturelles Beispiel von Best Practice im LEADER-Kontext zu etablieren.

KWW: Relationen

Wir sind bei „kunst ost“ im Augenblick mehr als klar orientiert. Eine wesentliche Arbeitsebene ist der Kunst gewidmet. Das bezieht sich vor allen auf zwei Jahresschwerpunkte:
+) Das kommende „April-Festival“ mit dem Fokus auf regionalen Kräften: [link]
+) und das Symposion im Herbst mit dem Fokus auf internationalen Zusammenhängen: [link]

Die zweite Arbeitsebene ist den regionalen Rahmenbedingungen und Zusammenhängen gewidmet, in denen sich solche Aktivitäten entfalten. Dabei haben wir momentan zwei wesentlich Fragestellungen im Blickfeld:
+) Was ist regionale Identität?
+) Woher kommt das Neue?

Was nun die Region sei und mit welchen Konzepen wir dabei laborieren, ist gerade Gegenstand unserer Kooperation „Kunst Wirtschaft Wissenschaft“, im Rahmen derer wir kürzliche die zweite Session absolviert haben: [link] Dabei hat Unternehmer Kurt Winter, der hier auch die Wirtschaftskammer repräsentiert, anschaulich geschildert, was auch unsere Erfahrung im Kulturbereich ausmacht.

Kurt Winter: "Und wenn man ganz weit weg ist, ist man from Austria.“

Wenn wir nämlich von Region und Identität sprechen, dann meist nicht von einem Zustand, sondern von Relationen, also von Bezugspunkten und wie sie sich zu einander verhalten. Unsere Arbeitspraxis handelt also davon, daß die Begriffe Region und Identität sehr dynamische Angelegenheiten benennen.

Winter ging von einer simplen Praxissituation aus: Wie stelle ich mich selbst vor, wenn ich irgendwo hinkomme und Leute fragen mich „Wo kommst denn her“? Das ereignet sich dann konkret auf eine Art, wie ich es auch kenne.

Winter: „Wenn ich hier bin, sage ich: Ich komm aus Pircha. Ludersdorf/Wilfersdorf. Weiß ein jeder. Wenn ich in Wien bin, kann ich sagen ‚Ich komme aus Gleisdorf’. Wenn ich in Innsbruck oder in Bregenz bin, ist es schon nicht mehr ganz so leicht. Da komme ich aus Gleisdorf bei Graz. Wenn man irgendwo weiter weg ist, ist man aus Graz. Und wenn man ganz weit weg ist, ist man from Austria.“

Das korrespondiert vorzüglich mit der Anforderung, „Region“ nicht als ein geschlossenes, eng geordnetes Gefüge zu verstehen, sondern stets in größeren Zusammenhängen zu betrachten. Das mag auch bedeuten, ich muß selbst immer wieder neu klären, wo ich gerade stehe und wie ich mich zu den jeweils anderen Positionen verhalte.

Kurt Winter an jenem Abend: „Region ist letztendlich das, aus meiner Sicht, womit einen andere bis zu einem gewissen Grad identifizieren und auch einordnen, weil es schwierig ist, solche Gespräche immer vom Grund auf durchzuführen. Deshalb geben sich viele Regionen irgendein Image.“

Mirjana Peitler-Selakov: "Was sind kreative Akte? Was sind individuelle und soziale Voraussetzungen für das Neue? Wie fördern wir das Neue?"

Mit dem anderen Fragenkomplex – Woher kommt das Neue? – ist auf der praktischen Ebene im Augenblick vor allem unsere Kuratorin Mirjana Peitler-Selakov befaßt. Und zwar in einem mehrmonatigen Prozeß, der dialogisch angelegt ist, in dem sie mit Milena Bekerle und der Geschäftsführung von „KWB“ (KRAFT UND WÄRME AUS BIOMASSE GMBH) [link] ein gemeinsames Kunstprojekt erarbeitet, das heuer realisiert wird.

Wir sind also in Summe damit beschäftigt, in einem sehr kontrastreichen Bezugsfeld mit Menschen, die höchst unterschiedliche Aufgaben haben, jene Schnittpunkte zu erarbeiten, die brauchbare Ausgangspunkte für konkrete Kooperationen ergeben.

Die „Besetzungsliste“ jener zweiten KWW-Session ist ein anschauliche Ausdruck genau dessen: [link] Wenn wir in so einem Ensemble auch nur einige wenige gemeinsame Interessen herausarbeiten können, haben wir einen sehr vitalen Ansatz für das, was man unter „eigenständiger Regionalentwicklung“ verstehen könnte.

[Laufende Notizen]