Archiv für den Tag: 19. Februar 2011

Was sagen Kunstwerke?

Kunsthistorikerin Mirjana Peitler-Selakov, bei „kunst ost“ vor allem für den Programmbereich und für internationale Kontakte zuständig, hat für unseren Bereich der „talking communities“ eine eigene Debatten-Reihe entworfen. Wir werden das im Lauf dieses Jahres ausbauen. Die zentrale Frage lautet dabei:

Was sagen Kunstwerke?

Wir funktioniert das? Wir haben nun schon einzelne Kunstschaffende gewonnen, an je einem Abend ein Werk mitzubringen, dieses kurz zu erläutern, dann einer offenen Debatte darüber beizuwohnen.

kunsthistorikerin mirjana peitler-selakov (2. v. links) neben christian strassegger, michaela knittelfelder-land und irmgard eixelberger

Wir laden zu diesen Abenden vor allem Künstlerinnen und Künstler aus unserem Umfeld ein, aber auch – ganz generell – an Kunst interessierte Menschen. Und wozu das? So sollen Gelegenheiten und Anregungen entstehen, um konkrete Erfahrungen zu sammeln, wie wir über Kunst reden und debattieren können.

Ich habe schon mehrfach erwähnt: Wenn alles Kunst ist, dann ist nichts Kunst. Wenn wir keine Begriffe von den Dingen haben, können wir nicht darüber sprechen, auch nicht darüber streiten.

Sprechen und Sprachen! Spricht beispielsweise der etwas brummige Oswald Oberhuber über verschiedene Kunstrichtungen, dann meint er eigentlich „Sprachen“. Nach seiner Auffassung gibt es keine Stile, sondern – so führt er aus – Künstler entwickeln eigene Sprachen.

medienkünstler niki passath zwischen mirjana peitler-selakov und sandra kocuvan

Es geht also um Code-Systeme, um Kommunikationsbedingungen, um Zeichen und Bedeutungen. Das legt nahe: Wie man andere Sprachen durch Studium und Praxis erlernen kann, sind uns auch die „Sprachen“ der Kunst zugänglich, wenn wir uns auf entsprechende Erfahrungsprozesse einlassen.

An den Abenden zum Thema „Was sagen Kunstwerke?“ im Rahmen der „talking communities“ geht es dann auch um Fragen wie „Können Kunstwerke zum Nachdenken bewegen?“ „Was sagen sie aus und zu wem sagen sie was?“ Kunstschaffende und Publikum sind eingeladen, in einer Reihe von öffentlichen Erörterungen eine bewußte, kritische Beziehung zur zeitgenössischen Kunst zu suchen.

Eine der ersten Stationen wird die Malerin Herta Tinchon anbieten, die demnächst ihre Personale im Gleisdorfer „MIR“ („Museum im Rathaus“) eröffnet. Eine andere Station bietet Medienkünstler Niki Passath bei unserem kommenden „April-Festival“.

+) „April-Festival
+) „talking communities

programmarbeit

momentan dominiert die arbeit in den „eingeweiden“ von „kunst ost“. das bedeutet auch: die unterschiedlichen formationen, welche sich richtung april-festival auf den weg gemacht haben, zu einem gemeinsamen ereignis zu begleiten.

das ist unter anderem ein ringen um details in den inhalten. eine klärung der schwerpunkte. auf welche teile des größeren ganzen soll nun der fokus gerichtet werden? da ist ein (themen-) bogen zwischen agrarischer welt und high tech. neuerdings stellt sich immer wieder die frage: „wovon reden wir eigentlich?“

klärungsschritte beim jüngsten arbeitstreffen in gutenberg

das meint: überprüfen der eigenen annahmen, hinter die kulissen lieb gewonnener ansichten blicken. was mich an all dem gerade sehr freut, da ist eine hohe bereitschaft vieler teilnehmender leute, sich INHALTLICH mit den themen auseinanderzusetzen und das dann in ihren kommenden beiträgen aufzugreifen.

zufalls-fund in wetzawinkel ...

wir haben also nun die spannende situation, daß immer mehr kreative der region interesse zeigen, ihr reflexionsvermögen und ihre bevorzugten ausdrucksformen einzusetzen, um in gelegentlichen gemeinsamen vorhaben im kulturbereich an einem „großen bild“ der region zu zeichnen, das nicht für den tourismus geföhnt oder irgendwelche bilanzen geschönt ist.

da wird nichts „knackiges“ abgeliefert, sondern auch kantiges gezeigt. da sprechen die menschen, die hier leben und arbeiten, selbst. wie blickt die bäuerin maria hochegger auf die welt? ihre bilder sind kritische erzählungen.

welchen weg ist die vormalige fabriksarbeiterin annemarie schrank gegangen, um jenseits der schweren arbeit sich auch andere facetten des lebens zu erschließen? sie scheint von einer künstlerischen arbeitswut getrieben, mit der sie ihre umgebung auslotet.

einst beim trafo-bau, heute mit leidenschaft im atelier: annemarie schrank

das ist der eine aspekt des geschehens, diese erschließung künstlerischer praxisformen, um dem eigenen leben eine zusätzliche ebene zu geben. das führt natürlich andrerseits zum wunsch nach auftritt, äußerung, begegnung mit anderen menschen, auch anderen kreativen.

im kern geht es hier um KOMMUNIKATION, um einen wachsenden austausch, bei dem nicht bloß die alltäglich vertrauten codes eingesetzt werden. und es geht, wie die gespräche deutlich zeigen, auch darum, dem lauf der dinge im eigenen lebensraum nicht sprachlos gegenüberzustehen. so wird nun am „tag der agrarischen welt“ eine runde kreativer aus einer der nördlichsten gemeinden der „energie-region“ die südlichste gemeinde besuchen. ein auftakt …

p.s.: elisabeth wiedenhofer, auf dem ersten foto ganz links, hat die koordination der gutenberger gruppe für das „april-festival“ übernommen.